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Mittwoch, 25. März 2015

Biathlon: Doch keine Krise

Nach dem Debakel bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotchi, haben viele dem deutschen Biathlon schlechte Zeiten prognostiziert. Die Leistungsträger, vor allem bei den Damen, haben ihre Karriere beendet. Was folgt ist nicht konkurrenzfähig. Beim Rückblick auf die vergangene Saison hat sich aber gezeigt, dass all diese Spekulationen widerlegt worden sind.

Damen
Vielen dürfte noch die Ergebnisse von Sotchi im Kopf sein. Keine einzige Medaille. Hinzu mit Evi Sachenbacher-Stehle ein Dopingfall. Mit Andrea Henkel und Magdalena Neuner hatte der Biathlon die Identifikationsfiguren verloren. Ein Tiefpunkt schien erreicht zu sein. Doch was das Team von Bundestrainer Gerald Hönig in der vergangenen Saison gezeigt haben, war Biathlon auf höchstem Niveau.
Allen voran Franziska Hildebrand. Die "Älteste" im Team war die ganze Saison über konstant. Nur in wenigen Ausnahmen verpasste sie den Sprung unter die besten 10 bzw. 15. Nur mit dem Podest wollte es erst gegen Mitte der Saison klappen. Am Ende belegte sie Rang 5 im Gesamtweltcup.
Doch auch dahinter drängen sich die "jungen" Athletinnen vor. Vor allem Laura Dahlmeier, die zwei Weltcupsiege und 6 Podestplätze feiern konnte, und Franziska Preuß, die drei Mal auf dem Podium stand und sich zudem noch die kleine Kristallkugel im Massenstart sicherte.
Aber auch Vanessa Hinz und Luise Kummer zeigten sich immer wieder in der Staffel als verlässliche Athletinnen. Hinzu kommt, dass das Team insgesamt noch sehr jung ist und damit enormes Potential für die Zukunft hat.
Wie souverän diese Mannschaft aber sein kann, hat man bei der WM in Kontiolahti gesehen. So holte Dahlmeier in der Verfolgung und Preuß im Massenstart die Silbermedaille. Gekrönt wurde die Teamleistung durch eine überlegene Goldmedaille in der Staffel. Womit vermutlich die wenigsten vor der Saison gerechnet haben. Vor allem nicht, dass diese Mannschaft nicht punktuell, sondern konstant gute Leistungen brachte. Als Anerkennung für eine gute Trainerarbeit folgte schließlich der Sieg in der Nationenwertung.
Doch auch im unterklassigen IBU-Cup zeigten die deutschen Athletinnen immer wieder ihre Leistungen. Mit Tina Bachmann (1 Sieg), Miriam Gössner (3 Siege) und Karolin Horchler (4 Siege) war Deutschland hinter Russland die dominierende Nation. Bleibt eben nur offen, in wie weit diese Athletinnen an den A-Kader herangeführt werden können. Vor allem bei Gössner hat man doch immer wieder im Schussbereich Defizite erkannt.
Dennoch dürften damit die Kritiker (vorerst) verstummt sein. Das Team hat sich sowohl individuell, als auch im Kollektiv stark präsentiert und dürfte auch auf Zukunft hin in der Liga der Weltklasseläuferinnen mithalten können.

Herren
Bei den Herren war die Ausgangslage nicht ganz so desolat. Immerhin holten Erik Lesser, sowie das Team die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen.
Dennoch war hier die Leistungsdichte nicht ganz so stark, wie bei den Damen. Zumindest, was die Platzierungen im Gesamtweltcup betreffen. Dennoch konnten Simon Schempp (3), Erik Lesser (1) und Arnd Peiffer (1) Weltcupsiege erreichen. Schempp kämpfte lange Zeit sogar noch um den Gewinn des Gesamtweltcups. Musste aber nach seinen drei Siegen, sowie zwei zweite Plätze in Folge Rückschläge in Kauf nehmen. Genau beim Saisonhöhepunkt, der WM, konnte er nicht die Leistung abrufen, die er in Normalform bringen kann.
Hinter den dreien erwies sich Daniel Böhm als konstanter Läufer. Zudem mach Benedikt Doll mit seinen Podestplätzen am Ende der Saison Hoffnung auf weitere, große Leistungen in der Zukunft.
Einzig Andreas Birnbacher lief der Form vergangener Tage hinterher und musste gar bei der WM krankheitsbedingt aufgeben.
Hier zeigte sich aber, dass es in Deutschland immer wieder Athleten gibt, die in der Lage sind, um Medaillen zu kämpfen. So war der Weltmeistertitel von Erik Lesser keine Überraschung. Weiterhin zeigte sich, dass sich die DSV-Athleten auch als Team präsentieren konnten, in dem sie, wie die Frauen, Gold in der Mannschaft holten. Beide Goldmedaillen waren Balsam für die geschundene Biathlonseele.
Am Ende war nur Norwegen als Nation stärker. Dennoch hat sich gezeigt, dass das Team ebenfalls gut für die Zukunft aufgestellt ist. Vor allem Simon Schempp entwickelt sich von Jahr zu Jahr zu einem Athlet, der auch den Gesamtweltcup gewinnen kann. Arnd Peiffer lief in der vergangenen Saison ein wenig der Form hinterher, kann sich aber ebenfalls, neben Erik Lesser, in der Top 10 etablieren. Benedikt Doll dürfte ein Mann für die Zukunft sein.

Damit wurden in beiden Bereichen gezeigt, dass Deutschland immer noch zur Weltspitze des Biathlon gehört. Der große Kollaps blieb aus. Stattdessen wurden starke Teams zusammengestellt. Die Trainer hatten das richtige Händchen, auch was die Vorbereitung betrifft. Läuft alles normal und geplant, dürfte das Leistungsniveau auch in der kommenden Saison gehalten, wenn nicht sogar gesteigert werden.

Am Ende muss und darf man aber auch noch ein Wort für die Personen hinter den Kulissen verlieren. Allen voran Andreas Stitzl, seineszeichen leitender Disziplintrainer der Herren und wohl schillerndste Persönlichkeit auf der Strecke. Kaum ein Trainer ist so euphorisch und treibt die Athletinnen und Athleten so an. Manchmal einfühlend und motivierend, manchmal schreiend und energisch. Ein Mann, der auch für einen Unterhaltungswert sorgt.
So teilte er Lesser dessen Vorsprung und den damit (fast sicher) gewonnen WM-Titel mit folgenden Worten mit: "Das ist so geil. Die sind noch nicht mal am Berg. Noch nicht mal unten." Gefolgt von einem Jubelschrei, der wohl im ganzen finnischen Kontiolahti zu hören war.
Ein Eindruck, der auch das folgende Video gut vermittel:
https://www.youtube.com/watch?v=0Eu6XXVzD8c

Montag, 26. Januar 2015

Dank Franziska Hildebrand doch keine Krise im Biathlon

Als Magdalena Neuner 2012 ihre Karriere beendete, hatten viele schon dunkle Stunden im Biathlon gesehen. Spätestens, als Andrea Henkel 2014 ebenfalls zurück trat, kamen die Skeptiker heraus und prophezeihten, auch auf Grund des schlechten Abschneidens bei den Olympischen Spielen, der in Deutschland so beliebten Sportart eine durchwachsene Phase. Doch die Skeptiker sollten nicht Recht behalten. Denn heimlich, still und leise hat sich eine Athletin in die Riege der Weltklassebiathletinnen geschoben und sorgt seit dieser Saison für Furore. Die Rede ist von Franziska Hildebrand.

Zugegeben: Der Fluch des Podiums wollte auch beim Weltcup in Antholz, dem sechsten dieser Saison, nicht gebrochen werden. Auf der Zielgerade wurde Franziska Hildebrand noch von der Finnin Kaisa Mäkäräinen abgefangen und musste sich mit dem undankbaren vierten Rang begnügen. Doch das tut der Leistung, die Hildebrand in dieser Saison bringt, keinen Abbruch. Im Gegenteil.

Mit 9 Top 10 Plätzen in 14 Rennen belegt sie aktuell den sechsten Rang im Gesamtklassement - ohne eine Podestplatzierung, wohlgemerkt. Doch nicht nur im Einzel zeigt sie konstant gute Leistung. Auch in der Staffel stellt sie ihr Können immer wieder unter Beweis. Bei vier Staffelteilnahmen (1x Mixed, 3x Frauenstaffel) stehen zwei Siege, sowie zwei dritte Plätze zu Buche. Ihre bisherigen Weltcup-Platzierungen lesen sich nicht schlecht. Östersund (Einzel 6., Sprint 9., Verfolgung 10.), Hochfilzen (Sprint 5., Verfolgung 8.), Pokljuka (Sprint 21., Verfolgung 13., Massenstart 7.), Oberhof (Sprint 26., Massenstart 11.), Ruhpolding (Sprint 6., Massenstart 14.) und Antholz (Sprint 6., Verfolgung 4.) zeigen, wie konstant sie immer wieder ihre Ergebnisse erzielt. Ausrutscher nach unten gab es nur in Pokljuka und Oberhof. Ansonsten schaffte Hildebrand stets den Sprung unter die besten 15. Damit zeigt sie aber auch: Auf sie ist Verlass. Was wiederum den jungen Athletinnen im Team zu Gute kommt, da sie einen gewissen "Welpenschutz" erfahren und sich noch Fehler erlauben dürfen.

Nur mit dem Podium im Einzel hat es bei Hildebrand (bisher) noch nicht geklappt. Dennoch beweist die mit 27 Jahren älteste Athletin im deutschen Kader, dass es auch eine Zeit nach Neuner und Co. gibt. Eine Zeit, in der es aber auch neue Talente gibt. So konnten sich an ihrer Seite die jungen Athletinnen ebenfalls entwickeln. Mit Laura Dahlmeier und Franziska Preuss haben es zwei Deutsche in diesem Winter schon im Einzel auf das Podest geschafft. Generell ist das deutsche Team sehr jung aufgestellt. Franziska Preuß ist mit 20 Jahren die jüngste; doch auch Laura Dahlmeier, Luise Kummer (beide 21) und Vanessa Hinz (22) sind nicht wesentlich älter.

Hildebrand ist der Leitwolf, der dieses junge Team braucht. Auch wenn sie selbst erst ihre vierte Weltcup-Saison bestreitet. Dennoch lässt sie sich von nichts abbringen. Als nach der desolaten Leistung nach den Olympischen Spielen Co-Trainer Ricco Groß gehen musste, sorgte sie mit ihrem Veto dafür, dass sie weiterhin unter ihm an ihrem Stützpunkt trainieren darf. Schließlich war er maßgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt.

Die Krise im Frauenbiathlon wird wohl nur eine Phrase bleiben, die Skeptiker in Umlauf gebracht haben. Auch wenn der Sprung aufs Podium noch nicht geklappt hat, sind die Leistungen von Hildebrand nicht zu verachten. Sie ist eine Athletin, die nicht nur mit der Weltspitze mithalten kann, sondern auch darin läuft. Wenn der Knoten erst einmal geplatzt ist, wird der Besuch auf dem Podest nicht mehr sporadisch kommen. Das hat Simon Schempp bei den Herren gezeigt, der die letzten drei Weltcups für sich entscheiden konnte. Spätestens zum Saisonhöhepunkt, der WM in Kontiolahti, wird mit Hildebrand im Einzel zu rechnen sein. Wenn die Form stimmt, wird sie dort um eine Medaille mitlaufen können. Und gemeinsam mit den anderen Athletinnen eine Post-Neuner-Ära einleiten. Wie erfolgreich diese dann sein wird, wird sich ab dem 5. März zeigen. Vielleicht mit einer Medaillengewinnerin Franziska Hildebrand - in einem Einzelwettbewerb.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht - Zum Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle

Die Olympischen Spiele 2014 in Sotchi (Russland). Mittlerweile findet man nur noch in Almanachen diese Thematik. Gäbe es da nicht dieser dunkle Moment in der deutschen Sportgeschichte. Der Dopingfall von Evi Sachenbacher-Stehle zieht die schon vorher desolate Darbietung der Biatholonabteilung in ein noch düsteres Licht. Nun wurde das Ergebnis des Prozesses veröffentlicht.

Kurzer Rückblick, was geschehen war. Noch während der Olympischen Spiele wurde ein Dopingtest von Sachenbacher-Stehle als positiv ausgewertet. Die deutsche Delegation entschied sofort, dass die Athletin umgehend nach Hause fahren sollte. Wie sich herausstellte, hatte sie Nahrungsergänzungsmittel genommen, die verbotene Substanzen erhielten. Und hatte diese nicht testen lassen, ob sie zulässig sind oder nicht. Denn Ergänzungsmittel sind an sich nicht verboten. Nur Präparate, die eben Stoffe enthalten, die auf der Dopingliste stehen, dürfen von den Athleten nicht verwendet werden. Daher lassen die meisten Athleten diese Ergänzungsmittel vorher in einem Labor auf ihre Unbedenklichkeit testen. Nicht aber Sachenbacher-Stehle, zumindest nicht in diesem Fall. Auch wenn die 33-Jährige (bewusstes) Doping vehement bestreitet.

Nun hat der Biathlon-Weltverband IBU die Deutsche für zwei Jahre gesperrt. Diese will wiederum gegen dieses Urteil vorgehen. Es sei zu hart, da sie auf einer Stufe mit Athleten stehen würde, die bewusst und dauerhaft gedopt haben.

Was ist nun davon zu halten? Der ehemalige Langlaufbundestrainer Jochen Behle äußerte sich dazu wie folgt auf Sky: "Das Urteil ist konsequent, aber hart. Evi ist eine ehrliche Haut, ihr ist nachgewiesenermaßen ein Lapsus passiert. Andere, die vorsätzlich mit Epo betrügen, erhalten die gleiche Strafe."

Ich denke, dass dies den Nagel auch irgendwo auf den Punkt trifft. Ich möchte ihr hier noch nicht einmal bewusstes Doping unterstellen. Vielleicht hatte sie wirklich nicht gewusst, was in diesem Ergänzungsmittel enthalten ist. Aber Unwissenheit schützt eben vor Strafe nicht. Wir reden hier von einer erfahrenen Athletin, die nicht nur mehrfach an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften teilgenommen hatte, sondern auch Titel und Medaillen einfahren konnte. So zwei Olympiasiege im Langlauf 2002 und 2010. Eine Person mit dieser Erfahrung, darf nicht so leichtsinnig damit umgehen. Der Langlauf und Biathlon steht immer wieder im Fokus von positiven Dopingtests und Skandalen. Es ist klar, dass es Richtlinien gibt. Und sie wusste auch darüber Bescheid. Auch, wie man dagegen vorgehen und sich schützen kann. Sicherlich mag es ein wenig ungerecht sein, dass bei einem Nahrungsergänzungsmittel die gleiche Strafe gesprochen wird, wie bei jahrelangem Eigenblutdoping (EPO). Trotzdem bleibt die Einnahme von verbotenen Mitteln eine sportliche "Straftat", die auch sanktioniert werden muss.
So sympathisch mir Sachenbacher-Stehle auch ist und so sehr ich mich über ihre Olympiasiege (die nicht zur Diskussion stehen, bitte beachten!) gefreut habe. Sie ist eine erfahrene Sportlerin. Da darf solch ein Fehler einfach nicht passieren. Ich stecke nicht in der Haut drin. Doch ich denke, dass es kein großer Umstand ist, das Ding einzupacken, ins Labor zu schicken und untersuchen lassen. Danach hat man die Gewissheit, ob es regelkonform, oder -widrig ist. Daher muss dieses Vergehen auch bestraft werden.
Vielleicht kann man über die Höhe wirklich diskutieren. Allerdings weiß ich nicht, welches Ziel die Athletin nun anstrebt. Unter einem Jahr würde ich hier erst gar nicht anfangen. Es geht auch irgendwo darum, dass der Sport seriös bleibt und keine Fälle schafft, die dies in Frage stellen. Sicherlich sind Erfolgsaussichten da, beim Internationalen Sportgerichtshof CAS auf eine Verkürzung zu hoffen. Die hatten vor kurzem die Sperre des jamaikanischen Sprinters Asaffa Powel, der ebenfalls ein Stimulanz einnahm, verkürzt und ihm eine provisorische Starterlaubnis erteilt. Für sie persönlich wäre das von Vorteil, wäre sie nach Beendigung der Sperre 36 Jahre alt - da droht dann das Karriereende. Hierbei sollten dann aber die Experten vor Ort entscheiden, in wie weit eine Reduzierung möglich ist. Fakt bleibt aber: Um eine Sperre wird sie nicht herum kommen. Leider zu Recht.

Montag, 24. März 2014

Eine kleine Person, ganz groß

Andrea Henkel gehörte zwar nie zu den Sportlern, die im Licht der Öffentlichkeit standen. Trotzdem war die kleine Frau aus Oberhof über Jahre hinweg eine der besten ihrer Zunft, was nicht nur ihre außerordentliche Titelsammlung zeigt. Nun beendet sie nach 19 Jahren Profisport ihre Karriere. Grund genug, um diese nochmals Revue passieren zu lassen.
  
Ihren ersten Weltcupeinsatz hatte sie im Jahre 1995. Doch erst zur Saison 1998/1999 konnte sich die vierfache Junioren-Weltmeisterin einen Platz im Weltcup-Team sichern. Allerdings war diese Saison von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Neben mehreren Top-Ten-Plätzen, stehen Wochenende zu Buche, an denen sie keinen einzigen Punkt holen konnte. Am Ende belegte sie trotzdem Rang 14 im Gesamtweltcup.

Der endgültige Durchbruch in die Weltspitze sollte schließlich eine Saison später erfolgen. Nach einem mäßigen Start in den Weltcup-Winter, platzte schließlich im Dezember der Knoten. In Pokljuka feierte sie ihren ersten Weltcup-Sieg. Ein weiterer sollte in Antholz im Januar folgen. Am Ende belegte sie Rang 5 im Gesamtweltcup und holte 15 Platzierungen unter den besten 10. Diesen Platz konnte sie im nächsten Jahr erneut im Gesamtweltcup sichern.

Der große Stern ging dann endgültig bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City auf. Mit Gold im Einzel und in der Staffel holte sie gleich zwei Goldmedaillen. Doch so schnell ein Stern aufgeht, so schnell kann er auch wieder verblassen. Nach dem Hoch, folgte ein Tief über mehrere Jahre. Zwischen dem Sieg in Salt Lake City und dem nächsten Erfolg lagen über 3 Jahre. Kein Podestplatz zwischen 2002 und 2004; insgesamt nur 8 Top-Ten-Platzierungen waren zu wenig.

Allerdings kein Grund aufzugeben. Stattdessen kämpfte sich Henkel sukzessive zurück. Die Erfolge kamen zurück. Es folgten ein vierzehnter und ein siebter Rang im Gesamtweltcup mit 4 Podestplatzierungen und 17 Mal in den Top-Ten.
In der Saison 2006/2007 sollte der Stern heller strahlen als bisher. Mit 6 Siegen, 3 zweiten und 2 dritten Plätzen, sowie 20 Top-Ten-Platzierungen sicherte sich Henkel den Gesamtweltcup-Sieg in einem letzten dramatischen Rennen in Chanty-Mansijsk. Henkel war zurück in der Weltspitze. Bis zu ihrem Karriereende sollte sie im Gesamtweltcup immer unter den besten zehn bleiben.
Athletinnen kamen, Athletinnen gingen. Doch Henkel war immer dabei. Selbst in einer Phase, in der der deutsche Frauen-Biathlon fast am Boden war, hielt Henkel die Flagge nach oben. Zeigte weiterhin konstante Leistung.

Sie war nicht der Typ, den die Firmen als Markengesicht buchen wollten. Trotzdem war sie eine der erfolgreichsten Biathletinnen.
Insgesamt 22 Einzelsiege, dazu 24 mit der Staffel. 37 zweite und dritte Plätze; 186 mal in den Top Ten. Ihre Trefferquote beim Schießen beträgt in der Summe (über 16 Saisons) 85,3%. Dazu war sie in jeder Disziplin bei Weltmeisterschaften auch Weltmeisterin. Insgesamt holte sie 16 Medaillen bei Weltmeisterschaften und 4 bei Olympischen Spielen.

Mit Andrea Henkel geht eine der erfolgreichsten Biathletinnen von Bord. Damit wäre die Ära der Vancouver-Staffel von 2010 endgültig beendet.
Beendet wurde sie aber in einem entsprechenden Rahmen. Nicht nur, dass ihr letztes Rennen am legendären Holmenkollen stattfand. Auch ein überdimensioniertes Plakat ihrer alten Weggefährtinnen Kati Wilhelm, Uschi Disl, Martina Beck (ehemals Glagow) und Simone Hauswald (ehemals Denkinger) wurde an der Zielankunft aufgehangen. Mit Platz 12 erreichte sie erneut einen Platz unter den besten 15. Am Ende wurde sie mit Sekt und einer Krone in den Ruhestand verabschiedet.

Natürlich könnte man mehr schreiben über sie. Natürlich könnte man ausführlicher berichten. Allerdings würde dies vermutlich den Rahmen sprengen. Darum soll es hier auch gar nicht gehen. Vielmehr soll dieser Artikel eine der erfolgreichsten, deutschen Biathletinnen würdigen, die über Jahre hinweg Leistung gezeigt hat. Und das, obwohl es immer wieder andere mediale Gesichter gab, die mehr Aufmerksamkeit erhielten, als sie. Auch nach Tiefen gab sie nicht auf und kämpfte weiter. Bis zum Schluss war sie in der Weltspitze vertreten. Ob sie ein Loch hinterlässt, ist schwer zu sagen. Man muss in der nächsten Saison schauen, wo der Frauen-Biathlon steht. Was sie hinterlässt, sind aber große Fußspuren.

Sie wird nun Deutschland den Rücken zuwenden, um nach Lake Placid in den Vereinigten Staaten auszuwandern, um dort gemeinsame Zeit mit ihrem Lebensgefährten Tim Burke (ebenfalls Biathlet) zu verbringen. Fischen steht ganz oben auf der Liste der Dinge, denen sie nachgehen möchte. Vielleicht wird man sie aber auch ab und zu wieder im Biathlon-Zirkus sehen. Dann allerdings hinter den Kulissen.

Freitag, 7. Februar 2014

Sotchi 2014 - Einschätzung Biathlon Herren

Während die deutschen Herren in Turin 2006 mit Michael Greis (2x Gold), Sven Fischer (1x Gold, 1x Bronze), sowie Gold in der Staffel alles überstrahlten, sah es vier Jahre später äußerst mager aus. Keine einzige Medaille konnten die Herren gewinnen.

Die Termine für die Disziplinen wurden wie folgt angelegt (Zeiten immer in MEZ):
  • 08. Februar, 15.30 Uhr: 10 km Sprint (Titelverteidiger: Vincent Jay, Frankreich, Karriere beendet))
  • 10. Februar, 16.00 Uhr: 12,5 km Verfolgung (TV: Björn Ferry, Schweden)
  • 13. Februar, 15.00 Uhr: 20 lm Einzel (TV: Emil Hegle Svendsen, Norwegen)
  • 16. Februar, 16.00 Uhr: 15 km Massenstart (TV: Jewgeni Ustjugow, Russland)
  • 19. Februar, 15.30 Uhr: 2x6 km + 2x7,5 km Mixed-Staffel (neu im Programm)
  • 22. Februar, 15.30 Uhr: 4x7,5 km Staffel (TV: Norwegen)

Für den Deutschen Skiverband wurden folgende Athleten für die Spiele nominiert:
  • Andreas Birnbacher (Saison Bestleistung: 1x4)
  • Daniel Böhm (SB: 1x5, 1x10)
  • Erik Lesser (SB: 1x7, 1x9, 1x10)
  • Arnd Peiffer (SB: 1x3, 2x5, 1x8)
  • Simon Schempp (SB: 2x1, 1x5, 1x6, 1x8, 1x9)
  • Christoph Stephan (SB: 1x7)
  • Staffel: (SB: 2x2, 1x3, Sieg im Staffelweltcup)

Bei den Einzelwettbewerben muss man ganz klar Simon Schempp auf der Rechnung haben. Bei den letzten beiden Rennen vor Sotchi ist bei ihm wohl der Knoten geplatz, der ihm gleich zwei Siege einbrachte. Auch die übrigen Saisonleistungen lassen darauf schließen, dass Schempp durchaus in der Lage ist, um Medaillen kämpfen zu können.
Ebeneo ist es Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher auf Grund ihrer Erfahrung immer zuzutrauen, zumindest um eine Medaille mitlaufen zu können. Wobei vor allem Birnbacher noch nicht in der Form zu sein scheint.
Bei Lesser und Stephan dürfte ein Platz unter den besten 10 als Erfolg gewertet werden.
Alles in allem sehe ich mit Schempp einen klaren Medaillenkandidaten, sowie mit Peiffer einen möglichen Kandidaten. Bei den anderen muss sich zeigen, wie der Wettkampf sich entwickeln wird.
Die Staffel mag ebenso ein kleines Problemkind darstellen. Zwar konnten die deutschen Biathleten hier den Staffelweltcup gewinnen, allerdings ohne auch nur einen einzigen Sieg. Dafür gab es drei Podestplätze bei vier Rennen. Auch hier ist eine Medaille drin.

Meine Prognose: 3 Medaillen (+x) für das deutsche Team (Farben bleiben offen)

Sotchi 2014 - Einschätzung Biathlon Damen

Vor vier Jahren in Vancouver war noch eine gewisse Magdalena Neuner mit 2x Gold und 1x Silber die herausragende, deutsche Athletin. Nach ihrem Karriereende hat sich immer wieder die Frage gestellt, wer nun in ihre, zugegebenermaßen großen, Fußstapfen treten wird. Bisher waren die Frauen im Weltcup noch nicht so dominant, wie es noch vor Jahren der Fall war. Trotzdem gilt auch hier Vorsicht walten zu lassen. Wie so oft neigt Sportdeutschland gerne dazu, Erfolge am Edelmetall festzumachen. Ich möchte hier, stellvertretend für weitere Sportarten, davor warnen, dass auch Top10-Plätze nicht missachtet oder nicht wertgeschätzt werden.

Die Termine für die Disziplinen wurden wie folgt angelegt (Zeiten immer in MEZ):
  • 09. Februar, 15.30 Uhr: 7,5 km Sprint (Titelverteidigerin: Anastasiya Kuzmina, Slowakei)
  • 11. Februar, 16.00 Uhr: 10 km Verfolgung (TV: Magdalena Neuner, Deutschland)
  • 14. Februar, 15.00 Uhr: 15 km Einzel (TV: Tora Berger, Norwegen)
  • 17. Februar, 16.00 Uhr: 12,5 km Massenstart (TV: Magdalena Neuner, Deutschland)
  • 19. Februar, 15.30 Uhr: 2x6 km + 2x7,5 km Mixed-Staffel (neu im Programm)
  • 21. Februar, 15.30 Uhr: 4x6 km Staffel (TV: Norwegen)

Für den Deutschen Skiverband wurden folgende Athletinnen für die Spiele nominiert:
  • Laura Dahlmeier (Saison Bestleistung: 1x5, 1x7, 1x10)
  • Andrea Henkel (SB: 1x1, 1x2, 1x4, 1x10)
  • Franziska Hildebrand (SB: 1x4, 1x6, 1x10)
  • Vanessa Hinz (bisher nur im zweitklassigen IBU-Cup gestartet)
  • Franziska Preuß (SB: 1x4, 1x6, 1x6)
  • Evi Sachenbacher-Stehle (SB: 2x7)
  • Staffel: (SB: 1x1, 2x2, Sieg im Staffelweltcup)

In den Einzelwettbewerben ist ganz klar bei Andrea Henkel mit einer Medaille zu rechnen. In den beiden Wettbewerben vor Sotchi hat sie mit Platz 1 und Platz 2 gezeigt, dass sie zur richtigen Zeit auf dem Leistungshöhepunkt ist. Wenn alles klappt, kann die Einzelolympiasiegerin von 2002 sogar Gold holen. Realistisch ist und bleibt aber ein oder mehrere Plätze unter den Top 3.
Bei Dahlmeier, Hildebrand, Preuß und Stehle darf ein Platz unter den besten 10 als Erfolg gewertet werden. Hier ist wohl eine Medaille eher gering. Wobei, wie oben erwähnt, diese Leistung nicht geschmälert werden darf und sollte.
Dem Team kann allerdings auch der große Wurf gewinnen. Je nachdem, wie sich der Wettkampf entwickelt, kann die Staffel bis nach vorne laufen. Das unterstreicht nicht zuletzt die Tatsache, dass die deutschen Athletinnen hier den Gesamtweltcup gewonnen haben.
Beim Mixed bleibt allerdings abzuwarten. Bisher gab es nur einen Wettkampf, bei dem es das deutsche Team nicht unter die besten drei packt. Trotzdem gibt es auch hier Kandidaten, die in der Lage sind, das Team nach vorne zu laufen, sowohl auf Seiten der Männer, als auch auf Seiten der Damen.

Meine Prognose: 3 Medaillen (+x) für das deutsche Team (Farben bleiben offen)