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Dienstag, 15. Juli 2014

Arjen Robben - Schwalbenkönig oder Genie?

Beinahe wäre er der Superstar dieser Weltmeisterschaft geworden. Ein Spiel fehlte Arjen Robben und den Niederlanden, um endlich den Traum vom WM-Titel wahrwerden zu lassen. Und der Bayern-Spieler wird immer wieder als herausragender Spieler der Oranjes gesehen. Allerdings nicht ganz makellos.

Spieler sollen Ecken und Kanten haben. Immer wieder wird dies gefordert. Der Fußball braucht Typen. Unbestreitlich, dass Arjen Robben einer dieser Typen ist. Doch seine Spielweise schwankt zwischen Genie und Chaos. Und bei dieser WM scheint es fast so, als würde er diese Rolle liebend gerne annehmen und perfektionieren.

Denkt man an diesen Spieler, fallen einem zunächst die unglaublichen Sololäufe über das halbe Spielfeld ein. Aber auch die Tore, wenn er sich vor dem Strafraum nach innen bewegt und dann den Ball im Winkel unterbringt. Zweifelsohne aus fußballerischer Sicht wirklich ansehnliche Momente. Nicht jeder Spieler ist dazu in der Lage.
Doch der Spieler Robben hat auch noch eine andere Seite. Wenn er zum Beispiel wieder einen Sololauf startet, aber anstatt den besser positionierten Mitspieler anzuspielen, selbst aufs Tor schießt. Wenn er trifft, wird er zum Held. Trifft er aber nicht, geht das hätte, wenn und aber los. Oder aber seine Aktionen innerhalb das Strafraums. Entweder versucht er den Torschuss, oder er versucht den Elfmeter rauszuholen. Deren hat er bei dieser WM gleich zu für sein Team geholt, was am Ende auch ein Grund für das Weiterkommen war. Doch über brutale Fouls braucht man oftmals gar nicht zu sprechen. Teilweise ist gar kein Körperkontakt im Spiel. Doch der Niederländer geht zu Boden. Immer wieder sieht man ihn dort während eines Spiels, fast so, als wolle er seinem Namen gerecht werden.

Auf der einen Seite wird er immer wieder zum Superstar erkoren. Der Mann, der Bayern zum Titel in der Champions League und zum DFB-Pokalsieg 2013 schoss. Der Mann, der mit zwei Toren am Verderben der Spanier bei der WM 2014 Anteil hatte. Doch auf der anderen Seite steht der Spieler, der immer wieder den Unmut der Fans auf sich zieht, eben auf Grund solcher Aktionen. Dabei hätte ein Spieler seines Formats das überhaupt nicht nötig. Doch anscheinend möchte er polarisieren. Immer wieder geht er zu Boden und versucht daraus einen Vorteil für die eigene Mannschaft zu gewinnen. Schwalben kommentiert er nach dem Spiel gerne mit "einer cleveren Aktion". Die Schiedsrichter fallen leider immer wieder darauf rein. Keine gelbe Karte wegen Schwalbe. Stattdessen wird die Fallsucht des Arjen Robben mit Elfmetern und Freistößen unterstützt.

Wie gesagt stehen seine fußballerischen Qualitäten außer Frage. Trotzdem geht dann diese Rolle einen Schritt zu weit. Ein Spieler muss nicht ständig über Schwalben den Vorteil erzielen. Vor allem diese dann auch noch zu loben und gut zu heißen. Denn Schwalben sind laut Regelwerk eben regelwidrig. Auch die Alleingänge müssen nicht immer sein. Es ist nicht verboten, auch mal den Pass an den besser positionierten Mann zu bringen. Dann würde auch niemand mehr über die Qualitäten eines Arjen Robben streiten. So aber bleibt die gespaltene Person bestehen. Selbst Arsene Wenger äußerte sich nach dem Champions League-Spiel des FC Arsenal gegen den FC Bayern wenig positiv über den Niederländer und bezeichnete ihn als "Schwalbenkönig". Auch Mexikos Teamchef Miguel Herrera forderte mehr Verwarnungen für Robben, damit er solche Aktionen unterlasse.

Es bleibt spannend, wie sich Robben nun nach der WM, in der Bundesliga verhält. Und ob die Schiedsrichter auf der Seite des Niederländers stehen oder Schwalben entsprechend ahnden.

Montag, 14. Juli 2014

WM 2014: Spieltag vom 13. Juli (Finale)

Zwei Mannschaften, ein Ziel. Nach 24 Jahren standen beide Mannschaften erneut im Finale einer Weltmeisterschaft, wie schon 1990 und 1986. Die Frage blieb, welches Ergebnis sich wiederholen sollte. Würde Deutschland endlich wieder den Pokal nach Hause holen? Oder kann sich Argentinien mit Lionel Messi als Maradonas Nachfolger durchsetzen?

Bereits in der dritten Minute hatte Deutschland die erste Chance. Der Freistoß blieb allerdings zu ungefährlich. Fast im Gegenzug hätten die Südamerikaner die Führung machen können, doch Higuain vergab die Möglichkeit. Deutschland erarbeitete sich mehr Ballbesitz, während Argentinien über Konter kommen wollte. Doch das deutsche Spiel in den ersten Minuten zu statisch. Auch die Abwehrreihe stand noch nicht so souverän, wie bisher gewohnt. Gleiches galt für die Standardsituationen. Stattdessen hatte Mesut Özil die richtige Körpersprache, ackerte auch nach hinten, setzte nach und holte sich die Bälle zurück. Dann wieder ein Schockmoment für Deutschland. Beim Aufwärmen hatte sich bereits Sami Khedira verletzt. Für ihn spielte Christoph Kramer, der von Garay weggecheckt wurde. Verdacht auf Gehirnerschütterung, die Auswechslung erfolgte umgehend. Trotzdem blieb die Frage nach einer Bestrafung offen. Es gab schon Schiedsrichter, die hierfür Elfmeter und rot wegen Tätlichkeit gaben. Zumindest hätte der Schiedsrichter die Argentinier ermahnen müssen. Danach wurde es aber brenzlig für die deutsche Elf. Der sonst so starke Kroos köpft einen Ball nach hinten, direkt vor Higuain. Dieser lief frei auf Neuer zu, schoss aber daneben. Ein Ball, den ein Stürmer eigentlich machen muss. Deutschland ein wenig aufgeweckt danach. Nach fast 30 Minuten flankte Lahm auf Müller, doch dieser stand im Abseits. Kurz darauf die Argentinier am Zug. Higuain versenkte das Leder im Tor, doch auch hier war es Abseits. Der eingewechselte Schürrle hatte nach gut 37 Minuten die nächste gute Chance für das deutsche Team, konnte die Vorlage allerdings nicht verwerten. Während Deutschland mehr Ballbesitz hatte, aber noch keinen Weg durch die argentinischen Abwehrreihen fand, lauerte Argentinien, bei denen erneut viel über Messi laufen sollte, auf Konter. Kurz vor Abpfiff der ersten Hälfte hatte dann Benedikt Höwedes die Führung auf dem Kopf, doch der Schalker konnte vor dem freien Tor nicht einnetzen. Damit ging es mit einem torlosen Remis in die Halbzeitpause.
Nach dem erneuten Anpiff schienen die Südamerikaner den besseren Start zu erwischen. Es waren nur wenige Sekunden gespielt, als Kapitän Messi den Ball um Zentimeter am deutschen Tor vorbeischoss. Danach entwickelte sich das Spiel aber wie bereits in der ersten Hälfte. Deutschland mit mehr Ballbesitz, stellenweise über 60%, während Argentinien wenig nach vorne wagte. Sicherlich auch, weil Messi von der deutschen Verteidigung, vor allem von einem bärenstarken Boateng, aus dem Spiel genommen wurde und wenig Aktionen durchführen konnte. Allerdings wog dies doch teilweise ein Schiedsrichter auf, der die Tendenz zu den Argentiniern hatte und auf deren Seite mehr durchgehen ließ, als auf der deutschen Seite. Diese Partie war kein Bewerbungsvideo für weitere große, internationale Spiele. Zehn Minuten vor dem Ende wollte die Truppe von Löw dann doch noch die Entscheidung und drängte auf das Tor. Argentinien versuchte es nur mit weiten Pässen, die aber keine Abnehmer fanden. Da die Deutschen erneut keinen Weg durch die gegnerische Defensive fanden, sollte der Sieger in der Nachspielzeit oder gar im Elfmeter Schießen gefunden werden.
Dieses Mal erwischte das deutsche Team den besseren Start, als der eingewechselte Götze Schürrle in Szene setzte. Doch dieser schoss lediglich auf Torhüter Romero. Schnell stellte man fest, dass beide Teams auf dem Zahnfleisch krochen. Die Frage war nun, wer noch mehr Körner hatte, um das entscheidende Tor zu erzielen. Diesen Vorteil hatte zunächst Argentinien. Doch Palacio konnte den Ball nicht im Tor unterbringen. Glück hatte Argentinien aber, als weder Agüero, noch Mascherano die zweite gelbe Karte sahen und somit weiterhin am Spiel teilnehmen durften. Beide gingen Bastian Schweinsteiger so hart an, dass dieser abseits des Platzes mit einem Cut unterhalb des Auges genäht werden musste. Doch Schweinsteiger ließ sich das nicht anmerken und war wenige Sekunden später wieder auf dem Platz. Und dann war es so weit. 113. Minute, Schürrle auf Götze, dieser nahm im Strafraum den Ball mit der Brust an, ließ ihn auf den Fuß fallen und semmelte das Ding in die Maschen. Führung Deutschland! Argentinien warf noch einmal alles nach vorne. Aber das war nicht gut genug, um die deutsche Defensive und Manuel Neuer zu überwinden. Deutschland ist zum vierten Mal Weltmeister!

Betrachtet man nicht nur das Spiel, sondern das Turnier, dann ist dieser Sieg mehr als verdient. Jogi Löw hat ein Team geformt, eine Mannschaft, eine Einheit. Jeder ging für den anderen. Das Team ließ sich Rückschläge nicht anmerken, spielte zum Teil effektiven, zum Teil anschaulichen Fußball, zum Teil auch eine Kombination. Argentinien hatte Chancen im Finale, aber das war am Ende viel zu wenig, um Weltmeister werden zu können. Vor allem Manuel Neuer, der über das ganze Turnier einfach sensationell war, und die Abwehrreihen waren dann doch ein zu harter Riegel. Bei den Südamerikanern hing fiel von Messi ab. Doch als dieser keine Aktionen setzen konnte, konnte Argentinien auch nichts tun. Deutschland hat aller Kritik getrotzt. Sogar einem Schiedsrichter, der teilweise miserabel gepfiffen hatte. Und hat das Ding verdient gewonnen. 24 Jahre nach dem letzten, 60 Jahre nach dem ersten, wandert der Pott also wieder nach Deutschland. Glückwunsch an das gesamte Team und das Team hinter dem Team. Dabei sollte man aber auch die anderen Spieler, die zum Kader gehörten, aber nicht mitgenommen wurden, denken. Auch sie hatten irgendwo doch einen Anteil daran, dass sich diese Mannschaft in den letzten 10 Jahren so entwickeln konnte. Nun kann Jogi Löw die verdiente Ernte einfahren.

WM 2014: Spieltag vom 12. Juli (Spiel um Platz 3)

Das undankbare Spiel um den dritten Platz. Beide Mannschaften hatten im Vorfeld wenig Lust auf diese Partie. Doch ganz war die Spannung dann doch nicht raus.

Allerdings sollte das Spiel nicht im Sinne des Gastgebers laufen. Noch keine 180 Sekunden gespielt, kam Robben an der Strafraumgrenze zu Fall. Doch anstatt rot und Freistoß, gab es gelb für Thiago Silva und Elfmeter. Diesen nutze dann van Persie zu Führung für die Niederländer. Brasilien hatte fast im Anschluss die Möglichkeit zum Ausgleich. Ramires vergab aber diese Chance. Dann sollte es noch dicker kommen. Erneut ein Angriff der Oranjes und Blind mit dem 2:0. Brasilien nach dem Spiel gegen Deutschland erneut von der Rolle. Vor allem Abwehrass David Luiz war total von seiner gewohnten Form. Nach 20 Minuten prüfte dann Oscar den niederländischen Torhüter Cillessen, doch der hatte damit keine Probleme. Argentinien setzte in Folge dessen immer wieder Nadelstiche. Die Südamerikaner auf der anderen Seite ohne Ideen. Erst nach 38 Minuten hatte David Luiz eine Möglichkeit über einen Standard. Doch auch das war zu harmlos. Aufsehen erregte dagegen wenig später Dirk Kuyt, der nach einem Check mit dem Ellenbogen abseits des Platzes getackert wurde. Danach passierte nicht mehr viel, sodass es mit diesem Stand in die Halbzeit ging. Das Ergebnis auch in der Höhe in Ordnung. Brasilien zu schwach, die Niederländer schauten zu und verwalteten das Spiel. Wenig souverän dagegen der Schiedsrichter. Teilweise zu lax gepfiffen mit wenig Karten. Das erste Tor war kein Elfmeter, sondern ein Freistoß. Vor dem zweiten Tor stand Blind im Abseits.

Nach der Pause waren die Brasilianer aufgeweckter. Trotzdem stimmten die Laufwege noch nicht. Dazu stand die Abwehr der Niederländer sicher. So prüfte nach gut einer Stunde Ramires erneut die niederländische Defensive. Der Ball ging aber am Tor vorbei. Brasilien hatte sich noch nicht aufgegeben und drängte auf den Anschluss. Dieser wäre auch durchaus verdient gewesen. Doch die Selecoa viel zu harmlos und ungefährlich. So war es auch wenig verwunderlich,  dass die Oranjes nach das 3:0 machte. In der Nachspielzeit brachte van Gaal dann noch den dritten Torwart - damit hatte jeder Spieler im Team Einsatzminuten gesammelt. Danach pfiff der Schiedsrichter ab.

Die Niederlande beendete das Turnier auf dem dritten Platz. Nach diesem Spiel verdient. Brasilien einfach zu harmlos und auch nie gefährlich gewesen, um das Spiel hätte drehen zu können. Ohne Neymar lief nicht mehr viel zusammen. Hinzu kam sicherlich auch noch dieser unglaublich hohe Druck von den Landsleuten. Zu keiner Zeit bestand Gefahr für die Niederländer. Schade, hatte sich doch der Gastgeber vor allem außerhalb des Platzes sympathisch präsentiert. Van Gaal verabschiedet sich mit Bronze vom Verband der Niederländer. Allerdings hat sich erneut gezeigt, dass der WM-Titel und die Oranjes keine Freunde mehr werden. Angesichts manch einer Verfehlung durchaus gerecht, bedenke man nur die Situation beim Elfmeter Schießen von Krul oder zahlreiche Flugeinlagen von Robben.  Sicherlich nicht die feine englische Art. Doch am Ende reichte es zu einem (verdienten) dritten Platz.

Donnerstag, 10. Juli 2014

WM 2014: Spieltag vom 9. Juli (Halbfinale)

Das zweite Halbfinale stand an. Wer würde Deutschland ins Finale folgen? Würde es ein Finale wie 1990 geben? Oder doch wie 1974? Während Argentinien seinen dritten Stern möchte, wollen die Niederlande den ersten Titel der Geschichte holen.

Halbfinale 2: Niederlande - Argentinien 2:4 n.E.
Das Spiel begann zunächst mit einer Gedenkminute für den verstorbenen, ehemaligen argentinischen Nationalspieler Alfredo di Stéfano, zu deren Gedanken die Argentinier auch Trauerflor trugen. Beide Mannschaften eher zurückhaltend in den ersten zehn Minuten. Beide fanden noch keinen Weg durch die gegnerischen Abwehrreihen und tasteten sich stattdessen erst einmal ab. Erste Gefahr entstand erst nach fast einer Viertelstunde, als Messi einen Freistoß direkt aufs Tor brachte. Doch Cillesen  war zur Stelle. Bei den Niederländern gelang das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Offensive noch nicht wirklich. Daher waren es auch die Argentinier, die immer wieder Vorstöße in den gegnerischen Strafraum wagten. So hatten auch die Südamerikaner in der 24. Minute die erste Chance, als Garay nur knapp eine Hereingabe verpasste und neben das Tor setzte. Dann pfiff der Schiedsrichter auch schon zur Halbzeit. Ein torloses Unentschieden, dass der Partie gerecht wurde, da beide Mannschaften doch sehr taktisch spielten und keine Fehler machen wollten.
Die Niederländer erwischten den besseren Start in die zweite Hälfte. Robben hätte nach 55 Minuten sich eine Chance erarbeiten können, doch die argentinische Defensive war zur Stelle. Keine drei Minuten später dann Argentinien mit einer Chance, doch Higuain konnte die Flanke von Lavezzi nicht verwerten. Nach mehr als einer Stunde waren die Niederländer die "aktivere" Mannschaft. Argentinien zog sich zurück und beobachtete das Geschehen, doch von den Oranjes kam zu wenig. Allerdings stellten beide Mannschaften nach 70 Minuten das Spielen ein. Ein statisches Geschehen, bei dem es kaum Aktionen gab. Doch dann hatte Higuain plötzlich die Führung auf dem Fuß, setzte den Ball in der 75. Minute aber nur ans Außennetz. Allerdings hätte der Treffer nicht gezählt, da er sich im Abseits befand. Zehn Minuten vor Schluss war dann die Ausgangslage so, dass nur ein Fehler oder eine Einzelaktion ein Tor herbeiführen würde. Beide Mannschaften waren wohl auf die Verlängerung aus. Kurz vor Ende kamen dann aber noch einmal die Niederländer, allerdings wurde erneut der Schuss von Robben durch Mascherano geblockt. Wenige Sekunden später ertönte dann aber erneut der Pfiff des Schiedsrichters - noch einmal 30 Minuten Nachschlag für ein taktisch vielleicht gutes, aber technisch und fußballerisch weniger gutes Spiel.
Die ersten 10 Minuten der Verlängerung waren dann doch eher ereignislos. Zwar hatten die Niederländer Nadelstiche setzen können, aber mehr als ein Aufzeigen war das nicht. Aber auch Argentinien zeigte sich gegen Ende der ersten Hälfte der Verlängerung noch vor dem gegnerischen Tor - ohne Wirkung.
Ohne Wirkung waren dann auch die Aktionen in der zweiten Hälfte. Keine der Mannschaften brachte eine Aktion zu Stande, die hätte gefährlich werden können. Viel zu viele technische Fehler, die man von diesen Mannschaft so nicht gewohnt ist; keine Idee nach vorne; kein Tempo. Doch dann hatte in der 115. Minute Palacio den Lucky Punch auf dem Kopf, köpft den Ball aber auf den niederländischen Torhüter. Das hätte es sein müssen. Argentinien schöpfte daraus ein bisschen Mut. Messi setzte sich auf der rechten Außenbahn durch, flankte nach innen, doch dort konnte Maxi Rodriguez den Ball nicht ins Tor bringen. Doch das war es dann - erneut müssen die Niederländer ins Elfmeter Schießen.
Das erste Duell lautete Flaar gegen Romero - mit dem besseren Ende für Argentinien. Danach folgte Messi gegen Cillessen - doch der argentinische Kapitän souverän. Führung für Argentinien. Als nächstes trat Robben an und verwandelte den ersten Elfmeter für die Niederländer. Garay nun für Argentinien, der den Ball souverän unter die Latte ins Tor hämmerte. Danach Sneijder für die Oranjes, aber irgendwie kommt Sergio Romero noch an das Ding und lenkt den in die brasilianische Pampa. Danach versenkte Agüero den Ball ohne Probleme im Tor. Dirk Kuyt hatte nun die ganze Verantwortung für die Niederlande - und wurde dieser Verantwortung gerecht. Für Argentinien trat Maxi Rodriguez, der Mann, der 2006 noch gegen Deutschland verschoss. Doch im Gegensatz zu damals versenkte er den Ball und schoss Argentinien ins Finale gegen Deutschland.
Am Ende konnte nur das Elfmeter Schießen die Entscheidung bringen. Die Partie war spielerisch und fußballerisch keine Bewerbung für diese Sportart. Was allerdings verständlich ist, geht man von der Ausgangslage aus. Ein zu offenes Spiel hätte der frühe KO bedeuten können. Daher gingen beide Mannschaft das Spiel sehr taktisch an. Einzig die Elfmeter waren von Argentinien eine nennswerte Leistung. Ansonsten fand man Akzente doch selten im Spiel. Deutschland muss sich nicht vor dieser Mannschaft verstecken. Die Frage bleibt nun, in wie weit der eine Tag mehr Regeneration für Deutschland ausschlaggebend ist, vor allem, weil Argentinien über die Verlängerung gehen musste. Beide Mannschaften könnten den Pokal gewinnen. Doch ich sehe Deutschland einen Schritt vorne. Für mich sind sie eine Mannschaft geworden, die keinen superstar braucht, denn die Mannschaft ist der Superstar. Bei Argentinien hängt doch sehr viel von Messi ab - vielleicht zu viel? Ein Duell, wie es schon 1990 der Fall war. Nur mit einem Messi, statt einem Maradonna. Aber hoffentlich mit dem gleichen Ausgang für Deutschland.

Dienstag, 8. Juli 2014

WM 2014: Spieltag vom 8. Juli (Halbfinale)

Die letzten Spiele stehen an. Heute ein Klassiker, der gar kein Klassiker ist: Deutschland gegen Brasilien. Denn die beiden Mannschaften haben bisher einmal bei einer WM gegeneinander gespielt, nämlich 2002 im Finale. Die Deutschen wollten zeigen, dass auch ein Sieg über Brasilien auf nicht-deutschem Boden möglich ist. Doch der Gastgeber wollte den Ausfall von Neymar nicht auf sich sitzen lassen und trotzdem Gas geben. Jetzt ging es um alles oder nichts.

Halbfinale 1: Brasilien - Deutschland 1:7 (unfassbar!)
Brasilien erwischte dabei den besseren Start, hatte bereits in der dritten und fünften Minute die ersten beiden Chancen. Doch beim ersten Mal ging der Ball von Marcelo vorbei; beim zweiten Versuch fing Neuer die Hereingabe ab. Doch auch Deutschland bekam in der achten Minute, als Khedria beim Fernschuss Toni Kroos traf. Und bereits in den Anfangsminuten war erkennbar, dass sich hier zwei Teams auf Augenhöhe begegneten. Und dann brach die elfte Minute an. Kroos mit dem Eckball nach innen, Müller nimmt das Ding volley und ballert das Ding in die Maschen. Deutschland führte gegen den Gastgeber. Die Antwort von Brasilien war allerdings weniger ein Torversuch, als viel mehr kleinere Fouls um das Aufbauspiel zu verhindern. Pech für den Gastgeber, dass dieses Mal ein Schiedsrichter pfiff, der dies ahndete. Dann ein Aufreger in der 17. Minute, als Marcelo einen Elfmeter forderte, Lahm aber sauber klärte und es zu einem kleinen Tumult kam. Doch der Schiedsrichter sprach nur ermahnende Worte. Und dann wurden die Geschichtsbücher neu geschrieben: 23. Minute, Miroslav Klose, 16 Tore! Deutschland erhöhte auf 2:0. Brasilien konsterniert und geschockt. Die Antwort von Brasilien blieb aus. Stattdessen setzte Toni Kroos mit einem Schuss an der Strafraumgrenze nach und erzielte das 3:0. Brasilien völlig von der Rolle. Da passte jetzt gar nichts mehr zusammen. Der Gastgeber völlig überfordert mit einer deutschen Mannschaft, die Weltmeister werden will. Und dann drohte das Debakel: Kaum war der Wiederanpfiff erfolgt, spielte Kroos auf Khedira, der wieder zurück und Kroos mit dem 4:0. Brasilien nur die ersten fünf Minuten auf Augenhöhe. Danach brach die Mannschaft auseinander. Wer hat noch nicht, wer will noch mal? 29. Minute, Khedira, 5:0. Wie sollte Brasilien das noch aufholen? Ja, Schweden hatte damals den Ausgleich gegen Deutschland geschafft. Doch hier ist kein Ibrahimovic auf dem Platz, kein Messi, kein Ronaldo, kein Neymar. Bisher war kein Spieler zu sehen, der auch nur annähernd in der Lage wäre auch nur den Ehrentreffer zu erzielen. Und was machte eigentlich Deutschland? Die drängten auf das nächste Tor. Nach mehr als einer halben Stunde Kroos mit einem Fernschuss, der nur knapp zur Ecke abgefälscht wird. Bei Brasilien ging überhaupt nichts mehr. Fast alle Spieler des Gastgebers nun im eigenen Strafraum um das Debakel möglichst gering zu halten. Und der Blick in die Gesicher der brasilianischen Spieler war eindeutig: Hoffnungslosigkeit, Resignation. Deutschland mit gefühlten 100% Ballbesitz. Brasilien schien nur noch den Ball zu haben, wenn sie ihn aus den eigenen Reihen irgendwie wegschlägt. Und wenn sie dann doch mal den Ball im Mittelfeld hatten, dann folgte auch umgehend der Ballverlust. Entweder durch einen Fehlpass oder durch den Angriff eines deutschen Spielers. Und dann pfiff der Schiedsrichter zur Halbzeit. Eine kleine Erlösung für Brasilien. Unterschiedlicher hätten die beiden Mannschaften auf dem Platz nicht sein können. Auf der einen Seite der Gastgeber, bei dem gar nichts zusammenpasste. Auf der anderen Seite EINE deutsche MANNSCHAFT. Ein Team, das kämpft und sich in einen Rausch gespielt hat. Nun gilt es diesen Schwung mitzunehmen.
Zur zweiten Hälfte brachte dann Löw Mertesacker für Hummels, der für das Finale geschont wird. Und dann hatte plötzlich Brasilien doch eine Chance. Doch Neuer klärte im letzten Moment vor Oscar. Wenige Minuten später hatte dann Paulinho das brasilianische Tor auf dem Fuß, doch erneut war Neuer zur Stelle. Nach fast einer Stunde verabschiedete sich dann Rekordtorschütze Klose und machte Platz für Schürrle. Kurze Zeit später wollte es Müller noch mal wissen und nahm den Brasilianern im eigenen Strafraum den Ball ab, scheiterte aber am Torhüter. Die nachfolgende Ecke führte über mehrere Stationen erneut zu einer Chance für Müller. Doch erneut war Caesar zur Stelle. Der Junge hat wohl doch den Goldenen Schuh für den besten Torjäger im Blickfeld. Unschöne Szene dann nach 65. Minuten, als Paulinho Höwedes von den Beinen holt, ohne dass der Ball eine Rolle gespielt hätte. Ebenso keine schöne Aktion, dass in Fred die Zuschauer den Schuldigen gefunden haben und ihn fortan mit Hass- und Schmähgesängen, sowie Pfiffen bombardierten. Ach ja, Fußball wurde auch noch gespielt: Nach fast 70 Minuten spielte Lahm auf Schürrle, der das halbe Duzent voll machte. Ab und zu gab es dann immer wieder zaghafte Versuche der Brasilianer, doch zu harmlos, um Neuer in Bedrängnis zu bringen. Dann folgte nach 75 Minuten der nächste taktische Wechsel, als Draxler sein Debüt feierte und für Khedira eingewechselt wurde. Kurz darauf machte sich der Frust bei David Luiz bemerkbar, der dies gleich an Müller ausließ. Doch die Gemüter beruhigten sich schnell. Apropos: In der 79. Minute wollte Schürrle dann doch noch mal ein Tor machen - 7:0. Der Ehrentreffer sollte den Brasilianern dann doch nicht verwehrt bleiben: Oscar in der 90+1. Minute mit dem 7:1. 
Und dann war das Spiel zu Ende. Deutschland demontiert den Gastgeber. Eine Mannschaft, die heute nie in der Lage war gegen die Truppe von Löw zu gewinnen. Sicherlich fehlte Neymar, sicherlich fehlte Thiago Silva. Doch so wenig, wie hier zusammen lief, hat das Kollektiv einfach versagt. Es hat gar nichts zusammengepasst. Man kann nun das Spiel auseinander nehmen. Muss man aber nicht. Das Ergebnis spricht schließlich für sich.
Und auf der anderen Seite? Hat Löw genau das gemacht, was ein Trainer machen muss: Eine Mannschaft formen, die den WM-Titel gewinnen möchte. Nein, gewinnen kann. Deutschland hat vermutlich nicht die Superstars wie Messi, Ronaldo, Neymar und Co. Aber Deutschland hat eine Mannschaft. Die sowohl nach hinten sicher stand. Und hierfür war es auch wichtig, dass Philipp Lahm wieder als Rechtsverteidiger auflief - einfach bärenstark auf dieser Position. Doch auch Manuel Neuer, der beste Torhüter des Turnieres, ist Rückhalt. Aber auch nach vorne hin effektiv war. Eine Mischung, aus Effizienz, Hurrafußball, Kollektivleistung - kurzum: Einer Weltmeistermannschaft. Wichtig ist jetzt nur den Kopf klar zu bekommen und das Ding nach Hause fahren. Nach dieser Leistung ist Deutschland der Topfavorit - egal wer das zweite Halbfinale gewinnt. Hut ab, Respekt. Vor dieser Leistung kann man sich nur verneigen. Danke, Jungs! Danke für diese Stunde der Fußballgeschichte!

Samstag, 5. Juli 2014

WM 2014: Spieltag vom 05: Juli (Viertelfinale)

Die letzten beiden Halbfinalisten sollen gesucht werden. Setzt sich Geheimfavorit Belgien gegen Messi und seine Argentinier durch? Und gelingt der Überraschungsmannschaft aus Costa Rica die nächste Überraschung gegen die Niederländer?

Viertelfinale 3: Argentinien - Belgien 1:0
Beide Mannschaften begannen sehr offensiv, was doch eher überraschend war. Doch dadurch erzielte Argentinien auch die frühe Führung durch Higuain. Erst nach 15 Minuten wurde Belgien das erste Mal gefährlich. Die Südamerikaner schienen mit der Führung zufrieden zu sein und ließen die Belgier erst einmal das Spiel machen. Die wiederum fanden aber keinen Weg durch die gegnerischen Abwehrreihen. De Bruyne versuchte es mit einem Fernschuss, der aber entschärft wurde. Nach 30 Minuten Spielzeit war das Spiel in etwa ausgeglichen. Argentinien hatte allerdings die klareren Chancen. Dann folgte aber der Schockmoment, als di Maria verletzt ausgewechselt werden musste, was für Argentinien eine kleine Schwächung bedeuten könnte, sollte er nicht fit werden. Danach passierte aber nichts mehr Nennenswertes, sodass es mit der 1:0 Führung in die Halbzeit ging.
Nach Anpfiff plätscherte die Partie ohne Ereignisse vor sich hin. Nach einer Stunde Spielzeit hatte Belgien erneut eine Chance und drängte kurz auf den Ausgleich hin. Der zwar durchaus gerecht gewesen wäre, aber nicht fiel. Danach passierte wieder wenig. Belgien fand keinen Weg, Argentinien schaute zu. Erst in den letzten Minuten wurde es nochmals gefährlich, als Belgien eine Chance nach der anderen hatte. Allerdings fand kein Ball den Weg ins Tor. Damit zieht Argentinien auch in der Höhe verdient ins Halbfinale ein.
Die Südamerikaner haben nicht mehr gemacht, als sie mussten. Belgien war zwar Geheimfavorit, konnte aber nicht alles zeigen. Das Team hat nur wenige Minuten, in denen es sein Können zeigt. Zu wenig, um in die nächste Runde einziehen zu können. Das Potential blitzt stellenweise durch, aber auch nicht immer überzeugend. Trotzdem hat Marc Wilmots eine Mannschaft, mit der auch in Zukunft zu rechnen wird.
Argentinien zieht nicht glanzvoll weiter, dafür aber kontrolliert. Belgien fand keinen Weg nach vorne. Also ließen die Südamerikaner das Spiel einfach laufen. So wurden Kräfte und Energie für das Halbfinale geschont. Der Sieg auch in der Höhe verdient, weil der Gegner auch nicht immer mitspielen wollte. Wurde es gefährlich, stand die Defensive aber kompakt und hielt die Null.

Viertelfinale 4: Costa Rica - Niederlande 3:5 n.E.
Die Niederlänger begannen schnell und wollten recht früh die Führung erzielen. Diese machten dann auch im weiteren Spielverlauf das Tempo, während Costa Rica auf Konter wartete. Und es waren dann auch die Oranjes, die die erste hochkarätige Chance in der 22. Minute hatten. Doch Navas hielt den Kasten sauber. Keine sechs Minuten dann die nächste große Chance für die Europäer. Doch wieder war Navas zur Stelle, der wiederum den Konterversuch einleitete. Dieser blieb aber auf Grund eines Handspiels ungenutzt. Die Niederländer im Anschluss daran wieder mit einem Ballbesitzspiel im Mittelfeld. Doch auch Costa Rica hatte durch einen Freistoß in der 35. Minute die erste Torchance. Allerdings machte Holland immer wieder Druck. Die nächste Chance folgte in der 39. Minute, als Sneijder mit einem Freistoß, an wem sonst, an Navas scheiterte.
Was sich in der ersten Hälfte andeutete, zeigte sich auch in Hälfte zwei. Die Niederlande mit den ersten Chancen. Doch Costa Rica noch lange nicht aus dem Spiel. Pech für die Mittelamerikaner, als es in der 60. Minute keinen Elfmeter gab. Danach versuchten beide Mannschaften immer wieder Nadelstiche zu setzen. Die klarste Chance hatte im Verlauf Holland, als Sneijder einen Freistoß knapp an den Pfosten setzte. Navas wäre nicht mehr heran gekommen. Glück für Costa Rica und Pech für die Niederlande dann in der 93. Minute, als alle Spieler eine Hereingabe verpassen, es aber nicht schaffen den Ball hinter die Linie zu bringen. Das wäre die Entscheidung gewesen, doch irgendwie bekommt Costa Rica das Ding weg. Das war dann zugleich auch die letzte Aktion, bevor es in die Verlängerung ging.
Nach Wiederanpfiff wurden nun die Chancen deutlicher. Doch keine Mannschaft konnte in der ersten Hälfte der Verlängerung den Lucky Punch setzen. Nachdem die Niederländer erneut das Tempo machten, kam Costa Rica gegen Ende zurück. Die Oranjes doch ein wenig nachlässig in der Defensivarbeit. Und plötzlich hatten die Mittelamerikaner die Führung auf dem Fuß und drängten weiterhin auf das Siegtor.  Nur wenige Minuten später hatten dann wieder die Niederländer die Führung auf dem Fuß. Das Spiel ging nun hin und her. Keine der Mannschaften wollten in das Elfmeterschießen gehen. Doch dies ließ sich dann doch nicht mehr vermeiden und so ging er für Costa Rica erneut in die finale Entscheidung.
Und die Frage war: Würden die Jungs erneut so treffsicher sein und für die Überraschung schlechthin sorgen? Die Fans im Stadion waren schon längst fast ausschließlich auf den Seiten der Mittelamerikaner. Borges machte den Anfang und verwandelte erneut, wie schon gegen Griechenland. Für die Niederländer trat van Persie an, der ebenfalls den Treffer versenkte. Als nächstes folgte Ruiz, der Kapitän, der dann aber an Krul, der erst kurz vor Abpfiff eingewechselt wurde, scheiterte. Im Gegenzug traf Robben für die Oranjes. Gonzales gegen Krul lautete das nächste Duell, welches der Costa Ricaner für sich entscheiden konnte. Dann traten sich Navas und Sneijder gegenüber, doch auch diesen Elfmeter verwandeln die Niederländer souverän. Bolanos gegen Krul und erneut ein Treffer für Costa Rica. Für die muss nun Navas einen Elfmeter halten, damit die Mannschaft noch Chancen auf die nächsten Runde hatte. Doch Kuyt verwandelte ebenso sicher, wie seine Vorgänger. Damit hatten die Niederländer den entscheidenden Vorteil auf dem Fuß. Erneut trat Umana als fünfter an, wie schon gegen Griechenland, doch dieses Mal scheiterte. Damit sind die Oranjes im Halbfinale.
Costa Rica verabschiedet als vermutlich die Sensation dieser WM. Bis ins Viertelfinale vorgedrungen und dort nur knapp an den Niederlanden gescheitert. Die Mannschaft hatte vermutlich nicht den ansehlichsten Fußball gespielt, dafür aber mit Herz und Leidenschaft. Dies zeigte sich auch dahingehend, dass das Publikum beim heutigen Spiel auf der Seite der Mittelamerikaner stand. Die Sensation war schon fast perfekt, doch im Elfmeterschießen war dann Ende.
Die Niederländer hingegen ziehen in das Halbfinale ein. Nicht souverän, wie man es gegen Costa Rica erwartet hätte. Das vermeintlich leichteste Duell im Viertelfinale ging schließlich ins Elfmeterschießen. Nun wartet Argentinien. Sicherlich war es eine taktische Meisterleistung von van Gaal. Doch dies ist kein Mittel, um 100%ige Siege zu generieren. Gegen die Südamerikaner um Messi muss da mehr her, ansonsten wird es schwer das Finale zu erreichen.
Leider gab es im Elfmeterschießen dann doch noch unschöne Szenen, als der niederländische Torhüter Krul vor dem Duell mit Bolanos diesen verunsichern wollte. Der Schiedsrichter hätte hier doch reagieren und das ganze unterbinden müssen. Sicherlich: Der Schütze hatte getroffen. Doch mit fairplay hat das nichts zu tun.

Freitag, 4. Juli 2014

WM 2014: Spieltag vom 4. Juli (Viertelfinale)

Es geht in die Endphase zu. Vier Tickets sind für die nächste Runde noch zu haben. Deutschland möchte sich im europäischen Duell gegen Frankreich durchsetzen. Derweil plant Kolumbien die Überraschung im südamerikanischen Duell gegen Gastgeber Brasilien. Es wird spannend.

Viertelfinale 1: Frankreich - Deutschland 0:1
Das Spiel begann sehr ruhig. Allerdings hatte Deutschland von Beginn an mehr Ballkontakte. Doch auch Frankreich strömte immer wieder Gefahr nach vorne aus. Trotzdem war die Führung in der 13. Minute für Deutschland verdient. Eine Freißstoßflanke von Kroos findet in Hummels einen abnehmer, der einnetzte. Frankreich versuchte danach zu Antworten, doch die deutsche Abwehr um Rechtsverteidiger Philipp Lahm stand souverän und hatte keine Probleme, wie noch gegen Algerien. Der Wechsel von Lahm hatte sich absolut gelohnt. Der deutschen Mannschaft fiel aber nicht viel ein, um noch ein zweites Tor hinterher zu schießen. Heikel wurde es, als Klose im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Hätte Elfmeter geben können. Doch der Pfiff blieb aus. Nach und nach wagte sich auch Frankreich immer mehr nach vorne und kam zu Chancen. Diese konnten allerdings nicht genutzt werden. So ging ein wenig hochklassiges Spiel in die Pause mit einer verdienten deutschen Führung.
Die wackelte allerdings schon gleich zu Beginn der zweiten Hälfte, als Frankreich besser ins Spiel fand. Mehrere Chancen konnte Abwehr und Towart gerade so vereiteln. Den Deutschen fehlte es hingegen stellenweise an Ambitionen, Ideen und Tempo. Es glich mehr Standfußball, als dem Willen noch ein Tor schießen zu wollen. Frankreich wurde indes stärker und hätte mittlerweile den Ausgleich verdient gehabt. Die deutsche Führung wackelte. Dann wurde Özil, der heute total blass blieb und keine Akzente setzen konnte ausgewechselt. Ebenso kam Schürrle für Klose. Vor allem er hätte erneut treffen können, machte aber den Ball nicht rein. Dadurch kamen die Franzosen noch einmal zu Chancen. Mittlerweile tendierte auch der Schiedsrichter eher in Richtung Frankreich, weswegen es Deutschland noch ein wenig schwerer hatte. Am Ende stand die Defensive aber, die Null blieb stehen und Deutschland zog verdient ins Achtelfinale.
Zu den Franzosen sei zu sagen, dass ihnen aus meiner Sicht die Wiedergutmachung für 2010 gelungen ist. Deschamps hat ein Team aufgebaut, welches auch für die EM 2016 im eigenen Land gerüstet ist und Chancen hat.
Deutschland spielte erneut keinen schönen, aber einen effektiven Fußball. Vor allem Lahm überzeugte als Rechtsverteidiger und muss die weiteren Spiele dort bestreiten. Aber auch Hummels war heute zu Recht Spieler des Spiels. Insgesamt war die Abwehrleistung sehr stark. Doch auch die Mannschaft an sich präsentierte sich als Einheit. Jeder machte den Schritt für den Nächsten. Daher konnten sie auch die Führung über die Zeit bringen. Und darauf kommt es auch an. Hinten sicher stehen. Einzig die Chancen nach vorne müssten mehr und besser genutzt werden. Ebenso fehlen mir immer wieder geniale und überraschende, aber auch kreative Aktionen nach vorne. Das Spiel wirkt teilweise zu statisch. Vor allem ein zweites Tor hätte viel Sicherheit gegeben. Trotzdem hat die Mannschaft das Halbfinale zum dritten Mal in Folge erreicht. Nun wartet Kolumbien oder Brasilien. Chancenlos ist Deutschland bei weitem nicht. Noch zwei Spiele und die Mission "Weltmeistertitel" wäre erfolgreich.

Viertelfinale 2: Brasilien - Kolumbien 2:1
Vor allem Brasilien begann offensiv. Und gleich in der 7. Spielminute erfolgte bereits die Fürhung für den Gastgeber durch Thiago Silva nach einem Eckball. Doch nur wenige Minuten später hätte Cuadrado den Ausgleich herstellen können. Allerdings wurde der Ball zu einer Ecke entschärft. Danach wagten sich beide Mannschaften mal mehr, mal weniger weit in die jeweils gegnerische Hälfte. Dabei konnte der Gastgeber aber die besseren Chancen vorweisen. Doch immer wieder war Hospina zur Stelle und hielt den Kasten "sauber". Kolumbien hingegen hat bisher noch keinen Weg durch die gegnerischen Abwehrreihen gefunden. Nach gut 20 Minuten entstand aber eine Konterchance für Kolumbien. Ein unsauberer Pass verhinderte aber den Ausgleich. Das Spiel hat an Fahrt aufgenommen und wechselte hin und her. Kolumbien nicht chancenlos, aber leider zu ideenlos. Dies lag aber auch sicher daran, dass Brasilien Superstar James Rodriguez bisher gut aus dem Spiel nahm. Brasilien dagegen drängte auf einen Ausbau der Führung. Doch nicht jeder Pass war sauber gespielt und fand den Mann. Auf der anderen Seite Kolumbien noch zu zurückhaltend. Auch über Standarts kam bisher zu wenig. Und so ging es dann auch mit der 1:0 Führung für Brasilien in die Halbzeit. Auf der einen Seite verdient. Auf der anderen Seite ist das aber noch nicht souverän und Kolumbien war auch noch nicht aus dem Spiel.
Auch in der zweiten Hälfte begann Brasilien offensiv. Das Spiel war, wie in Halbzeit eins, von beiden Seiten aus von einer gewissen Leidenschaft geprägt, die zu überdurchschnittlich vielen, aber nicht bösartigen Fouls führte. Trotzdem verzichtete der Schiedsrichter auf Karten und gab lediglich Freistöße. Dann gab es aber doch gelb und zwar für Kapitän Thiago Silva, der den Abstoß verhindern wollte. Da dies seine zweite Karte im Turnier war, bedeutet dies eine Sperre im Halbfinale - völlig unnötig und unüberlegt. Danach stellte auch der Schiedsrichter fest, dass er diese Härte im Spiel ahnden musste und gab auch Kolumbien gelb. Den anschließenden Freistoß nutzte David Luiz zu einem Tor der Markte "Traumtor" oder "absolute Weltklasse". Aus zig Metern ballert er das Ding in die Maschen. Unfassbares Tor! Das zweite Tor eines Innenverteidigers an diesem Tag - das sagte alles über das Spiel der Brasilianer aus. Kolumbien hatte weiterhin keine Ideen, um noch den Anschlusstreffer herstellen zu können. Erst in der 78. Minute bekam Kolumbien die Chance. Baca wird im Strafraum von Caesar gefällt. Folgerichtig gab der Schiedsrichter Elfmeter und gelb für den Torhüter. Diese Chance ließ sich James nicht nehmen und verkürzte. Dieses Tor wiederum beflügelte Kolumbien. Wenige Sekunden später stand Baca im Abseits, was den Ausgleich nur knapp verhinderte. Brasilien dagegen verstärkte nun die Defensive. Hulk verließ den Platz für den defensiven Ramires. Dann ein Schockmoment für ganz Brasilien: Neymar wird inder 87. Minute gefoult und muss vom Platz getragen werden. Wenige Minuten vor Abpfiff drängte Kolumbien mehr denn je auf den Ausgleich. Brasilien mit allen Mann hinten drin und trotzdem gibt es Applaus für Bälle, die ins Jenseits geschlagen werden. Doch am Ende war es zu wenig. Brasilien zieht damit ins Halbfinale gegen Deutschland ein.
Mit Kolumbien verabschiedet sich eine sympathische Mannschaft, die Spaß gemacht hat bei diesem Turnier. Vor allem James Rodriguez hat auf sich aufmerksam gemacht und angedeutet, dass er ein richtig guter Spieler werden kann. Doch auch das Kollektiv hat sich sehr gut verkauft. Sie waren beinahe an der Sensation dran. Doch am Ende war es leider zu wenig. Eine Mannschaft, die Potential hat, verabschiedet sich aus dem Turnier.
Brasilien hingegen kommt ins Halbfinale. Nicht unbedingt souverän, aber effektiv. Sie haben gezeigt, dass sie verwundbar sind. Im Halbfinale wird Thiago Silva fehlen. Eventuell auch Neymar. Aus meiner Sicht eine Partie auf Augenhöhe. Sowohl Deutschland, als auch Brasilien kann ins Finale einziehen. Vielleicht ist Deutschland einen Tacken vorn, weil der Druck nicht so groß ist. Trotzdem ist die Partie offen.
Eine rührende Szene gab es noch am Ende der Partie. James Rodriguez, der Tränen überströmt auf dem Platz herumgeisterte, wird von David Luiz sekundenlang in den Arm genommen und bekommt Mut zugesprochen. Das sind Szenen, die man im Sport sehen will! Daumen nach oben!

Mittwoch, 2. Juli 2014

WM 2014: Spieltag vom 1. Juli (Achtelfinale)

Die letzten beiden Partien in der Achtelfinalrunde standen an. Und auch an diesem Spieltag sollte sich zeigen, wie spannend die KO-Phase sein kann.

Achtelfinale 7: Argentinien - Schweiz 1:0 n.V.
Die Argentinier zu Beginn die spielbestimmende Mannschaft. Mit fast 70% Ballbesitz hatten sie die Eidgenossen im Griff, fanden aber trotzdem keinen Weg durch die Abwehrreihen. Nach und nach gingen die Spieler mehr Risiken ein, sodass auch die Schweizer Strafraumszenen hatten. Trotzdem blieben die Südamerikaner die tongebende Mannschaft, die keine Idee hatte, die Schweizer zu überwinden. Und wenn, dann war wieder einmal Benaglio zur Stelle.
In der zweiten Hälfte hörte dann das Taktieren auf. Die Strafraumszenen selbst nahmen allerdings kaum zu. So endete auch diese Hälfte torlos.
Es folgte erneut eine Partie, die in der Verlängerung entschieden werden sollte. Vor allem Benaglio mauerte sich mehr und mehr zum Spieler des Spiels, entschärfte ein Schuss nach dem anderen. Doch Argentinien konnte den Druck nicht dauerhaft oben halten. Beide Mannschaften waren schon fast mit den Gedanken beim Elfmeter Schießen, als di Maria nach Vorlage von Messi zwei Minuten vor dem regulären Ende einnetzte. Die Eidgenossen in Folge dessen warfen noch einmal alles nach vorne. Dzemailis hatte Pech, dass sein Ball nur knapp am Pfosten vorbei ging. Am Ende scheiterte Shaqirir mit einem Freistoß.
Argentinien glücklich weiter. Die Eidgenossen waren durchaus an der Sensation dran. Am Ende haben sich dann, wie bei Argentinien in diesem Turnier üblich, die Individualisten durchgesetzt. Souverän war diese Leistung aber nicht.


Achtelfinale 8: Belgien - USA 2:1
Die Partie begann recht furios. Bereits in der ersten Minute kam Belgien zu ersten Chance, die Torhüter Howard gerade so entschäften konnte. Und das Team von Marc Wilmots setzte gleich nach. Der zweite Angriff folgte wenige Sekunden später. Doch die US-Boys sortierten sich danach erst einmal und suchte ebenfalls den Weg nach vorne und hatten gegen 20 Minuten auch das Chancenplus. Belgien steckte aber nicht zurück und hätte wenige Minuten danach durch de Bruyne in Führung gehen können. Beide Mannschaften suchten immer wieder den Weg in die Offensive und kamen immer wieder zur Chancen. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem lediglich die Effektivität im Abschluss fehlte. So ging es mit einem torlosen Remis in die Halbzeit.
In der zweiten Hälfte erwischten die Belgier den besseren Beginn. Nach 10 Minuten war es erneut eine gute Chance für die Europäer, die aber erneut nicht verwertet werden konnte. Keine drei Minuten später hatten die Belgier eine Chance, die aber an die Latte ging. Die Europäer erhöhten das Tempo und drängten regelrecht auf die Führung. Doch der stand bisher immer Torhüter Howard im Weg. Aber fast im Gegenzug hatten die Jungs von Klinsi die Möglichkeit selbst in Führung gehen zu können. Die Partei nach über 60 Minuten nicht nur auf Augenhöhe, sondern auch mehr oder weniger ausgeglichen. Man merkte, dass beide Mannschaften hier die Partie nach 90 Minuten beenden wollten und nicht die Verlängerung anstrebten. Immer wieder kam es zu hochklassigen Chancen, die aber allesamt den Weg ins Tor nicht fanden. Vor allem Belgien hatte gegen Ende die besseren Chancen, fanden aber in Howard ihren Meister. Da der Lucky Punch ausblieb, ging auch dieses Spiel in die Verlängerung.
Kaum waren 120 Sekunden gespielt, netzte de Bruyne auch schon zum 1:0 für Belgien ein. Allerdings antworteten die US-Boys eher verhalten. Stattdessen setzte Belgien immer wieder Nadelstiche. Folglich war auch das zweite Tor nur eine Frage der Zeit. Kurz vor Abpfiff der ersten Hälfte netzte Lukaku ein, dessen Einwechslung sich mit der Vorlage beim 1:0 und dem selbst erzielten 2:0, schon gelohnt hatte.
Allerdings hat sich die USA noch nicht abgeschrieben. Der eingewechselte Julien Green vom FC Bayern München erzielten nach weniger als zwei Minuten den Ausgleichstreffer. Die machen wiederum so weiter, wie sie begonnen haben. Wenige Spielzüge später hatte Jones den Ausgleich auf dem Fuß. Die USA war nun offensiv ausgerichtet und bot den Belgiern Kontermöglichkeiten. Trotzdem waren die Amerikaner dem Ausgleich sehr nahe, als Dempsey ihn schon auf dem Fuß hatte, die Chance aber nicht nutzen konnte. Auch wenn der Ausgleich nach der Verlängerung verdient gewesen wäre, wollte er einfach nicht fallen. Somit scheiden die Jungs von Jürgen Klinsmann ein wenig unglücklich aus.
Am Ende konnte Belgien mehr aus den Chancen machen und zieht ins Viertelfinale ein. Durchaus verdient, wenngleich man sagen muss, dass es beide Mannschaften verdient gehabt hätten.
Nun geht es für die Belgier also gegen Argentinien. Im Viertelfinale sind sie sicherlich nicht chancenlos. Da kann die Überraschung gewinnen. Vor allem das Zusammenspiel zwischen de Bruyne und Lukaku konnte doch überzeugen. Dazu kommt eine unglaubliche physische Präsenz, sowie eine Leidenschaft, die solche Ergebnisse erzwingen können.
Die USA hingegen können sich auch als kleiner Gewinner sehen. Klinsmann baut da wirklich etwas Tolles auf. Das zeigt auch, wie das Land hinter dieser Mannschaft steht. Sein Ziel, die Mannschaft irgendwann ins Halbfinale zu führen, ist nicht ganz unrealistisch.

Damit wären die Achtelfinalbegegnungen beendet. Es war zu sehen, dass die Mannschaften doch nahe beieinander liegen und es kein Kanonenfutter gab. Ebenso, dass nur zwei Spiele nach der regulären Spielzeit beendet wurden. Im Viertelfinale erwarten uns spannende Partien, bei denen es bestimmt noch zur einen oder anderen Überraschung kommen wird.

Montag, 30. Juni 2014

WM 2014: Spieltag vom 30. Juni (Achtelfinale)

Frankreich wollte gegen Nigeria seiner Favoritenrolle gerecht werden. Derweil möchte das deutsche Team den nächsten Schritt in Richtung "Mission Titelgewinn" machen. Die KO-Runde kennt kein Erbarmen.

Achtelfinale 5: Frankreich - Nigeria 2:0
Am Ende war es dann doch knapper, als viele vermutet hätten. Denn das Spiel machte zunächst Nigeria. Frankreich zeigte plötzlich ein anderes Gesicht, als noch gegen Honduras und die Schweiz. Auch wenn die Partie temporeich begann, gab es trotzdem keine Strafraumszenen. Es fehlte schlichtweg an Präzision, was den letzten Pass angeht. Erst in der 20. Minute hatte Pogba nach einer sehenswerten Aktion den ersten Torschuss für Frankreich, den aber Enyeama entschärfte. Im Anschluss daran suchten beide Mannschaften den Weg nach vorne, allerdings nicht mit Vollgas. Doch Frankreich bekam mehr und mehr die Partie in den Griff, war aber dennoch nicht zwingend genug. So ging es torlos in die Halbzeitpause.
Die zweite Hälfte begann eher verlegen. Erst in der 70. Minute hatte Benzema die Führung auf dem Fuß, vergab aber. Nigeria bekam immer mehr Probleme. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Frankreich schließlich durch Pogba in der 79. Minute in Führung ging. Die Afrikaner hingegen schienen geschlagen. Schließlich erhöhte Frankreich in der Nachspielzeit gar auf 2:0, wodurch die Partie endgültig entschieden war.
Nigeria präsentierte sich erstaunlich gut und hat sich im Achtelfinale gut verkauft. Sie haben gezeigt, dass in der KO-Runde die Teams noch näher zusammenrücken und dass Weltranglistenplatz keine Bedeutung hat. Trotzdem geht der Sieg für Frankreich in Ordnung, da sie einfach die zwingenderen Chancen hatten. Allerdings fehlte es auch hier noch ein wenig. Wie ein Topfavorit hat sich das Team von Didier Deschamps noch nicht präsentiert. Allerdings muss man auch sagen, dass der Druck auf jeder Mannschaft nun enorm hoch ist, da eine Niederlage das Aus bedeutet. Daher darf man Frankreich, das nach dem Debakel von 2010 auf Wiedergutmachung aus ist, durchaus als einen der Kandidaten zählen, die etwas reißen könnten.

Achtelfinale 6: Deutschland - Algerien 2:1 n.V.
Das deutsche Team wollte zeigen, dass es zu Recht zu den Favoriten dieses Turnieres gehört. Und so trat die Mannschaft zuächst auch auf, als der Ballbesitz fast ausschließlich in deutschem Besitz war. Was allerdings den Algeriern in die Karten spielte, die wiederum auf Konter lauerten und auch zu Chancen kamen. Mit fortschreitendem Spiel kamen aber die Afrikaner näher an das gegnerische Tor und waren stellenweise der Führung näher als die DFB-Elf. Nach vorne ging bei der Elf von Löw recht wenig und auch die Defensive wirkte alles andere als souverän. Daher ging es mit einem aus deutscher Sicht recht enttäuschenden 0:0 in die Halbzeit. Die erste Hälfte war vermutlich die schlechteste der deutschen Mannschaft in diesem Turnier.
Dies sollte sich für die zweite Halbzeit ändern, als Schürrle für Götze ins Spiel kam. Doch nennenswerte Aktionen waren mangelware. Die Algerier waren perfekt auf das deutsche Spiel eingestellt, welches sich als sehr unflexibel präsentierte. Es gab kaum zündende Ideen nach vorne. Das Spiel verlachte zunehmendst. So ging es dann überraschend in die Verlängerung.
Der Führungstreffer durch Schürrle fiel schon recht früh. Algerien attackierte nun früher. So kam die deutsche Mannschaft zu Konterchancen. Trotzdem blieb die Führung in Gefahr. Erst kurz vor Ende wurde es nochmals gefährlich, als zunächst Kramer eine gute Chance vergab, ehe Özil das erlösende 2:0 erzielte. Mehr als den Ausgleichstreffer konnte Algerien dann nicht mehr erzielen.
Der Protest in Deutschland selbst könnte nicht größer ausfallen. Keine Ideen, kein Tempo, nicht flexibel genug. Kurzum eine fürchterliche Partie. Allerdings sind wir eine Runde weiter und nur das zählt. Aus meiner Sicht kann Deutschland die restlichen Spiele genau so unattraktiv spielen, wenn sie den WM-Titel holen. Sicherlich darf es nicht der Anspruch der Mannschaft sein, solche Spiele abzuliefern. Vor allem das System hängt doch sehr. Man muss auf die Gegner reagieren können. Genau das fehlte mir beim Spiel gegen Algerien. Ebenso störten mich die ständigen Ausflüge von Manuel Neuer ins Halbfeld. Der Torhüter hat dort nichts zu suchen und ich kann mich der Begeisterung vieler nicht anschließen. Das ist Harakiri. Ruckzuck geht die Aktion schief. Dann fliegt er entweder mit rot vom Platz oder der Gegner macht ein Tor. Ich weiß, dass dies die Spielweise von Neuer ist. Aber da sollte er sich doch ein wenig zurückhalten.
Ansonsten muss man dann abwarten. Das Spiel gegen Frankreich wird unter anderen Vorzeichen stehen. Die Franzosen werden nicht so defensiv und zum Teil auch destruktiv agieren, als noch die Algerier. Daher sollte man das nicht überbewerten. Wichtig ist, dass wir ins Viertelfinale gekommen sind. Es bringt nichts, wenn wir Spiele abliefern, bei denen wir den Gegner mit 4:0, 5:0, 6:0 auf den Schutt fahren, im Halbfinale dann aber die Segel streichen müssen. Wie gesagt: Die Spielweise von diesem Spiel darf nicht zur Angewohnheit werden. Trotzdem muss man sich immer wieder das Ziel vor Augen halten.
Am Ende muss man aber auch den Algeriern Respekt zollen. Die Mannschaft hat bewiesen, wie eng es im Achtelfinale zugeht. Die Mannschaft hatte stellenweise eher die Führung verdient gehabt, als die deutsche Elf. Die Algerier haben sich gut geschlagen. Am Ende hat es dann doch nicht gereicht. Zum Glück für uns.

Sonntag, 29. Juni 2014

WM 2014: Spieltag vom 29. Juni (Achtelfinale)

Und weiter geht es mit den nächsten beiden KO-Spielen. Die Niederländer wollen zeigen, dass sie erneut Titelkandidat sind, während Mexiko endlich das Viertelfinale erreichen möchte. Und am Abend startet dann die wohl unerwartetste Partie dieser WM: Costa Rica gegen Griechenland.

Achtelfinale 3: Niederlande - Mexiko 2:1
Fünf Mal in Folge schied Mexiko im Achtelfinale aus. Nun sollte dieser Fluch gebrochen werden und der Einzug ins Viertelfinale klargemacht werden. Auch auch die Oranjes wollten dieses begehrte Ticket.
Davon war zu Beginn allerdings nicht so viel zu sehen, da beide Mannschaften eher defensiv organisiert waren. Die Niederländer arbeiteten sich das Chancenplus mit der Zeit. Trotzdem standen die Mexikaner komplett und stören früh den Spielaufbau. Erst nach 20 Minuten Spielzeit gab es die ersten Chancen. Trotzdem konnten diese nicht genutzt werden, weswegen es mit einem torlosen Unentschieden in die Pause ging.
Nach dem Anpfiff erwischte allerdings Mexiko den besseren Beginn und erzielte schon nach drei Minuten das 1:0. Die Oranjes danach offensiver und beinahe mit dem Ausgleich. Doch Torhüter Ochoa verhinderte mit einem schnellen Reflex den Ausgleich. Der mexikanische Torhüter war immer wieder im Mittelpunkt der Torraumszenen und nagelte sein Tor zu, wie gegen Brasilien. Doch dann stach Joker Klaas-Jan Huntelaar, der nach einer Ecke den Ball auf Sneijer zurücklegte, der diesen wiederum in die Maschen drosch - der Ausgleich. Schließlich gab es in der 90+2 Minute erneut einen Pfiff: Elfmeter für die Niederländer. Hunterlaar zögerte nicht, schnappte sich den Ball und erzielte die Führung. Mexiko hatte nicht mehr genügend Zeit, um darauf zu reagieren. Damit bleibt der Fluch bestehen, während die Niederlande ins Viertelfinale einzieht.
Der Sieg geht durchaus in Ordnung. Die Oranjes hatten die besseren Chancen, die zwar immer wieder verhindert wurden. Dennoch konnten sie das Spiel drehen. Trotzdem war von dem Hurra-Fußball aus der Vorrunde nicht mehr all zu viel zu sehen. Als ein Titelkandidat hat sich die Elf von van Gaal heute nicht präsentiert.
Ebenso störte mich ein wenig das Verhalten von Robben. Zwar hätte es in der ersten Hälfte Elfmeter geben können. Doch war die Szene sehr schwer einzusehen, weshalb es keinen Vorwurf an den Schiedsrichter geben darf. Trotzdem probierte Robben immer wieder im Strafraum zu fallen. In der zweiten Hälfte hätte es daher aus meiner Sicht auch gelb wegen einer Schwalbe geben müssen, da er nur einfädelt, ohne dass ihn der Gegenspieler berührte. Es war dann leider auch wenig verwunderlich, dass der Plan irgendwann aufgeht und der entsprechende Elfmeter gegeben wurde. Auf Grund des nicht gegebenen in Halbzeit eins durchaus vertretbar. Trotzdem war das dann doch nicht immer sehenswert.
Mexiko selbst scheitet mit ein wenig Pech aus. Die Mannschaft hatte sich im Turnier ordentlich präsentiert und verkauft und hatte es auch in der Hand, den Fluch selbst zu besiegen. Daher ist es schon ein wenig schade, dass dieses Team sich nun verabschieden muss. Doch betrachtet man den kompletten Spielverlauf, geht der Sieg für die Oranjes in Ordnung. Die wiederum treffen auf den Sieger der Partie Costa Rica gegen Griechenland. Und da stehen die Chancen doch recht gut, dass die Niederlande den Einzug ins Halbfinale packen kann.

Achtelfinale 4: Costa Rica - Griechenland 5:3 n.E.
Mit dieser Begegnung hätten zu Turnierbeginn wohl die wenigsten gerechnet. Nun wollten beide Teams Geschichte schreiben und in das Viertelfinale einziehen.
Griechenland zu Beginn zwar offensiv, aber doch mit einer gewissen Nervosität. Doch auch Costa Rica kam allmählich zu Torchancen. Trotzdem entwickelte sich eine Partie ohne Strafraumszenen. Griechenland stand kompakt und ließ Costa Rica keine Möglichkeit des Durchkommens. Die wiederum ebenfalls eine stabile Abwehr aufweisen konnten. Für die Torhüter aber gab es in der ersten Hälfte recht wenig zu tun. So gab es zur Pause ein torloses Remis.
Von Costa Rica musste nun mehr kommen. Und genau das tat die Mannschaft auch, als in der 52. Minute Ruiz zum 1:0 einnetzte. Eine weitere Szene ereignete sich zehn Minuten später, als Williams mit gelb-rot vom Platz geschickt wurde - Costa Rica damit nur noch zu zehnt. Griechenland versuchte nun den Ausgleich zu erzielen. Allerdings machten die Mittelamerikaner hinten dicht. Erst in der Nachspielzeit ereignete sich das hellenische Wunder, als Sokratis mit seinem ersten Länderspieltreffer in letzter Sekunde den Ausgleich herstellte. Damit würde auch dieses Spiel in die Verlängerung gehen.
Und diese gingen die Griechen offensiver an. Innerhalb weniger Minuten gab es bereits drei Möglichkeiten, die allerdings nicht effektiv genug waren. Costa Rica wurde mehr und mehr platt. Doch Griechenland konnte diesen Manko nicht ausnutzen. Somit ging es ins Elfmeterschießen.
Und dort bewies Costa Rica, was die Jungs drauf haben. Fünf Eltmeter, fünf Treffer. Souverän geschossen. Da Gekas für die Griechen verschoss, schrieben damit die Mittelamerikaner Geschichte.
Griechenland war über weite Teile die bessere Mannschaft und war auch am Ausgleich oder an der Führung dran. Allerdings fehlt dem Team ein richtiger Goalgetter. Vor dem Tor ist das Team eher harmlos, weshalb dann auch erst späte oder kaum Tore fallen. Ansonsten hätte die Partie auch durchaus anders ausgehen können.
Costa Rica hingegen mit Mut und Leidenschaft alles verteidigt was ging, bis zum letzten Mann und bis zur Erschöpfung. Und an Hand der Elfmeter auch souverän weiter. Nun warten die Niederländer. Vom Papier her dürfte die Sache klar aussehen. Doch bei dieser WM weiß man nie, wie es kommen wird.

Flitzerzensur - Richtig oder falsch?

Ein Mal im Rampenlicht stehen. Davon träumt so manch einer. Vor allem, bei einer Weltmeisterschaft. Manchen gelingt das auch. Allerdings weniger durch sportliche Leistungen, als viel mehr durch nackte Tatsachen. Die Rede ist von Flitzern.

Wir erinnern uns noch alle an das Vorrundenspiel dieser WM zwischen Deutschland und den USA. Plötzlich ist das Spiel unterbrochen. Niemand weiß aber warum. Kein verletzter Spieler war zu sehen, keine Diskussion mit einem Trainer. Bis der Moderator den Zuschauer aufklärt und einen Flitzer ankündigt. Dieser bekommt der Zuschauer aber nicht zu sehen. Und nun sind die Diskussionen groß: Darf die FIFA so zensieren oder nicht?

Andreas Rettich, Geschäftsführer der DFL, sprach sich in "Bild am Sonntag" gegen diese Zensur aus. Spielentscheidende Szenen müssen gezeigt werden. Die Frage ist nun, ob dies wirklich eine spielentscheidende oder wichtige Szene war.

Immer wieder versuchen Menschen den Platz zu stürmen, um ihren Idolen ganz nah zu sein. Ganz gleich, ob bei Länderspielen oder in der Bundesliga. Ganz gleich, ob betrunkene Flitzer oder welche, die Wetten verloren haben. Trotzdem gibt es sie. Und in den vielen  Fällen gelangen sie nicht nur in die TV-Bilder, sondern auch in die anderen Medien. Doch das ist genau das, was diese Menschen wollen: Aufmerksamkeit. Sie wollen jetzt, in diesem Moment, von der Linse gefilmt und gezeigt werden. Ganz egal, ob mit Vereinsfahne oder nackt.

Wie weit darf man ihnen also diese Aufmerksamkeit geben? Ich habe mich nicht daran gestört, dass dieser Flitzer im USA-Spiel nicht gezeigt wurde. Im Gegenteil: Wenn Flitzer immer wieder gezeigt werden, ruft das immer mehr Nachahmer auf den Plan. Sicherlich muss man dann auch über Sicherheitslücken im Stadion sprechen. Trotzdem gibt es dann immer welche, die auch von diesen fünf Sekunden Ruhm etwas abhaben wollen. Mit der Ausstrahlung solcher Bilder unterstützt man genau diesen Plan, der sich mit der "Zensur" eben verhindern lässt. Ich brauche diese Flitzer nicht. Sie haben aus meiner Sicht nichts mit dem Spielgeschehen zu tun. In meinen Augen stören sie nur den Fußball. Verletzungspausen, Trinkpausen und dergleichen sind völlig legitim. Aber Unterbrechungen, weil irgendein "Trottel" Aufmerksamkeit möchte, geht mir zu weit. Es soll um den Fußball gehen und nicht um Menschen, die Wetten verloren haben. Auch wenn es Flitzer gibt, die eine gewisse Art von Humor an den Tag legen, brauche ich diese Bilder nicht. Daher sehe ich dieses Eingreifen der FIFA nicht als Zensur, sondern als Verhinderung der Intention des Flitzers. Und dies kann ich ohne Probleme legitimieren und gut heißen. Denn der Flitzer schießt mir nicht das entscheidende Tor. Am Ende sorgt er dafür, dass auf Grund der Unterbrechung so lange nachgespielt wird, dass meine Mannschaft am Ende noch verliert. Daher finde ich es gut, wenn diese Absichten nicht weiter unterstützt werden. Es gibt andere Wege, um auf sich aufmerksam zu machen.

WM 2014: Spieltag vom 28. Juni (Achtelfinale)

Die ersten beiden Begegnungen der KO-Runde standen an. Gastgeber Brasilien wollte den nächsten Schritt auf der Mission "Titel im eigenen Land" gehen. Während im anderen südamerikanischen Duell Uruguay und Kolumbien die nächste Runde erreichen wollten.

Achtelfinale 1: Brasilien - Chile 4:3 n.E.
Wer dachte, die Achtelfinals würden weniger spannend werden, wurde gleich im ersten Spiel eines Besseren belehrt. Brasilien und Chile setzten den Trend der allgemein guten Spielen in der Vorrunde sehr gut fort.
Allein schon der Beginn war pure Gänsehaut, als beide Mannschaften inklusive Fans weitere Strophen der Nationalhymne sangen, obwohl die Kappelle schon längst nicht mehr spielte. Da haben selbst die Auflaufkinder auf brasilianischer Seite lautstark mitgesungen.
Die Partie begann dafür ein wenig rabiat und war von einigen Fouls gekennzeichnet, die Schiedsrichter Howard Webb allerdings nur mit mündlicher Ermahnung tadelte. Ab der zehnten Spielminute folgten die ersten Torszenen. Vor allem Brasilien dran nach vorne und erzielte folglich auch das 1:0 nach einer Ecke. Doch so souverän war die Mannschaft vom Zuckerhut nicht. Ein Fehler von Hulk nach mehr als 30 Minuten Spielzeit nutzte Alexis Sanchez zum Ausgleich, der vielleicht ein wenig glücklich zu Stande kam. Brasilien hatte in der Folge immer wieder gefährliche Torchancen, die aber allesamt nicht genutzt werden konnten. Doch auch Chile kam noch einmal zum Zug. So endete die erste Hälfte mit einem 1:1.
Brasilien hatte in der zweiten Hälfte wieder Chancen in Führung zu gehen. Hulk hätte auch beinahe getroffen. Allerdings ging dem Tor ein Handspiel voraus, welches Webb richtig ahndete. Wenig später stand dann Chile vor Julio Cesar, der aber rettete. Danach stellte sich das Spielgeschehen weitestgehend ein. Beide Mannschaften wollte nicht zu viel riskieren. So war es keine Überraschung, dass das Spiel in die Verlängerung ging, versuchten doch beide Mannschaften mit ihren Kräften zu haushalten.
Der erste Aufreger in der Verlängerung ließ nicht lange auf sich warten. Drei Minuten waren gespielt, als Jo mit durchgestrecktem Bein auf den chilenischen Torhüter Bravo zuflog. Glück für Brasilien, dass es hierfür nur gelb gab. Beinahe hätte das Elfmeterschießen verhindert werden können, als Pinilla in der Nachspielzeit und fast aus dem Nichts heraus die Führung für Chile hätte erzielen können. Allerdings streifte der Ball die Latte und flog weg. Damit stand das erste Elfmeterschießen dieser WM bevor.
In diesem setzte sich dann der Gastgeber denkbar knapp durch. Einzig zwei schwache Elfmeter von Chile zu Beginn rettete die Elf vom Zuckerhut in die nächste Runde. Mit Chile verabschiedet sich eine der Mannschaften, die für Furore gesorgt hat. Das Team konnte nicht immer mit den "Großen" mithalten. Doch über weite Strecken war das kein Problem, wie zum Beispiel das Spiel gegen die Niederlande gezeigt hat. Am Ende war es vielleicht doch zu wenig, um die nächste Runde zu erreichen.
Die wiederum hat der Gastgeber erreicht. Souverän ist aber etwas Anderes. Bei Brasilien merkt man den Druck und die Anspannung. Ein ganzes Land will diesen Titel. Der muss her. Die Mannschaft kann nicht immer unbeschwert auftreten. Vor allem bei Rückständen oder einem Ausgleich fehlt oftmals der Spielwitz. Insbesondere, wenn Superstar Neymar vom Gegner, wie heute, aus dem Spiel genommen wird, fehlt der Mannschaft die nötige Kreativität. Im Viertelfinale folgt nun Kolumbien. Das Spiel dürfte, sofern sich die Brasilianer nicht aufrappeln, auf Augenhöhe stattfinden. Und es wäre für die Truppe um Neymar nur zu empfehlen, dass sie das tun. Ansonsten kann die WM auch schneller zu Ende sein, als es den Landsleuten lieb ist.


Achtelfinale 2: Kolumbien - Uruguay 2:0
Uruguay musste dieses Spiel ohne Superstar Suarez antreten, der für seinen Biss gegen Chiellini (Italien) mit neun Spielen Sperre bestraft worden ist. Dafür stand der MVP der WM 2010, Diego Forlan, in der Anfangsformation.
Kolumbien hatte zu Beginn der Partie mehr Ballbesitz. Uruguay half sich zwei Mal mit einem Foul aus. Die beiden Freistöße waren nicht ungefährlich für das Team aus Kolumbien. Und schon nach den ersten zehn Minuten war erkennbar, dass beide Mannschaften ihr südamerikanisches Temperament an den Tag legten. Doch auch Uruguay fand mehr und mehr in die Partie. Bisher war das Chancenplus aber auf Seiten der Kolumbianer zu finden. Nach fast 20 Minuten konzentrierte sich Uruguay mehr auf Konter. Dadurch stürmte Kolumbien nach vorne und hatte stellenweise über 70% Ballbesitz. Allerdings fehlte es dann doch an gefährlichen Chancen, um in Führung gehen zu können. Dies änderte sich aber nach knapp einer halben Stunde Spielzeit. Rodriguez nahm den Ball vor der Strafraumgrenze mit der Brust an, legte ihn auf den Fuß und zog direkt ab. Ein Schuss aus über 15 Metern direkt ins Tor. Prädikat: Traumtor. Mit vier Toren in vier Spielen hat er damit zu Neymar, Messi und Müller aufgeschlossen. Die Führung selbst war alles andere als unverdient. Uruguay selbst musste aufwachen, um hier noch den Ausgleich vor dem Halbzeitpfiff zu erzielen. Bisher war da schlichtwenig zu wenig zu sehen. Und das Tor wirkte auch als Wachmacher. Fast im Gegenzug versucht Carvani den Ball nach innen zu flanken. Doch Kolumbien konnte zur Ecke klären, aus der sich beinahe noch eine Konterchance ergeben hätte. Wenige Sekunden später scheiterte Carvani nur knapp mit einem Freistoß. Die Reaktion der "Urus" war nun erkennbar in sichtbar größerem Anteil der Offensivabteilung. Allerdings fand sich immer ein Abwehrspieler, der den Ball blockierte. Und wenn nicht, gab es immer noch einen Torwart, der zu Null spielen wollte. Kolumbien hingegen wollte immer wieder Nadelstiche setzen, denen allerdings die Gefährlichkeit wie noch zu Beginn fehlten. Auch wenn die Partie stellenweise auf Augenhöhe war, ging die 1:0 Halbzeitführung für Kolumbien in Ordnung.
Nach Wiederanpfiff war Kolumbien zunächst wieder die offensivere Mannschaft. Und dann schlugen sie wieder zu, und wieder war es Rodriguez, der nun Toptorschütze ist. Ein schöner Spielzug wurde zu Recht mit einem Tor belohnt. Diese Mannschaft muss man nun erst nehmen. Erstaunlich war nun, dass Kolumbien näher am Ausbau der Führung war, als Uruguay am Anschlusstreffer und das trotz Wechsel, die das Spiel beleben sollten. Immer wieder war die Abwehr der Kolumbianer zur Stelle, um den Ball zu erobern. Die Offensive dagegen immer wieder mit kleinen Nadelstichen. Allerdings fanden Angriffe überlegt statt, war auch kein Grund der Eile bei dieser Führung. Richtig Druck auf die kolumbianische Defensive gab es dann ab der 55. Minute, als Uruguay immer wieder versuchte auf das Tor zu ziehen. Selbst verloren gegangene Bälle wurden umgehend zurück geholt. Doch es fehlte zum Teil auch das nötige Glück, um den Anschlusstreffer zu erzielen. Währenddessen kontrollierten die Kolumbianer die Partie und verwalteten sicher die Führung. Auch wenn Uruguay immer wieder zu Chancen kam und Richtung gegnerisches Tor drängte. Doch immer wieder war Torhüter Ospina zur Stelle und entschärfte Ball um Ball. Am Ende war Kolumbien aber zu stark.
Der Sieg geht auch in der Höhe in Ordnung. Eine Mannschaft, die nicht nur defensiv gut stehen kann, sondern auch einen guten Torhüter als Rückhalt hat. Dazu kommt eine unglaubliche Laufstärke und Athletik. Aber auch Spielwitz und Dynamik in der Offensive bis hin zur Torgefährlichkeit. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Truppe auch ohne Superstar Falcao Fußballgeschichte schreibt und den größten Erfolg des Landes bei einer Weltmeisterschaft feiert. Diese Mannschaft ist bei weitem kein Kanonenfutter mehr. Diese Mannschaft ist ein Team, welches Spaß macht zuzuschauen und welches für weitere Überraschungen bei dieser Weltmeisterschaft sorgen kann. Nun geht es gegen Gastgeber Brasilien.
Uruguay hingegen ein wenig enttäuschend. Da muss die Mannschaft auch nicht die Sperre von Suarez lementieren. Sie haben schlichtweg zu wenig gebracht, um den Ausgleich oder den Anschlusstreffer zu erzielen. Sicherlich war bei der einen oder anderen Aktion Pech dabei. Doch Kolumbien hatte zu jeder Zeit das Spiel im Griff, sodass das Ausscheiden dann doch verdient war.

Samstag, 28. Juni 2014

Die FIFA beißt zurück

Es war wohl einer der Aufreger bei dieser Weltmeisterschaft: Luis Suarez beißt Giorgio Chiellini in die Schulter. Allerdings kommt kein Pfiff vom Schiedsrichter. Nun hat sich die FIFA die TV-Bilder noch einmal angeschaut und eine entsprechende Strafe für Suarez verhängt.

Diese lautet: 9 Länderspiele Sperre, 100.000 Schweizer Franken Geldstrafe und 4 Monate jegliches Fußballverbot (weder Training, noch Stadionbesuche). Manch einer hätte sich eine drastischere Strafe gewünscht, ist Suarez mittlerweile Wiederholungstäter.
Wichtig war aber aus meiner Sicht, dass die FIFA nicht ihre "Stars" bedingungslos schützen möchte, sondern auch in Kauf nimmt, dass diese eben nicht mehr am Turnierverlauf teilnehmen. Ansonsten hätte dies dem Fehlverhalten Tür und Tor geöffnet. Solche Undiszipliniertheiten haben auf dem Platz nichts zu suchen. Millionen von Menschen sehen diese Spiele. Kinder suchen sich Stars und Vorbilder. Da kann es nicht sein, dass einer wieder Suarez einfach durchkommt. Daher geht die Strafe für mich auch in Ordnung. Sicherlich hätte man auch noch einen drauf setzen können.
Doch Suarez wird die Konsequenzen noch merken. Als erster hat sein Sponsor Adidas die Zusammenarbeit beendet. Das Unternehmen wird keine Werbekampagnen mehr mit Suarez starten. Auch der Pokerdienst 888poker hat ähnliche Maßnahmen vollzogen. Die erste Welle der privaten Sponsoren rückt schon ab. Sicherlich lässt sich ein Produkt weniger seriös verkaufen, wenn ein Fußballer sich auf dem Platz benimmt, wie die Axt im Walde.
Des Weiteren kommen nun auch Vereine ins Zweifeln. Suarez ist sicherlich ein hervorragender Stürmer, den jede Mannschaft gerne in ihrem Team hätte. Bei der WM hat er gezeigt, was er kann. Er wurde nicht ohne Grund Torschützenkönig in der Premier League. So kam während des Turnieres angebliches Interesse von Real Madrid und dem FC Barcelona an Suarez auf. Doch wie spanische Medien nun berichten, habe man sich bei Real Madrid dazu entschlossen, kein Interesse mehr zu hegen. Aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt, sollte er denn stimmen. Es ist ein Unding, dass solch ein Spieler am Ende noch für 90 Millionen als Toptransfer gehandelt wird. Der Junge muss sich erst einmal benehmen lernen.
Ich möchte hier jetzt nicht gegen Suarez hetzen. Seine sportlichen Qualitäten stehen außer Frage. Trotzdem gibt es Regeln, an die sich jeder zu halten hat: Ganz gleich ob Bambini oder Weltstar.
Was mich auch stört, sind die Aussagen des uruguayischen Nationalteams. Da verleugnet jeder, ganz gleich ob Trainer oder Kapitän, die Aktion. Sie war doch für jeden am TV sichtbar. Du kannst dich da beim besten Willen nicht danach hinstellen und sagen, dass da nichts war. Mehr noch. Dass jeder Idiot sehe, dass dies eine alte Wunde sei. Natürlich soll man den Mitspieler irgendwo auch schützen. Aber es ist für mich kein Schutz, wenn Tatsachen geleugnet werden. Da hätte man sich etwas cleverer anstellen müssen. Denn jetzt sieht man deutlich, wer als Depp dasteht. Die FIFA hat nicht ohne Grund diese Sperre verhängt. Daher hätte ich mir hier doch ein anderes Auftreten gewünscht. Das gibt nicht gerade Sympathiepunkte.
Ich bin wirklich gespannt, wie die Sache weitergehen wird, wenn sich Suarez weiterhin nicht im Griff haben wird. Ob die Strafen dann härter werden oder nicht. Ebenso, ob es Vereine gibt, die ihn weiterhin verpflichten wollten, trotz (oder wegen) seines Undiszipliniertheit.

Kleine Anmerkung zum Schluss: Etwas Gutes hatte der Biss dann doch noch. Einige hatten im Vorfeld der WM auf einen Biss gewettet. Da dürfte wohl das eine oder andere Siegerbier nun drin sein.

Freitag, 27. Juni 2014

WM 2014: Spieltag vom 26. Juni

Die letzten beiden Gruppen spielten die letzten Achtelfinalisten aus. Deutschland wollte zum Abschluss der Vorrunde noch einen Sieg gegen Klinsis US-Boys, während in der Gruppe H noch drei Mannschaften um Platz zwei kämpften.

Gruppe G: Portugal - Ghana 2:1
Beide Mannschaften brauchten schon ein Wunder, um die nächste Runde noch zu erreichen. Und einer war doch gewillt dieses Wunder zu vollbringen: Portugals Kapitän Cristiano Ronaldo prüfte zu Beginn mehrfach den ghanaischen Keeper, setzte wenig später einen Freistoß an die Latte. Immer wieder sorgte der Weltfußballer für Gefahr im gegnerischen Strafraum. Allerdings noch ohne zählbaren Erfolg. Erst nach 20 Minuten Spielzeit drang auch Ghana in den gegnerischen Strafraum ein und erarbeitete sich erste Chancen. Trotzdem war Portugal spielbestimmender. Es war somit keine Überraschung, als das Team von Trainer Bento in Führung ging, allerdings durch ein Eigentor. Danach pendelte sich das Spiel mehr und mehr ein, sodass sich bis zum Halbzeitpfiff nichts mehr änderte.
Nach Wiederanstoß war es wieder Ronaldo, der für Gefahr sorgte. Ghana hingegen war in der Offensive einfach zu schwach. Erst nach einer Einzelaktion von Kapitän Gyan wachte das Team auf. Und so fiel mehr oder weniger überraschend auch der Ausgleich für die "Black Stars". Portugal schien fast abgemeldet. Die Afrikaner hingegen suchten auch in der Schlussphase noch die Möglichhkeit auf einen Torerfolg, der allerdings verwehrt blieb. Stattdessen wehrte Ghanas Torwart Dauda einen Ball unglücklich vor die Füße von Ronaldo ab, der dankend aus knapp elf Metern einnetzte. Beide Mannschaften versuchten noch einmal Tore zu schießen, jedoch ohne Erfolg.
Portugal verabschiedet sich somit mit einem Sieg von dieser Weltmeisterschaft, in der die Mannschaft von Bento nicht überzeugen konnte und unter ihren Möglichkeiten blieb.
Ghana als Gruppenletzter bekleckerte sich ebenfalls nicht mit Ruhm. Heute offensiv zu wenig, ging die Niederlage in Ordnung.


Gruppe G: USA - Deutschland 0:1

Die Diskussionen im Vorfeld waren groß. Immer wieder wurde das Spiel Deutschland gegen Österreich von 1982 in Gijon aus der Mottenkiste gekramt, um auf einen möglichen Nichtangriffspakt anzuspielen, da beiden Mannschaften ein Unentschieden zum Weiterkommen reichen würde.
Das DFB-Team wollte alle Kritiker eines Besseren belehren und übernahmen sofort die Dominanz im Spiel. Keine 90 Sekunden nach Anpfiff bot sich auch schon die erste deutsche Chance. Die deutsche Mannschaft drängte mehr nach vorne und wollte das 1:0 schießen. Doch nach und nach tasteten sich auch die US-Boys nach vorne und hatten Strafraumaktionen. Mit Verlauf der Partie wurden die Torszenen aber rarer. Oftmals fehlte eine Idee, um die amerikanischen Abwehrreihen zu überwinden. Das Spiel wirkte zu statisch.
Daher kam in der zweiten Hälfte auch Klose ins Spiel, der auch gleich zu einer Chance kam. Nach einem abgewehrte Eckball bekommt Müller am Strafraum schließlich den Ball und zieht ab. Dem Jungen scheint bei der WM einfach alles zu gelingen und so schoss er mit seinem vierten Treffer im Turnier und seinem neunten Treffer insgesamt bei einer WM das deutsche Team in Führung. Danach schaltete die Truppe von Löw einen Gang zurück. Doch auch die US-Boys konnten nicht mehr die hohe Gangart an den Tag legen, da der durchnässte Rasen seinen Tribut forderte. Beide Mannschaften schienen mit dem Ergebnis zufrieden zu sein und so bemühte sich Deutschland auch kaum noch um Offensivaktionen. Beinahe hätte die USA noch den Ausgleich erzielen können. Doch Lahm war zur Stelle und klärte den Ball. Am Ende geht das Ergebnis in Ordnung, da die USA einfach zu zurückhaltend war, um ernsthafte Gefahr für die deutsche Mannschaft darzustellen. Die wiederum stand kompakt und verwaltete gut das Spiel. Am Ende kommen beide Mannschaften eine Runde weiter.
Jürgen Klinsmann hat es geschafft, eine vermeintliche "Todesgruppe" zu überstehen. Er leistet in den Staaten eine sehr gute Arbeit, die nun mit dem Einzug in das Achtelfinale belohnt wird. Das Team hat gezeigt, dass es auch in letzter Sekunde noch ein Spiel drehen kann. Daher wird das Achtelfinale gegen Belgien durchaus spannend werden.
Deutschland hat gezeigt, dass es keinen Hurra-Fußball braucht, um eine WM gewinnen zu können. Es braucht spielerische Überlegenheit und die Fähigkeit, das Spiel auch verwalten zu können. Es braucht keine Kantersiege, sondern Konstanz. Dabei aber auch nicht all zu viel riskieren und den Schongang einlegen. Das macht Mut für die KO-Phase. Man sollte hier nicht zu kritisch sein. Schließlich ging der Plan wieder einmal auf. Die Defensive wurde zwar nicht all zu oft geprüft, stand aber doch souverän. In der Offensive fehlen allerdings noch die eine oder andere geniale Idee, um eine herausragende Torchance zu kreieren. Trotzdem ist der Schritt ins Achtelfinale getan. Im Vergleich zu den anderen Ländern, die eine Runde weitergekommen sind, darf sich Deutschland durchaus in erster Reihe sehen, wenn sie denn abrufen, was sie können.

Gruppe H: Algerien - Russland 1:1
Die Ausgangslage war für beide Mannschaften klar: Wer gewinnt, zieht in die nächste Runde ein. Die Russen wollte schon früh das Ticket für das Achtelfinale buchen. Und so war das Spiel kein sechs Minuten alt, als Russland in Führung ging. Damit waren sie auch in der besseren Ausgangslage. Algerien musste nun kommen, während Russland verteidigen konnte. Allerdings dauerte es doch weitere 20 Minuten, ehe die Nordafrikaner zu gefährlichen Torchancen kamen. Russland hingegen nutzte die Offensivaktionen aus, um auf Konter zu spekulieren. Nach etwa 30 Minuten Spielzeit war das Spiel fast ausgeglichen, was die Statistiken betraf, vielleicht mit einem leichten Vorteil Russland. Algerien versuchte immer wieder Nadelstiche gegen die russische Abwehr zu setzen, konnten aber noch nicht gefährlich werden. Auch, weil zu viele Fehler im Aufbauspiel zu finden sind. Daher ging es auch mit einer verdienten russischen Führung in die Halbzeitpause.
Nach der Pause änderte sich im algerischen Spiel aber noch nicht all zu viel. Dieses war vor allem durch einige Fehler nach vorne eingeschränkt. Trotzdem versuchen sie das Tempo zu erhöhen. Schließlich führte ein nach innnen geflankter Freistoß zum Ausgleich für Algerien, die für den Weg nach vorne belohnt wurden. Torwart Akinveev sah aber auch bei diesem Tor nicht gut aus. Möglich wäre aber auch, dass er durch einen Laserpointer irritiert wurde. Algerien schien durch das Tor zusätzlich motiviert. Da Russland nun die Offensive suchen musste, wurden Räume offen, die die Afrikaner versuchten zu nutzen. Die Europäer versuchten noch einmal nach vorne zu kommen, allerdings ohne wirkliche Ideen. So verteidigte Algerien in den letzten Minuten mit allen Mannen das Ergebnis und ziehen somit überraschend in das Halbfinale ein.
Algerien trifft nun auf Deutschland. Auf dem Papier dürfte die Partie zu Gunsten von Deutschland entschieden sein. Ebenso denke ich nicht, dass den Algerien diese Sensation gelingt und Deutschland schlägt. Man hat in diesem Spiel gut gesehen, dass auf ein komplettes Spiel hin gegen eine Mannschaft wie Russland nicht immer die Qualität und Ideen da waren, die nötig sind, um eine Mannschaft wie Deutschland zu schlagen. Trotzdem gilt natürlich große Vorsicht bei vermeindlichen "Underdogs", die an einem guten Tag auch eine Topmannschaft schlagen können.
Russland selbst gar sich doch sehr enttäuschend in diesem Turnier. Vor allem, weil das Achtelfinale nicht erreicht wurde. Vier Jahre vor der Heim-WM doch ein mageres Zeichen, sind auch jetzt noch keine Perspektivspieler für 2018 zu erkennen. In Russland steht noch viel Arbeit bevor, um sich für die WM im eigenen Land entsprechend präsentieren zu können. Der Abschied nach der Vorrunde geht daher durchaus in Ordnung.

Gruppe H: Südkorea - Belgien 0:1
Belgien stand bereits als Achtelfinalist fest, während für Südkorea ein Wunder her musste. Allerdings nahm das Spiel in den ersten 30 Minuten kaum Fahrt auf. Zwar wurde die Partie offensiver, aber ohne jegliches Spektakel. Beide Seiten hatten ihre Möglichkeiten, die aber nicht verwertet wurden. Kurz vor der Halbzeit flog dann der Belgier Defour mit rot vom Platz - mit Recht.
Nach der Pause drängte Südkorea mit erhöhtem Tempo auf das Tor. Während Belgien kaum gefährlich wurde, tauchten die Asiaten immer wieder vor dem belgischen Tor auf. Trotzdem ging dann Belgien in der 78. Minute mehr oder weniger überraschend durch ein Tor von Vertonghen in Führung. Südkorea vergab in den folgenden Minuten noch zwei Chancen. Doch auch Belgien hätte noch auf 2:0 erhöhen können.
Am Ende verabschiedet sich Südkorea nicht gerade respektabel von diesem Turnier. Die nicht unbedingt stärkste Gruppe war trotzdem noch schwer genug. Daher auch das Vorrundenaus.
Belgien hingegen präsentiert sich in Spiellaune. Drei Spiele, neun Punkte. Die Truppe von Marc Wilmots hat das gezeigt, was man auch erwartet hatte. Bleibt nun die Frage, wie das Spiel gegen die USA laufen wird. Eine Partie, die ich spontan auf Augenhöhe ansetzen würde. Belgien nicht immer souverän im Turnier, trotzdem aber erfolgreich. Die US-Boys haben gezeigt, wie sie kämpfen und wollen können. Eine spannende Partie steht bevor.

Mittwoch, 25. Juni 2014

WM 2014: Spieltag vom 25. Juni

Und die nächsten Teams wollen ihr Ticket für die nächste Runde buchen. Zuerst tritt die Gruppe F um Argentinien an, ehe die Gruppe E mit Frankreich ins Geschehen eingreift.

Gruppe F: Bosnien Herzegowina - Iran 3:1
Der Iran musste das Spiel gewinnen und gleichzeitig auf eine Niederlage Nigerias hoffen, um doch noch das Achtelfinale erreichen zu können. Dem stand allerdings eine bosnische Mannschaft im Weg, die endlich ihrer Rolle gerecht wurde, die auch gleich auf die Führung drängten. Allerdings zog sich der Iran kompakt zurück. Bosnien hatte nicht die nötigen Ideen, um den Abwehrriegel zu knacken und so entstand ein Leerlauf in der Partie. Somit war Bosnien auf Einzelaktionen, wie von Edin Dzeko, angewiesen. Der Iran wiederum wollte etwas dagegensetzen. Fehlende Ideen und Kreativität verhinderten dies allerdings. So konnte Bosnien kurz vor dem Halbzeitpfiff eine Chance nutzen und ging mit 1:0 durch Dzeko in Führung.
Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete. Iran hatte keine Ideen, um Bosnien gefährlich werden zu können. Auch frische Spieler änderten daran nicht viel. Die Europäer hingegen erhöhten ihre Führung nach fast einer Stunde Spielzeit. Damit war auch den Iranern klar, dass das Thema Achtelfinale erledigt ist. Auch der Anschlusstreffer änderte nicht viel, da Bosnien kurz darauf den 3:1 Endstand herstellte.
Bosnien verabschiedet sich mit dem ersten Sieg in der WM-Geschichte vom Turnier. Trotzdem hätte mehr drin sein können und vielleicht auch müssen. Auch beim Iran war nicht immer alles so glanzvoll. In der ersten Partie gegen Nigeria hätte mehr kommen müssen. Beim Spiel gegen Argentinien verhinderte einzig Messi den Punkt, der verdient gewesen wäre. Daher fahren beide Mannschaften nach Hause.

Gruppe F: Nigeria - Argentinien 2:3
Hier ging es nicht nur um das Achtelfinale, sondern auch um den Gruppensieg. Und Argentinien legte gleich los. Dritte Minute, Messi, 1:0. Doch während sich die Südamerikaner noch über den Treffer freuten, startete Nigeria den Gegenangriff und gleich keine 60 Sekunden später bereits wieder aus. Das Team um Messi trat zwar danach souveräner auf, konnten sich aber keine guten Abschlüsse erspielen. Doch es gibt ja noch Messi. Nachspielzeit der ersten Hälfte, Messi, 2:1. Wer sonst, außer Messi? Damit ging es dann auch in die Halbzeit.
Und so furios die erste Hälfte begann, begann auch die zweite. Allerdings in umgekehrter Reihenfolge. 47. Minute, plötzlich Ausgleich für Nigeria. Doch während die Afrikaner noch im Jubel waren, konterte Argentinien drei Minuten später und stellte die erneute Führung her. Damit drängten die Argentinier mehr und mehr auf die Entscheidung, die allerdings nicht fiel. Stattdessen fand Nigeria nach 75 Minuten Spielzeit wieder in die Partie und kreierte einige Chancen. Doch auch die waren ohne Erfolg. Da beide Mannschaften den Ball nicht mehr im Tor unterbringen konnte, endete das Spiel mit einem 3:2 Sieg für Argentinien, die vor Nigeria Gruppensieger wurden.
Am Ende ist es gut einen Messi im Team zu haben. Allerdings ist Argentinien momentan zu sehr von ihrem Superstar abhängig. Wenn Messi trifft, holen sie die Punkte. Was wird sein, wenn der Kapitän einen schlechten Tag erwischt? Für mich hat sich die Mannschaft noch nicht so präsentiert, als könnte sie Weltmeister werden. Sicherlich haben sie das Zeug dazu. Aber die Auftritte waren noch nicht so das, was man erwartet hätte. Vor allem die Offensive um Higuain und Agüero blieb doch bisher recht blass. Einzig Messi und di Maria können im Angriffsspiel überzeugen. Die Frage ist nun, wie sich das Team gegen stärkere Gegner schlägt.
Nigeria ist somit "best of the rest". Eine Niederlage reicht, um das erste Achtelfinale seit 1998 zu buchen. Angesichts der Leistung der beiden anderen Teams geht das auch durchaus in Ordnung. Die Afrikaner haben teilweise ansehnliche Spielzüge und müssen nicht durch eine harte Gangart überzeugen. Allerdings bleibt es fraglich, ob auch das Viertelfinale möglich ist.

Gruppe E: Honduras - Schweiz 0:2
Die Eidgenossen begannen furios. Bereits in der 6. Minute netzte Shqiri vom FC Bayern per Fernschuss in den Winkel ein. Doch damit war das Offensivspiel erst einmal beendet. Die Schweiz zog sich in die Defensive zurück und ließ Honduras kommen. Diese fanden allerdings keinen Weg durch die Abwehrreihen. Wenn die Schweiz mal nach vorne kam, fanden sich meist zahlreiche Fehlpässe im Aufbauspiel wieder, sodass erst gar keine gefährlichen Szenen zu Stande kamen. Honduras fand auch mit dem Verlauf der ersten Hälfte keinen Weg vor das schweizerische Tor. Stattdessen fielen sie immer wieder mit Fouls auf, die hart an der Grenze waren. Bester Mann der Eidgenossen war zweifelsohne Shaqiri. Wenn es gefährlich wurde, dann über ihn. So ist es wenig verwunderlich, dass er auch das 2:0 nach einem Konter markierte. Danach zogen sich die Schweizer erneut zurück und ließen Honduras das Spiel machen. Aber denen fehlte immer noch die Idee und auch das Tempo, um die Verteidigungslinie zu durchbrechen. So endete auch die Halbzeit, in der alles in allem noch nicht all zu viel geschah.
Nach Wiederanpfiff kam aber Honduras erstaunlich stark auf den Platz zurück. Zwar fehlte weiterhin die nötige Konsequenz. Trotzdem kamen erste gefährlichere Torschüsse zu Stande. Die Eidgenossen suchten dagegen nur noch vereinzelt den Weg nach vorne und meist über Konter. Daraus resultierte auch das 3:0, wieder durch Shaqiri, der zu Recht "Man of the Match" war, durch Vorlage Drmic. Damit war das Spiel entschieden. Zwar kam Honduras immer wieder vor das schweizerischer Tor. Doch entweder war die Abwehr im Weg oder Fehlpässe. Oder aber Diego Benaglio, der gegen Ende alles hielt, was auf seinen Kasten flog.
Somit kommt die Schweiz nach diesem verdienten Sieg eine Runde weiter und trifft nun auf Argentinien. Das wird für die Truppe von Ottmar Hitzfeld sicherlich nicht einfach. Argentinien dürfte da die Nase vorne haben. Trotzdem hat die WM gezeigt, dass jeder Zeit Überraschungen möglich sind.

Gruppe E: Ecuador - Frankreich 0:0
Obwohl die Temperaturen mit 27°C recht angenehm waren, begann das Spiel sehr schleppend und verhalten. Frankreich mit Ballbesitz. Ecuador schlug hauptsächlich weite Bälle nach vorne. Glück für Frankreich: Sarko hätte nach einer Tätlichkeit rot sehen müssen, wurde aber nicht verwarnt. Daher dürfte sich die FIFA nach dem Spiel die Szene nochmals vornehmen, um eventuell nachtraglich eine Sperre zu verhängen. Ansonsten war es eine sehr müde Partie. Wenn etwas nach vorne ging, dann auf beiden Seiten über Einzelaktionen. Die gelangen aber nicht. Beide Mannschaften waren nicht nur ideenlos, sondern scheinen sich auch mit dem Ergebnis abgefunden zu haben. Und das, obwohl Ecuador noch die Chance auf das Achtelfinale hätte. So sicherlich nicht. Immer wieder schlugen beide Mannschaften lange Bälle nach vorne, die aber keine Abnehmer fanden. Das ist zu wenig für eine WM. Am Ende waren es 2 "Torschüsse" für Frankreich und einen für Ecuador. Alle drei waren aber zu harmlos. Glück hatte dann auch Ecuador, bei denen ebenfalls ein Spieler hätte mit rot vom Platz gehen müssen. So ging ein relativ schlechtes und ideenloses Spiel in die Halbzeit.
Der erste Aufreger in der zweiten Hälfte folgte schnell. Antonio Valencia foult und fliegt vom Platz. Und da beginnen wieder die Diskussionen. Dem Spielverlauf gemäß wäre gelb ausreichend gewesen. So geht Ecuador in Unterzahl an die Mission "Wunder im Maracana" an. Es folgte ein Zug nach vorne, meist aber über Einzelaktionen. Frankreich begann aber mehr und mehr das Spiel an sich zu ziehen und belagerte förmlich das Tor der Südamerikanier. Diesen fehlte weiterhin das Konzept, um Frankreich schlagen zu können. Erst in den letzten 10 Minuten wurde die Partie spannend, als sich ein Schlagabtausch entwickelte. Beide Mannschaften hatten Chancen die Führung zu erzielen, nutzten sie aber nicht. Somit ging das Spiel dann auch 0:0 aus.
Von Frankreich, die Gruppenerster wurden, war das aber definitiv zu wenig. Im Achtelfinale gegen Argentinien müssen sie die Leistung aus den ersten beiden Spielen zeigen. Sicherlich galt in diesem Spiel hier auch eine gewisse Schonung einzuhalten. Sollten die Franzosen aber ins Spiel kommen und ihre Leistung zeigen, dürfte das Viertelfinale machbar sein.
Bemerkenswert: Die sonst so "schwachen" europäischen Mannschaften zogen in dieser Gruppe ins Achtelfinale ein. Ecuador ist die erste der südamerikanischen Mannschaften, die die Vorrunde nicht übersteht.

Dienstag, 24. Juni 2014

WM 2014: Spieltag vom 24. Juni

Da war wieder Einiges geboten an diesem Spieltag. Viele Aufreger, zahlreiche Diskussionen und Weiteres, worauf man einen Blick werfen sollte.

Gruppe D: Costa Rica - England 0:0
Costa Rica stand als Achtelfinalist bereits vor der Partie fest. England war auch ausgeschieden. Daher war in dieser Partie nicht all zu viel Brisanz zu erwarten.
Trotzdem begannen die Mittelamerikaner sehr offensiv und hatten gleich zu Beginn zahlreiche gute Chancen. Allerdings schlichen sich immer wieder Fehler ein, wodurch England bestärkt auftreten konnte. Gegen Mitte der ersten Hälfte pendelte sich allerdings ein gewisser Lehrlauf ein, da Costa Rica ein Unentschieden zum Gruppensieg genügte. So ging es dann auch in die Halbzeitpause.
In der zweiten Hälfte konzentrierte sich dann Costa Rica aufs Verteidigen und tat recht wenig zum Spielaufbau. Dadurch kamen die Engländer wieder ins Spiel, konnten die Chancen aber nicht nutzen. Bis zum Ende der Partie geschah nichts Nennenswertes, da sich beide Mannschaften mit dem Resultat abgefunden hatten.
Costa Rica steht somit als Gruppensieger fest. Die Engländer verabschieden sich nach den Spaniern als zweites europäisches Topteam aus Brasilien. Allerdings ohne einen versöhnlichen Abschied.

Gruppe D: Italien - Uruguay 0:1
Italien fährt also mit Spanien und England nach Hause. Sicherlich: Es hätte mehr kommen müssen. Das Spiel war zu defensiv mit kaum Aktionen nach vorne. Zum Teil auch verständlich, da man nicht all zu viel riskieren wollte. Allerdings war es dann am Ende zu wenig, ähnlich bei Kroatien gestern.
Trotzdem gibt es weiterhin Diskussionen nach diesem Spiel. Auf paar Szenen möchte ich hier eingehen.
In der 59. Minute flog Marchisio mit rot vom Platz. Aus meiner Sicht viel zu harmlos. Das war allenfalls gelb. Somit greift der Schiedsrichter entscheidend in den Spielverlauf zu Gunsten Uruguays ein. Das hätte nicht passieren dürfen. Passt aber zu einer eher bescheidenen Schiedsrichterleistung bei dieser WM.
Der nächste Aufreger war die Aktion von Suarez. Diese biss seinen Gegenspieler in die Schulter und ließ sich anschließend theatralisch fallen. Der Schiedsrichter selbst wollte die Bissstelle erst gar nicht sehen und verschloss regelrecht die Augen. Für einen Serientäter, wie Suarez, ein Unding. So etwas gehört einfach nicht auf den Fußballplatz. Das will niemand sehen. Solch eine Aktion darf nicht unbestraft bleiben. Da die FIFA immer auf Fairplay macht, muss sie jetzt handeln und den Spieler für mindestens vier Spiele sperren, dass die WM direkt gelaufen ist. Ein Spieler muss sich im Griff haben und kann nicht ständig seine Gegenspieler beißen, weil er ein Ventil zum Druck ablassen sucht.
Sicherlich kann man nicht alles auf den Schiedsrichter schieben. Klar ist, dass Italien benachteiligt worden ist und dass der Spielverlauf entscheidend verändert worden ist. Trotzdem ist von der "Squadra Azzura" viel zu wenig gekommen, um eine Chance auf das Achtelfinale zu bekommen. Die Mannschaft hatte es selbst in der Hand, war nach vorne aber nicht gefährlich genug. Oftmals fehlten die Ideen, um die Abwehrreihen zu durchbrechen. Trotzdem tat mir die Mannschaft ein wenig leid, so nach Hause fahren zu müssen. Am Ende wäre ein Unentschieden vielleicht eine Entschädigung für diese Benachteiligung gewesen. Auf einer Art und Weise sicherlich bedauerlich. Aber wie erwähnt, hätte mehr kommen müssen.
Damit zieht Uruguay eine Runde weiter. Sicherlich hat die Mannschaft ihre Leistung gebracht. Trotzdem hat ein gewisser Heimbonus mit eine Rolle gespielt. Dies entfällt hoffentlich ab der nächsten Runde.
Ebenso bleibt ein Trend erkennbar: Die europäischen Teams tun sich ernorm schwer, während die süd- und mittelamerikanischen Teams besser mit den klimatischen Bedingungen klarkommen.

Gruppe C:  Japan - Kolumbien 1:4
Während Kolumbien von Beginn an in der Partie war, brauchte Japan einige Minuten dazu. Doch bereits nach 17 Minuten konnten die Südamerikaner durch einen Elfmeter in Fürhung gehen. Japan war nun gefordert und verstärkte die Offensive. Allerdings fehlten Tempo und Ideen, um ernsthaft gefährlich werden zu können. Kolumbien zog sich mehr und mehr zurück und konzentrierte sich auf die Defensivarbeit. Kurz vor Halbzeit schafften die Asiaten dann durch Okazaki doch irgendwie den Ausgleich.
Doch auch nach der Halbzeit kam von den Japanern zu wenig, um Gefahr ausüben zu können. Stattdessen nahm Kolumbien wieder das Spiel an sich. Nach mehr als 50 Minuten folgte die erneute Führung. Die wiederum fungierte als Weckruf für Japan, die fortan mehr Torraumszenen bekamen. Das Spiel fand fast ausschließlich in der Hälfte der Kolumbianer statt. Allerdings konnte Japan nichts aus dieser Situation machen. Stattdessen erzielte Kolumbien in den letzten zehn Minuten noch zwei Tore und gewann verdient mit 4:1.
Ein historisches Ereignis spielte sich aber noch kurz vor Ende ab. Faryd Mondragon, Ex-Köln, wurde für Torhüter Ospina eingewechelt. Damit ist Mondragon mit über 43 Jahren der älteste Spieler, der je bei einer Weltmeisterschaft gespielt hat. Schön, dass für solche Momente noch Zeit bleibt.
Ansonsten war das Ausscheiden der Japaner schon enttäuschend. Sie fanden nie wirklich ins Turnier und brachten auch nicht die Leistung, die man vielleicht erwartet hätte. Vor allem, weil doch zahlreiche Spieler in europäischen Clubs spielen. Das war schlichtweg zu wenig.
Kolumbien stattdessen setzt den Trend der südamerikanischen Mannschaften fort und gewinnt souverän die Gruppe. Und das ohne Superstar Falcao, der verletzt fehlt. Im Achtelfinale wartet nun gegen Uruguay. Auch wenn Uruguay eine glanzvolle Vergangenheit hatte, sehe ich trotzdem beide Mannschaften auf Augenhöhe. Ich würde aber Kolumbien einen leichten Vorteil zugestehen, um ins Viertelfinale einzuziehen. Daher denke ich, dass Uruguay nicht über das Achtelfinale kommen wird. Trotzdem bleibt die Partie natürlich offen.

Gruppe C: Griechenland - Elfenbeinküste 2:1
Was war das ein für ein Spiel? Spannend ja, ansehlich nicht immer. Und am Ende verabschiedet sich eine "goldene Generation", die nie über den Status hinausgekommen ist.
Die Ausgangslage für Griechenland war klar: Ein Sieg muss her, um das Achtelfinale zu erreichen. Und so gestaltete sich auch das Spiel. Denn die Europäer waren von Beginn an offensiv ausgerichtet. Dies aber machte sie anfällig für die Konter der Elfenbeinküste. Ebenso wurde die Mannschaft in Nachteil gezogen, als der Trainer nach 24 Minuten Spielzeit bereits zwei Mal verletzt auswechseln musste. Allerdings zeigten sich die Griechen davon wenig beeindruckt und drängten auf das Tor. Die Ivorer dagegen taten recht wenig bis gar nichts, und schienen mit einem 0:0 Unentschieden zufrieden zu sein, würde es ja reichen, um die KO-Runde zu erreichen. Dies sollte sich allerdings rächen, als Griechenland kurz vor der Halbzeit die Führung herstellte.
In der zweiten Hälfte wechselten die Positionen. Während die Elfenbeinküste sich in der Offensive probierte, spekulierten die Griechen auf Konter. Und hier zeigte sich dann auch die Anfälligkeit der Afrikaner, die Glück hatten, dass die Griechen die Chancen nicht verwerten konnten. Trotzdem sollte sich die Offensive auszahlen. Nach 75 Minuten verwandelte Bony eine Vorlage von Gervinho. Damit wären die Ivorer eine Runde weiter. Es entwickelte sich ein Schlagabtausch, der in der letzten Sekunde entschieden werden sollte.
Wir schreiben die Nachspielzeit der zweiten Hälfte, als der Schiedsrichter auf den Punkt zeigt. Elfmeter für Griechenland. Sio fällt Samaras im Strafraum. Zu recht Elfmeter. In solch einer Situation darf dieses Verhalten im Strafraum nicht an den Tag gelegt werden. Der Gefoulte trat selbst an, verwandelte und schoss die Griechen ins Glück.
Kein Spanien, kein Italien, kein England. Stattdessen ziehen die Griechen mit einem Minimalistenfußball in die KO-Runde ein. Die Elfenbeinküste viel zu harmlos, insbesondere, wenn man sich die namhafte Mannschaft anschaut. Griechenland vielleicht nicht mit dem schönsten Spiel, dafür ging aber der Plan voll auf. Diese treffen nun im Achtelfinale auf Costa Rica (die ich einen Tick vorne sehe). Damit wäre wieder eine Überraschung perfekt: Wohl niemand hätte gedacht, dass Costa Rica oder Griechenland im Viertelfinale dieser WM spielen würden.