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Mittwoch, 5. August 2015

Vom Rennfahrer zur Marionette

Ein Skandal hat das Wochenende der DTM beim Gastspiel in Österreich überschattet. Audi-Pilot Timo Scheider bekommt per Boxenfunk mitgeteilt die vor ihm fahrenden Mercedes abzuschießen. Und kommt dieser Anweisung nach. Dieses Manöver hat eins gezeigt: Aus den Fahrern wurden Marionetten, gesteuert durch Renningenieure.

Doch der Reihe nach. Was war passiert? Der DTM-Führende Pascal Wehrlein und sein Mercedes-Markenkollege Robert Wickens duellieren sich kurz vor Schluss mit Ex-Champion Timo Scheider (Audi). Als einer der beiden Mercedes Scheider blockiert, um Platz für seinen Markenkollegen zu machen, gehen bei Audi die Lichter auf Rot. Scheider bekommt von der Box mitgeteilt, er solle die beiden abschießen. Was dieser dann auch tat.

Die Aufregung war nicht nur groß, sondern auch verständlich. Immerhin kämpft Wehrlein um den Titel in der Rennserie und geht nun punktlos aus diesem Rennen nach Hause. Zudem zeigen Abschüsse nie von großer, sportlicher Fairness. So auch schon 1997 gesehen, als Michael Schumacher Jacques Villeneuve abschießt, um dessen Titel zu verhindern.

Audi versuchte sich nun mehr und mehr herauszureden. Die Anweisung wäre aus der Emotion heraus gesagt worden und hätte nicht die Absicht gehabt, die beiden Mercedes tatsächlich von der Straße zu schieben. Dennoch blieb die Rennleitung hart und nahm Scheider für dieses Rennen aus der Wertung. Weitere Konsequenzen stehen bis dato noch nicht fest.

Die Frage der Schuld bleibt aber dennoch bestehen. Wer ist dafür haftbar zu machen? Ist es Audi-Motorsportchef Wolfgang Ulrich, der den „Befehl“ gab? Oder doch Timo Scheider, der am Steuer saß? Fakt ist: Die Aktion war kein normaler Rennunfall.

Allerdings zeigt sich hier auch die Problematik, die mittlerweile in den Rennsport Einzug erhalten hat. Nämlich der Boxenfunk. Die Fahrer werden mehr und mehr zu Marionetten der Teams. Timo Scheider hat schon zwei Mal die DTM gewonnen. Er ist kein unerfahrener Fahrer, der nicht weiß, wie er in dieser Situation zu handeln hat. Selbst wenn solch ein Funkspruch kommt, muss er als Fahrer Eigeninitiative zeigen und sich an die sportliche Fairness halten. Er selbst hätte reagieren müssen, in dem er keinen Abschuss versucht.

Doch diese eigene Denkweise wird mehr und mehr außer Kraft gesetzt. Nicht nur in der DTM, sondern auch in der Formel 1. Anstatt dass der Fahrer nur Hinweise für Streckensituation, Wetter oder mögliche technische Fehler bekommt, wird ihm ein rundum Sorglos-Paket zur Verfügung gestellt. Das geht so weit, dass der Fahrer gesagt bekommt, wann er wo zu schalten hat und wie er sein Rennen gestalten soll. Das Rennen spielt sich nicht mehr im Cockpit, sondern am Kommandostand ab. Computerprogramme simulieren das Renngeschehen und geben vor, wie ein Fahrer fahren muss, um das vorgegebene Ziel zu erreichen. Es wird gerechnet und taktiert. Um dann entsprechende Instruktionen an den Fahrer weiter zu leiten.

Mit Rennsport selbst hat das nicht mehr viel zu tun. Ein Fahrer muss selbst wissen, wie er sein Rennen gestaltet, damit ihm eine Runde vor Schluss nicht der Sprit ausgeht. Ein Fahrer muss selbst entscheiden, wann der beste Zeitpunkt für ein Überholmanöver ist. Solche rennentscheidenden Anweisungen sollten nicht von der Box kommen. Wie gesagt: Wenn Gefahr auf der Strecke besteht oder das Auto einen technischen Defekt hat, macht der Boxenfunk mehr als nur Sinn. Immerhin kann so größerem Schaden vorgebeugt werden. Aber doch bitte nicht den Fahrer per Box fernsteuern. Das möchte niemand sehen.

Vor allem nicht, wenn dadurch Rennsport verhindert wird. So gesehen in der Formel 1 beim Rennen in England. Valtteri Bottas möchte seinen Teamkollegen Massa überholen, der dieser ihn nur einbremst. Umgehend kommt von der Box das Signal, Bottas solle das doch bitte einstellen und nicht gegen seinen Teamkollegen fahren. Warum? Beide sind erfahren im Rennsport. Das sind keine Rookies, die die Grenzen der Autos nicht kennen. Wenn ich simulierte Rennen sehen möchte, kann ich auch auf der Playstation Formel 1 spielen. Und wenn dann Teamkollegen sich überholen sollen, dann bitte nicht dieser harmlose Platztausch, wie man es gerne bei Red Bull beobachten kann.


Ansonsten wird es mehr und mehr solcher Vorfälle geben. Niemand möchte die Schuld daran tragen. Aber dennoch gab es einen Vorfall. Das lässt sich nur eindämmen, in dem der Boxenfunk klar geregelt wird. Nur bei Gefahr funken. Keine Rennanweisungen. Eigentlich sollte diese Praxis in der Formel 1 gang und gäbe sein. Ist es aber auch nicht, wenn Red Bull in der Lage ist Stallorder, die eigentlich auch nicht mehr regelkonform ist, anzuweisen. Der Fahrer muss wieder mehr in das Geschehen auf der Strecke rücken. Er selbst muss entscheiden können und auch dürfen, wann er welche Aktion durchführt. Wer dazu nicht in der Lage ist, hat in diesen Rennserien dann auch nichts verloren und kann sich gerne vor den heimischen Fernseher zurückziehen, wo bei einem Fehler das Spiel neu geladen werden kann. Ansonsten dürfte der Vorfall von Österreich keine Ausnahme sein. Vielleicht werden in Zukunft Aktionen weniger deutlich, als viel mehr indirekt angesprochen. Dennoch dürfte es bei einer Beschränkung des Boxenfunks auf das Minimum reduziert werden. Jetzt ist es an den Verantwortlichen zu handeln.

Freitag, 27. März 2015

Problemzone der Formel 1 - Teil 2 - Keine Einigkeit um die Zukunft bei den Teams

Vor dem Saisonbeginn in Melbourne, haben sich alle Teams zusammengesetzt, um die Zukunft der Formel 1 zu planen. Viele haben haben schon Hoffnungen für die kränkelnde Serie herbei gesehnt... und wurden enttäuscht.

Fehlende Zuschauer, kaum noch Spannung. Die Formel 1 hat durchaus schon bessere Tage gesehen. Die Probleme sind mittlerweile auch nicht mehr zu leugnen. Das sollte auch für die Teams gelten, könnte man meinen. Demnach waren die Hoffnungen für dieses gemeinsame Treffen hoch. Nicht zuletzt wurde sogar über 1000 PS-Motoren spekuliert und andere Reformen. Doch es blieb nicht nur die erhoffte Revolution, sondern auch eine Evolution aus.

Stattdessen einigten sich die Teams darauf, dass ab sofort nur noch ein Helmdesign pro Saison gewählt werden darf. Nachdem Sebastian Vettel den Designwechsel auf ein neues Level gehoben hatte, in dem er zu jedem Rennen eine neue Lackierung auftragen ließ, wollten die Teams dem nun Einhalt gebieten. Der Fan am TV-Gerät muss schließlich die Fahrer erkennen können. Und wechselnde Designs schaden dem Wiedererkennungswert.

Wie ernst diese Entscheidung genommen wurde, zeigen die Reaktionen von Jenson Button und Sebastian Vettel. Button twitterte gleich die Frage, ob nun auch festgelegt wird, wie viele Paar Unterhosen pro Saison verwendet werden dürfen und wie oft diese gewechselt werden dürfen.
Vettel wiederum hinterfragte das Strafsystem für eine Regelmissachtung. Sollte es auf eine wohltätige Spende hinauslaufen, würde der Heppenheimer diese sehr gerne bezahlen und bewusst weiterhin bei jedem Rennen mit neuem Design antreten.

Man könnte angesichts dieses Beschlusses meinen, dass die Formel 1 keine Sorgen hat. Doch es zeigt sich ein ganz großes Problem: Die Teams wissen selbst nicht, in welche Richtung sich diese Serie entwickeln soll. Oder möchten diese Entwicklung einfach nicht. Stärkere Motoren würden auch nichts ändern und wären zu kostspielig, weshalb dieser Punkt gleich abgeblasen wurde. Ob über andere Reformen überhaupt gesprochen wurde, bleibt unklar.

Eines hat sich aber gezeigt: Es geht nicht um den Sport, sondern nur um das Geld. Das insolvente Marussia hatte dann doch noch einen neuen Investor gefunden, nämlich Manor. Die haben aber erst kurz vor Saisonbeginn das Team übernommen. Folglich konnte auch noch kein Auto, welches den Regularien für 2015 entsprach, entworfen und gebaut werden. Das Team wollte stattdessen mit einem angepassten 2014er Auto an den Start gehen. Prinzipiell ist das möglich. Allerdings müssen dazu alle Teams zustimmen. Diese Einstimmigkeit wurde nicht erzielt. Stattdessen muss das Team nun doch noch schnell ein Auto auf die Beine bringen.
Warum diese Blockade? Selbst das 2014er Auto könnte wohl kaum so konkurrenzfähig sein, dass das Team den anderen Teams Punkte wegnehmen könnte, um es mal überspitzt zu formulieren. Doch der Grund ist, wie so oft, das Geld. Wenn nämlich Manor nicht eine bestimmte Anzahl an Rennen fahren kann, wird das Preisgeld, welches Marussia in der letzten Saison eingefahren hat, nämlich nicht an Manor ausgezahlt. Vielmehr werden die 45 Millionen unter den anderen 9 Teams aufgeteilt. Anstatt einem zehnten Team den Eintritt zu erleichtern, bereichern sich die anderen Teams lieber mit 5 Millionen.
Man mag sagen, dass es ja den Regeln entspricht und nichts Falsches getan wurde. Dennoch sollte man über solche Entscheidungen nachdenken. Geht es den Teams wirklich noch um den Sport? Möchte man gemeinsam an einem Strang ziehen? Oder kocht dann doch jeder seine eigene Suppe.

Fakt ist: Jedes Team darf da durchaus eine eigene Suppe kochen. Wenn sich die verbliebenen Teams aber nicht bald an einen gemeinsamen Essenstisch setzen, wird es bald keine Gelegenheit mehr geben, um die eigene Suppe zu kochen. Denn dann wird es noch kritischer um die Formel 1 aussehen.

Die einzige Hoffnung liegt nun auf der Saison 2017. Denn erst zu dieser Saison können neue Beschlüsse und große Regelreformen umgesetzt und eingeführt werden. Das Reglement von 2016, und damit auch die Meisterschaft, dürfte daher ähnlich der Saison 2015 sein. Und das erste Rennen hat gezeigt, dass da nicht viel Spannung zu erwarten ist.

Donnerstag, 26. März 2015

Problemzone der Formel 1 - Teil 1 - Paydriver

Die Formel 1-Saison hat gerade begonnen und schon offenbaren sich Krankheiten, mit der die Rennserie zu kämpfen hat. Vor allem Giedo van der Garde hatte in der vergangen Woche ein wenig für Aufregung gesorgt. Gleichzeitig aber auch gezeigt, in welche Dimensionen die Formel 1 abgerutscht ist.

Was war nun passiert? Dazu müssen wir einen Sprung zurück machen, in die vergangene Saison. Dort fuhren Adrian Sutil und Esteban Gutierrez für den Rennstall aus der Schweiz. Van der Garde war damals Testfahrer. Allerdings wurde ihm vertraglich zugesichert, ein Cockpit für 2015 zu bekommen. Auch, weil Sponsoren im Hintergrund tätig sind. Als dann das Fahrerduo für 2015 vorgestellt wurde, war die Verwunderung groß. Sutil wurde über eine Twittermeldung informiert, 2015 nicht mehr im Team zu sein.

Stattdessen durften Felipe Nasr mit brasilianischen Millionen und Marcus Eriksson mit schwedischen Millionen im Rücken die Cockpits besetzen. Kein van der Garde. Dem wiederum passte das so gar nicht in den Kram und zog kurz vor dem ersten Rennen vor Gericht, um sich in das Cockpit einzuklagen. Ein australisches Gericht gab dem Niederländer Recht: Sauber muss van der Garde beim Rennen einsetzen oder die Autos werden beschlagnahmt. Sauber wiederum fand dieses Urteil nicht ganz so prickelnd, wie der Niederländer, hatte diese bisher keine Minute im Simulator oder im Auto verbracht. Ein Kaltstart könnte einiges ruinieren. Also wollte man dem verstoßenen Testfahrer zeigen, wie man zu ihm steht. Als van der Garde schließlich die Box betrat, verließ die komplette Crew erst einmal diese.

Van der Garde wiederum hatte Einsicht und verzichtete dann freiwillig auf das Cockpit beim Grand Prix von Australien. Er wollte sich dann doch nicht ganz mit dem Team verkrachen. Kurz nach dem GP wurde bekannt gegeben, dass sich van der Garde und Sauber nun außergerichtlich geeinigt hatten. Mit einer kleinen Zahlung von 15 Millionen versuchte man nun van der Garde aus dem Vertrag zu kaufen. Eine nette Gage, die sich dieser nicht nehmen ließ. Somit ist das Thema Formel 1 für van der Garde erledigt. Die DTM und Le Mans klingen reizvoll. Sauber darf stattdessen mit Nasr und Eriksson die Saison bestreiten.

Ja, die Zeiten in der Formel 1 sind wahrlich nicht leicht. Da muss man um jeden Cent kämpfen. Paydriver, also Fahrer, die nicht unbedingt mit Können, wohl aber mit Sponsoren ein Cockpit bekommen, sind schon lange keine Seltenheit mehr. Dass diese oftmals mehr schlecht als recht fahren, ist auch kein Insiderwissen. Doch die Geschichte mit van der Garde und Sauber hat diese Thematik auf ein neues Level gehoben. Getrieben vom Überlebenskampf und den Millionen, werden einfach Verträge missachtet, um zahlungskräftigere Fahrer zu verpflichten. Zugegeben: Nasr hat beim Debüt in Australien eine sehr gute Figur gemacht.

Dennoch gilt auch hier, dass sich Teams und Fahrer an Verträge zu halten haben. Ansonsten könnte man auch gleich bei Ebay das Cockpit anbieten und dem meistbietenden zur Verfügung stellen. Es ist legitim, Paydriver unter Vertrag zu nehmen. Allerdings nicht, wenn dadurch geltende Verträge außer Kraft gesetzt werden. Dann muss man sich eben im Vorfeld Gedanken machen, ob man einem Fahrer ein Cockpit zusichern kann oder nicht. Aber nicht dann kurzerhand anderweitig vergeben. Vielleicht zeigt diese Beispiel den Verantwortlichen, dass es einer Reform in der Formel 1 bedarf. Die Kosten sind nur noch auf diese Art und Weise zu decken. Die Folge ist ein Chaos, welches nicht nur Fahrern und Teams schadet, sondern auch der Rennserie.

Freitag, 20. März 2015

Sportjournalisten auf Abwegen

Zugegeben: Sportjournalisten haben es nicht einfach. Nicht immer treffen sie den richtigen Ton und legen sich damit schon mal mit Sportlern und Verantwortlichen an. Dennoch darf und muss (konstruktive) Kritik auch angebracht werden. Auch an Beiträgen der Journalisten.

Sportarten in Deutschland haben es schwer. Im allgegenwärtigen Fußball Sendezeit zu bekommen, wird vor allem für Randsportarten immer schwerer. Wenn es nicht sogar ein Ding der Unmöglichkeit wird. Da freut man sich schon über jede Sendeminute, die frei wird.

Wer in den letzten Monaten am Wochenende durch die Programme gezappt hat, dürfte bei der ARD und dem ZDF immer wieder festgestellt haben, dass dort stundenlang Wintersport gezeigt wird. Die Übertragungen fangen meist schon morgens, gegen 9:00 Uhr an, und enden dann, je nach Wettkampf, am Abend. Natürlich rechtzeitig vor der Sportschau um 18:00 Uhr.

In einem Beitrag in einer Zeitung hat sich dazu nun ein Journalist geäußert. Es wird zu viel Wintersport übertragen. Andere Sportarten, wie Springreiten, kämen hier deutlich zu kurz und würden keine Berücksichtigung bei den Programmplanern finden. Deshalb wäre es nur von Vorteil, wenn entsprechende Beiträge im Wintersport zu Gunsten anderer Sportarten gekürzt werden würden.

Im Ansatz ist der Gedanke an sich nachvollziehbar. Insbesondere durch den WM-Titel in Brasilien dürften die Nachwuchsmannschaften im Fußball zahlreiche neue Spieler bekommen. Der Fußball ist so präsent, wie vermutlich noch nie. Immer mehr Kinder möchten ihren Stars nacheifern und diesen Sport betreiben. Dabei bleiben dann Handball, Basketball, Eishockey, Leichtathletik und Co. auf der Strecke. Wie will man also Kinder und Jugendliche für einen Sport begeistern, der im TV kaum gezeigt wird? Dabei haben es Handball und Leichtathletik noch verhältnismäßig einfach, weil diese Sportarten regelmäßig live zu sehen sind. Sportarten, die nun noch weiter in den Randbereich rutschen, fallen komplett aus diesem Raster raus. Ich denke da unter anderem an Tischtennis, wo wir mit Timo Boll und Dimitri Ovtcharov zwei weltbekannte Spieler in den eigenen Reihen haben. Da ist der Nachwuchs dann eben nicht so reichlich gesät, als in anderen Sportarten.

Dennoch wird hier ein Problem aufgegriffen, welches bei diesem Blick auf die Lage nicht angesprochen wird. Es geht auch hier um Sportarten, die um Sendezeit gekämpft haben. Ich rede hier nicht von Biathlon, den alpinen Skidisziplinen und Eisschnelllauf. Diese Sportarten haben sich seit Jahrzehnten im Programmplan etabliert und sind auch nicht mehr weg zu denken. Insbesondere, wenn es erfolgreiche, deutsche Athletinnen und Athleten gibt.

Blickt man nun auf den Programmplan der beiden Sender, wird man aber daneben noch andere Sportarten finden, die nicht zu den bekanntesten Sportarten im Wintersport gehören. Skicross, Snowboard, Frauen-Skispringen, um mal drei Beispiele zu nennen. Alle drei Sportarten haben es geschafft, dass sie Sendezeit bekommen. Endlich bekommt ein Andi Schauer, eine Amelie Kober oder eine Carina Vogt auch Präsenz und können auf der Jagd nach Siegen vor dem heimischen Fernsehgerät unterstützt werden. Wenn man sich diese Sportarten mal anschaut, wird man auch feststellen, dass diese auch ihre Berechtigung im Sendeplan haben. Auch wenn es meist nur Zusammenfassungen sind, sind die Wettbewerbe oftmals spannend und abwechslungsreich. Zudem sind die deutschen Vertreter auch in der Weltspitze vertreten.

Trotzdem haben diese drei auch gemein, dass sie immer noch hinter Biathlon, Skispringen der Herren oder dem Eisschnelllauf stehen. Die Popularität hält sich, trotz Olympiasiege, in Grenzen. Würden nun die Sender auf besagten Vorschlag eingehen, würden sicherlich nicht die bekannten Sportarten darunter zu leiden haben, sondern genau jene weniger bekannte. Die Arbeit von Jahren wäre dahin. Kinder und Jugendliche würden nicht auf den Sport aufmerksam werden und es gäbe ein Nachwuchsproblem.

Sicherlich darf und soll man sich Gedanken machen, was denn wie lange im TV gezeigt wird. Braucht es wirklich die Regionalliga im Fußball live oder warum wird die WM der Volleyballer nicht gezeigt?

Dennoch darf hier nicht so leichtfertig mit Sportarten umgegangen werden, die endlich auch in den Fokus rücken können und damit versuchen, die Zuschauer und Sponsoren zu überzeugen. Und diese in einem Beitrag so anzugehen, schießt aus meiner Sicht ein wenig an der Sache vorbei. Diese Sportarten dürfen nicht zu Gunsten anderer Randsportarten geopfert werden. Da sollte man sich dann auch mal als Journalist hinterfragen, wo man eigentlich hin möchte. Wintersport muss einem nicht gefallen. Aber man sollte doch den Sport im Gesamten betrachten und nicht auf einzelne Disziplinen, die einem gerade nicht in den Kram passen, reduzieren.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Katar sucht das Superteam

Zum ersten Mal in der Geschichte, steht Katar im Viertelfinale einer WM. Doch nun wird die Kritik daran groß. Immerhin hat sich der Verband hauptsächlich an ausländischen Spielern bedient, um diesen Erfolg einfahren zu können. Doch die Problematik liegt wo anders.

Denn zunächst muss gesagt werden, dass der katarische Handballverband nichts Verbotenes oder Illegales getan hat. Man hat dort im Sinne der geltenden Statuten gehandelt und muss daher auch keine Sanktionen befürchten. Auch wenn manch eine Stimme die Situation ein wenig anders einschätzt.

Doch der Reihe nach. Aus dem Fußball ist ja bekannt, dass ein Spieler, der mindestens ein Pflichtspiel für eine Nationalmannschaft gegeben hat, nicht mehr für ein anderes Land auflaufen darf. Zumindest grob gesagt. Im Handball ist das nicht so. Dort darf jeder Spieler nach einer dreijährigen Länderspielpause für eine neue Nation auf das Parkett treten. Mehrfache Wechsel sind nicht ausgeschlossen.

Diese Regelung hat sich der katarische Handballverband nun zu Nutze gemacht. Wenn die WM schon im eigenen Land ist, braucht es auch ein konkurrenzfähiges Team. Denn bei der WM vor zwei Jahren in Spanien reichte es lediglich zu einem 20. Platz. Was den Ansprüchen des WM-Gastgebers nicht entspricht. Also hat man sich umgeschaut und mit einem lukrativen Handgeld Spieler von anderen Verbänden geholt. So finden sich im endgültigen Kader neben den Spielern aus Katar auch welche aus Montenegro, Bosnien, Ägypten, Frankreich, Kuba, Spanien und Tunesien. Dazu hat man mit Valero Rivera López einen Erfolgscoach aus Spanien angeheuert. Neben dem WM-Titel 2013, finden sich in seiner Vita sechs Champions League-Siege, fünf Europacup-Siege, einmal den EHF-Pokal und zwei Mal die EHF-Champions-Trophy auf internationalem Boden. Hinzu kommen 23 nationale Meisterschaften, je acht Pokal- und Supercupsiege, sowie sechs weitere Titel.

Allerdings geht jetzt der Aufschrei los. Eine zusammengekaufte Truppe mischt in der Handballwelt mit. Dieses Novum ruft Entsetzen in die Gesichter der Sportromantiker. Folglich ist es auch nicht verwunderlich, dass jetzt Forderungen an den Weltverband IHF gestellt werden. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Daniel Stephan, Schwedens Kapitän Tobias Karlsson und Österreichs Kapitän Viktor Szilagyi fordern nun unisono eine Regelung, wie es im Fußball gehandhabt wird. Ein Nationenwechsel ist im Handball nicht mehr tragbar und der Weltverband müsse nun umdenken.

Sicherlich mag das seine Richtigkeit haben. Allerdings finde ich den Zeitpunkt da ein wenig schlecht gewählt. Bob Hanning hat die Situation dagegen richtig erkannt und erwähnte, dass Deutschland auch schon davon profitierte, nämlich als Spieler, wie Andrej Klimovets oder Oleg Velyky für Deutschland auflaufen durften. Schon Bogdan Wenta wechselte 1997 die Staatsbürgerschaft und ging von der polnischen, zur deutschen Auswahl, um an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney teilnehmen zu können. Auch bei Siarhei Rutenka hat sich niemand echauffiert. Immerhin kann dieser eine stattliche Anzahl an Wechsel vorweisen: Weißrussland, Slowenien, Spanien, Weißrussland.  Es ließen sich sicherlich noch weitere Beispiele nennen. Doch wenn man davon profitiert, ist diese Regelung ja ganz nützlich.

Nur hat es eben jetzt ein Land geschafft, diese Regelung vollends auszunutzen. Und da geht der Protest los. Wenn diese Regel wirklich so schlimm ist, warum hat man nicht früher eingeschritten? Von mir aus auch gerne, als Katar begonnen hatte sich das Team zusammen zu stellen. Jetzt ist es für diesen Einwand definitiv zu spät.

Zudem muss man Folgendes bedenken: Katar wäre durchaus in der Lage gewesen, sich eine Nationalmannschaft zusammen zu stellen, die dem Starensamble vom THW Kiel nahe kommt. Es findet sich mit Goran Stojanovic zwar ein Ex-Bundesligaspieler. Doch eine Weltauswahl ist das sicherlich nicht. Lediglich Insidern sind diese Namen bekannt. Kein Filip Jicha, kein Ivano Balic, kein Mikkel Hansen. Und es hätte mit Sicherheit einige Stars gegeben, die mit dem katarischen Team einen größeren Erfolg erzielt hätten, als mit ihrem eigenen Team.

So muss man mit möglichen Regeländerungen vorerst einmal warten bis mindestens das Turnier zu Ende ist. Und auch dann gibt es keine Garantie, dass diese Regel auch tatsächlich geändert wird.

Des Weiteren wird oftmals eine Seite übersehen, die aus meiner Sicht nicht irrelevant ist. Gehen wir noch einmal zum Fußball. Wer ein Pflichtspiel für ein Land bestritten hat, darf nicht mehr wechseln. Soweit die Regel. Ich nehme als Beispiel mal einen jungen Spieler, 22 Jahre alt, besitzt zwei Staatsbürgerschaften. Er läuft in einem Qualifikationsspiel auf und wäre damit für das andere Land nicht mehr spielberechtigt. Der Trainer möchte in Zukunft aber auf diesen Spieler nun verzichten. Damit bleiben ihm alle Chancen verwehrt noch auf internationaler Ebene ein Länderspiel bestreiten zu können. Dieses Beispiel ist nicht an den Haaren herbei gezogen, sondern entspricht durchaus der Realität. Der Trainer gibt diesem Spieler das Vertrauen, so sehr, dass dieser sich für dieses Land entscheidet. Und dann spielt er doch keine Rolle mehr in der Planung.
Sollte diesem Spieler wirklich die Chance auf einen internationalen Neuanfang verwehrt bleiben? Vielleicht sollte man einfach bei der FIFA einmal umdenken, anstatt bei der IHF. Schließlich gibt es zahlreiche weitere Sportarten, in denen ein Wechsel der Nation möglich ist. Michael Rösch, 2006 noch Olympiasieger mit der deutschen Biathlonstaffel startet mittlerweile für Belgien. Andreas Goldberger wollte nach dem Drogenskandal von 1997 für Jugoslawien an den Start gehen. Bisher gab es hier keine Beschwerden oder Aufschreie. Vermutlich braucht es erst eine katarische Biathlonstaffel, bzw. ein katarisches Skisprungteam, welches unter die Top8 kommt, damit diese Regel in Frage gestellt wird.

Was bleibt nun als Fazit? Auch eine zusammen gekaufte Mannschaft ist nicht automatisch ein Garant für Titel. Das musste man schon sportartenübergreifend feststellen. Es gibt, wie so oft, zwei Sichten auf diese Situation, die beide nicht ausgeschaltet werden dürfen.
Und apropos ausschalten. Genau das muss die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale mit Katar auch tun. Und zwar auf sportlichem Weg. Also Daumen drücken für eine deutsche Mannschaft, die ein wirklich tolles Turnier bisher gespielt hat. Auf ins Finale!

Montag, 26. Januar 2015

Dank Franziska Hildebrand doch keine Krise im Biathlon

Als Magdalena Neuner 2012 ihre Karriere beendete, hatten viele schon dunkle Stunden im Biathlon gesehen. Spätestens, als Andrea Henkel 2014 ebenfalls zurück trat, kamen die Skeptiker heraus und prophezeihten, auch auf Grund des schlechten Abschneidens bei den Olympischen Spielen, der in Deutschland so beliebten Sportart eine durchwachsene Phase. Doch die Skeptiker sollten nicht Recht behalten. Denn heimlich, still und leise hat sich eine Athletin in die Riege der Weltklassebiathletinnen geschoben und sorgt seit dieser Saison für Furore. Die Rede ist von Franziska Hildebrand.

Zugegeben: Der Fluch des Podiums wollte auch beim Weltcup in Antholz, dem sechsten dieser Saison, nicht gebrochen werden. Auf der Zielgerade wurde Franziska Hildebrand noch von der Finnin Kaisa Mäkäräinen abgefangen und musste sich mit dem undankbaren vierten Rang begnügen. Doch das tut der Leistung, die Hildebrand in dieser Saison bringt, keinen Abbruch. Im Gegenteil.

Mit 9 Top 10 Plätzen in 14 Rennen belegt sie aktuell den sechsten Rang im Gesamtklassement - ohne eine Podestplatzierung, wohlgemerkt. Doch nicht nur im Einzel zeigt sie konstant gute Leistung. Auch in der Staffel stellt sie ihr Können immer wieder unter Beweis. Bei vier Staffelteilnahmen (1x Mixed, 3x Frauenstaffel) stehen zwei Siege, sowie zwei dritte Plätze zu Buche. Ihre bisherigen Weltcup-Platzierungen lesen sich nicht schlecht. Östersund (Einzel 6., Sprint 9., Verfolgung 10.), Hochfilzen (Sprint 5., Verfolgung 8.), Pokljuka (Sprint 21., Verfolgung 13., Massenstart 7.), Oberhof (Sprint 26., Massenstart 11.), Ruhpolding (Sprint 6., Massenstart 14.) und Antholz (Sprint 6., Verfolgung 4.) zeigen, wie konstant sie immer wieder ihre Ergebnisse erzielt. Ausrutscher nach unten gab es nur in Pokljuka und Oberhof. Ansonsten schaffte Hildebrand stets den Sprung unter die besten 15. Damit zeigt sie aber auch: Auf sie ist Verlass. Was wiederum den jungen Athletinnen im Team zu Gute kommt, da sie einen gewissen "Welpenschutz" erfahren und sich noch Fehler erlauben dürfen.

Nur mit dem Podium im Einzel hat es bei Hildebrand (bisher) noch nicht geklappt. Dennoch beweist die mit 27 Jahren älteste Athletin im deutschen Kader, dass es auch eine Zeit nach Neuner und Co. gibt. Eine Zeit, in der es aber auch neue Talente gibt. So konnten sich an ihrer Seite die jungen Athletinnen ebenfalls entwickeln. Mit Laura Dahlmeier und Franziska Preuss haben es zwei Deutsche in diesem Winter schon im Einzel auf das Podest geschafft. Generell ist das deutsche Team sehr jung aufgestellt. Franziska Preuß ist mit 20 Jahren die jüngste; doch auch Laura Dahlmeier, Luise Kummer (beide 21) und Vanessa Hinz (22) sind nicht wesentlich älter.

Hildebrand ist der Leitwolf, der dieses junge Team braucht. Auch wenn sie selbst erst ihre vierte Weltcup-Saison bestreitet. Dennoch lässt sie sich von nichts abbringen. Als nach der desolaten Leistung nach den Olympischen Spielen Co-Trainer Ricco Groß gehen musste, sorgte sie mit ihrem Veto dafür, dass sie weiterhin unter ihm an ihrem Stützpunkt trainieren darf. Schließlich war er maßgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt.

Die Krise im Frauenbiathlon wird wohl nur eine Phrase bleiben, die Skeptiker in Umlauf gebracht haben. Auch wenn der Sprung aufs Podium noch nicht geklappt hat, sind die Leistungen von Hildebrand nicht zu verachten. Sie ist eine Athletin, die nicht nur mit der Weltspitze mithalten kann, sondern auch darin läuft. Wenn der Knoten erst einmal geplatzt ist, wird der Besuch auf dem Podest nicht mehr sporadisch kommen. Das hat Simon Schempp bei den Herren gezeigt, der die letzten drei Weltcups für sich entscheiden konnte. Spätestens zum Saisonhöhepunkt, der WM in Kontiolahti, wird mit Hildebrand im Einzel zu rechnen sein. Wenn die Form stimmt, wird sie dort um eine Medaille mitlaufen können. Und gemeinsam mit den anderen Athletinnen eine Post-Neuner-Ära einleiten. Wie erfolgreich diese dann sein wird, wird sich ab dem 5. März zeigen. Vielleicht mit einer Medaillengewinnerin Franziska Hildebrand - in einem Einzelwettbewerb.

Dienstag, 20. Januar 2015

Spielchen spielen mit dem Spieler

Immer wieder hält der Fußball Überraschungen parat. Sowohl erfreuliche, als auch weniger erfreuliche. Bedenklich wird es aber, wenn Richtungen eingeschlagen werden, die unlogischer Natur sind. So gesehen am aktuellen Fall des 1. FC Kaiserslautern mit Torhüter Tobias Sippel.

Bevor ich zum Eigentlichen komme, noch ein paar Hinweise zu Sippel. Dieser wurde am 22. März 1988 in Bad Dürkheim geboren. Ein echter Pfälzer also, der schon früh seine Verbundenheit mit dem FCK fand. So war auch der Eintritt in den Verein 1998 keine große Überraschung.

2007 machte er sein erstes Profispiel, als er für den verletzten Florian Fromlowitz eingewechselt wurde. Da dieser den Verein zum Ende der Saison 2007/08 verließ, wurde Sippel die Nummer eins in Kaiserslautern. Diesen verlor er dann, zum Teil verletzungsbedingt, in der Saison 2008/09 an Luis Robles, den Kaiserslautern zu Beginn der Saison verpflichtet hat. Doch erst in der neuen Saison konnte er sich wieder als Nummer eins durchsetzen. 2010 folgte schließlich der Aufstieg von der zweiten in die erste Bundesliga. Doch schon im Januar 2011 verlor Sippel erneut seinen Stammplatz. Dieses Mal an Kevin Trapp, der auch in der Folgesaison den Kasten hüten sollte. Nachdem der FCK 2011/12 wieder abgestiegen war, zog es Trapp zur Eintrach nach Frankfurt. Also setze man bei den Pfälzern wieder auf Sippel.

Bis schließlich der Januar 2015 kommen sollte. Sollte der FCK den Aufstieg in die Bundesliga verlassen, würde man sich von Sippel trennen. Man wolle auf einen jüngeren Torwart setzen. Und genau da setzt für mich die Fragwürdigkeit des Vereins, aber auch des Sportes ein.

Zunächst ist Sippel eine absolute Identifikationsfigur für den Club. Trotz Angebote war er dem FCK in all den Jahren treu. Obwohl der Umgang selbst, aus meiner Sicht, seitens des Vereins nicht immer respektvoll war. Sippel war die Nummer eins, bis man einen besseren geholt und Sippel damit degradiert hat. Bis diese neue Nummer eins die Flucht ergriff. Da setze man dann wieder auf Sippel. Bis ein neuer Torwart kam. Das ganze ist ja nicht nur einmal passiert. Was muss in einem jungen Spieler vorgehen, wenn so mit ihm umgegangen wird? Und trotzdem kam für ihn ein Wechsel nicht in Frage. Dann lieber die Nummer zwei, als bei einem anderen Verein. Nun denn, Vereinsikonen werden ja gerne einmal mit den Füßen vom Hof getreten. Vielleicht gibt es talentiertere Torhüter, das möchte ich nicht bestreiten. Trotzdem ist Sippel nicht die schlechteste Wahl für das Tor. Ich denke nicht, dass der FCK einen Manuel Neuer verpflichten kann.

Was mir aber noch mehr sauer aufstößt ist der Weg, den der FCK einschlagen möchte. Es ist völlig legitim, wenn man nach und nach einen Kader verjüngern möchte. Es ist klar, dass manche Spieler nicht bis ins hohe Sportalter hinein die volle Leistung abrufen können.
Dennoch geht mir diese Entwicklung zu weit. Ein Torwart, der mit 26 Jahren zu alt ist, ist definitiv eine bedenkliche Entwicklung. Vor allem, da Sippel, wie auch andere, den Höhepunkt der Leistungskurve noch gar nicht erreicht hat. Insbesondere bei Torhütern hat man doch gesehen, dass diese auch bis an die, manche sogar bis über, 40 noch starke Leistung bringen können. Wo soll das denn hinführen?
Man könnte entgegen halten, dass es ja durchaus Beispiele gab, die diese Tendenz bestätigen. Iker Casillas zum Beispiel, der mit 19 für Real Madrid die Champions League gewann. Oder Manuel Neuer, bzw. René Adler bei Schalke und Leverkusen.
Doch es gibt auch einige Gegenbeispiele. Manuel Neuer gewann "erst" mit 26 die Champions League, mit 27 wurde er Weltmeister. Casillas war gar 29 beim WM-Triumpf der Spanier 2010.
Vergleicht man die Top10 der wertvollsten Torhüter (laut transfermarkt.de), wird man feststellen, dass das Durchschnittsalter bei 26,4 Jahren liegt, bei den Top25 bei 26,56 Jahren. Ja, man findet immer wieder ein paar "jüngere" Torhüter in der Liste. Doch haben die auch ein größeres Entwicklungspotential und haben damit einen automatisch höheren Marktwert. Das zeigt aber, dass die Vereine auf Torhüter setzen, die 25+ sind. Die Altersklasse, in der sich Sippel gerade befindet.
Die Frage bleibt zudem, ob ein Torhüter mit wenig Erfahrung in solchen Situationen bestehen kann. Der FCK möchte wieder erstklassig werden. Es geht dem Verein nicht darum, dass man um die Mittelfeldplätze der zweiten Liga spielt. Es geht um nicht weniger als einen Platz unter den besten 3. Und wenn das erreicht ist, und man wieder in der ersten Liga spielt, geht es, aller Voraussicht nach, um den Abstieg. Da muss sich ein Torhüter erst einmal zurechtfinden. Wie gesagt, ich möchte nicht abstreiten, dass ein junger Torhüter das nicht kann. Aber manchmal braucht es eine gewisse Erfahrung.
Zudem hat die ganze Sache noch einen weiteren faden Beigeschmack. Wenn der Verein sagt, dass Sippel gehen muss, wenn sie nicht aufsteigen, wird quasi ihm die Schuld am verpassten Aufstieg gegeben. Doch zu einer Mannschaft gehören noch mehr Spieler.

Wie gesagt, es ist legitim Spieler zu verkaufen oder den Kader zu verjüngern. Aber wenn der Generationenwechsel bereits mit 26 Jahren erfolgen soll, sind das bedenkliche Schritte, die der Fußball gehen wird. Dass es manchmal doch von Vorteil sein kann, wenn ein paar Spieler an der 30er-Grenze kratzen hat man jüngst bei der WM in Brasilien gesehen. Das gleiche Team, welches 2010 noch gegen Spanien im Halbfinale verlor, war endlich reif für den Titel. Vielleicht ist zu jung nicht immer gut. Als Beispiel fällt mir Sven Ulreich vom VfB Stuttgart ein. Der war auch die Nummer eins bei den Schwaben, bot allerdings keine überragenden Leistungen. Somit verpflichtete man mit Jens Lehmann einen erfahrenen Torhüter, hinter dem sich Ulreich entwickeln konnte. Noch heute pflegen beide einen intensiven Kontakt. Ulreich ist für die zwei Jahre hinter Lehmann dankbar. Ohne ihn hätte er nicht diese Entwicklung nehmen können. Denn der Unterschied bei seiner Leistung ist doch erkennbar.

Im Übrigen befindet sich Skispringer Noriaki Kasai mit 41 noch lange nicht am Zenit. Mit über 40 wurde er bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotchi älterster Medaillengewinner. Genau so wie Albert Demtschenko und Ole Einar Björndalen, die auch mit über 40 bei diesen Spielen Medaillen holten, Björndalen sogar Olympiasieger wurde. Aber das nur am Rande.
Der älteste Spieler der Champions League war im Übrigen Marco Ballota, der mit 43 Jahren und 253 Tagen bei Lazio Rom gegen Real Madrid spielte. Als Torhüter, selbstverständlich.

Ich wünsche Tobias Sippel wirklich alles Gute. Und dass er einen Verein finden wird, der seine Treue zu schätzen weiß und bei dem er zeigen kann, dass ein 26-jähriger Torhüter noch lange nicht zum alten Eisen im Fußball gehört.

Montag, 19. Januar 2015

Porsche hat keine Lust auf die Formel 1

Niki Lauda und Alain Prost dürften beide sehr positive Erinnerungen mit dem Engagement von Porsche in der Formel 1 haben. Von 1984 bis 1986 bauten die Zuffenhausener einen Motor, der die Konkurrenz stellenweise weit hinter sich hielt. Insbesondere ist hier das Jahr 1984 zu nennen, als das Duo zwölf von sechzehn Rennen gewinnen konnte. Doch seit 1991 haben die Schwaben nichts mehr mit der selbsternannten Königsklasse zu tun. Was auch auf Dauer so bleiben wird, wie jetzt der Porsche-Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz erklärte.

Nicht nur Nostalgiker hätten gerne Porsche wieder in der Formel 1 gesehen. Womöglich ein weiterer Rennstall aus Deutschland, neben Mercedes, welches um die WM fahren kann. Doch daran denkt Porsche nicht, wie Wolfgang Hatz nun bekannt gab. Stattdessen möchte man sich lieber auf die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) konzentrieren. Was durchaus nachvollziehbar ist.

Denn der Einstieg in der Formel 1 ist nicht immer ganz leicht. Das mussten Teams, wie Marussia, Caterham und HRT schmerzhaft erfahren. Jahrelang fuhr man dem Feld hinterher und war noch nicht einmal in der Lage, sich einen WM-Punkt zu holen. Erst 2014 gelang es Jules Bianchi im Marussia die ersten Punkte zu holen. Nach über 90 gefahrenen Grand Prix'. Sicherlich könnte man nun entgegen halten, dass Porsche vermutlich ein wesentlich höheres Budget zur Verfügung hätte und man damit wesentlich schneller Punkte sammeln könnte. Trotzdem ist der Anspruch der Zuffenhausener ein anderer. Fünf Mal konnten sie bereits einen WM-Titel in der Formel 1 holen. Nicht minder dürfte der Anspruch auch über 30 Jahre später sein. Man möchte Titel ins Ländle bringen. Und bis das Team dort ist, wo aktuell Mercedes, Red Bull und Ferrari stehen, würde eine zu große Zeit, zu viele Ressourcen und vermutlich zu viel Geld benötigt werden.

Stattdessen gilt die Konzentration einer anderen Rennserie, nämlich der Langstrecken-WM. Dort, wo man bereits das prestigeträchtige 24 Stunden Rennen in LeMans 16 Mal gewinnen konnte, was bis jetzt noch nicht getoppt werden konnte. Mit dem letzten Gesamtsieg aus dem Jahre 1998 verabschiedete man sich schließlich aus der Klasse der Protoypen, um sich auf die kleineren Klassen konzentrieren zu können. Zur Saison 2014 folgte schließlich das Comeback. Und gleich wurde der ehemalige Formel 1-Pilot Mark Webber als den wohl bekanntesten Fahrer präsentiert.

Das Comeback selbst verlief besser, als manch einer gedacht hätte. Viele hatten der Konkurrenz um Audi und Toyota einen großen Vorsprung vorhergesagt. Doch im Schwabenländle leistete man eine hervorragende Arbeit. Von Anfang an war das Team konkurrenzfähig. Fuhr sogar in LeMans um den Sieg mit, bis ein technisches Problem für den Ausfall und damit dem Ende aller Träume sorgte. Es dauerte schließlich bis zum letzten Rennen, den 6 Stunden in Sao Paulo, ehe das Team den ersten Sieg einfahren konnte. Doch am Ende schloss das Trio Marc Lieb/Romain Dumas/Neel Jani die WM auf dem dritten Platz der Fahrerwertung ab.

Und genau da liegt der Reiz für Porsche. In einer Serie, in der man von Beginn an mithalten kann. Sicherlich wäre der 17te Erfolg in LeMans eine Überraschung im Premierenjahr nach dem Comeback gewesen. Dennoch war diese erste Saison mehr als nur ein Lehrjahr. Das Team wird genug Erkenntnisse gesammelt haben, um das Auto für 2015 entsprechend weiter zu entwickeln. Technische Probleme, wie in LeMans, dürften demnach weniger häufig auftreten.

Davon profitiert auch der Fan. Denn ein Team, welches über allen thront, bei einem Rennen, welches einen kompletten Tag dauert, dürfte wohl die wenigsten begeistern. Ein Dreikampf hingegen, wie er seit 2014 nun der Fall ist, elektrisiert hingegen den Motorsport-Fan.

Doch für Porsche gibt es noch mehr Gründe nicht in der Formel 1 anzutreten. So äußerte sich Wolfgang Hatz auch negativ der Motorenentwicklung gegenüber. In der LMP1-Klasse (LeMans-Protoyp 1) der WEC hätte das Team wesentlich mehr Spielraum, als in der Formel 1. Zudem seien die Technologien, die in der Langstrecken-WM verwendet werden, sehr nah an dem dran, was man auch in der Serie einsetzen möchte. Die Arbeit zwischen der Rennserie und der Serienproduktion sei viel enger. Dadurch spart das Unternehmen auch gleichzeitig Geld. Weiterhin ist das Team hinter dem Team wesentlich kleiner. So brauchte Mercedes GP etwa 1.000 Mitarbeiter, die am WM-Titel 2014 beteiligt waren. Bei einem Team in der WEC kommen lediglich 300 zum Einsatz.

Porsche dürfte nicht ein Einzelfall bleiben. Nachdem Toyota sich 2009 aus der Formel 1 zurückzog, stiegen die Japaner 2012 in die WEC ein. Und konnten 2014 dann mit Anthony Davidson und Sebastian Buemi nicht nur die beiden Fahrer-Weltmeister stellen, sondern am Ende auch den Konstrukteurs-Titel gewinnen. Für 2015 hat sich schließlich Nissan für die LMP1-Klasse angemeldet. Weitere Teams dürften in naher Zukunft folgen. Die Fia hat bei der WEC eben ein Reglement vorgelegt, welches für Hersteller durchaus interessant ist. Während die Formel 1 immer mehr den Ruf der teuren Rennserie bekommt. Vor allem, weil zur Saison 2015 mit 9 Teams so wenige, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Auch hier dürfte sich in naher Zukunft nicht viel ändern. Am Ende muss dann auch das Verhältnis zwischen Aufwand und Leistung stimmen. Und hier sieht Porsche den größtmöglichen Gewinn in der WEC.

Dienstag, 13. Januar 2015

Weltfußballer 2015: Ronaldo stört deutsche Titelsammlung

Die Diskussion im Vorfeld war groß: Würde Manuel neuer als erster deutscher Spieler seit Lothar Matthäus und als erster Torwart insgesamt Weltfußballer werden? Oder kann sich erneut Cristiano Ronaldo durchsetzen? Am Ende entschied der Portugiese, wie schon 2008 und 2013 die Wahl für sich. Ein kurzer Einblick in Wahl.

Doch alles der Reihe nach. Schließlich standen an diesem besagten Abend mehr als nur die Wahl des Weltfußballers an. Auch die Titel um die Weltfußballerin, sowie je den Welttrainer bei den Männern und bei den Frauen.

Trainer/in des Jahres (Frauen)
Nominierte: Ralf Kellermann (Deutschland, VfL Wolfsburg), Maren Meinert (Deutschland, U20), Norio Sasaki (Japan, Nationaltrainer)

Während Maren Meinert 2014 zum zweiten Mal nach 2010 mit den U20-Juniorinnen den WM-Titel gewinnen konnte, blieb Norio Sasaki, Welttrainer 2011, im vergangenen Jahr ohne Titel. Was aber daran lag, dass er lediglich Nationaltrainer der japanischen Frauennationalmannschaft ist und im vergangenen Jahr kein Turnier gespielt wurde.
Trotzdem kommen, aus meiner Sicht, beide nicht an Ralf Kellermann vorbei. Schon im letzten Jahr musste er sich Silvia Neid (Europameisterin mit der Nationalmannschaft der Frauen) geschlagen geben. Und das, obwohl er mit dem VfL Wolfsburg das begehrte Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League gewann. Als erster deutscher Club wohlgemerkt. 2014 folgte dann sowohl die Verteidigung der Meisterschaft, als auch der Champions League. Folglich konnte es keine andere Wahl geben. Kellermann hat gezeigt, dass der Triumph kein Überraschungscoup war, sondern dass er sein Team in die europäische Spitze gebracht hat. Daher war er nur die logische Wahl.

Trainer des Jahres (Männer)
Nominierte: Joachim Löw (Deutschland, Bundestrainer), Carlo Ancelotti (Italien, Real Madrid), Diego Simone (Argentinien, Athletico Madrid)

Auf den ersten Blick mag die Wahl eindeutig sein: Jogi Löw (der die Wahl dann auch für sich entschied) müsste eigentlich die Trophäe bekommen. Im Grunde war die Wahl auch verdient. Löw hatte die Mannschaft so aufgebaut und zusammengestellt, dass der vierte WM-Titel für Deutschland möglich wurde. Und diese Leistung musste man ihm einfach anrechnen. Er hat es seinen Kritikern gezeigt und bewiesen, dass er doch Titel holen kann.
Trotzdem sollte man auch hier die anderen beiden Trainer und ihre Erfolge nicht missachten. Als Carlo Ancelotti bei Real Madrid anheuerte, fand er einen Scherbenhaufen vor sich. José Mourinho hatte die Mannschaft auseinander gebracht. Ancelotti musste einiges an Aufbauarbeit leisten. Schließlich gelang ihm in seiner Premierensaison das, was sich alle Anhänger gewünscht hatten: Den ersehnten, zehnten Titel in der Champions League. Dazu kommt nicht nur der Titel im Spanischen Pokal und der Club-WM, sondern auch ein Team, welches in bestechender Form sich präsentierte und gegen Jahresende immerhin 22 Siege in Folge erreichte.
Die weitaus größere Leistung erzielte, aus meiner Sicht und im direkten Vergleich, Diego Simone. Seit Jahren bestimmte die Phalanx von Real Madrid und dem FC Barcelona den Fußball. Kein Club konnte dagegen etwas machen. Alle Titel wurden lediglich unter diesen beiden Mannschaften ausgespielt. Bis Athletico Madrid kam. Mit einem Budget, welches sicherlich nicht an die des FC Barcelona oder Real Madrid heranreicht, haben die Verantwortlichen ein Team aufgebaut, welches den beiden nicht nur gefährlich werden konnte. Athletico spielte um Titel mit. Nicht nur der Sieg im Pokalwettbewerb 2013. Die Krönung war schließlich die Meisterschaft 2014. Und beinahe hätte es auch im gleichen Jahr zum Triumph in der Königsklasse gereicht. Trotz zahlreicher Abgänge präsentierte sich das Team auch 2014/15 erneut stark. Diese Arbeit geht in der Jagd auf Titel vielleicht ein wenig unter, sollte aber dennoch Beachtung finden.
Dennoch ist auch aus meiner Sicht Joachim Löw die logische Wahl.


Weltfußballerin des Jahres
Nominierte: Nadine Keßler (Deutschland, VfL Wolfsburg), Marta (Brasilien, FC Rosengård), Abby Wambach (USA, Western New York Flash)

Sowohl Marta, als auch Wambach wurden bereits als Weltfußballerinnen ausgezeichnet. Beide genießen einen hohen Bekanntheitsgrad in dem doch größtenteils am Rand stattfindenden Frauenfußball. Daher wurden im Vorfeld Nadine Keßler eher Außenseiterchancen zugetraut.
Dennoch konnte sich die Südwestpfälzerin gegen ihre Konkurrentinnen durchsetzen. Als Kapitänin des VfL Wolfsburg kann sie die gleiche Titelsammlung aufweisen, wie ihr Trainer Ralf Kellermann. 2013 das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League; ein Jahr später dann nochmals Meister und Champions League-Sieger. Darüber hinaus konnte sie mit der Nationalmannschaft den Argave-Cup gewinnen, eines der wichtigsten Turniere im Frauenfußball.
Auch wenn Marta und Wambach seit Jahren Aushängeschilder ihrer Sportart sind, war das vergangene Jahr doch weniger von Erfolg gekrönt. Die USA schied bereits in der Gruppenphase im Algarve-Cup aus; Marta verlor mit ihrem Club Tyressö FF ausgerechnet gegen Wolfsburg das Finale der Champions League. Damit gingen die beiden wichtigsten Titel des abgelaufenen Jahres an Keßler. Die zweikampfstarke Spielgestalterin ist dabei nicht nur der kreative Mittelpunkt des Spiels, sondern auch Antreiberin der Mannschaft. Hinzu kommen 17 Tore in der abgelaufenen Saison, die wohl ihre bisher stärkste war.
Aus diesem Grund ist die Wahl mehr als nur gerechtfertigt. Insbesondere, da bei der Wahl auch die Leistung und das Verhalten abseits des Platzes eine Rolle spielt. Keßler tritt damit in die Fußstapfen von Birgit Prinz und Nadine Angerer, die letztes Jahr ausgezeichnet wurde. Gleichzeitig zeigt es aber auch, wie erfolgreich der deutsche Frauenfußball nicht nur in der Nationalmannschaft, sondern auch auf Clubebene mittlerweile ist.


Weltfußballer des Jahres
Nominierte: Cristiano Ronaldo (Portugal, Real Madrid), Lionel Messi (Argentinien, FC Barcelona), Manuel Neuer (Deutschland, FC Bayern München)

Manuel Neuer im Kreis der Titelträger der letzten 5 bzw. 7 (der FIFA Ballon D'Or wird erst seit 2010 vergeben, 2008 und 2009 wurden Ronaldo, bzw. Messi mit dem Ballon D'Or ausgezeichnet) Jahre. Nicht nur im Vorfeld, sondern vor allem nach der Wahl entstanden heftige Debatten, wer denn die Auszeichnung aus welchem Grund verdient gehabt hätte.
Im Grund hätten es alle drei verdient gehabt.
Messi hatte zwar mit Barcelona ein enttäuschendes, titelloses Jahr. Trotzdem war er bei der WM der Garant dafür, dass Argentinien erst das Finale erreichen konnte. Messi war der Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Stellenweise brauchte er noch nicht einmal einen Vorlagengeber für seine Tore. Während, und jetzt lehne ich mich mal ein wenig aus dem Fenster, Deutschland auch mit Roman Weidenfeller im Tor das Finale erreicht hätte, hätte es Argentinien ohne einen Lionel Messi nicht geschafft. Deutschland konnte in diesen vier Wochen mit einer hervorragenden Teamleistung überzeugen, während Argentinien auf Messi setzte. Dass er im Finale nicht ganz die Leistung gebracht hat ist zwar schmerzhaft für ihn und das Land, kann aber trotzdem nicht zum Vorwurf gemacht werden, da eben auch noch zehn andere Spieler auf dem Platz stehen. Dass er erneut Weltfußballer werden würde, war aber dennoch eher unwahrscheinlich, da er bereits bester Spieler der WM wurde und mit Barcelona eben ein titelloses Jahr hinter sich hatte.
Manuel Neuer hingegen konnte sich mit dem Weltmeistertitel krönen. Vor allem das Spiel gegen Algerien, als er als Libero agierte, dürfte vielen noch im Kopf sein. Doch auch seine blitzschnellen Paraden gegen Frankreich sicherten Deutschland letztlich das Weiterkommen. Im Finale war er dann ebenfalls für den Gegner nicht zu überwinden. Ein starker Rückhalt für die komplette Mannschaft. Es spielt sich vermutlich einfacher, wenn man weiß, dass da hinten einer steht, der die Bude dicht macht. Hinzu kommt das Double mit dem FC Bayern aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Die Chance war da, dass der erste deutsche Weltfußballer nach Lother Matthäus Manuel Neuer heißt.
Gäbe es da nicht den dritten im Bundes: Cristiano Ronaldo. Eines vorweg: Während ein Messi bei der WM richtig aufblühte, konnte Ronaldo mit Portugal keinen Stich setzen. Trotzdem gilt auch, wie bei Messi, dass eben noch zehn andere auf dem Platz stehen, die auch ihre Leistung bringen müssen. Da kann auch ein Spieler mit Weltklasseformat oftmals nichts mehr ändern. Des Weiteren kämpfte der Portugiese trotz Verletzung angeschlagen für sein Land und war nach der WM fix und alle. Doch während es mit der Nationalmannschaft nicht gut lief, präsentierte er sich auf Clubebene um so stärker: Copa del Rey-Sieger im Finale gegen Barcelona, sowie Sieger in der Champions League und letztlich, gegen Jahresende, auch Sieger der FIFA Club WM. Mit 31 Toren wurde er zudem Torschützenkönig in der Liga. Weiterhin bedeuten 17 Tore in der Champions League ein neuer Rekord. Kurz um: Er trifft und trifft. In 56 Spielen für Real traf er unglaubliche 60 Mal. Eine fast unvorstellbare Quote. In der Liga traf er in 181 Spielen für Real bereits 203 Mal. Trotzdem kommen hier die verpasste Meisterschaft, vor allem aber die WM hinzu.

Aus meiner Sicht war es damit ein Zweikampf zwischen Neuer und Ronaldo. Messi bestach bei der WM und wurde damit entsprechend honoriert. Am Ende wurde Cristiano Ronaldo gewählt. Nicht verwunderlich, dass in Deutschland ein Sturm der Entrüstung ausbrach. Franz Beckenbauer, Lichtgestalt, konnte die Wahl nicht nachvollziehen und argumentierte im Sky-Interview damit, dass kein Erfolg, sondern nur das Auftreten zähle. Einige Sportjournalisten sprachen gar von einer unverdienten Wahl.
Wie gesagt: Meiner Meinung nach hätten es beide verdient gehabt. Aus deutscher Sicht ist es nachvollziehbar, dass nach dieser WM kein Deutscher ausgezeichnet wurde. Allerdings ist, wie 2010 gezeigt hat, der WM-Titel nicht automatisch die Garantie dafür, dass der Weltfußballer auch aus der siegreichen Nation hervorgeht. Weiterhin wählen auch kleinere Länder mit, in denen Messi und Ronaldo vermutlich bekannter sind, als ein Manuel Neuer, der es als Torwart ohnehin recht schwer hat. Wenn ein Torwart im Finale einer WM nicht den entscheidenden Elfmeter hält, wird es ohnehin eng.
Trotzdem sollte man sich davor hüten, Ronaldo als unverdienten Sieger bezeichnen. Denn nicht nur der Portugiese hatte seine Schwächephase, sondern auch Neuer. So musste er sich im Halbfinale der Champions League mit dem FC Bayern mit 5:0 Real Madrid geschlagen geben. Vier Tore davon fielen im Heimspiel in München. Sicherlich keine Glanzleistung. Des Weiteren waren einige Aktionen bei der WM doch stellenweise gefährlich. Bei den Offensivaktionen, bei denen er stellenweise in die Gegenspieler grätschte, hätte es auch durchaus die rote Karte geben können, wenn er den Spieler falsch trifft. Oder aber ein Lupfer und er wäre überwunden gewesen. Gleiches gilt im Finale, als er Higuain an der Strafraumgrenze hart angeht. Das waren stellenweise Aktionen an der Grenze. Sein Vorteil war, dass sie alle gut gingen und die Schiedsrichter auch ein Auge zudrückten. Daher ist nicht alles Gold, was auch glänzt. Bitte nicht falsch verstehen: Manuel Neuer ist, vermutlich mit Abstand, der beste Torhüter, den es auf der Welt im Moment gibt. Dennoch hat er, aus meiner Sicht, das Torwartspiel nicht revolutioniert, da es oftmals wirklich an der Grenze ist. Ebenso bleibt festzuhalten, dass die Wahl eine individuelle Auszeichnung ist.
Des Weiteren lohnt es sich auch die Plätze hinter Manuel Neuer anzuschauen. Denn mit Thomas Müller (5.), Philipp Lahm (6.) und Toni Kroos (9.) haben es drei weitere deutsche Spieler in die Top10 geschafft. Hinzu kommen noch Mario Götze (15.) und Bastian Schweinsteiger (18.). Keine andere Nation hat so viele Spieler unter den 23 Nominierten, wie Deutschland. Und auch das zeigt, wie der WM-Titel gewonnen wurde: Nämlich als Team. Genau dieses war in Brasilien der Star. Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass so viele Deutsche in dieser Liste zu finden sind? Vor 10 Jahren, als wir sang- und klanglos bei der EM in Portugal in der Vorrunde ausgeschieden sind? Als Jürgen Klinsmann und Jogi Löw die Mannschaft sukzessive aufgebaut haben?
Daher würde ich eher den Wahlmodus kritisieren wollen, als den Gewinner. Denn diese Tore müssen erst einmal geschossen werden. Für mich geht, auch unabhängig davon, dass ich für Real Madrid bin, die Wahl in Ordnung. Genau so, wie es bei einem Weltfußballer Manuel Neuer in Ordnung gewesen wäre.

Allerdings steht auch in den Regularien zur Wahl zum Weltfußballer, dass das Verhalten auf und abseits des Platzes eine gewisse Rolle spielt, beziehungsweise spielen sollte. Und so kommt plötzlich ein ganz anderer Name ins Spiel, der den Titel durchaus verdient gehabt hätte. Nämlich der Weltmeisterkapitän, Philipp Lahm. Nicht nur, dass er spätestens seit 2006 zur absoluten Weltklasse der Abwehrspieler gehört und dies auch über solch langen Zeitraum dieses Niveau hält. Lahm zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Ganz gleich, ob das die ungewohnte 6er-Position ist oder doch wieder als Rechtsverteidiger. Zudem tritt der Kapitän des FC Bayern nie arrogant oder überheblich in Erscheinung. Wohingegen Neuer und vor allem Ronaldo dieses Auftreten fast schon als ihr Markenzeichen deklarieren.
Doch auch ein Bastian Schweinsteiger ist mir persönlich bei der Bewertung ein wenig zu kurz gekommen. Für mich war er in Rio der Schlüsselspieler. Nicht unbedingt wegen seiner Leistung auf dem Platz. Vielmehr wegen seiner Leidenschaft und dem unbedingten Willen, alles geben zu wollen. Das hat sich nicht nur darin geäußert, dass er trotz Cut weiter gespielt hat. Er hat sich auch, wie einige Spieler später berichteten, um diejenigen gekümmert, die kaum bis keine Einsatzzeiten hatten. Auch er zeigt als Spieler wenig Arroganz.

Man kann es drehen und wenden, wie man möchte. Es gibt zahlreiche Spieler, die ein herausragendes Talent haben. Es wird nie eine Wahl geben, mit deren Ergebnis alle am Ende zufrieden sind. Es gibt zu viele verschiedene Typen, Positionen und Leistungen, die es da zu beachten gilt. Und irgendeiner wird sich immer übergangen fühlen.

Vielleicht sollte man einfach mal den Modus überdenken. Es ist schwer einen Torwart mit einem Stürmer, einen Abwehrspieler mit einem Mittelfeldspieler zu vergleichen. Vor allem Defensivspieler haben doch einen schweren Stand sich gegen die Offensivkünstler durchzusetzen. Vielleicht sollte die FIFA ins Auge fassen, anstatt einen Gesamtweltfußballer, vier Positionsweltfußballer zu prämieren. Sicherlich würde es dann immer noch Diskussionen geben. Was aber nicht schlecht ist, da der Fußball oder der Sport generell, auch ein stückweit davon lebt. Trotzdem wäre eine bessere Vergleichbarkeit gewährleistet.

Für mich sind die vier Gewinner auch verdient und eine nachvollziehbare, wenn nicht sogar logische Wahl.

Einen Diskussionspunkt hätte ich zum Abschluss aber noch. Am gleichen Abend wurde auch die Wahl der FIFA Elf des Jahres verkündet. Vor allem, da die Abstimmung durch ein Gremium erfolgte, welches sich eigentlich in der Materie auskennen müsste.
Zunächst einmal die Mannschaft: Neuer - Lahm, David Luiz, Thiago Silva, Sergio Ramos - Iniesta, Kroos, di Maria - Robben, Messi, Ronaldo

Über die Torhüterposition, sowie Mittelfeld und Sturm muss man eigentlich nicht diskutieren. Das dürfte wohl die beste Besetzung für das abgelaufene Jahr sein. Ebenso Sergio Ramos und Philipp Lahm in der Verteidigung. Allerdings frage ich mich, was David Luiz und Thiago Silva in dieser Elf suchen. Sowohl auf Vereinsebens, als auch mit der Nationalmannschaft konnten beide nicht wirklich viel reißen. Wo sind ein Alaba oder ein Boateng? Aber auch ein Mats Hummels hätte in diese Elf gehört. Letzterer erreichte im internationalen Vergleich auf Vereinsebene genau so viel, wie die beiden Brasilianer, nämlich das Viertelfinale der Champions League. Allerdings war er Stammspieler in der Weltmeisterelf. Und über Boateng muss man kaum viel Worte verlieren, da er nicht nur im Verein, sondern auch bei der WM eine Leistung bot, die Weltklasse war. Solche Spieler gehören einfach in solche eine Elf. Doch auch hier zeigt sich, dass ohne die gewisse Bekanntheit eben gleichstarke Spieler weniger Chancen haben. Vielleicht sollte man auch hier nochmals den Modus überdenken, um möglichst faire Bedingungen zu schaffen.

Dennoch muss man auch hier festhalten: Eine Wahl bleibt, egal wie, immer subjektiv. Man wird es nie allen recht machen können. Was vielleicht auch gar nicht schlecht ist. Denn worüber sollten sonst Journalisten schreiben und ich bloggen, wenn alle einer Meinung sind.

Montag, 21. Juli 2014

Hockenheimring - Wenig Besuch bei Rosbergs Heimspiel

Er ist nicht nur Führender der WM. Er startete auch mit einer Hommage an den vierten Titelgewinn der Fußball-Nationalmannschaft. Und bei seinem Heimspiel wollte er einen weiteren Schritt in Richtung Titelgewinn gehen. Die Rede ist natürlich von Nico Rosberg. Doch auf all zu große Unterstützung konnte er bei seinem Heimrennen nicht wirklich setzen.

Der Grund: Von 95.000 Karten wurden gerade einmal 45.000 verkauft. Weniger als die Hälfte. Damit geht das große Rätselraten los. Weshalb sind die Deutschen keine Motorsportfans mehr? Ziehen Vettel und Rosberg weniger als Zugpferde, als noch ein Michael Schumacher?

Theorien gibt es viele. So habe der Österreich GP vor wenigen Wochen zahlreiche Zuschauer angezogen, die eigentlich hätten auf den Hockenheimring gehen müssen. Zudem noch die Weltmeisterschaft, die vielen noch in den Knochen steckt.

Allerdings möchte ich hier doch Bedenken äußern. Selbst wenn Spielberg ein paar deutsche Fans gewonnen hat, kann hier unmöglich von 50.000 die Rede sein. Da beim freien Training am Freitag gar nur 10.000 Personen an der Strecke waren, wäre die Zahl hierbei noch deutlicher.
Auch die Fußball-Weltmeisterschaft kann nicht mehr als Grund herhalten. Sicherlich hat der Fußball in den letzten Wochen alles überstrahlt. Und es gab auch mit Sicherheit zahlreiche Personen, die vor Ort in Brasilien waren. Aber auch das finde ich zu weit hergeholt. Selbst diese Zahl würde das Rennen auf dem Hockenheimring nicht ausverkauft machen.

Man muss nur mal einen Blick auf die verkauften Tickets werfen. Die der 99-Euro-Kategorie waren nämlich binnen weniger Wochen ausverkauft. Die nächste Kategorie steigt bei 165 Euro ein und geht bis weit über 500 Euro. Das möchte einfach niemand zahlen.
Nehmen wir nur mal eine fünfköpfige Familie, die dort hin möchte. Da gehen, wenn sie die 165 Euro-Tickets kaufen, 825 Euro nur für den Eintritt drauf. Hinzu kommt Anfahrt, Verpflegung, etc. Das grenzt schon an einen Kleinurlaub.

Doch jetzt kommt das große "ABER" der Veranstalter und von Bernie Ecclestone. Denn die Ticketpreise für die Formel 1 sind überall auf der ganzen Welt gleich. Da darf sich ja dann niemand beschweren.

Ist dem wirklich so? Ich denke doch nicht. Da sollten die Verantwortlichen mal ein wenig darüber nachdenken, warum es keine Tickets für 99 Euro mehr gibt, wohl aber welche, die teurer sind. Viele sind einfach nicht bereit, für 90 Minuten Rennsport 200 Euro zu bezahlen. In Interviews wurden immer wieder Preise zwischen 20 und 100 Euro genannt.

Doch der Veranstalter stellt sich quer. Auch niedrigere Ticketpreise würden das Haus nicht voll machen, ansonsten hätte man schon längst darauf reagiert. Ebenso hätte man seit 10 Jahren die Tickepreise nicht verändert.

Das ist ja auch schön und gut, dass die Preise konstant sind. Bedacht wurde hierbei aber auch nicht die Inflationsrate, wodurch die Preise im Endeffekt doch teurer wurden, trotz gleichem Preis. Aber das nur mal so am Rande.

Ich glaube, dass der Veranstalter noch in der Schumi-Ära lebt. Als es Zeiten gab, in denen man keine Tickets mehr bekam. Als Hockenheim komplett mit Schumi-Fans regelrecht überflutet war. Fans, die keine Sekunde verpassen wollten. Und dementsprechend auch das Geld an die Rennstrecke brachten.
Allerdings ist diese Zeit vorbei. Der Boom, den Schumacher ausgelöst hatte, geht so langsam zurück. Trotz Erfolge von Vettel und Rosberg. Die Pilgerströme reißen ab. Doch der Veranstalter will dies anscheinend nicht wahrhaben. Sicherlich spielen auch die Regeländerungen eine Rolle. So werden immer wieder die viel zu leisen Aggregaten kritisiert, da diese nichts mehr mit Formel 1 zu tun hätten. Durchaus nachvollziehbar, aus meiner Sicht.
Aber ich denke, dass man sich so langsam Gedanken machen muss, welche Richtung man denn einschlagen möchte. Die Formel 1 erweist sich in vielen Ländern immer mehr als ein Verlustgeschäft. Nur durch Subventionen, Sponsoren oder anderen Geldgebern ist es möglich, Rennen am Laufen zu halten. Angesichts dieser erschreckenden Zahlen, stehen auch die Rennen in Deutschland auf dem Spiel. Und das, obwohl man auf ihnen die Geschichte des Motorsports sehen kann, vor allem beim Nürburgring. Ich hoffe echt, dass da bald ein Umdenken stattfindet und die Situation analysiert wird. Denn mit einer Auslastung von 50% wird sich das Rennen nicht dauerhaft halten können.

Sonntag, 20. Juli 2014

Selfie-Wahn bei der Tour de France

Die us-amerikanische Sängerin Taylor Swift schrieb unlängst in einem Artikel, dass Selfies die neuen Autogrammkarten sind. Fans wollten vielmehr ein Bild mit ihrem Star, als die Unterschrift. Bei der diesjährigen Tour de France nimmt dies aber Züge an, die nicht mehr vertretbar sind.

Zugegeben: Stürze hat es bei der Frankreich-Rundfahrt schon immer gegeben. Diese wurden aber meist von den Fahrern selbst verschuldet. Anders in diesem Jahr. Immer mehr Selfie-Jäger drängen auf den Plan, um ein Foto von sich und ihrem Star zu schießen. Dass dabei keine Grenzen eingehalten werden, zeigen zahlreiche Stürze von Top-Athleten. Einer, dem durchaus Chancen auf den Gesamtsieg zugetraut worden ist, ist wohl das prominenteste Opfer.

Die Rede ist von Andy Schleck. Seines Zeichens Sieger der "Großen Schleife" aus dem Jahr 2010, als der eigentliche Sieger, Alberto Contador, wegen Dopings disqualifiziert wurde und der zweitplatzierte Schleck nachrückte. Der Luxemburger hatte das Pech und stieß mit solch einem Selfie-Jäger zusammen. Das Ergebnis: Doppelter Kreuzbandriss, sowie Außen- und Innenbandriss im rechten Knie. Des Weiteren noch einen Meniskusriss und eine Knochenläsion. Das ist alles andere, als eine Schürfwunde. Das heißt zunächst einmal mehrere Monate lang Pause. Und dann bleibt die Frage, ob der in letzter Zeit eh schon schwächelnde Schleck wieder auf Topniveau kommt. Alles das Resultat eines verrückten Trends.

Einige Fahrer im Feld, meldeten sich bereits zu Wort. Tejay van Garderen (BMC) äußerte sich auf Twitter, dass dies ein "Mix aus Selbstgefälligkeit und Dummheit" sei. Der mehrfache Zeitfahrweltmeister Fabian Cancellara forderte "mehr Rücksicht und ein Eingreifen der Tour-Organisation".

Doch genau da kommt das Problem her. Denn die Organisation hat die Zuschauer aufgefordert, über einen bestimmten Hashtag Selfies von sich und den Fahrern zu posten. Allerdings mit der Einschränkung, dass dies nur am Start und am Ziel, wenn keine Gefahr mehr ausgeht, weil das Peloton still steht. Diese Einschränkung wird dann aber von manchen Zuschauern gekonnt ignoriert. Vielmehr wird es als Einladung gesehen, das bestmögliche Foto zu schießen. Dabei wird dann auch das Betreten der Straße bewusst in Kauf genommen. Ebenso die Tatsache, dass dadurch Fahrer gefährdet werden können, weil der Platz eben geringer wird. Des Weiteren spielt auch das Renngeschehen an sich keine Rolle mehr. Da das Feld nur wenige Sekunden sichtbar ist, geht die ganze Zeit drauf, um solch ein Bild zu machen. Der Sport gerät zur Nebensache. Es hat sich ein Event beim Event entwickelt, bei dem die eigentliche Sache nur der Mittel zum Zweck ist.

Im Internet stoßen solche Bilder nicht immer auf ein positives Echo. Eine Zuschauerin, die eines dieser Fotos hochgeladen hatte, bei dem sie doch sehr nah bei den Fahrern steht, musste sich ziemlich viele negative Äußerungen anhören seitens der Leser. Sie wieß die Schuld allerdings von sich. Immerhin war die Strecke ja nicht abgesperrt.

Einer der Fahrer soll daher auch einer Zuschauerin, die gerade ein Selfie schießen wollte, das Smartphone aus der Hand geschlagen haben, woraufhin dieses dann auf den Boden fiel. Eine verständliche Reaktion.

Was ist nun von dieser Entwicklung zu halten? Sicherlich nicht viel. Natürlich möchte man Erinnerungsstücke an dieses Ereignis haben. Ganz gleich ob das heute ist, oder vor 60 Jahren. Jeder Zuschauer hat doch gerne ein Bild, um zu zeigen, dass er wirklich dort war. Allerdings reicht es heute wohl nicht mehr aus hinter der Kamera zu stehen. Man muss nun auch davor sein. Und da wird dann billigend eine Verletzung der Fahrer in Kauf genommen. Der Sport gerät ins Abseits. Bei einer Sportveranstaltung sicherlich nicht das Optimum. Es gibt schließlich andere Möglichkeiten, um ein Erinnerungsfoto mit dem Fahrer zu schießen.
Das Problem an den Selfie-Jägern ist aber: Wie will man sie eindämmen? Die komplette Strecke abzusperren ist ein Ding der Unmöglichkeit. Einzig und allein ein Nichtbeachten der geposteten Bilder wäre eine Möglichkeit, um das Ganze einzudämmen. Vielleicht kann auch die Organisation diese Aktion rückgängig machen, um vielleicht doch an die Einsicht des Einen oder Anderen zu appellieren. Ansonsten bleibt da leider nicht mehr viel Spielraum.

Bleibt zu hoffen, dass dieser Trend doch ein wenig zurückgeht und die Zuschauer sich selbst und die Fahrer nicht unnötig in Gefahr begeben. Niemand will eine Sportveranstaltung, bei der die Favoriten keine Siegeschance mehr haben, weil sie von Zuschauern aus dem Rennen genommen werden. Ganz gleich, ob dies nun ein Selfie oder ein unachtsames Überqueren der Straße ist.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht - Zum Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle

Die Olympischen Spiele 2014 in Sotchi (Russland). Mittlerweile findet man nur noch in Almanachen diese Thematik. Gäbe es da nicht dieser dunkle Moment in der deutschen Sportgeschichte. Der Dopingfall von Evi Sachenbacher-Stehle zieht die schon vorher desolate Darbietung der Biatholonabteilung in ein noch düsteres Licht. Nun wurde das Ergebnis des Prozesses veröffentlicht.

Kurzer Rückblick, was geschehen war. Noch während der Olympischen Spiele wurde ein Dopingtest von Sachenbacher-Stehle als positiv ausgewertet. Die deutsche Delegation entschied sofort, dass die Athletin umgehend nach Hause fahren sollte. Wie sich herausstellte, hatte sie Nahrungsergänzungsmittel genommen, die verbotene Substanzen erhielten. Und hatte diese nicht testen lassen, ob sie zulässig sind oder nicht. Denn Ergänzungsmittel sind an sich nicht verboten. Nur Präparate, die eben Stoffe enthalten, die auf der Dopingliste stehen, dürfen von den Athleten nicht verwendet werden. Daher lassen die meisten Athleten diese Ergänzungsmittel vorher in einem Labor auf ihre Unbedenklichkeit testen. Nicht aber Sachenbacher-Stehle, zumindest nicht in diesem Fall. Auch wenn die 33-Jährige (bewusstes) Doping vehement bestreitet.

Nun hat der Biathlon-Weltverband IBU die Deutsche für zwei Jahre gesperrt. Diese will wiederum gegen dieses Urteil vorgehen. Es sei zu hart, da sie auf einer Stufe mit Athleten stehen würde, die bewusst und dauerhaft gedopt haben.

Was ist nun davon zu halten? Der ehemalige Langlaufbundestrainer Jochen Behle äußerte sich dazu wie folgt auf Sky: "Das Urteil ist konsequent, aber hart. Evi ist eine ehrliche Haut, ihr ist nachgewiesenermaßen ein Lapsus passiert. Andere, die vorsätzlich mit Epo betrügen, erhalten die gleiche Strafe."

Ich denke, dass dies den Nagel auch irgendwo auf den Punkt trifft. Ich möchte ihr hier noch nicht einmal bewusstes Doping unterstellen. Vielleicht hatte sie wirklich nicht gewusst, was in diesem Ergänzungsmittel enthalten ist. Aber Unwissenheit schützt eben vor Strafe nicht. Wir reden hier von einer erfahrenen Athletin, die nicht nur mehrfach an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften teilgenommen hatte, sondern auch Titel und Medaillen einfahren konnte. So zwei Olympiasiege im Langlauf 2002 und 2010. Eine Person mit dieser Erfahrung, darf nicht so leichtsinnig damit umgehen. Der Langlauf und Biathlon steht immer wieder im Fokus von positiven Dopingtests und Skandalen. Es ist klar, dass es Richtlinien gibt. Und sie wusste auch darüber Bescheid. Auch, wie man dagegen vorgehen und sich schützen kann. Sicherlich mag es ein wenig ungerecht sein, dass bei einem Nahrungsergänzungsmittel die gleiche Strafe gesprochen wird, wie bei jahrelangem Eigenblutdoping (EPO). Trotzdem bleibt die Einnahme von verbotenen Mitteln eine sportliche "Straftat", die auch sanktioniert werden muss.
So sympathisch mir Sachenbacher-Stehle auch ist und so sehr ich mich über ihre Olympiasiege (die nicht zur Diskussion stehen, bitte beachten!) gefreut habe. Sie ist eine erfahrene Sportlerin. Da darf solch ein Fehler einfach nicht passieren. Ich stecke nicht in der Haut drin. Doch ich denke, dass es kein großer Umstand ist, das Ding einzupacken, ins Labor zu schicken und untersuchen lassen. Danach hat man die Gewissheit, ob es regelkonform, oder -widrig ist. Daher muss dieses Vergehen auch bestraft werden.
Vielleicht kann man über die Höhe wirklich diskutieren. Allerdings weiß ich nicht, welches Ziel die Athletin nun anstrebt. Unter einem Jahr würde ich hier erst gar nicht anfangen. Es geht auch irgendwo darum, dass der Sport seriös bleibt und keine Fälle schafft, die dies in Frage stellen. Sicherlich sind Erfolgsaussichten da, beim Internationalen Sportgerichtshof CAS auf eine Verkürzung zu hoffen. Die hatten vor kurzem die Sperre des jamaikanischen Sprinters Asaffa Powel, der ebenfalls ein Stimulanz einnahm, verkürzt und ihm eine provisorische Starterlaubnis erteilt. Für sie persönlich wäre das von Vorteil, wäre sie nach Beendigung der Sperre 36 Jahre alt - da droht dann das Karriereende. Hierbei sollten dann aber die Experten vor Ort entscheiden, in wie weit eine Reduzierung möglich ist. Fakt bleibt aber: Um eine Sperre wird sie nicht herum kommen. Leider zu Recht.

Dienstag, 15. Juli 2014

Arjen Robben - Schwalbenkönig oder Genie?

Beinahe wäre er der Superstar dieser Weltmeisterschaft geworden. Ein Spiel fehlte Arjen Robben und den Niederlanden, um endlich den Traum vom WM-Titel wahrwerden zu lassen. Und der Bayern-Spieler wird immer wieder als herausragender Spieler der Oranjes gesehen. Allerdings nicht ganz makellos.

Spieler sollen Ecken und Kanten haben. Immer wieder wird dies gefordert. Der Fußball braucht Typen. Unbestreitlich, dass Arjen Robben einer dieser Typen ist. Doch seine Spielweise schwankt zwischen Genie und Chaos. Und bei dieser WM scheint es fast so, als würde er diese Rolle liebend gerne annehmen und perfektionieren.

Denkt man an diesen Spieler, fallen einem zunächst die unglaublichen Sololäufe über das halbe Spielfeld ein. Aber auch die Tore, wenn er sich vor dem Strafraum nach innen bewegt und dann den Ball im Winkel unterbringt. Zweifelsohne aus fußballerischer Sicht wirklich ansehnliche Momente. Nicht jeder Spieler ist dazu in der Lage.
Doch der Spieler Robben hat auch noch eine andere Seite. Wenn er zum Beispiel wieder einen Sololauf startet, aber anstatt den besser positionierten Mitspieler anzuspielen, selbst aufs Tor schießt. Wenn er trifft, wird er zum Held. Trifft er aber nicht, geht das hätte, wenn und aber los. Oder aber seine Aktionen innerhalb das Strafraums. Entweder versucht er den Torschuss, oder er versucht den Elfmeter rauszuholen. Deren hat er bei dieser WM gleich zu für sein Team geholt, was am Ende auch ein Grund für das Weiterkommen war. Doch über brutale Fouls braucht man oftmals gar nicht zu sprechen. Teilweise ist gar kein Körperkontakt im Spiel. Doch der Niederländer geht zu Boden. Immer wieder sieht man ihn dort während eines Spiels, fast so, als wolle er seinem Namen gerecht werden.

Auf der einen Seite wird er immer wieder zum Superstar erkoren. Der Mann, der Bayern zum Titel in der Champions League und zum DFB-Pokalsieg 2013 schoss. Der Mann, der mit zwei Toren am Verderben der Spanier bei der WM 2014 Anteil hatte. Doch auf der anderen Seite steht der Spieler, der immer wieder den Unmut der Fans auf sich zieht, eben auf Grund solcher Aktionen. Dabei hätte ein Spieler seines Formats das überhaupt nicht nötig. Doch anscheinend möchte er polarisieren. Immer wieder geht er zu Boden und versucht daraus einen Vorteil für die eigene Mannschaft zu gewinnen. Schwalben kommentiert er nach dem Spiel gerne mit "einer cleveren Aktion". Die Schiedsrichter fallen leider immer wieder darauf rein. Keine gelbe Karte wegen Schwalbe. Stattdessen wird die Fallsucht des Arjen Robben mit Elfmetern und Freistößen unterstützt.

Wie gesagt stehen seine fußballerischen Qualitäten außer Frage. Trotzdem geht dann diese Rolle einen Schritt zu weit. Ein Spieler muss nicht ständig über Schwalben den Vorteil erzielen. Vor allem diese dann auch noch zu loben und gut zu heißen. Denn Schwalben sind laut Regelwerk eben regelwidrig. Auch die Alleingänge müssen nicht immer sein. Es ist nicht verboten, auch mal den Pass an den besser positionierten Mann zu bringen. Dann würde auch niemand mehr über die Qualitäten eines Arjen Robben streiten. So aber bleibt die gespaltene Person bestehen. Selbst Arsene Wenger äußerte sich nach dem Champions League-Spiel des FC Arsenal gegen den FC Bayern wenig positiv über den Niederländer und bezeichnete ihn als "Schwalbenkönig". Auch Mexikos Teamchef Miguel Herrera forderte mehr Verwarnungen für Robben, damit er solche Aktionen unterlasse.

Es bleibt spannend, wie sich Robben nun nach der WM, in der Bundesliga verhält. Und ob die Schiedsrichter auf der Seite des Niederländers stehen oder Schwalben entsprechend ahnden.

Montag, 7. Juli 2014

HBL: Die nächst Runde Chaos

Der Handball wird ja in Deutschland immer wieder an zweiter Position der beliebtesten Ballsportarten, hinter Fußball, aufgelistet. Doch in den letzten Wochen wackelt dieser Platz doch sehr. Immer wieder ist der deutsche Handball in den Medien. Dabei lassen sich aber nur wenige positive Artikel finden.

In einem vorherigen Artikel bin ich ja auf die Thematik um den Bundestrainer eingegangen, die ja auch noch lange nicht beendet ist. Doch vor allem die Geschichte um die Lizenzvergabe des HSV Handball war in den letzten Wochen das Gesprächsthema schlechthin. Dabei hat sich gezeigt, dass die HBL nicht unbedingt ein gutes Händchen bewiesen hat. Aber der Reihe nach.

Wer schlecht wirtschaftet, bekommt keine Lizenz. Zugegeben: Ganz so einfach ist es im Sport dann doch nicht, kann doch ein Club weiterhin unter Auflagen weiterspielen. Da steckt noch einiges mehr dahinter, als nur die bloßen Zahlen über Gewinn, Verlust und Umsatz. Und trotzdem kommt es auf diese Zahlen eben auch an. Denn wenn ein Verein über Jahre hinweg unwirtschaftlich arbeitet, kann er nicht am Spielbetrieb teilnehmen. Dies hat nun den HSV Handball getroffen, der letztes Jahr immerhin die Champions League gewonnen hatte. Martin Schwalb wurde schon als Bundestrainer gesehen, weil er eben verfügbar war. Der Ausverkauf der Stars war eröffnet.
Doch mehr noch: Plötzlich freuten sich zwei andere Mannschaften. Nämlich die HBW Bahlingen-Weilstätten und die HG Saarlouis. Denn beide hätten sich dadurch in der jeweiligen Liga halten können, trotz sportlichem Abstieg. Nun heißt es für Bahlingen runter in Liga zwei und für Saarlouis ab in Liga drei.
Denn: Die Verantwortlichen des HSV wollten den Lizenzentzug nicht auf sich sitzen lassen und gingen in Revision. Bis nun ein Urteil gefällt wurde, welches überrascht. Die Lizenz wird doch wieder vergeben, die Mannschaft darf am Spielbetrieb teilnehmen und muss keinen Neustart in der dritten Liga machen. Frei nach dem Motto "alle guten Dinge sind drei", hat es also im dritten Anlauf mit der Lizenz geklappt. Der HSV Handball bleibt trotz aller Misswirtschaft erstklassig.
Die Fans und die Mannschaft freut dies sicherlich sehr. Doch Bahlingen und Saarlouis haben ihre Entrüstung bereits kund getan. Allerdings steckt aus meiner Sicht (und auch aus der Sicht zahlreicher "Insider") noch etwas anderes dahinter. Es geht um Misswirtschaft. Der Verein hat so viele Schulden angehäuft, dass Gehälter nicht bezahlt worden sind.
Die Frage, die man sich unweigerlich stellt, ist folgende: Was wäre im gleichen Fall, nur mit umgekehrten Vorzeichen passiert? Nehmen wir an, der HSV Handball hätte den Abstieg nicht vermeiden können und die HBW Bahlingen hätte dieses Lizenzverfahren am Hals? Würde ein weniger prominenter Club ebenfalls diese Zustimmung bekommen? Schwer zu sagen, doch gab es bereits andere Vereine, denen dieser Gang nicht erspart blieb.  Ich denke da zum Beispiel an HSG Nordhorn (heute HSG Nordhorn-Lingen), die 2008 nicht nur den EHF-Pokal gewannen, sondern auch den Zwangsabstieg auf Grund gleicher Voraussetzungen nicht vermeiden konnten.
Der Handball in Deutschland steht vor einem kritischen Punkt. Nicht nur die verpassten Qualifikationen und die Thematik um den Bundestrainer setzen der Sportart zu. Auch solche Entscheidungen sorgen dafür, dass der Handball in Deutschland das Gesicht verliert und an Seriosität einbüßt. Es ist nicht leicht hinter dem allgegenwärtigen Fußball im Fernsehen und den anderen Medien Fuß zu fassen. Da muss eben um jeden Cent gekämpft werden. Trotzdem gibt es Spielregeln, an die man sich zu halten hat. Und wenn dann ein prominenter Club davon betroffen ist, dann muss auch er die Konsequenzen tragen.
Auch wenn ich es aus sportlicher Sicht gut finde, dass Hamburg wieder mitmischen darf. Schließlich bringt das Abwechslung und Spannung rein. So sind mit dem THW Kiel, den Rhein-Neckar-Löwen, der SG Flensburg-Handewitt, den Füchsen Berlin und auch dem HSV zahlreiche Vereine in der Bundesliga, die Titelaspiranten sind. Die Spannung hat man nicht zuletzt in der vergangenen Saison gesehen, als nur wenige Tore den Meister ausgemacht haben.
Trotzdem bleibt es dabei, dass diese Vereine auch Wirtschaftsunternehmen sind. Es gilt mit dem Budget bestmöglich haushalten zu können. Und wenn dann Einbußen zu verzeichnen sind, muss man reagieren. Die Rhein-Neckar-Löwen haben das vorgemacht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Ich wünsche mir wirklich, dass der HSV hier die Kurve bekommt. Denn ich will mir nicht vorstellen, was passiert, wenn wir uns in einem Jahr in der gleichen Situation befinden. Dann werden die anderen Clubs nicht nur ein paar Worte dazu sagen, sondern mit Fackeln und Mistgabeln bei der HBL klingeln. Vor allem diejenigen, die wirtschaftlich solide arbeiten und als Konsequenz absteigen müssen. Es wäre wirklich fatal, wenn der Club in einem Jahr sich genau dort befindet, wo er heute steht. Damit wäre die HBL kaum mehr ernst zu nehmen. Das Image des deutschen Handballs steht hier auf dem Spiel.

Doch die Sache geht ja noch weiter. Wie oben erwähnt, hätte Bahlingen nun in die zweite Liga absteigen müssen. Sportlicher Absteiger ist schließlich sportlicher Absteiger. Dieser Satz hat dann aber doch nur eine begrenzte Gültigkeit. Der Verein ging ebenfalls vor Gericht mit der Begründung, man habe fest mit Liga 1 geplant und dementsprechend keine Vorbereitungen für die Unterklassigkeit getroffen. Budget, Spieler, Verträge - alles ist auf die erste Liga ausgerichtet, da der HSV ja bisher keine Lizenz hatte. Also sprach man Bahlingen das Recht zu in der höchsten Liga antreten zu dürfen - ungeachtet, ob der HSV die Lizenz bekommt oder nicht. Nun, Hamburg hat die Lizenz bekommen.
Ja, die Probleme häufen sich jetzt doch sehr. Denn aus vormals 18 Mannschaften wurden nun 19. Wie jeder feststellen kann, ist diese Zahl nicht durch zwei teilbar. Bedeutet, dass eine Mannschaft pro Spieltag spielfrei haben wird. Allerdings geht das noch viel weiter.
Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Wir befinden uns beim letzten Spieltag. Zwei Mannschaften können noch Meister werden. Allerdings hat eine der beiden spielfrei. Kann also nicht aus eigener Kraft mitentscheiden, ob sie Meister wird oder nicht. Die Jungs müssen vorm TV sitzen und hoffen, dass sie das irgendwie schaffen. Da hilft dann kein eigenes Tor, sondern nur Daumen drücken und hoffen. Gleiches gilt natürlich auch für den Abstiegskampf. Man nehme nur eine Mannschaft, die auf Platz 15 vor dem letzten Spieltag liegt und damit den nicht-Abstieg vermieden hätte. Jetzt hat diese Mannschaft spielfrei und muss vom Sofa aus zusehen, wie sie auf Rang 16 rutscht und plötzlich doch absteigt - auch ohne eigenes Zutun und ohne die Möglichkeit einzugreifen. Man könnte nun sagen, dass man dann eben am letzten Spieltag einer Mannschaft freigibt, die weder Meister machen kann, noch ein Abstiegskandidat ist. Kann man aber nicht. Denn wer kann schon behaupten, wie sich die Saison entwickelt. Plötzlich ist eine Überraschungsmannschaft, die vorher hierfür in Frage gekommen wäre, ein Titelkandidat. Im Sport kann sehr viel unvorhergesehenes passieren.
Aber wir das Ende der Fahnenstange ist ja noch nicht einmal in Sichtweite. Denn wir haben bisher ja noch gar nicht die Champions League betrachtet. Für diese wurde zur Saison 2015/16 eine neue Reform beschlossen - mehr Teams sollen an den Start gehen. Und mehr Teams bedeutet auch gleichzeitig mehr Spiele. Bis zu dieser Saison braucht eine Mannschaft um den Pokal zu holen 16 Spiele: 10 in der Vorrunde (6er Gruppe, Hin- und Rückspiel), je zwei im Achtel- und Viertelfinale (Hin- und Rückspiel), dann noch eines im Halbfinale und das Finale selbst. Ab 2015/16 kann es durchaus vorkommen, dass eine Mannschaft 22 Spiele dafür braucht. Das sind mal eben 6 Spiele mehr. Addiert man die zwei zusätzlichen aus der Bundesliga dazu, müsste eine deutsche Mannschaft in der Champions League 8 Spiele mehr als bisher bestreiten. Da sind dann die Spiele bei der Nationalmannschaft, egal ob WM, EM oder Freundschaftsspiel, nicht mit eingerechnet.
Und es ist ja nicht so, als wäre die Diskussion mit der Belastung im Handball neu. Seit Jahren wird darüber nun diskutiert - aber scheinbar ändert sich nichts. Als kleine Anmerkung: Bei einer WM spielt eine Mannschaft in der Vorrunde fünf Spiele in sieben Tagen. Da ist nicht viel mit Pause, wie im Fußball. Aber die HBL stockt nun auf 19 Vereine auf. Allerdings sind wir immer noch nicht am Ende. Denn die Frage, wie das ab der übernächsten Saison aussieht, ist noch gar nicht geklärt: Wie viele Mannschaften werden dann in der ersten Liga spielen? Reduziert man wieder auf 18? Wenn ja, wie? Erhöht man vielleicht sogar auf 20 und sorgt dann dafür, dass es wieder zwei Spiele mehr pro Saison werden? Und wie geht es eigentlich mit dem HSV weiter?

Für mich ist das eine sehr bedenkliche und auch fragwürdige Entwicklung. Der Handball hat momentan große Probleme in Deutschland. Doch man selbst muss sich das Leben unnötig schwer machen. Es grenzt schon fast an Willkür, was die Herren dort veranstalten. Allein das Hickhack um die Lizenz hat einen Schatten über den Handball geworfen. Dann weitere Spiele, bei denen noch unklar ist, wie man die unterbringen soll, weil ja der Spielplan für 18 Mannschaften schon entworfen worden ist. Ebenso die Frage, wie es nach dieser Saison weiter geht. Das sind alles Dinge, die man hätte vermeiden müssen. Wenn ein Club vier bis fünf Millionen an Schulden hat (manch ein Bundesligist hat solch einen Etat für eine ganze Spielzeit nicht), und die nur tilgen kann, weil ein Gönner wieder Geld in den Verein pumpt, dann läuft da was falsch. Es gibt Auflagen, die zu erfüllen sind. Beim HSV war dies nicht der Fall. Also wäre der Abstieg die logische Konsequenz gewesen. Da hätte es gar keine andere Alternative geben dürfen. Dann wäre auch die Situation mit den 19 Clubs nicht entstanden, sowie die Probleme, die danach auftauchen. Ich weiß, dass es der Handball in Deutschland nicht leicht hat. Aber das heißt noch lange nicht, dass aus Regeln eher Richtlinien werden, an die man sich halten kann, wenn es denn gerade passt. Und ich rede hier nur von der Bundesliga. Was die Champions League betrifft ist das noch einmal ein ganz anderes Thema, welches aber auch nicht gerade glücklich zu werden scheint. Ich würde mir echt Leute in verantwortlichen Positionen wünschen, die da endlich mal das Geschäft wieder zum Laufen bringen. Da fehlt es doch auch irgendwo am Blick für die Zukunft. Nächstes Jahr um die Zeit müssen Probleme gelöst werden, die die letzten Wochen entstanden sind, aber nicht hätten entstehen müssen. Und ich bezweifel, dass sich der deutsche Handball da schadlos aus der Affäre ziehen kann. Die HBL steht kurz davor sich lächerlich zu machen, wenn sie dies mit dem Urteil über den HSV nicht bereits getan hat. Es kann nicht sein, dass Vereine bei gleicher (oder vergleichbarer) Situation unterschiedlich behandelt werden. Und wir reden hier nicht vom Spiel, sondern von den äußeren Bedingungen.
Ich hoffe wirklich und würde es dem deutschen Handball wünschen, dass sich diese Situation bestmöglich auflösen lässt. Es wäre wirklich sehr schade, wenn das Image dieser Ballsportart derart beschädigt wird, dass sie aus den Medien verschwindet. Ich würde mir wünschen, dass das auch die Verantwortlichen sehen und entsprechende Reaktion zeigen. Und dass diese grauenhafte Situation, die wir im Moment haben, endlich überwunden wird. Es ist echt erschreckend zu sehen, wie sich der Sport vom WM-Titel 2007 bis heute entwickelt hat. Nach einem Hoch folgte nun den brutalsten Abstieg den man sich vorstellen kann. Hoffentlich folgen danach auch wieder Höhen.

Freitag, 27. Juni 2014

Öfter mal was Neues - Zur Safety-Car-Reform in der Formel 1

Die Formel 1 entfacht jedes Jahr zahlreiche Diskussionen. Nicht nur die Thematik um den zukünftigen Weltmeister wird heiß debattiert. Vielmehr geht es auch um die neuen Regeln, die Jahr für Jahr die Rennserie bereichern sollten. Die Frage bleibt aber, in wie weit manche Regeln Sinn machen.

2015 kommt wieder eine neue Regel. Dieses Mal steht Bernd Mayländer im Mittelpunkt. Ein Fahrer, der in der Formel 1 zahlreiche Führungskilometer sammelte, aber noch nie ein Rennen gewann. Denn Mayländer ist seit Jahren Fahrer des Safety Car und kommt immer dann auf die Strecke, wenn das Tempo enorm gebremst werden muss, zum Beispiel weil Autos gefährlich auf der Strecke stehen oder Begrenzungen nahe der Fahrbahn repariert werden müssen.
Bisher war es üblich, dass nach der Safety Car-Phase ein fliegender Start folgt. Der Führende gibt das Tempo vor, das Feld muss folgen und darf aber einer gewissen Linie wieder überholen. Doch dies wird nun von der FIA eingebremst. Ab nächster Saison gibt es stattdessen nur noch stehende Starts, wie zu Beginn des Rennens.
Einschränkung gibt es dann aber doch: Diese Regel greift nicht, wenn das Safety Car nur drei Runden auf der Strecke bleibt oder weniger als 5 Runden bis zum Rennende zu fahren sind. Anderweitig greift dann diese Regel.
Dass die Fahrer davon nicht begeistert sind, ist leicht verständlich. Im Vorfeld des Großen Preises von Österreich äußerte sich der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel zu diesem Thema: "Du hast dir im Rennen eine Position erkämpft, die du mit einem stehenden Start aufs Spiel setzt. Es ist schlimm genug, dass du deinen Vorsprung verlierst, aber mit der neuen Regel kannst du bei einem schlechten Start gleich mehrere Plätze einbüßen, oder irgendeiner knallt dir ins Auto."
Eine eindeutige Aussage, die keinerlei Spielraum bietet und die Sache auf den Punkt bringt. Ein Safety Car ist schon "Strafe" genug für einen Führenden. Aus einem Vorsprung von 40 Sekunden werden da ganz schnell 2. Und das, obwohl der Fahrer nur in den seltensten Fällen etwas zu einer Safety Car-Phase kann. Nun kommt also noch der stehende Start hinzu.
Ich persönlich kann mich der Aussage Vettels nur anschließen. Diese Regel muss sich erst einmal beweisen, denke aber nicht, dass dies gelingt. Fliegende Starts haben ihre Reize. Einige Rennserien starten sogar ihr Rennen mit fliegenden Starts, zum Beispiel die Langstreckenrennen. Dieser Start bietet oftmals Möglichkeiten für taktieren. Wann gibt der Führende Gas? Kann der Verfolger sich ans Heck klemmen und den Windschatten nutzen? Wie clever fahren die anderen Fahrer? Nun gilt die Konzentration der Startampel, das Ritual zu Beginn muss wiederholt werden. Ich denke da an Rennen, wie Monaco oder Kanada, wo das Safety Car jedes Jahr mehrere Male auf die Strecke kommt. Dann immer wieder eine Startprozedur kann und will ich mir nicht vorstellen. Da vergeht wieder einige Zeit, bis alle Fahrer auf ihrem Platz stehen, das System läuft, und die Ampel endlich grün zeigt. Zeit, die ein fliegender Start nicht in Anspruch nehmen würde. Sicherlich haben stehende Starts auch ihre Faszination. Allerdings sollte dies exklusiv auch dem Start zukommen und nicht durch andere Starts relativiert werden. Ebenso werden Fahrer, die keine guten Stehendstarter sind in Nachteil gezogen.
Ich denke nicht, dass sich die Formel 1 mit dieser Regel einen Gefallen tut. Es wird versucht künstlich Spannung zu erzeugen, um so doch noch das Prädikat "Königsklasse" zu retten. Damit wird es aber vermutlich nicht gelingen. Ich bin gespannt, wie lange sich die Regel halten wird und ob sie sich je durchsetzen wird. In einem Gespräch meinte ein Freund letztens, dass man dadurch auch gleich das Safety Car abschaffen könnte. Alle Fahrer könnten sich auf der Startgerade versammeln und warten, bis die Strecke wieder freigegeben wird. Die Frage bleibt, was wirklich dem Sport dient und was doch nur zu einem "Schaufahren" führt. Letzten Endes kann sich der Fan aber nur aufregen. Die Regeln machen andere.

Dienstag, 24. Juni 2014

Der deutsche Handball am Scheideweg

Was war das noch 2007. Das Wintermärchen im Handball wurde war. Weltmeister im eigenen Land. Die Handball-Euphorie war groß. Plötzlich stand auf der Sport-Speisekarte neben Fußball auch diese Sportart. Die Bundesliga rückte mehr in den Fokus, Nationalspieler waren plötzlich wieder bekannt. Sieben Jahre später ist von der Euphorie nichts mehr da. Stattdessen steht der deutsche Handball vor dem Scheideweg.

Weltmeisterschaft 2015, Europameisterschaft 2014, Olympische Spiele 2012. Ereignisse, die für manche Länder zu Highlights wurden, verfolgte Deutschland nur vorm TV und musste sich mit anderen Mannschaften begnügen. Zu allen drei Großereignissen wurde die Qualifikation verpasst. Einzig ein Rang 5 bei der WM 2013 steht in den letzten Jahren zu Buche. Zu wenig für eine Nation, die im Handball kein Underdog ist. Nun muss man anderen Ländern den Vortritt lassen.
Höhepunkt der negativen Schlagzeilen war nun die verpasste Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2015 in Katar. Für eine deutsche Mannschaft eigentlich ein Pflichttermin. Nun also wieder ein Großereignis ohne deutsche Beteiligung.

Bundestrainer Martin Heuberger hat nach diesem Aus dem DHB seinen Rücktritt angeboten. Dieser ist nun gezwungen einen Nachfolger zu finden. Das gestaltet sich aber schwerer, als es eigentlich sein sollte. Vor allem, wenn es mehr um Eigeninteresse geht, als um den Sport an sich. Und genau hier liegt das Problem. Es steht zu viel auf dem Spiel, als dass solche Spielereien getan werden dürfen. Dieses Problem hat auch einen Namen: Vizepräsident des DHB Bob Hanning.
Dieser ließ nun vor kurzem verlautbaren, dass er weder Martin Schwalb, noch einen von "Heiner Brands Jungs" möchte. Martin Schwalb, Erfolgstrainer beim ehemaligen Erstligisten HSV Handball (unter anderem Pokalsieger, deutscher Meister, Champions League-Sieger), wäre nach der Insolvenz des Vereins verfügbar. Seine Vita, vor allem seine Titelsammlung, ist nicht ohne. Ebenso hat er bewiesen, dass er mit jungen Spielern, aber auch mit bekannten Stars umgehen kann. Daher ist er für viele der ideale Trainer, so auch für Stefan Kretzschmar. "Er ist verfügbar und kann alles, was ein Nationaltrainer können muss. Schwalb kann ein Spiel und den Gegner lesen und seine Mannschaft darauf einstellen. Er hat zudem ein hohes Know-how, die nötige Souveränität und ist von den Spielern akzeptiert", so der ehemalige Weltklasse-Handballer in seiner Kolumne auf sport1.de zur Situation.
Denkbar wäre für "Kretzsche" auch die Kombination von Schwalb mit den ehemaligen Nationalspielern Markus Baur oder Christian Schwarzer, die beide als Jugendtrainer fungieren. Ebenso stehen beide für den deutschen Handball. Es sind nicht nur Identifikationsfiguren, sondern auch Persönlichkeiten, die ein Team anspornen können. In Kombination mit Schwalb sicherlich keine schlechte, halb-interne Lösung.
Denkbar wäre auch ein ausländischer Trainer. Allerdings dürften weder Alfred Gislason (THW Kiel), noch Ljubomir Vranjes (SG Flensburg-Handewitt) die Freigabe ihrer Vereine für eine Doppelaufgabe bekommen. Vermutlich würden sie auch selbst diese Doppelbelastung nicht wollen. Und Angesichts der sportlichen Perspektiven dürfte es auch ein Ding der Unmöglichkeit sein, einen von beiden aus dem noch gültigen Kontrakt mit dem Verein raus zu kaufen.

Daher beginnt nun das große Rätselraten, wer denn nun den Posten bekommt. Und davon hängt die Zukunft einer ehemaligen Handballmacht ab. Wenn es allerdings so weiter geht, dass die Eigeninteressen wichtiger sind, als die Sportart selbst, wird der Handball in Deutschland einen sehr kritischen Weg einschlagen. Es ist jetzt nicht die Zeit für sportpolitische Spielchen. Da muss man dann auch mal seinen Stolz und seine Sturheit überwinden, über den eigenen Schatten springen und eruieren, was am besten für die Sportart wäre. Es geht nicht um die beste Lösung für Funktionäre, sondern für den Sport. Der muss bei dieser Diskussion einfach im Vordergrund stehen, weil es so in Deutschland nicht mehr weitergehen kann. Es muss ein Konzept her, bei dem nicht nur DHB, sondern auch die Bundesliga an einem Strang zieht. Doch die Basis dafür bilden eben Erfolge der Nationalmannschaft. Und die bekommt man nicht, wenn man gleich im Voraus Personen ausschließt, weil man mit denen nicht grün ist.
Klar können unbekannte Namen einen gewissen Schwung mitbringen. Es birgt aber auch ein Risiko. Zugegeben, das habe ich auch bei einem namhaften Trainer. Trotzdem kann ich, wenn ich mir die Biographie durchlese sehen, wie denn der Trainer so tickt. Ich kann sehen, ob er in der Lage ist, sowohl mit jungen Spielern, als auch mit Weltstars umgehen zu können. Ob er auch in schwierigen Situationen her der Lage ist. Und ob die Personalie überhaupt machbar ist.
Falls der HSV Handball die Lizenz nicht bekommt, wovon man jetzt mal ausgehen kann, wäre Schwalb frei. Mit Baur und/oder Schwarzer als Co-Trainer wäre der eine gute Wahl für den DHB. Ebenso erspart man sich irgendwelche Farcen, weil man bei Trainer angefragt, die außer Reichweite sind oder überhaupt nicht passen. Ich hoffe wirklich, dass die Funktionäre den Ernst der Lage verstehen und diese sportpolitischen Spielchen ad acta legen. Wenn die Nationalmannschaft auch noch Olympia 2016 verpasst, wird es sehr, sehr dunkel. Und die Zeit zum Handeln ist knapp.
Auch wenn Bob Hanning unlängst mitteilte, dass er bis August oder gar Oktober warten wolle. Es hätten sich angeblich schon drei Personen heraus kristallisiert, mit denen nun Gespräche anstehen. Allerdings gehe es nicht nach dem Prinzip, wer am lautesten schreit bekommt den Job. Ich finde es aber problematisch mögliche Kandidante im Voraus prinzipiell auszuschließen. Ich hoffe einfach, dass jetzt die beste Möglichkeit gefunden wird.

Was denkt ihr? Wer wäre euer Favorit? Schreibt es doch mal in die Kommentare. :)