Freitag, 21. Februar 2014

Heimvorteil - Mehr Fluch als Segen

Es sollte das Highlight der Olympischen Spiele in Sotchi werden. Ganz Russland war in Euphorie und hat sich nach diesem Triumph gesehnt: Eine Goldmedaille im Eishockey. Stellenweise wurde gar davon gesprochen, dass Putin die Spiele nur geholt hat, damit dieser Triumph wahr werden kann. Doch am Ende zeigte sich, dass die Mannschaft den Erwartungen und dem Druck nicht standhalten konnte.

Gespickt mit 15 Stars aus der NHL und 8 aus der KHL ging die russische Mannschaft voller Motivation und Tatendrang an den Start. Es sollte die Medaille werden, die das ganze Land erhofft und auch erwartet. Es wurde eine prächtige Arena errichtet, in der die Mannschaft ihre Spiele und schließlich auch das Finale bestreiten sollte.

Und der Auftakt ließ auch diese Hoffnungen zu. Ein souveränes 5:2 gegen Slowenien zum Auftakt. Superstar Alexander Owetschkin erzielte nach 1:17 gespielten Minuten gleich das erste Tor. Eine Nation im Freudentaumel. Der Auftakt war gelungen. Und viele waren sich einig, dass die Russen und die Kanadier, das ersehnte Duell Sidney Crosby gegen Alexander Owetschkin, das Finale spielen sollten. Ich kann mich da nicht ausschließen.

Doch bereits im nächsten Spiel, gegen die USA, sollte sich zeigen, dass Russland noch nicht die Form hat, um das Turnier gewinnen zu können. Im Gegensatz zu den Russen fehlt den US-Amerikanern nämlich momentan dieser Superstar in der NHL. Doch trotz Heimvorteil, war es ein Spiel auf Augenhöhe. Nach einem torlosen ersten Drittel, gingen die beiden anderen jeweils 1:1 aus, sodass es, nach einer erneut torlosen Overtime, ins Penalty schießen. Doch auch dort entschied erst der 16te (!) Penalty das Spiel. Ein Spiel, an Dramatik kaum zu überbieten und ein Fest für den neutralen Eishockeyzuschauer.

Im abschließenden Gruppenspiel ging es gegen die Slowakei. Sicherlich ist diese Nation, die 2010 im Halbfinale des Olympischen Turnieres stand und 2012 bei der WM Silber geholt hatte, nicht zu unterschätzen gewesen. Allerdings auch doch eine Stufe unter den hochkarätig besetzten Russen anzusehen. Trotzdem blieben nicht nur die drei Drittel torlos, sondern auch noch die Overtime. Was erneut für die Russen eine Entscheidung im Penalty-Schießen bedeutet. Auch wenn sie dadurch schließlich den Sieg holen konnten, blieb hinter den USA nur Rang 2 in der Gruppe.

Da allerdings nur die Gruppenersten direkt ins Viertelfinale kommen, musste die russische Mannschaft den Umweg über die Playoffs gehen. Gegen Norwegen gab es dann einen 4:0 Sieg, wodurch das Viertelfinale gegen Finnland gebucht wurde.

Und dort trat dann der GAU ein. Russland legte in den ersten Minuten der Partie zu und erzielte auch den 1:0 Führungstreffer. Doch die Finnen, ebenfalls mit zahlreichen NHL-Stars versehen, schreckten nicht zurück und erzielten fast im Gegenzug den Ausgleich, ehe Altstar Teemu Selänne noch im ersten Dritte die Führung für die Finnen erzielten und schließlich zu Beginn des zweiten Drittels auf den 3:1 Endstand erhöhte. Nicht Superstar Owetschkin bestimmte das Spiel, sondern Altar Selänne. Das Ende von der Euphorie; das Ende der Hoffnungen von der Goldmedaille. Russland ist aus dem Turnier ausgeschieden. Was ein Triumph werden sollte, wurde zu einem Debakel.

Die Sache alleine auf den Druck zu schieben, wäre vermessen. Klar, der Druck war vorhanden. Eishockey hat in Russland einen enorm hohen Stellenwert. Mehrere tausende Menschen haben vor Ort die Spiele verfolgt; an den TV-Geräten waren es Millionen. Doch eine Truppe, die Jahr für Jahr in der NHL aufs Eis tritt muss mit einem solchen Druck umgehen können. Und falls doch eine gewisse Nervosität auftaucht, was auch verständlich wäre, war der Trainer nicht in der Lage, diese Last von den Schultern der Spieler zu nehmen. Auch dies führte schließlich zu einer Lähmung der Mannschaft.
Ebenso wurde der Kader im Vergleich zur WM vor zwei Jahren kaum personell geändert. Trotzdem reisten die NHL-Spieler erst spät an und konnten kaum mit den anderen Spielern trainieren. Allerdings kann sich eine Mannschaft im Laufe eines Turnieres durchaus noch einspielen. Vor allem wenn es sich um hochkarätige Profis handelt.
Vielmehr gelang es dem Trainer nicht aus den zahlreichen Einzelkönnern eine Mannschaft zu formen. Auch wenn die Spieler anderes verlauten ließen, zeugen die Ergebnisse am Ende von dieser Tatsache. Denn am Ende bleibt Eishockey immer noch ein Mannschaftssport. Das zeigt, dass auch ein Gegner wie die Slowakei mit den favorisierten Russen mithalten konnte. Es bringt einer Mannschaft wenig, wenn die Einzelkönner nicht miteinander harmonieren. Zwar braucht es in jeder Mannschaftssportart solche Einzelkönner. Allerdings müssen die sich auch in den Dienst der Mannschaft stellen. Der Blick für den besser positionierten Mitspieler ist ebenso wichtig, wie ein Distanzschuss.
Weiterhin spielte Superstar Owetschkin kaum eine Rolle. Das Aushängeschild des Turnieres konnte seine Leistung nicht aufs Eis bringen. Immer wieder gingen seine Aktionen unter. Seine Teamkollegen drängten sich in den Vordergrund, sodass vom Superstar kaum etwas zu sehen war.
So muss sich Russland das Finale Schweden gegen Kanada vom Sofa aus ansehen. Zwei Mannschaften, die zwar mit NHL-Spielern und auch Superstars gespickt sind, allerdings auch zu einer Mannschaft wurden. Mit Kanada hatte ich zumindest einen Finalteilnehmer richtig getippt. Trotzdem wird dies das russische Volk wenig aufmuntern. Am Ende wird es bei einem gescheiterten Versuch bleiben.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Die Weitenjägerinnen

Das Olympische Komitee versucht bei jeden Olympischen Spielen mit der Zeit zu gehen und Sportarten und Disziplinen entsprechend zu gestalten. Dazu gehört auch, dass Frauen zu Sportarten Zugang erhalten, der vorher ausschließlich Männern vorbehalten war. In Sotchi steht nun zum ersten Mal das Skispringen für die Frauen im Programm der Olympischen Spielen.

Martin Schmitt, Sven Hannawald, Adam Malysz, Janne Ahonen. Das alles sind Namen, die auch jenen bekannt sind, die sich nicht intensiv mit der Sportart Skispringen beschäftigen. Alle vier zeichnen zahlreiche Medaillen und Titel aus, die sie und ihre Sportart immer bekannter werden ließen. Doch kaum jemand kennt Menschen, wie Lindsey Van, Ulrike Gräßler und Anette Sagen. Diese drei stellen aber immerhin das erste Podest im Skispringen der Frauen bei einer Weltmeisterschaft dar. Sie sind damit Vorreiterinnen für eine Disziplin, die, ähnlich dem männlichen Pendant, immer bekannter zu werden scheint.
Mittlerweile haben sich die Namen auf den Podien geändert. Sara Takenashi dominiert den Weltcup nach belieben. Für Deutschland hat Carina Vogt die nationale Spitzenposition übernommen. Gräßler (aktuell 16. im Weltcup), Van (30.) und Sagen (43.) wurden abgelöst. Diejenigen, die dazu beitrugen, dass der Sport in ihren Ländern an Bekanntheit gewinnt, sind ausgerechnet zu dem Sportereignis in der Nebenrolle: Den Olympischen Spiele. Dabei zeigt sich, dass die Disziplin jung ist. Iraschko-Stolz war mit 29 einer der ältesten im Olympischen Wettbewerb; bei den Herren ist Noriaki Kasai mit über 40 immer noch aktiv. Für Deutschland war unter anderem Gianina Ernst am Start; mit gerade einmal 15 Jahren.

Die Frage ist nun: Können die Damen überhaupt einen Wettbewerb bieten, der nicht nur spannend, sondern, was im Skispringen eine große Rolle spielt, auch ästhetisch mit ihren männlichen Kollegen mithalten? Alles andere als „ja“ wäre bei dieser Frage gelogen. Zwar muss fehlende Sprungkraft in den Beinen durch einen längeren Anlauf kompensiert werden. Trotzdem macht Frauen-Skispringen Spaß. Dies verdeutlichte noch einmal der Wettkampf bei den Olympischen Spielen. Vor allem Deutschland dürfte hierbei als strahlende Nation aus dem Wettkampf hervorgehen.

Carina Vogt trägt sich als erste Olympiasiegerin in dieser Sportart in die Geschichtsbücher ein. Eine deutsche Einzelmedaille gab es zuletzt 2002 mit Sven Hannawald; die letzte Goldmedaille datiert gar aus dem Jahr 1994, als Jens Weißflog in Lillehammer triumphieren konnte. Und nun Carina Vogt. Mit einem starken ersten Sprung sicherte sie sich die Grundlage für diesen Erfolg; auch wenn es am Ende durchaus nochmal spannend wurde. Und wie verrückt Olympische Spiele laufen können, hat sich auch bei Sara Takenashi gezeigt: Mit 10 Saisonsiegen war sie die Favoritin auf Gold; und holte am Ende „nur“ den vierten Rang. Stattdessen konnte Daniela Iraschko-Stolz mit einem noch überragenden zweiten Satz von Platz 6 auf Rang 2 vorspringen. Der Zuschauer sah nicht nur weite Sprünge, sondern auch zahlreiche schöne Flüge. Nicht nur bezogen auf die Weite. Auch die Haltung im Flug unterschied sich in keinster Weise von den Herren der Schöpfung.

Deutschland als Sportnation hat solch einen Schub gebraucht. Zumindest hoffe ich, dass dieser Sieg einen Schub auslösen wird. Seit Jahrzehnten sind die Springen der Männer fester Bestandteil des Fernsehprogramms, obwohl die Leistungen viel zu oft durchwachsen sind. Zu Zeiten von Hannawald und Schmitt gab RTL gar Millionen aus, um sich die Übertragungsrechte für Vier-Schanzen-Tournee und Weltmeisterschaften zu sichern. Doch die springenden, fliegenden, Frauen spielten kaum eine Rolle. Wenn überhaupt, gab es Zusammenfassungen von Springen. Stattdessen liegt der Fokus auf den Herren, die nicht immer ihrer Favoritenrolle gerecht werden. Da gerät völlig außer Acht, dass Vogt nicht nur auf Rang 2 im Gesamtweltcup liegt, sondern auch bereits 8 Podestplätze geholt hat. Und nun den Sieg bei Olympia. Es liegt nun an den Fernsehanstalten, diese „neue“ Sportart auch entsprechend zu fördern und zu übertragen. Nicht nur sporadisch, sondern regelmäßig.

Doch nicht nur die Fernsehsender tragen diese Verantwortung. Auch die internationalen Komitees müssen nun handeln.
Denn der erste Schwachpunkt offenbart sich schon beim Blick auf das Olympische Programm. Während die Herren mit dem Wettbewerb auf der Normalschanze, der Großschanze und dem Teamspringen von der Großschanze gleich drei Mal an den Start dürfen, steht für Vogt und Co. lediglich ein Wettkampf von der Normalschanze auf der Liste. Keine Großschanze, kein Teamwettbewerb.
Vor allem, da sich bei Weltmeisterschaften der Mixedwettbewerb mit je zwei Frauen und zwei Männern etabliert hat. Während diese Disziplin beim Biathlon zum Olympischen Programm gehört, fehlt er für das Skispringen bisher noch. Für die Sportart wäre es wichtig, dass diese Disziplin den Weg ins Olympische Programm findet. Und zwar schon für die Spiele 2018.
Ebenso finden sich kaum Wettbewerbe auf einer Großschanze. Im Weltcup werden gar nur zwei Springen von einer K134 (Oslo), bzw. K139 (Planica) ausgetragen. Hierbei wäre es nicht nur für den Zuschauer ein Erlebnis. Vielmehr hätten auch die Damen hier eine Möglichkeit, um weit fliegen zu können. Dieses Gefühl kann bei einer Normalschanze kaum auftreten. Um so wichtiger wäre es, dass Großschanzen aufgenommen werden. Zahlreiche Athletinnen, wie Vogt, äußerte entsprechende Wünsche bereits. Warum dies noch nicht passiert ist, erschließt sich mir nicht. Es kann hier auch nicht von fehlender Erfahrung oder zu großer Sicherheit gesprochen werden. Dieses Risiko besteht auch bei den Herren, wenn Teilnehmer aus Ländern, wie Rumänien und Bulgarien antreten.
Dass ein Teamwettbewerb momentan auf Grund fehlendem Personal noch nicht möglich ist, klingt für mich plausibel. Österreich ist sicherlich ein Land der Skispringer. Trotzdem waren „nur“ drei weibliche Teilnehmerinnen am Start. Lediglich Slowenien und Deutschland hätten mit je vier Springerinnen einen Teamwettbewerb durchführen können. Trotzdem gab es neun Nationen, die mindestens zwei Springerinnen dabei hatten. Ein Mixedwettebewerb wäre hier durchaus möglich gewesen.
Doch die Spiele sind in dieser Hinsicht schon entschieden. Es bleibt hier die Hoffnung, dass entsprechende Veränderungen für 2018 aufgegriffen werden.

Aber nicht nur im Olympischen Programm bedarf es dieser Veränderungen. Wie erwähnt finden lediglich zwei Wettbewerbe auf einer Großschanze statt. Skifliegen ist generell nicht im Programm. Doch auch die Tatsache, dass nur ein Mixed-Wettkampf ausgetragen worden ist, zeigt, dass hier großes Potential nicht genutzt wird. Eben jene Veränderungen wünschen sich die Skispringerinnen, wie auch Carina Vogt betonte. Dadurch wäre es möglich, im Windschatten ihrer männlichen Kollegen in die Aufmerksamkeit zu springen und neu in den Fokus zu kommen. Dass diese Disziplin auch den Athleten Spaß macht, steht hier außer Frage, lassen sich doch sportartenübergreifend ähnliche Empfehlungen lesen.
Ich persönlich hoffe und wünsche es mir, dass die FIS hierbei für die nächste Saison reagiert und den Weltcup entsprechend anpasst. Im Sinne des Sportes, im Sinne der Zuschauer, im Sinne der Athletinnen.

Was bleibt also noch über die Olympiasiegerin zu sagen?
Ich habe wirklich bewusst seit 2002 die Spiele verfolgt (unbewusst schon ab 1998). Ich hatte mich damals tierisch über das Mannschaftsgold im Skispringen gefreut, als Martin Schmitt mit 130 Metern genau die Weite erzielte, die reichte, um mit 0,1 Punkt Vorsprung zu gewinnen. Für mich heute noch ein absoluter Gänsehautmoment. Doch auch Vogts Sieg gehört für mich in diese Kategorie. Eben weil sie nicht die Favoritin schlechthin war. Eben weil sie die erste war, die Olympiasiegerin wurde. Eben weil es so spannend war. Da bedauere ich es fast, dass es nur diesen einen Wettkampf gibt. Es hat mir großen Spaß gemacht dieses Springen zu verfolgen. Ich hatte nicht nur eine Gänsehaut, sondern im Moment, als die „1“ aufleuchtete Tränchen in den Augen. Das war ein ganz besonderer Olympiamoment für mich. Carina Vogt ist eine verdiente Olympiasiegerin und ich hoffe, dass sie weiterhin eine Rolle im Weltcup spielen wird.

Und für alle, die den Siegsprung nochmals oder erstmals sehen möchten, gibt es hier noch das Video: Link

Sonntag, 9. Februar 2014

Fairness auf Kosten der Durchsichtigkeit?

Eine Freiluftsportart hat zweifelsohne ihre Tücken. Wind, Wetter und Witterung können immer wieder dazwischen funken und in den Wettkampf eingreifen. Oftmals kann dadurch die Fairness nicht mehr gewahrt werden. Daher versuchen Verbände, sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene, diese wieder herstellen zu können. Wie beim Skispringen.

Wer die Sportart schon länger verfolgt, dürfte schon die eine oder andere Kuriosität erlebt haben. Sieger, die völlig überraschend oben stehen durften und diese Sensation nicht wiederholen konnten; Favoriten, die nicht in den zweiten Durchgang kamen; nicht zuletzt gar heftige Stürze. Bei kaum einer anderen Sportart, greift das Wetter so intensiv ein, als bei der Weitenjagd vom Bakken. In den meisten Fällen gleicht sich so etwas im Laufe einer Saison aus. Doch eine Garantie gibt es dafür nicht. Schließlich lässt sich das Wetter nicht kontrollieren.
Also versuchen Verantwortliche durch andere Lösungen, diese Fairness herzustellen und zu garantieren. Seit geraumer Zeit gibt es durchaus ominöse Windpunkte. Doch der Reihe nach.
Ein Ergebnis beim Skispringen setzte sich bisher aus zwei Komponenten zusammen. Der Haltungsnote und der Weitenpunkte. Bei der Haltungsnote geben fünf Punktrichter maximal 20 Punkte und können, je nach Haltung, Punkte abziehen. Dabei werden die beste und die schlechteste Note gestrichen, sodass lediglich drei Noten in die Bewertung eingehen. Bei den Weitenpunkte muss der Springer zunächst den Konstruktionspunkt der Schanze erreichen. Dafür gibt es eine gewisse Grundpunktzahl. Je nachdem, ob er weiter oder kürzer springt, werden Punkte addiert oder subtrahiert.
Zu diesen beiden Werten gesellen sich nun noch Windpunkte. Je nachdem, wie die Bedingungen sind, bekommt der Springer Punkte gut geschrieben, oder abgezogen. Ebenso gibt es Punktabzug oder Punkteaddition, wenn die Luke des Anlaufs während des Wettbewerbes (was vorher nicht möglich war) verändert wird.
Soweit in der Theorie, die ja doch Chancengleichheit ermöglichen soll.

Zunächst fand ich die Idee an sich gar nicht so verkehrt. Eben aus dem Grund, dass Springer für schlechte Bedingungen, für die niemand etwas kann, entschädigt werden, sodass am Ende ein bereinigtes Tableau zu finden ist. Ebenso begrüßte ich die Tatsache, dass die Anlauflänge variiert werden konnte. Dadurch hatte die Jury viel größere Freiräume, um auf wechselnde Windbedingungen einzugehen.
Das System ist nun seit Sommer 2010 offiziell in den Regeln festgeschrieben. Und je mehr nach diesem System gesprungen wird, desto mehr frage ich, was diese Sportart noch mit der zu tun hat, die ich leidenschaftlich um die Jahrtausendwende mit Martin Schmitt, Sven Hannawald und Co. begonnen habe zu schauen.
Denn es ist heute egal, ob jemand weit fliegt. Es spielen so viele Faktoren eine Rolle, dass ein Springer, der in beiden Durchgängen die Bestweite erzielt hat, gar nicht am Ende oben auf dem Treppchen stehen wird. Für mich als Zuschauer ist das Bewertungssystem einfach zu undurchsichtig geworden. Für mich ist nicht immer klar, wer warum wie viele Punkte dazu kommt oder abgezogen bekommt. Es hat den Anschein, als hieße diese Sportart nun Glücksspringen. Sicherlich ist das ein wenig überzogen, stehen seit 2010 keine Überraschungen im Weltcup vorne, sondern Athleten, mit denen zu rechnen war. Trotzdem kann ich manches Ergebnis einfach nicht nachvollziehen.
Der Grund, warum ich jetzt diesen Artikel schreibe, liegt am Olympischen Wettbewerb auf der Normalschanze, der vor wenigen Stunden zu Ende gegangen ist. Vielleicht bin ich da ein wenig parteiisch, weil es um deutsche Athleten geht. Trotzdem erschloss sich mir manch Punktevergabe nicht.
Nehmen wir mal zum Vergleich den Deutschen Andreas Wank und den Österreicher Thomas Diethard. Wank kam bei seinen Sprüngen auf 101 m und 97 m; Diethard auf 99 und 98 m. In der Summe liegt Wank einen Meter vor; allerdings kommen hier natürlich noch die Haltungsnoten hinzu. Beide Springer waren punktgleich im ersten Durchgang, starteten also unmittelbar aufeinander folgend im zweiten Durchgang. Trotzdem liegt Diethard in der Endabrechnung auf Rang 4 mit 5 Punkten Vorsprung auf Wank, der Rang 11 holte. Diese 5 Punkte können unmöglich bei der Haltung abgezogen worden sein, da beide Athleten auch in etwa gleiche Noten hatten. Trotzdem ein Unterschied von 5 Punkten und 6 Plätzen. Ebenso glaube ich nicht, dass sich der Wind so stark geändert hat.
Ich verstehe das System einfach nicht. Ein Athlet, der Vorsprung auf einen Springer hat, fällt hinter diesen zurück, obwohl er einen weiteren Flug hatte. Bis ein Ergebnis für den Springer auf der Anzeigetafel steht, muss man erst warten, welche Werte der Computer ausspuckt. Vielleicht hat der Springer Glück und bekommt gute Werte. Oder aber er hat Pech und fällt zurück.
Klar, man hat versucht, diese Sportart fairer zu gestalten. Trotzdem bleibt es eine Freiluftsportart, bei der der Wind eben eine Rolle spielt. Da braucht es nicht noch zusätzlich eine Willkür des Computers, der Werte ausspuckt, in die keiner Einsicht hat und die auch niemand verstehen kann. Glück war schon immer im Spiel. Niemand konnte die Bedingungen zu seinem Gunsten oder der Ungunst von anderen Athleten bestimmen. Manchmal hatte ein Sportler eben Bedingungen, die ihn nach vorne brachten; manchmal nicht. Trotzdem sah der Zuschauer immer, woran es lag, dass ein Athlet eine gewisse Leistung erbrachte.
Ich weiß nicht, wie dies nun bei anderen Fans dieser Sportart aussieht. Doch auf meiner Seite ist das Interesse deutlich gesunken. Es macht mir einfach kaum noch Spaß. Früher wusste man, dass wenn ein Springer ordentlich in der Luft lag und eine gewisse Weite erreicht hatte, dass er auch in Führung ging. Heute darf man gespannt sein, was denn der Computer noch so mit dem Springer vorhat. Ich möchte hier keinen Eingriff der Jury unterstellen, dass hier Springer nach belieben positioniert werden. Ich denke, das ist einfach zu weit hergeholt und auch nicht durchführbar. Trotzdem bleibt diese Willkür mit den Computerzahlen. Für mich ist dieses System gescheitert. Dann möchte ich lieber Überraschungssieger sehen, die auch das Quäntchen Glück haben. Aber Dank Mutter Natur, und nicht Dank einer Rechenmaschine.

Freitag, 7. Februar 2014

Sotchi 2014 - Einschätzung Eisschnelllauf Damen

Im Gegensatz zu den Herren, dürften allerdings die Damen im Einschnelllauf eher Medaillen nach Hause bringen. Wobei sich auch hier zeigt: Man setzt auf Altbekannte.

Die Termine für die Disziplinen wurden wie folgt angelegt (Zeiten immer in MEZ):
  • 11. Februar, 16.45 – 20.00 Uhr: 500 m (Titelverteidigerin: Sang-Hwa Lee, Südkorea)
  • 13. Februar, 15.00 – 16.40 Uhr: 1000 m (TV: Christine Nesbitt, Kanada)
  • 16. Februar, 15.00 – 16.50 Uhr: 1500 m (TV: Ireen Wüst, Niederlande)
  • 09. Februar, 12.30 – 14.35 Uhr: 3000 m (TV: Martina Sábliková, Tschechien)
  • 19. Februar, 14.30 – 16.20 Uhr: 5000 m (TV: Martina Sábliková, Tschechien)
  • 22. Februar, 17.30 – 20.05 Uhr: Teamverfolgung (TV: Deutschland)

Für den Deutschen Eisschnelllaufverband wurden folgende Athletinnen für die Spiele nominiert:
  • Monique Angermüller (1000 m, 1500 m)
  • Stephanie Beckert (5000 m)
  • Judith Hesse (500 m, 1000 m)
  • Gabriele Hirschbichler (500 m, 1000 m, 1500 m)
  • Bente Kraus (3000 m)
  • Claudia Pechstein (1500 m, 3000 m, 5000 m, SB: 1x1, 3x2)
  • Denise Roth (500 m)
  • Jenny Wolf (500 m, 1000 m, SB: 4x2)

Die schlechte Nachricht vorab: Eine Titelverteidigung im Teamwettbewerb ist auf Grund einer verpassten Qualifikation nicht möglich.
Allerdings gelingt es auch den anderen Läuferinnen, neben Wolf und Pechstein, herauszustechen. Zwar finden sich alle Athletinnen in sämtlichen Weltcups unter den Top 30; ein Ausrutscher nach oben war aber bisher noch nicht zu erkennen und wird vermutlich auch bei den Spielen nicht der Fall sein. Hier gilt es für die Athletinnen ihre Leistung nicht nur zu zeigen, sondern auch noch zu steigern. Top 20 sollten auf jeden Fall das Ziel sein.
Trotzdem befinden sich mit Wolf und Pechstein zwei Läuferinnen, die wissen, wie man Olympische Medaillen holt. So war Wolf vor 4 Jahren über die 2x500 m mit Silber erfolgreich. Auch wenn die Konkurrenz durchaus stark ist und Wolf im 500 m-Weltcup „nur“ auf Rang vier liegt, dürften ihr die Ergebnisse in der Saison Mut machen. Eine Medaille dürfte als realistisch angesehen werden.
Noch erfolgreicher bei Olympischen Spielen war Claudia Pechstein: 5x Gold, 2x Silber, 2x Bronze sprechen für sich. Nachdem sie die Spiele vor vier Jahren verpasst hat, möchte sie im Alter von 41 noch einmal angreifen. Und die Resultate im Weltcup sprechen dafür, dass eine Medaille möglich ist. Zweiter im Weltcup hinter Sábliková. Wenn alles rund läuft, dürfte auch Gold drin sein.

Meine Prognose: 2 (+x) Medaillen (Farben offen)

Sotchi 2014 - Einschätzung Eisschnelllauf Männer

Eine Disziplin, in der es für den Deutschen Skiverband recht düster aussehen wird, ist der Eisschnelllauf der Herren.

Die Termine für die Disziplinen wurden wie folgt angelegt (Zeiten immer in MEZ):
  • 10. Februar, 14.00 – 17.25 Uhr: 500 m (Titelverteidiger: Mo Tae-bum, Südkorea)
  • 12. Februar, 15.00 – 16.40 Uhr: 1000 m (TV: Shani Davis, USA)
  • 15. Februar, 14.30 – 16.25 Uhr: 1500 m (TV: Mark Tuitert, Niederlande)
  • 08. Februar, 12.30 – 15.25 Uhr: 5000 m (TV: Sven Kramer, Niederlande)
  • 18. Februar, 14.00 – 17.00 Uhr: 10.000 m (TV: Seung-Hoon Lee, Südkorea)
  • 22. Februar, 17.30 – 20.05 Uhr: Teamverfolgung (TV: Kanada)

Für den Deutschen Eisschnelllaufverband wurden folgende Athleten für die Spiele nominiert:
  • Alexej Baumgärtner (5000 m, 10.000 m)
  • Patrick Beckert (1500 m, 5000 m, 10.000 m; SB: 1x3 über 10.000 m)
  • Moritz Geisreiter (5000 m)
  • Nico Ihle (500 m, 1000 m)
  • Robert Lehmann (1500 m)
  • Samuel Schwarz (500 m, 1000 m)
  • Staffel: (SB: 2x2, 1x3, Sieg im Staffelweltcup)

Hier dürfte vermutlich keine Medaille zu holen sein. Der dritte Platz von Patrick Beckert über die 10.000 m war eher eine Ausnahme, als eine Dauerlösung. Selbst in Abwesenheit der nicht-europäischen Athleten bei der Mehrkampf-Europameisterschaft wurden keine nennenswerten Resultate erzielt.
Trotzdem sollte hier eine Leistung nicht unbedingt an einer Medaille festgemacht werden. Eine Platzierung unter den besten 10 ist sicherlich kein schlechte Ergebnis.

Meine Prognose: keine Medaille

Sotchi 2014 - Einschätzung Biathlon Herren

Während die deutschen Herren in Turin 2006 mit Michael Greis (2x Gold), Sven Fischer (1x Gold, 1x Bronze), sowie Gold in der Staffel alles überstrahlten, sah es vier Jahre später äußerst mager aus. Keine einzige Medaille konnten die Herren gewinnen.

Die Termine für die Disziplinen wurden wie folgt angelegt (Zeiten immer in MEZ):
  • 08. Februar, 15.30 Uhr: 10 km Sprint (Titelverteidiger: Vincent Jay, Frankreich, Karriere beendet))
  • 10. Februar, 16.00 Uhr: 12,5 km Verfolgung (TV: Björn Ferry, Schweden)
  • 13. Februar, 15.00 Uhr: 20 lm Einzel (TV: Emil Hegle Svendsen, Norwegen)
  • 16. Februar, 16.00 Uhr: 15 km Massenstart (TV: Jewgeni Ustjugow, Russland)
  • 19. Februar, 15.30 Uhr: 2x6 km + 2x7,5 km Mixed-Staffel (neu im Programm)
  • 22. Februar, 15.30 Uhr: 4x7,5 km Staffel (TV: Norwegen)

Für den Deutschen Skiverband wurden folgende Athleten für die Spiele nominiert:
  • Andreas Birnbacher (Saison Bestleistung: 1x4)
  • Daniel Böhm (SB: 1x5, 1x10)
  • Erik Lesser (SB: 1x7, 1x9, 1x10)
  • Arnd Peiffer (SB: 1x3, 2x5, 1x8)
  • Simon Schempp (SB: 2x1, 1x5, 1x6, 1x8, 1x9)
  • Christoph Stephan (SB: 1x7)
  • Staffel: (SB: 2x2, 1x3, Sieg im Staffelweltcup)

Bei den Einzelwettbewerben muss man ganz klar Simon Schempp auf der Rechnung haben. Bei den letzten beiden Rennen vor Sotchi ist bei ihm wohl der Knoten geplatz, der ihm gleich zwei Siege einbrachte. Auch die übrigen Saisonleistungen lassen darauf schließen, dass Schempp durchaus in der Lage ist, um Medaillen kämpfen zu können.
Ebeneo ist es Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher auf Grund ihrer Erfahrung immer zuzutrauen, zumindest um eine Medaille mitlaufen zu können. Wobei vor allem Birnbacher noch nicht in der Form zu sein scheint.
Bei Lesser und Stephan dürfte ein Platz unter den besten 10 als Erfolg gewertet werden.
Alles in allem sehe ich mit Schempp einen klaren Medaillenkandidaten, sowie mit Peiffer einen möglichen Kandidaten. Bei den anderen muss sich zeigen, wie der Wettkampf sich entwickeln wird.
Die Staffel mag ebenso ein kleines Problemkind darstellen. Zwar konnten die deutschen Biathleten hier den Staffelweltcup gewinnen, allerdings ohne auch nur einen einzigen Sieg. Dafür gab es drei Podestplätze bei vier Rennen. Auch hier ist eine Medaille drin.

Meine Prognose: 3 Medaillen (+x) für das deutsche Team (Farben bleiben offen)

Sotchi 2014 - Einschätzung Biathlon Damen

Vor vier Jahren in Vancouver war noch eine gewisse Magdalena Neuner mit 2x Gold und 1x Silber die herausragende, deutsche Athletin. Nach ihrem Karriereende hat sich immer wieder die Frage gestellt, wer nun in ihre, zugegebenermaßen großen, Fußstapfen treten wird. Bisher waren die Frauen im Weltcup noch nicht so dominant, wie es noch vor Jahren der Fall war. Trotzdem gilt auch hier Vorsicht walten zu lassen. Wie so oft neigt Sportdeutschland gerne dazu, Erfolge am Edelmetall festzumachen. Ich möchte hier, stellvertretend für weitere Sportarten, davor warnen, dass auch Top10-Plätze nicht missachtet oder nicht wertgeschätzt werden.

Die Termine für die Disziplinen wurden wie folgt angelegt (Zeiten immer in MEZ):
  • 09. Februar, 15.30 Uhr: 7,5 km Sprint (Titelverteidigerin: Anastasiya Kuzmina, Slowakei)
  • 11. Februar, 16.00 Uhr: 10 km Verfolgung (TV: Magdalena Neuner, Deutschland)
  • 14. Februar, 15.00 Uhr: 15 km Einzel (TV: Tora Berger, Norwegen)
  • 17. Februar, 16.00 Uhr: 12,5 km Massenstart (TV: Magdalena Neuner, Deutschland)
  • 19. Februar, 15.30 Uhr: 2x6 km + 2x7,5 km Mixed-Staffel (neu im Programm)
  • 21. Februar, 15.30 Uhr: 4x6 km Staffel (TV: Norwegen)

Für den Deutschen Skiverband wurden folgende Athletinnen für die Spiele nominiert:
  • Laura Dahlmeier (Saison Bestleistung: 1x5, 1x7, 1x10)
  • Andrea Henkel (SB: 1x1, 1x2, 1x4, 1x10)
  • Franziska Hildebrand (SB: 1x4, 1x6, 1x10)
  • Vanessa Hinz (bisher nur im zweitklassigen IBU-Cup gestartet)
  • Franziska Preuß (SB: 1x4, 1x6, 1x6)
  • Evi Sachenbacher-Stehle (SB: 2x7)
  • Staffel: (SB: 1x1, 2x2, Sieg im Staffelweltcup)

In den Einzelwettbewerben ist ganz klar bei Andrea Henkel mit einer Medaille zu rechnen. In den beiden Wettbewerben vor Sotchi hat sie mit Platz 1 und Platz 2 gezeigt, dass sie zur richtigen Zeit auf dem Leistungshöhepunkt ist. Wenn alles klappt, kann die Einzelolympiasiegerin von 2002 sogar Gold holen. Realistisch ist und bleibt aber ein oder mehrere Plätze unter den Top 3.
Bei Dahlmeier, Hildebrand, Preuß und Stehle darf ein Platz unter den besten 10 als Erfolg gewertet werden. Hier ist wohl eine Medaille eher gering. Wobei, wie oben erwähnt, diese Leistung nicht geschmälert werden darf und sollte.
Dem Team kann allerdings auch der große Wurf gewinnen. Je nachdem, wie sich der Wettkampf entwickelt, kann die Staffel bis nach vorne laufen. Das unterstreicht nicht zuletzt die Tatsache, dass die deutschen Athletinnen hier den Gesamtweltcup gewonnen haben.
Beim Mixed bleibt allerdings abzuwarten. Bisher gab es nur einen Wettkampf, bei dem es das deutsche Team nicht unter die besten drei packt. Trotzdem gibt es auch hier Kandidaten, die in der Lage sind, das Team nach vorne zu laufen, sowohl auf Seiten der Männer, als auch auf Seiten der Damen.

Meine Prognose: 3 Medaillen (+x) für das deutsche Team (Farben bleiben offen)