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Montag, 19. Januar 2015

Porsche hat keine Lust auf die Formel 1

Niki Lauda und Alain Prost dürften beide sehr positive Erinnerungen mit dem Engagement von Porsche in der Formel 1 haben. Von 1984 bis 1986 bauten die Zuffenhausener einen Motor, der die Konkurrenz stellenweise weit hinter sich hielt. Insbesondere ist hier das Jahr 1984 zu nennen, als das Duo zwölf von sechzehn Rennen gewinnen konnte. Doch seit 1991 haben die Schwaben nichts mehr mit der selbsternannten Königsklasse zu tun. Was auch auf Dauer so bleiben wird, wie jetzt der Porsche-Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz erklärte.

Nicht nur Nostalgiker hätten gerne Porsche wieder in der Formel 1 gesehen. Womöglich ein weiterer Rennstall aus Deutschland, neben Mercedes, welches um die WM fahren kann. Doch daran denkt Porsche nicht, wie Wolfgang Hatz nun bekannt gab. Stattdessen möchte man sich lieber auf die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) konzentrieren. Was durchaus nachvollziehbar ist.

Denn der Einstieg in der Formel 1 ist nicht immer ganz leicht. Das mussten Teams, wie Marussia, Caterham und HRT schmerzhaft erfahren. Jahrelang fuhr man dem Feld hinterher und war noch nicht einmal in der Lage, sich einen WM-Punkt zu holen. Erst 2014 gelang es Jules Bianchi im Marussia die ersten Punkte zu holen. Nach über 90 gefahrenen Grand Prix'. Sicherlich könnte man nun entgegen halten, dass Porsche vermutlich ein wesentlich höheres Budget zur Verfügung hätte und man damit wesentlich schneller Punkte sammeln könnte. Trotzdem ist der Anspruch der Zuffenhausener ein anderer. Fünf Mal konnten sie bereits einen WM-Titel in der Formel 1 holen. Nicht minder dürfte der Anspruch auch über 30 Jahre später sein. Man möchte Titel ins Ländle bringen. Und bis das Team dort ist, wo aktuell Mercedes, Red Bull und Ferrari stehen, würde eine zu große Zeit, zu viele Ressourcen und vermutlich zu viel Geld benötigt werden.

Stattdessen gilt die Konzentration einer anderen Rennserie, nämlich der Langstrecken-WM. Dort, wo man bereits das prestigeträchtige 24 Stunden Rennen in LeMans 16 Mal gewinnen konnte, was bis jetzt noch nicht getoppt werden konnte. Mit dem letzten Gesamtsieg aus dem Jahre 1998 verabschiedete man sich schließlich aus der Klasse der Protoypen, um sich auf die kleineren Klassen konzentrieren zu können. Zur Saison 2014 folgte schließlich das Comeback. Und gleich wurde der ehemalige Formel 1-Pilot Mark Webber als den wohl bekanntesten Fahrer präsentiert.

Das Comeback selbst verlief besser, als manch einer gedacht hätte. Viele hatten der Konkurrenz um Audi und Toyota einen großen Vorsprung vorhergesagt. Doch im Schwabenländle leistete man eine hervorragende Arbeit. Von Anfang an war das Team konkurrenzfähig. Fuhr sogar in LeMans um den Sieg mit, bis ein technisches Problem für den Ausfall und damit dem Ende aller Träume sorgte. Es dauerte schließlich bis zum letzten Rennen, den 6 Stunden in Sao Paulo, ehe das Team den ersten Sieg einfahren konnte. Doch am Ende schloss das Trio Marc Lieb/Romain Dumas/Neel Jani die WM auf dem dritten Platz der Fahrerwertung ab.

Und genau da liegt der Reiz für Porsche. In einer Serie, in der man von Beginn an mithalten kann. Sicherlich wäre der 17te Erfolg in LeMans eine Überraschung im Premierenjahr nach dem Comeback gewesen. Dennoch war diese erste Saison mehr als nur ein Lehrjahr. Das Team wird genug Erkenntnisse gesammelt haben, um das Auto für 2015 entsprechend weiter zu entwickeln. Technische Probleme, wie in LeMans, dürften demnach weniger häufig auftreten.

Davon profitiert auch der Fan. Denn ein Team, welches über allen thront, bei einem Rennen, welches einen kompletten Tag dauert, dürfte wohl die wenigsten begeistern. Ein Dreikampf hingegen, wie er seit 2014 nun der Fall ist, elektrisiert hingegen den Motorsport-Fan.

Doch für Porsche gibt es noch mehr Gründe nicht in der Formel 1 anzutreten. So äußerte sich Wolfgang Hatz auch negativ der Motorenentwicklung gegenüber. In der LMP1-Klasse (LeMans-Protoyp 1) der WEC hätte das Team wesentlich mehr Spielraum, als in der Formel 1. Zudem seien die Technologien, die in der Langstrecken-WM verwendet werden, sehr nah an dem dran, was man auch in der Serie einsetzen möchte. Die Arbeit zwischen der Rennserie und der Serienproduktion sei viel enger. Dadurch spart das Unternehmen auch gleichzeitig Geld. Weiterhin ist das Team hinter dem Team wesentlich kleiner. So brauchte Mercedes GP etwa 1.000 Mitarbeiter, die am WM-Titel 2014 beteiligt waren. Bei einem Team in der WEC kommen lediglich 300 zum Einsatz.

Porsche dürfte nicht ein Einzelfall bleiben. Nachdem Toyota sich 2009 aus der Formel 1 zurückzog, stiegen die Japaner 2012 in die WEC ein. Und konnten 2014 dann mit Anthony Davidson und Sebastian Buemi nicht nur die beiden Fahrer-Weltmeister stellen, sondern am Ende auch den Konstrukteurs-Titel gewinnen. Für 2015 hat sich schließlich Nissan für die LMP1-Klasse angemeldet. Weitere Teams dürften in naher Zukunft folgen. Die Fia hat bei der WEC eben ein Reglement vorgelegt, welches für Hersteller durchaus interessant ist. Während die Formel 1 immer mehr den Ruf der teuren Rennserie bekommt. Vor allem, weil zur Saison 2015 mit 9 Teams so wenige, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Auch hier dürfte sich in naher Zukunft nicht viel ändern. Am Ende muss dann auch das Verhältnis zwischen Aufwand und Leistung stimmen. Und hier sieht Porsche den größtmöglichen Gewinn in der WEC.

Montag, 16. Juni 2014

Endergebnis der 24 Stunden von Le Mans

Der Klassiker hat mal wieder gezeigt, wie spannend und unerwartet Motorsport sein kann. Und vor allem, dass am Ende nicht die Geschwindigkeit, sondern die Zuverlässigkeit und die Erfahrung die Schlüssel zum Erfolg sind. Audi baute mit einem Doppelsieg die Erfolgsgeschichte in Frankreich aus. Doch auch dahinter darf es durchaus einige Sieger geben. Auch in den anderen Rennklassen. Darauf möchte ich nun abschließend zum Wochenende den Blick legen.

Beginn und die ersten vier Stunden
Das Rennen begann zunächst unter strahlender Sonne und auf trockener Piste. Der Toyota mit Startnummer #7 konnte sich sukzessive vom Verfolgerfeld ablösen und einen kleinen Vorsprung herausfahren. Dahinter folgten der Porsche mit der #14, der zweite Toyota mit der #8, sowie die beiden Audis mit #2 und #3. Diese lieferten sich muntere Duelle, bei denen es zahlreiche Überholmanöver gab.
Allerdings tauchten bereits nach nur 9 gefahrenen Runden die ersten Probleme am Porsche mit der #14 auf. Das Auto musste in der Box repariert werden, da die Benzinversorgung beschädigt war. Dieser ungeplante Boxenstopp kostete das Team fünf Runden Rückstand.
Nach etwa 90 Minuten war es das dann auch schon mit Sonne und Trockenheit. Ein Regenschauer zog über die Piste. Da alles Autos noch auf Slicks fuhren, kam es zu zahlreichen Drehern und Ausrutschern ins Kiesbett. Dabei blieben auch die Topleute nicht verschont. Audi #3, Toyota #8, der Führende in der LMP2-Wertung der #47 Oreca-Nissan, sowie der Führende der LMGT-Am-Wertung der #81 Ferrari leisteten sich allesamt Ausrutscher und Unfälle. Der Audi rammte dabei den Ferrari so heftig, dass Sam Bird das Auto abstellen und das Rennen beenden musste. Der Toyota, der als Auslöser des Unfalls gilt, konnte sich gerade noch zur Reparatur in die Boxengasse retten. Obwohl das Safety-Car auf die Strecke kam, kostete die Reparatur die Japaner neun Runden, was zwischenzeitlich Rang 41 bedeutete.
Danach folgte der erste Führungswechsel. Da der führende Toyota #7 einen planmäßigen Boxenstop einlegte, beim Ausfahren aber auf die zweite Safety-Car-Gruppe warten musste, konnte der Porsche #20 die Führung übernehmen.
Derweil übernahm in der LMP2-Klasse nach dem Ausfall der #47, der Alpine #36 vor dem Oreca-Judd #34 die Führung.
Spannend ging es auch in der GTPro-Wertung zu. Nach etwa vier Stunden hatte das Team um die Corvette mit der #74 die beste Strategie für den Regen gewählt. Das us-amerikanische Team konnte sich an den beiden 911er Porsche vorbei schieben. Auch der Ferrari mit der #51 war noch im Rennen. Die ersten vier waren gerade einmal eine halbe Minute von einander getrennt.

Stunde 4 bis Stunde 12
Ablösung an der Spitze. Der Porsche ist nun um drei Runden auf den vierten Platz zurückgefallen. Stattdessen führt nun der Toyota #7 erneut das Feld an. Doch die müssen nun Gas geben, da der Audi #2 schon dahinter lauert. Konstant schnelle Runden zeigen, dass die Ingolstädter einen erneuten Sieg noch nicht aufgegeben haben. Aus dem Rennen scheinen dagegen die beiden Porsche und der Toyota #8 zu sein, die auf Grund zahlreicher Probleme schon einen zu großen Rückstand eingefahren haben.
Spannung gibt auch in der LMP2-Wertung, in der gleich fünf Autos noch den Sieg einfahren können. Momentan liegt noch auf Grund der besseren Tankstrategie der Ligier-Nissan, übrigens auch ein Comebacker, auf dem Platz an der Sonne. Dahinter folgen der Alpine #36, der Ligier-Nissan #46, der Oreca-Judd #34, sowie der Zytek-Nissan #38.
Und auch in der GTPro-Wertung ist noch alles offen. Dort trennen die ersten drei gerade einmal eine Sekunde. Ein hochdünner Vorsprung angesichts 12 Stunden Fahrtzeit. Momentan führt noch Bruno Senna auf Aston Martin, gefolgt vom Giancarlo Fisichella im Ferrari und Tommy Milner in der Corvette. Abgeschlagen dagegen sind die beiden Porsche 911, bei dem die #91 30 Runden auf Grund des Benzindruckes verlor.

Stunde 12 bis Stunde 18
Der Toyota war bis dato das schnellste Auto im Feld. Doch gegen fünf Uhr morgens ereignete sich das, was niemand glauben konnte. Die #7 rollt mit Elektrikproblemen an die Box. Nach über 200 Führungsrunden ist der erste Le Mans-Sieg für die Japaner ernsthaft in Gefahr. Somit übernimmt Audi #2 die Führung. Mit drei Runden Rückstand folgt das Schwesterauto #1, gefolgt vom Porsche #20. Doch auch der Führende war dem Pech treu. Zwei Stunden später musste auch der Audi #2 an die Box, um den Turbolader zu wechseln, was sieben Runden in Anspruch nahm. Damit führte nun der Audi #1 - eben jenes Auto, das Loic Duval am Mittwoch noch in alle Einzelteile zerlegte hatte und komplett neu aufgebaut werden musste. Dahinter folgt nun Porsche #20 und Audi #2.
In der LMP2-Klasse konnte sich der #35 Ligier-Nissan ein wenig vom Feld absetzen. Allerdings liegt der #36 Alpine in der gleichen Runde. Dahinter folgt der zweite Ligier-Nissan mit der #46.
In der GTPro-Wertung liegt weiterhin Aston Martin in Führung. Dainter folgt der #51 Ferrari und der #91 Porsche. Die Corvettes dagegen sind aus dem Titelrennen ausgeschieden.

Stunde 18 bis Rennende
6 Stunden können verdammt lang sein. Ein "normales" Rennen der WEC dauert genau so lang. Und diese Distanz fehlt den Teilnehmern noch bis zum Sieg oder der Niederlage.
Da der Toyota #7 bereits zurückgefallen ist, übernahmen die Audis die Spitze. Doch an beiden musste der Turbolader gewechselt werden. Das spülte den Porsche #20 plötzlich an die Spitze. Es drohte die Sensation: Der Sieg im Comebackjahr. Doch der Spitzenreiter zog wohl die Seuche an in diesem Jahr. Auch der #2ß Porsche musste an die Box wegen Schaltproblemen.
Damit sollte Audis Doppelsieg nicht mehr gefährdet werden, sofern alles hält. Und es hielt auch alles. Kurioserweise wurde durch die Probleme des Porsche der Toyota #8 auf den dritten Rang. Und das nach der Kollision gleich zu Beginn. Solche Geschichten schreibt der Motorsport.
Drei Stunden vor Schluss hatten in der LMP2-Klasse noch drei Autos Siegchancen. Am Ende setzte sich der #38 Zytek-Nissan durch, vor den beiden wiederbelebten Le Mans-Marken #46 Ligier-Nissan und #36 Alpine-Nissan.
Genau so spannend war auch der Kampf in der GTPro-Wertung. Zahlreiche Autos duellierten sich in den letzten Stunden. Es gab zahlreiche Führungswechsel. Den Sieg holte sich am Ende erneut der #51 Ferrari, vor der Corvette und dem #92 Porsche. Hut ab, für diesen Kampf.

Fazit
Ich habe leider nicht ganz so viel mitnehmen können, wie ich gewollt hätte. Aber 24 Stunden sind auch lang. Es ist einfach ein Fest für jeden Motorsportfan, wenn über solch eine große Distanz solch spannende Duelle entstehen. Autos, die nur wenige Sekunden von einander trennen. Dann das große Auftrumpfen der Comebacker. Das zeigt, dass sich die Rennserie richtig entwickelt. Wer neu einsteigt, fährt nicht gnadenlos hinterher, sondern kann Führungsrunden sammeln. Zudem gewinnen die Teams große Erfahrung, die unglaublich wichtig ist. Das wiederum hat man bei Audi gesehen. Toyota gewann alle drei vorherigen Rennen der WEC. Allerdings dauerten die nur 6 Stunden. Das schnellste Auto gewinnt hier nicht, sondern das zuverlässigste. Und das hat Audi gebaut. Das Racing Team Joest hat mittlerweile so unglaublich viel Erfahrung in Le Mans, da wird dann auch einfach mal der Turbolader gewechselt und trotzdem gewonnen. Das ist wohl die größte Hürde für die Konkurrenz. Toyota hat sich super präsentiert, aber dann doch nicht gut genug. Es fehlt einzig und allein die Haltbarkeit, um den Traum vom Gesamtsieg zu erfüllen. Trotzdem ist das keine schlechte Ausgangslage für 2015. Dort werden die Teams vermutlich noch enger zusammenrücken.
Aber auch die anderen Klassen, die oftmals in den Medien untergehen, müssen gelobt werden. Die LMP2-Klasse und auch die GTPro waren so unglaublich spannend. Genau das möchte man doch sehen. Positionswechsel, Rad an Rad Duelle. Ein Rennen, das wirklich erst nach 24 Stunden entschieden wird. Dass sich am Ende die Routine durchsetzt, ist kein Wunder. Aber wie gesagt, auch die Teams hier, vor allem die Neulinge, lernen für die nächsten Jahre und rücken auch hier näher an die Sieger heran. Das macht Spaß und das will man auch sehen.
Geschichten, die nur der Motorsport schreibt, gab es auch. Toni Vilander gewann in der GTAm-Wertung. Just jener Fahrer, der noch vor einem Jahr den tödlichen Unfall seines Mitfahrers Alan Simonsen miterleben musste. Dieser Sieg geht sicherlich auch ein Stück auf die Kappe des Dänen.
Ich freue mich immer wieder auf dieses Highlight, aber auch auf die WEC. Die Verantwortlichen bringen ein Regelwerk raus, welches Motorsport auf höchstem Niveau erreicht, ohne künstliche Spannung, sondern mit Leistung und Kampf. Auch Neulinge haben das Zeug eine Rolle zu spielen. Genau deshalb ist das für mich die Königsklasse und nicht die Formel 1.
Abschlussfazit: Ein wirklich tolles Le Mans-Wochenende, das sicherlich noch in Jahren in aller Munde sein wird.

Samstag, 14. Juni 2014

Update: Die 24 Stunden von Le Mans 2014

Die ganze Welt ist im Fußballfieber. Überall wird man mit den neusten Informationen zum Turnier in Brasilien versorgt. In Medien und Stammtischen ist das Thema allgegenwärtig. Doch abseits vom Rasen findet das wohl berühmteste Rennen der Welt statt: Die 24 Stunden von Le Mans. Ich möchte hier über dieses Event ein wenig berichten und auch kurze Einschätzungen geben.

Heute um 15:00 Uhr ist der Start. Dann heißt es wieder volle Belastung für Mensch und Maschine. Es gilt 24 Stunden zu überstehen und möglichst viele Runden zu fahren.
Das Qualifying hat aber gezeigt: Es ist alles offen.

Um den Titel kämpfen drei Teams: Titelverteidiger Audi, die ihre Erfolgsserie ausbauen möchten. Toyota, die den ersten Gesamterfolg feiern möchten. Und zum Schluss noch Rückkehrer und Rekordsieger Porsche, die den Platz an der Sonne verteidigen möchten.
Letztes Jahr waren die Audis das Maß aller Dinge. Doch davon ist in diesem Jahr nicht viel übrig geblieben. Bisher sind die Audi, wie auch die Qualifikation gezeigt hat, nur Kraft Nummer drei hinter den Japanern und den Zuffenhausenern.
Allerdings wäre es vermessen zu sagen, dass Audi damit aus dem Rennen ist. Denn im Gegensatz zu Formel 1-Rennen ist die Platzierung im Qualifying nicht von Relevanz. Denn wie gesagt, das Rennen dauert 24 Stunden. In dieser Zeit kann sehr viel passieren.
So muss vor allem Porsche zeigen, dass sie ein Auto gebaut haben, welches auch über die Distanz funktioniert. Die bisherigen Rennen waren lediglich 6 Stunden-Rennen. Nun gilt es die vierfache Distanz zu überstehen.
Und genau da kann Audi wieder punkten. Mit 12 Siegen in den letzten 14 Jahren waren und sind die Ingolstädter noch das Maß aller Dinge. Kaum ein Team ist so erfahren, wie das Team von Joest Racing. Und diese Erfahrung kann hierbei der Schlüssel zum Erfolg sein. Das Team weiß, was alles passieren kann. Vor allem bei unvorhergesehenen Dingen kann das Team vermutlich seine Routine abspielen. Ebenso schickt das Team gleich drei Boliden an den Start, während Toyota und Porsche lediglich mit zwei Autos ins Rennen gehen werden.
Allerdings ist Toyota auch kein Frischling mehr. Bisher waren die Japaner das maßgebende Team in der World Endurance Championship (WEC). Das Auto scheint stabil und schnell zu sein. Wenn nichts kaputt geht, ist der erste Titel keine Wunschvorstellung mehr, sondern ein realistisches Ziel. Toyota hat in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet und ist sukzessive an Audi heran gerückt. Bis es in dieser Saison zu einer vermeintlichen Wachablösung kam.
Und Porsche? Für Porsche muss das erste Ziel das Ziel sein. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass gleich im ersten Jahr der Rückkehr der Gesamtsieg erholt werden kann. Wichtig ist es, dass das Auto haltbar ist und die Distanz übersteht. Das erste Jahr soll eher als Lernjahr angesehen werden, um mit den Erfahrungen dann für die kommenden Jahre ein Auto zu bauen, welches siegfähig sein wird. Mit den Fahrerpaarungen hat Porsche eine gute Grundlage geschaffen.

Mir fällt es schwer eine Prognose abzugeben, weil man nie weiß, was in Le Mans passiert. Unfälle und Safetycar-Phasen sind schon fast an der Tagesordnung. Dann kommt der Faktor "Wetter" hinzu. Ebenso greifen Amateurfahrer gerne mal negativ ins Geschehen ein. Daher muss man einfach abwarten, wie sich das Rennen entwickelt. Ich denke aber, dass zumindest die ersten Stunden sehr spannend sein werden, da die drei Kontrahenten fast auf Augenhöhe sind. Ich denke, dass erst zum Einbruch der Nacht sich ein Team absetzen kann. Dies ist dann auch die entscheidende Phase. Aber wie gesagt: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Ich werde das Geschehen im Auge behalten und hier immer mal wieder Zwischenstände und Einschätzungen schreiben.

Update nach 5 Stunden Rennzeit.:
Das Klassement hat sich wie folgt verändert. Vorneweg fährt immer noch der Toyota, momentan mit Sarrazin am Steuer. Dahinter Audi2 mit Tréluyer, die sich sukzessive vom Start weg nach vorne gearbeitet haben. Auf Rang drei folgt der erste Porsche, gefolgt vom zweiten Audi. Die ersten vier trennen lediglich etwas mehr als zwei Minuten, als noch keine Runde. Somit dürfte hier noch alles offen sein.
Allerdings dürfte Toyota ein kleines Handicap erlitten haben, als der zweite Toyota einen Nasenbruch erlitt und einen unregelmäßigen Boxenstopp einlegen musste. Mittlerweile sind es neun Runden Rückstand und damit eine viel zu große Entfernung, um den Boliden in Führung zu unterstützen.
Wer den Gesamtsieg erreichen wird, ist noch nicht abzusehen. Porsche kann sehr gut das Tempo mitgehen. Und 90 Sekunden Rückstand sind allemal aufzuholen. Und auch die 60 Sekunden vom ersten Audi sind durchaus kein Vorsprung für Toyota, auf dem man sich ausruhen kann. Daher haben noch alle drei Teams eine realistische Chance auf den Sieg. Bleibt eben abzuwarten, wie zuverlässig die Autos sind und wie gut sie durch den Verkehr kommen.

Update nach 10 Stunden Rennzeit:
Immer noch führt Toyota. Dieses Mal allerdings vor den beiden Audis, danach beide Porsche. Weiterhin ist alles offen. Es bleibt spannend. Vor allem im Bereich der GT-Wertung hat sich ein heißer Kampf um die Klassementwertung entwickelt. Mehrere Autos, unter anderem Ferrari, Aston Martin und Porsche, kämpfen um den Sieg in der GTPro-Wertung. Hier darf sich keiner einen Fehler erlauben. So macht Rennsport Spaß. Ein Kampf über einen vollen Tag und Spannung Mitten in der Nacht.

Update nach 24 Stunden Rennzeit:
The same procedure as every year. Und wieder steht Audi vorne. Erneut ein Doppelsieg, bei dem Tréluyer/Fässler/Lotterer zum dritten Mal den Titel holen. Die Toyota mit Problemen, die am Ende den Sieg gekostet haben. Aber auch Audi hatte durchaus Probleme im Laufe des Rennens. Porsche hat sich sehr gut präsentiert. Es war schon im Vorfeld klar, dass es ein Sieg für die Zuffenhausener sein wird, wenn sie in die Wertung kommen, was mit Auto #14 auch gelungen ist. Das Team konnte zahlreiche Erfahrungen sammeln, auf die sich in den nächsten Jahren aufbauen lässt. Ich gehe davon aus, dass sie noch näher an die beiden anderen Teams heranrücken werden. Richtig enttäuschend lief es für Toyota. Obwohl sie das schnellere Auto waren, konnten sie erneut nicht gewinnen. Dabei zeigt sich, dass bei diesem Rennen nicht nur die Geschwindigkeit, sondern vor allem die Zuverlässigkeit entscheidend ist.

Mehr zum Rennen wird in einem gesonderten Beitrag erscheinen.

Samstag, 31. August 2013

WEC - Das Wochenende in Brasilien

Die meisten Motorsportfans können mit dem Begriff "24 Stunden von LeMans" etwas anfangen. Es ist eines der legendärsten Rennen, die im Moment ausgetragen werden. Ein Rennen, welches hohe Ansprüche an Fahrer und Material hat. Doch LeMans steht nicht alleine dar. Vielmehr gibt es einen 8 Rennen umfassenden Rennkalender, bei dem mehrere Teams antreten, um den Langstreckenweltmeister ausfindig zu machen. Seit 2012 läuft das unter dem Dachverband der FIA. Dass sich Deutschland dabei mehr als nur gut präsentiert, zeigen zum einen Fahrer, zum anderen auch Material. Am Wochenende findet der vierte Lauf der WEC (World Endurance Championship) in Sao Paulo/Brasilien statt. Passend dazu möchte ich erste Einblicke in den Langstreckenmotorsport geben, aber auch einen Ausblick auf das Rennen, sowie kurzen Rückblick der Saison wagen. Viel Inhalt. Los geht's.


Was ist die WEC?
In der WEC treten verschiedene Teams bei verschiedenen Rennen an, die mindestens eine Dauer von 6 Stunden haben. Saisonhöhepunkt ist ganz klar das Rennen in LeMans. Dabei kommen LeMans-Prototypen (LMP), sowie Gran Turismo-Fahrzeuge (GT) zum Einsatz. Unterschieden wird zwischen der LMP1 und LMP2, sowie der LMGTE Pro (Profifahrer) und LMGTE Am (Amateurfahrer). Die genauen Unterschiede der einzelnen Klassen würden den Rahmen dieses Artikels sprengen, weswegen ich hierfür einen eigenen Beitrag anstrebe. Für jedes Rennen gibt es der Platzierung entsprechend Punkte. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt. Im Gegensatz zur Formel 1 teilen sich mehrere Fahrer (2 - 3) ein Auto, da im Reglement vorgeschrieben ist, wie lange ein Fahrer hinter dem Steuer sitzen darf.


Wen muss man kennen?
Der Hauptkampf findet in der LMP1-Klasse statt. Dort duellieren sich in diesem Jahr Audi und Toyota. Audi musste sich bei 12 LeMans-Siegen seit 2000 nur zwei Mal (2003 und 2009) geschlagen geben und gilt als Favorit. Toyota hatte in dieser Saison bisher wenig entgegen zu setzen. Doch dazu später mehr.
Nennenswert wären noch die Fahrerpaarungen von Audi und Toyota. Audi1 konnte 2012 die Gesamtwertung gewinnen und gilt weiterhin als eine der erfolgreichsten Fahrerpaarungen. Dazu gehören André Lotterer (Deutschland), Marcel Fässler (Schweiz) und Benoît Tréluyer. Doch auch in Audi2 (Loîc Duval, Tom Kristensen, Allan McNish), sowie Audi3 (Marc Gené, Lucas di Grassi, Oliver Jarvis) fahren durchaus bekannte Fahrer aus DTM und Formel 1.
Toyota kann ebenfalls bekannte Fahrer zu den eigenen zählen. Für die Japaner fahren die Kombinationen Nicolas Lapierre/Kazuki Nakajima/Alexander Wurz und Sébastien Buemi/Anthony Davidson/Stéphane Sarrazin, von denen auch einige bereits Auftritte in der Formel 1 hatten.
Aus deutscher Sicht wäre zudem Nick Heidfeld zu nennen, der mit dem Schweizer Rebellion Racing ebenfalls in der LMP1 eintritt. Da es sich bei Rebellion aber um ein Privatteam handelt, fehlt hier das nötige Kleingeld, um Audi und Toyota gefährlich werden zu können. Trotzdem schafft es das Team über die Saison zwei Autos an den Start zu bringen.
Weiterhin fahren mit Giancarlo Fisichella, Bruno Senna, Pedro Lamy, Shinji Nakano und Co. weitere Fahrer im Feld, welche Formel 1-Erfahrungen sammeln konnten.


Wie verlief die bisherige Saison?
Bei den bisherigen drei Rennen in Silverstone, Spa (beide je 6 Stunden) und LeMans (24 Stunden) konnte Audi seine Dominanz zeigen. Silverstone und LeMans gewannen Duval/Kristensen/McNish, die in Spa den zweiten Rang belegten; Spa ging an Fässler/Lotterer/Tréluyer, die in Silverstone zweiter, sowie in LeMans auf Grund eines technischen Problems fünfter wurden. Folglich führen erst genannten die WM an. Dahinter folgt Audi1, Toyota2, Audi3 und Toyota1. Trotzdem gibt es noch insgesamt 130 Punkte zu holen (25 für den Rennsieg, je einen für die Pole Position). Von einer entschiedenen WM kann nicht gesprochen werden.


Was ist von Sao Paulo zu erwarten?
Sicherlich wird es wieder auf den Zweikampf Audi gegen Toyota hinaus laufen. Während beim ersten freien Training Toyota2 schnellster Wagen vor Audi1 und Audi2 war, dominierte beim zweiten freien Training Audi. Dort hieß es dann Audi2 vor Audi1 und Toyota2. Nick Heidfeld und das Team von Rebellion Racing landeten jeweils auf dem vierten Rang. Allerdings traten auch nur vier Autos aus der LMP1-Klasse an.
In der LMP2-Klasse machten die Fahrer von Oreca und Morgan, beide von einem Nissan-Motor befeuert, die Plätze unter sich aus.
In der GT-Klasse der Profis erzielte Stefan Mücke mit seinem Aston Martin zwei Mal die Bestzeit. Dahinter tobt ein offener Kampf zwischen Porsche, Ferrari und Aston Martin.
Doch auch bei den Amateuren in der GT-Klasse scheint der Aston Martin gut auf der Strecke in Sao Paulo zu funktionieren. Zwei Bestzeiten bei zwei Trainings deuten an, dass da einiges in Richtung Klassenwertung gehen kann.


Bevor das Rennen am Sonntag startet, stehen noch das dritte freie Training, sowie zwei Qualifikationssessions an. Auch hier dürfte wieder für Spannung garantiert sein. Ebenso die Frage, ob Toyota nach der Pole in Silverstone erneut nach vorne fahren kann, oder ob Audi nach zwei Mal Reihe 1 in Folge den Hattrick schafft.