Montag, 16. Juni 2014

Endergebnis der 24 Stunden von Le Mans

Der Klassiker hat mal wieder gezeigt, wie spannend und unerwartet Motorsport sein kann. Und vor allem, dass am Ende nicht die Geschwindigkeit, sondern die Zuverlässigkeit und die Erfahrung die Schlüssel zum Erfolg sind. Audi baute mit einem Doppelsieg die Erfolgsgeschichte in Frankreich aus. Doch auch dahinter darf es durchaus einige Sieger geben. Auch in den anderen Rennklassen. Darauf möchte ich nun abschließend zum Wochenende den Blick legen.

Beginn und die ersten vier Stunden
Das Rennen begann zunächst unter strahlender Sonne und auf trockener Piste. Der Toyota mit Startnummer #7 konnte sich sukzessive vom Verfolgerfeld ablösen und einen kleinen Vorsprung herausfahren. Dahinter folgten der Porsche mit der #14, der zweite Toyota mit der #8, sowie die beiden Audis mit #2 und #3. Diese lieferten sich muntere Duelle, bei denen es zahlreiche Überholmanöver gab.
Allerdings tauchten bereits nach nur 9 gefahrenen Runden die ersten Probleme am Porsche mit der #14 auf. Das Auto musste in der Box repariert werden, da die Benzinversorgung beschädigt war. Dieser ungeplante Boxenstopp kostete das Team fünf Runden Rückstand.
Nach etwa 90 Minuten war es das dann auch schon mit Sonne und Trockenheit. Ein Regenschauer zog über die Piste. Da alles Autos noch auf Slicks fuhren, kam es zu zahlreichen Drehern und Ausrutschern ins Kiesbett. Dabei blieben auch die Topleute nicht verschont. Audi #3, Toyota #8, der Führende in der LMP2-Wertung der #47 Oreca-Nissan, sowie der Führende der LMGT-Am-Wertung der #81 Ferrari leisteten sich allesamt Ausrutscher und Unfälle. Der Audi rammte dabei den Ferrari so heftig, dass Sam Bird das Auto abstellen und das Rennen beenden musste. Der Toyota, der als Auslöser des Unfalls gilt, konnte sich gerade noch zur Reparatur in die Boxengasse retten. Obwohl das Safety-Car auf die Strecke kam, kostete die Reparatur die Japaner neun Runden, was zwischenzeitlich Rang 41 bedeutete.
Danach folgte der erste Führungswechsel. Da der führende Toyota #7 einen planmäßigen Boxenstop einlegte, beim Ausfahren aber auf die zweite Safety-Car-Gruppe warten musste, konnte der Porsche #20 die Führung übernehmen.
Derweil übernahm in der LMP2-Klasse nach dem Ausfall der #47, der Alpine #36 vor dem Oreca-Judd #34 die Führung.
Spannend ging es auch in der GTPro-Wertung zu. Nach etwa vier Stunden hatte das Team um die Corvette mit der #74 die beste Strategie für den Regen gewählt. Das us-amerikanische Team konnte sich an den beiden 911er Porsche vorbei schieben. Auch der Ferrari mit der #51 war noch im Rennen. Die ersten vier waren gerade einmal eine halbe Minute von einander getrennt.

Stunde 4 bis Stunde 12
Ablösung an der Spitze. Der Porsche ist nun um drei Runden auf den vierten Platz zurückgefallen. Stattdessen führt nun der Toyota #7 erneut das Feld an. Doch die müssen nun Gas geben, da der Audi #2 schon dahinter lauert. Konstant schnelle Runden zeigen, dass die Ingolstädter einen erneuten Sieg noch nicht aufgegeben haben. Aus dem Rennen scheinen dagegen die beiden Porsche und der Toyota #8 zu sein, die auf Grund zahlreicher Probleme schon einen zu großen Rückstand eingefahren haben.
Spannung gibt auch in der LMP2-Wertung, in der gleich fünf Autos noch den Sieg einfahren können. Momentan liegt noch auf Grund der besseren Tankstrategie der Ligier-Nissan, übrigens auch ein Comebacker, auf dem Platz an der Sonne. Dahinter folgen der Alpine #36, der Ligier-Nissan #46, der Oreca-Judd #34, sowie der Zytek-Nissan #38.
Und auch in der GTPro-Wertung ist noch alles offen. Dort trennen die ersten drei gerade einmal eine Sekunde. Ein hochdünner Vorsprung angesichts 12 Stunden Fahrtzeit. Momentan führt noch Bruno Senna auf Aston Martin, gefolgt vom Giancarlo Fisichella im Ferrari und Tommy Milner in der Corvette. Abgeschlagen dagegen sind die beiden Porsche 911, bei dem die #91 30 Runden auf Grund des Benzindruckes verlor.

Stunde 12 bis Stunde 18
Der Toyota war bis dato das schnellste Auto im Feld. Doch gegen fünf Uhr morgens ereignete sich das, was niemand glauben konnte. Die #7 rollt mit Elektrikproblemen an die Box. Nach über 200 Führungsrunden ist der erste Le Mans-Sieg für die Japaner ernsthaft in Gefahr. Somit übernimmt Audi #2 die Führung. Mit drei Runden Rückstand folgt das Schwesterauto #1, gefolgt vom Porsche #20. Doch auch der Führende war dem Pech treu. Zwei Stunden später musste auch der Audi #2 an die Box, um den Turbolader zu wechseln, was sieben Runden in Anspruch nahm. Damit führte nun der Audi #1 - eben jenes Auto, das Loic Duval am Mittwoch noch in alle Einzelteile zerlegte hatte und komplett neu aufgebaut werden musste. Dahinter folgt nun Porsche #20 und Audi #2.
In der LMP2-Klasse konnte sich der #35 Ligier-Nissan ein wenig vom Feld absetzen. Allerdings liegt der #36 Alpine in der gleichen Runde. Dahinter folgt der zweite Ligier-Nissan mit der #46.
In der GTPro-Wertung liegt weiterhin Aston Martin in Führung. Dainter folgt der #51 Ferrari und der #91 Porsche. Die Corvettes dagegen sind aus dem Titelrennen ausgeschieden.

Stunde 18 bis Rennende
6 Stunden können verdammt lang sein. Ein "normales" Rennen der WEC dauert genau so lang. Und diese Distanz fehlt den Teilnehmern noch bis zum Sieg oder der Niederlage.
Da der Toyota #7 bereits zurückgefallen ist, übernahmen die Audis die Spitze. Doch an beiden musste der Turbolader gewechselt werden. Das spülte den Porsche #20 plötzlich an die Spitze. Es drohte die Sensation: Der Sieg im Comebackjahr. Doch der Spitzenreiter zog wohl die Seuche an in diesem Jahr. Auch der #2ß Porsche musste an die Box wegen Schaltproblemen.
Damit sollte Audis Doppelsieg nicht mehr gefährdet werden, sofern alles hält. Und es hielt auch alles. Kurioserweise wurde durch die Probleme des Porsche der Toyota #8 auf den dritten Rang. Und das nach der Kollision gleich zu Beginn. Solche Geschichten schreibt der Motorsport.
Drei Stunden vor Schluss hatten in der LMP2-Klasse noch drei Autos Siegchancen. Am Ende setzte sich der #38 Zytek-Nissan durch, vor den beiden wiederbelebten Le Mans-Marken #46 Ligier-Nissan und #36 Alpine-Nissan.
Genau so spannend war auch der Kampf in der GTPro-Wertung. Zahlreiche Autos duellierten sich in den letzten Stunden. Es gab zahlreiche Führungswechsel. Den Sieg holte sich am Ende erneut der #51 Ferrari, vor der Corvette und dem #92 Porsche. Hut ab, für diesen Kampf.

Fazit
Ich habe leider nicht ganz so viel mitnehmen können, wie ich gewollt hätte. Aber 24 Stunden sind auch lang. Es ist einfach ein Fest für jeden Motorsportfan, wenn über solch eine große Distanz solch spannende Duelle entstehen. Autos, die nur wenige Sekunden von einander trennen. Dann das große Auftrumpfen der Comebacker. Das zeigt, dass sich die Rennserie richtig entwickelt. Wer neu einsteigt, fährt nicht gnadenlos hinterher, sondern kann Führungsrunden sammeln. Zudem gewinnen die Teams große Erfahrung, die unglaublich wichtig ist. Das wiederum hat man bei Audi gesehen. Toyota gewann alle drei vorherigen Rennen der WEC. Allerdings dauerten die nur 6 Stunden. Das schnellste Auto gewinnt hier nicht, sondern das zuverlässigste. Und das hat Audi gebaut. Das Racing Team Joest hat mittlerweile so unglaublich viel Erfahrung in Le Mans, da wird dann auch einfach mal der Turbolader gewechselt und trotzdem gewonnen. Das ist wohl die größte Hürde für die Konkurrenz. Toyota hat sich super präsentiert, aber dann doch nicht gut genug. Es fehlt einzig und allein die Haltbarkeit, um den Traum vom Gesamtsieg zu erfüllen. Trotzdem ist das keine schlechte Ausgangslage für 2015. Dort werden die Teams vermutlich noch enger zusammenrücken.
Aber auch die anderen Klassen, die oftmals in den Medien untergehen, müssen gelobt werden. Die LMP2-Klasse und auch die GTPro waren so unglaublich spannend. Genau das möchte man doch sehen. Positionswechsel, Rad an Rad Duelle. Ein Rennen, das wirklich erst nach 24 Stunden entschieden wird. Dass sich am Ende die Routine durchsetzt, ist kein Wunder. Aber wie gesagt, auch die Teams hier, vor allem die Neulinge, lernen für die nächsten Jahre und rücken auch hier näher an die Sieger heran. Das macht Spaß und das will man auch sehen.
Geschichten, die nur der Motorsport schreibt, gab es auch. Toni Vilander gewann in der GTAm-Wertung. Just jener Fahrer, der noch vor einem Jahr den tödlichen Unfall seines Mitfahrers Alan Simonsen miterleben musste. Dieser Sieg geht sicherlich auch ein Stück auf die Kappe des Dänen.
Ich freue mich immer wieder auf dieses Highlight, aber auch auf die WEC. Die Verantwortlichen bringen ein Regelwerk raus, welches Motorsport auf höchstem Niveau erreicht, ohne künstliche Spannung, sondern mit Leistung und Kampf. Auch Neulinge haben das Zeug eine Rolle zu spielen. Genau deshalb ist das für mich die Königsklasse und nicht die Formel 1.
Abschlussfazit: Ein wirklich tolles Le Mans-Wochenende, das sicherlich noch in Jahren in aller Munde sein wird.

Sonntag, 15. Juni 2014

WM 2014: Spieltag vom 15. Juni

Auch an diesem Spieltag ist wieder einiges los. Argentinien startet ins Turnier und möchte zeigen, dass sie Mitfavoriten sein können. Aber auch für die Franzosen ist es ein Neubeginn nach der Katastrophe von 2010. Und was kann Ecuador bei der WM zeigen?

Gruppe E: Schweiz - Ecuador 2:1
Die erste Hälfte des Spiels war doch sehr sehenswert. Beide Mannschaften gingen fleißig in die Offensive. Nachdem Ecuador einen Freistoß zum Führungstreffer nutzte, zogen sie sich mehr in die Defensive zurück und ließen die Schweizer kommen. Die spielten durchaus nicht schlecht. Allerdings gab es zu viele Fehler, die einen Ausgleich verhinderten. Zu viele Fehlpässe bereits im Aufbauspiel in der Abwehr, von zwölf Flanken kam gerade einmal eine an. Die Harmonie im Spiel der Eidgenossen ist noch nicht drin. Ganz anders bei den athletischen Südamerikanern. Ein hartes, aber sehr faires Spiel in der Abwehr. Dazu durchaus sehenswerte Konterchancen. Die Führung zur Hälfte ist verdient, weil die Schweiz eben zu nachlässig ist.
Das alles änderte sich scheinbar in der zweiten Hälfte. Gleich zu Beginn gab es einen Eckball, den Mehmedi per Kopfball zum Ausgleich einnetzte. Danach waren die Eidgenossen die spielbestimmende Mannschaft. Allerdings nicht zwingend genug, um die Führung herzustellen. Und so kam Ecuador wieder ins Spiel. Torhüter Benaglio musste das eine oder andere Mal eingreifen, um einen Rückstand zu verhindern. Dann kam die dramatische Schlussphase. Ecuador hat das 2:1 auf dem Fuß, doch Stürmer Rojas zögert einen Moment zu lang. Lange genug, damit der Abwehrspieler seinen Schuss blockieren kann. Genau im Gegenzug rennt der schweizer Express nach vorne und erzielt wenige Sekunde vor Abpfiff den Siegtreffer.
Alles in allem geht das Ergebnis durchaus in Ordnung. Insbesondere, wenn man das Tor von Drmic, welches nicht gegeben wurde, berücksichtigt. Wie ersichtlich ist, springt Xhaka über den Ball, wodurch Drmic nicht ins Abseits gerät. Doch der Schiedsrichter hat das anders gesehen und pfiff die Situation ab. Daher geht der Sieg durchaus in Ordnung, auch wenn Ecuador durchaus seine Chancen hatte und stellenweise auch den Ausgleich verdient gehabt hätte. Allerdings müssen sich die Schweizer nun deutlich steigern. Die Vielzahl an Fehlern kann noch zum Verhängnis werden und sollte bis zum nächsten Spiel behoben werden. Ansonsten kann es durchaus Mannschaften geben, die diese Fehler zu nutzen wissen. Mit dem Sieg haben die Eidgenossen aber eine gute Basis für ein mögliches Achtelfinale gelegt.

Gruppe E: Frankreich - Honduras 3:0
Die Franzosen wollten mit diesem Turnier zeigen, dass sich eine neue Mannschaft gefunden hat, die den Skandal von 2010 vergessen lässt. Eine Mannschaft, die an die glorreichen Zeiten anknüpft. Auch wenn Superstar Franck Ribery verletzt fehlt.
Allerdings hatten die "Bleus" auch kaum Chancen etwas zu zeigen, da die Honduraner sehr destruktiv heran gingen und den Spielaufbau mit Fouls unterbanden. Trotzdem gab es drei hochkarätige Chancen, darunter zwei Lattentreffer, die aber allesamt aus Standarts resultierten. Das 1:0 schließlich fiel durch einen souverän geschossenen Elfmeter von Karim Benzema. Dieser, sowie der Platzverweis (gelb-rot) für Palacios in der 43. Minunten war absolut korrekt gewesen.
Zuvor gab es noch etwas mehr als 20 Minuten Spielzeit den ersten Aufreger. Pogba wird gefoult und tritt nach. Der Schiedsrichter legte es aber nicht als versuchte Tätlichkeit aus. Glück für Pogba, der wie Palacios mit gelb davon kam. Weitere Spieler in der Rudelbildung wurden nicht bestraft.
Und just beide Akteure standen auch im Blickfeld des Elfmeters. Palacios stößt Pogba im Strafraum um. Folgerichtig gelb-rot und Elfmeter.
Auch wenn Honduras einen sehr destruktiven Fußball spielt und kaum nach vorne arbeitet, setzt auch Frankreich seine Konter nicht gut genug um. Trotzdem geht die Führung auf Grund des Ballbesitzes und der besseren Chancen durchaus in Ordnung. Bleibt abzuwarten, wie sich die körperlich intensiv geführte Partie in der zweiten Hälfte entwickelt.
Die zweite Hälfte begann gleich mit einem Aufreger. Tor oder nicht? Und hier zeigt sich der erste Gewinner der Weltmeisterschaft, nämlich die Torlinientechnologie, die gar beide Flugphasen erkennt. War der Ball beim ersten Mal noch nicht drin, so überzeugte die Technologie jeden Zweifler beim zweiten Kontakt, bei dem der Torhüter den Ball unglücklich über die Linie stolpert. Erneut war hier Benzema beteiligt, der aber nicht als Torschütze gewertet wurde.
Auffällig war die hohe Gangart der Honduraner, die bisweilen an die Grenze des legalen Fouls gingen. Die Destrukivität des Fußballs äußerte sich darin, dass Frankreich fast keine Möglichkeit eines Aufbauspiels hatte, da sofort der ballführende Franzose auf dem Boden liegt.
Schließlich konnte die Defensive Honduras dem Druck nicht Stand halten. Erneut eine Flanke in den Strafraum, Benzema bekommt den abgefälschten Ball und haut ihn im Strafraum in die Maschen.
Ansonsten gibt es über das qualitativ wohl schlechteste Spiel der Weltmeisterschaft nicht viel zu sagen. Das Ergebnis geht am Ende in Ordnung. Ein 3:0 Sieg gegen eine solch destruktive und defensive Mannschaft ist ein achtbares Ergebnis. Die Mannschaft der Franzosen hat sich zudem als Einheit präsentiert, die gewillt ist, das Debakel von 2010 vergessen zu machen. Wenn sie so weiter machen, sind sie auf einem guten Weg. Auch in Richtung Achtelfinale.
Überzeugen konnten mich in diesem Spiel zunächst Benzema, der zurecht "Spieler des Spiels" wurde. 2,5 Tore erzielt. Da merkt man, dass der Junge einen Schritt nach vorne gemacht hat. Aber auch Patrice Evra auf der linken Außenbahn brachte den einen oder anderen Akzent ins Spiel

Gruppe F: Argentinien - Bosnien-Herzegowina 2:1
Der große Favorit, nicht nur auf den Gruppensieg, sondern auch auf den WM-Titel war und ist Argentinien. Dementsprechend klar sollte auch der Spielverlauf aussehen. Und die Gauchos begannen auch schnell. Gleich in der dritten Minute flankt Messi einen Freistoß in den Strafraum, den der Schalker Kolasinac unglücklich ins eigene Tor lenkt. Danach setzt Argentinien auf ihre Offensive um Kapitän Messi und Kun Agüero. Dass der Schiedsrichter ein kartenfreies Spiel wollte, zeigte sich, als Argentinien in den ersten 10 Minuten drei taktische Fouls beginn, die nicht geahndet wurden. Danach fing sich Bosnien und drängte auf den Ausgleich. Die Abwehr der Argentinier schien nicht unüberwindbar. So befand sich das Spiel Mitte der ersten Hälfte auf Augenhöhe. Der Ausgleich wäre durchaus verdient gewesen. Vor allem die bosnische Abwehr wurde nach und nach eiskalt und klärte auch mit kurzen Doppelpässen im eigenen Strafraum die Bälle, ohne den Gegner herankommen zu lassen. Mit diesem 1:0 ging es auch in die Pause.
Gleich zu Beginn setzte Argentinien auf die neue Offensivkraft Higuain, der nun für Tore sorgen sollte. Allerdings kam dann doch recht wenig zu Stande. Nach der Flanke beim Freistoß war von Messi nicht mehr viel zu sehen. Bis er sich alleine durch die Abwehrreihen tänzelte und zum 2:0 erhöhte.
Danach riskierte Bosnien alles. Ibisevic kam als zusätzlicher Stürmer. Die Mannschaft ging engagiert nach vorne. Die hinten entstehenden Lücken konnte Argentinien nicht nutzen. Daher war der 2:1 Anschlusstreffer durch den Joker auch verdient. Allerdings war die verbleibende Zeit zu knapp, um noch den Ausgleich herstellen zu können. Am Ende gewinnt Argentinien mit 2:1.
Aus meiner Sicht war das ein Spiel auf Augenhöhe. Bosnien schlug sich achtbar als Neuling und war am Ausgleich dran. Die Mannschaft ist keineswegs zu unterschätzen, da sie doch Qualität auf den Platz bringt, vor allem im offensiven Bereich. Aber auch die Defensive kann hinten dicht halten. Nach diesem Spiel sehe ich die Mannschaft auf einem Platz, der ins Achtelfinale führt.
Argentinien selbst war noch nicht so präsent. Von der Mannschaft wurde mehr erwartet, vor allem, wenn sie den WM-Titel holen möchte. Außer Einzelaktionen lief noch nicht viel zusammen. Alles an Messi festzumachen wäre nicht gerecht, da die Mannschaft auch andere Topstars und namhafte Spieler hat. Trotzdem war der Kapitän nicht präsent, da die Bosnier ihn gut aus dem Spiel genommen haben. Am Ende war es ein mühseliger Erfolg, der aber durchaus auf der Kippe stand. Trotzdem sehe ich Argentinien als einen Kandidaten für das Achtel- bzw. Viertelfinale.

Samstag, 14. Juni 2014

WM 2014: Spieltag vom 14. Juni

Auch dieser Spieltag dürfte wieder einiges zu bieten haben. Kann Kolumbien eine Geheimfavoritenrolle annehmen? Wie endet das Duell Italien gegen England? Und wie werden sich die Schiedsrichter verhalten?

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland 3:0
Gruppe C galt ja als nicht all zu schwere, aber durchaus ausgeglichene Gruppe. Doch bereits das erste Spiel dürfte zeigen, dass Griechenland die schwächste der vier Mannschaften ist. Kolumbien hat einen guten Fußball gespielt. Allerdings gab es auch Schwächephasen, die die Griechen aber nicht nutzen konnten. Eine qualitativ besser besetzte Mannschaft als Griechenland hätte vermutlich diese Schwächen nutzen können. Trotzdem ist es erstaunlich, wie gut Kolumbien trotz des Ausfalls von Superstar Falcao spielt. 
Am Ende geht das Ergebnis durchaus in Ordnung. Zwar waren die Griechen durchaus am Anschlusstreffer dran. Die Chancen wurden aber nicht konsequent genutzt. Gekas hätte aus knapp 5 Metern das Tor treffen müssen, anstatt nur die Latte. Solche Fehler summieren sich schließlich dahingehend, dass dann ein Spiel eben 3:0 verloren geht. Daher geht das Ergebnis aus meiner Sicht durchaus in Ordnung.
Ebenso hervorheben muss man den us-amerikanischen Schiedsrichter Geiger, der eine solide Partie pfiff ohne größere Fehlentscheidungen. Ein Hoffnungsschimmer für die kommenden Spiele.
Der Blick gilt nun auf das andere Spiel der Gruppe, nämlich die Elfenbeinküste gegen Japan. Je nach Ergebnis werden die Weichen für die ersten beiden Mannschaften Richtung Achtelfinale gestellt. Kolumbien hat das Seine dazu beigetragen. Jetzt muss man schauen, wie gut die anderen Mannschaften, vor allem im direkten Vergleich sind. Insbesondere die Elfenbeinküste steht und fällt mit Superstar Drogbar. Wenn der mittlerweile doch alternde Star psychisch und physisch fit ist und die Mannschaft mitreißen kann, kann es für die Ivorer ins Achtelfinale gehen. Aber auch Japan sollte man nicht unterschätzen, spielen doch gleich sieben Bundesligisten für das Land der aufgehenden Sonne. In diesem Sinne: Froher Spieltag. 

 Gruppe D: Uruguay - Costa Rica 1:3
 Pura Vida. Der Leitspruch Costa Ricas. Er beschreibt das frohe Leben, Zeit spielt keine Rolle, eine geschlossene Gemeinschaft, Leidenschaft. All das, was die Fußballer heute auf den Platz gebracht haben. Und das gegen das stark besetzte und hochgehandelte Team aus Uruguay. Schon zu Beginn wurde deutlich, dass die Mittelamerikaner in der Gruppe D nicht nur ein Außenseiter sein wollen. Sie wollen ernst genommen werde und das ist ihnen gelungen. In Halbzeit eins zwar gute Chancen gehat, aber noch nicht in der Lage diese zu nutzen, änderte sich alles in Halbzeit zwei. Das Team drehte auf und kämpfte sich nach und nach an den Strafraum heran. Bis schließlich der Ausgleich gelang. Dem nicht genug folgte drei Minuten später der Führungstreffer, eher kurz vor Ende der 3:1 Endstand markiert wurde. Obwohl die Mannschaft aus Costa Rica nicht hochkarätig besetzt ist, konnte Uruguay mögliche Schwächen in der Abwehr nicht ausnutzen. Hinzu kam ein Torhüter, der alles hielt, was in Richtung Tor kam. Am Ende spiegelt das Ergebnis auch den Spielverlauf wieder. Uruguay war nicht in der Lage das zu zeigen, was sie zeigen wollten. Nur gelegentlich blitzte das Können auf. Doch zu wenig, um ernsthafte Gefahr zu sein. Costa Rica dagegen stellte vor allem bei Standarts, wie Ecken und Freistößen eine hohe Gefahr da. Präzise Flanken und genaue Kopfbälle brachten die Abwehr von Uruguay das eine oder andere Mal ins Schwimmen. Ich bin gespannt, wie sich sowohl Uruguay, als auch Costa Rica gegen Italien und England schlagen werden. Ich möchte gar nicht ausschließen, dass die Sensation gelingt und Costa Rica ins Achtelfinale einzieht. Vielleicht mit Uruguay? In dieser Gruppe ist alles möglich!
Ebenso glänzte Schiedsrichter Felix Brych (Deutschland). Keine Fehler, gute Körpersprache und stets das Geschehen unter Kontrolle. Das ist Pfeifen auf höchstem Niveau. Der Elfmeter wurde zu Recht geben. Ebenfalls war der Platzverweis gegen Perreira folgerichtig. Er hatte stets eine Linie und ließ sich davon nicht abbringen. Daumen hoch für diese Leistung.
Daher kann man auch nicht den Schiedsrichter für diese wirkliche Sensation verantwortlich machen. Die Spieler selbst haben sich, sowohl auf positive Art, als auch auf negativer zu verantworten. Das ist Fußball, so macht das Spaß. Pura Vida! Möge dieser Geist auch auf die anderen Spiele übergreifen.

Gruppe D: England - Italien 1:2
Ein Klassiker zwischen zwei europäischen Topmannschaften. Allerdings wurde dieser doch durch die doch große Hitze im Stadion ein wenig gehemmt. So mussten beide Mannschaften nach einem temporeichen Beginn dem Wetter Tribut zollen und das Tempo ein wenig heraus nehmen.
Im Mittelpunkt bei den Italienern steht nach wie vor Andrea Pirlo, der von seiner Genialität überhaupt nichts eingebüßt hat. Mit unberechenbaren Momenten hebelt er kurzerhand die Abwehr aus und legt den Grundstein für wichtige Tore. Die wiederum macht Mario Balotelli. Ein Stürmer, wie er im Buche steht und genau so war dann auch der 2:1 Siegtreffer. Eine einfache Flanke, ein Kopfball, ein Tor. So einfach kann Fußball sein. Kein wildes experimentieren mit verschiedenen Systemen. Was sich seit Jahrzehnten bewährt hat, ist noch lange nicht aus der Mode gekommen.
England war, vor allem in der ersten Hälfte, durchaus auf Augenhöhe. Pech verhinderte mögliche Tore, vor allem, als Rooney nur Aluminium traf. Trotzdem weiß Italien natürlich einen Vorsprung zu verwalten. Der Catenaccio ist auch Prandelli nicht unbekannt.
Daher bleibt es abzuwarten, wie sich die Mannschaften präsentieren, wenn die Temperaturen nicht so hoch sind. Spannend ist die Gruppe allemal, vor allem durch den Sieg von Costa Rica. Uruguay ist ebenfalls noch nicht abzuschreiben. Daher denke ich, dass alle vier Mannschaften die Chance haben, das Achtelfinale zu erreichen. Ebenso muss man schauen, wie sich die Mannschaften unter "Normalbedingungen" präsentieren. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass sowohl England, als auch Italien noch ein ernsthafter Kandidat für die weitere KO-Phase sein können. Die KO-Runde findet schon in der Vorrunde statt. Diese Spannung macht doch Spaß und Freude auf die weiteren Begegnungen.

Gruppe C: Elfenbeinküste - Japan 2:1
Für Europäer war die Anstoßzeit recht ungünstig. Um 3:00 Uhr nachts begann schließlich das Spiel. Ich selbst musste der Müdigkeit Tribut zollen und habe mich recht früh ausgewechselt. Daher berufe ich mich auf sekundäre Quellen, was das Spielgeschehen betrifft.
Der Star der Elfenbeinküste, Didier Drogbar, saß zunächst nur auf der Bank. Und so waren die ersten Minuten von einem gegenseitigen Beschnuppern geprägt, bei dem die Japaner auf ihre Defensivkräfte setzten. Über einen Eckball gelang den Asiaten schließlich der Führungstreffer. Danach begann die Defensive der Afrikaner zu wanken. Es drohte ein KO noch in der ersten Hälfte. Allerdings halfen alle Kräfte aus, um dies zu verhindern. Somit war das 1:0 auch gleichzeitig der Halbzeitstand.
Nach knapp 60 Minuten kam schließlich Didier Drogbar. Und damit kam auch eine andere Einstellung der Ivorer. Binnen 99 Sekunden stellten sie nicht nur den Ausgleich, sondern auch den Führungstreffer her. Danach zogen sie sich zurück und ließen die Japaner angreifen. Die wiederum stellten aber keine Gefahr mehr dar, sodass die Elfenbeinküste schon früh mit dem Sieg rechnen konnte.
Spannend wird nun sein, wie sich die Gruppe entwickelt. Die Elfenbeinküste mit Drogbar sehe ich als einen heißen Anwärter auf das Achtelfinale. Ebenso scheint Kolumbien mit dem 3:0 Sieg gegen Griechenland dieses Ziel zu erreichen. Trotzdem würde ich Japan noch nicht abschreiben. Auch diese können mit zwei Siegen noch die KO-Phase erreichen. Griechenland sehe ich allerdings nicht so stark und denke, dass sie das Schlusslicht bilden werden.

Update: Die 24 Stunden von Le Mans 2014

Die ganze Welt ist im Fußballfieber. Überall wird man mit den neusten Informationen zum Turnier in Brasilien versorgt. In Medien und Stammtischen ist das Thema allgegenwärtig. Doch abseits vom Rasen findet das wohl berühmteste Rennen der Welt statt: Die 24 Stunden von Le Mans. Ich möchte hier über dieses Event ein wenig berichten und auch kurze Einschätzungen geben.

Heute um 15:00 Uhr ist der Start. Dann heißt es wieder volle Belastung für Mensch und Maschine. Es gilt 24 Stunden zu überstehen und möglichst viele Runden zu fahren.
Das Qualifying hat aber gezeigt: Es ist alles offen.

Um den Titel kämpfen drei Teams: Titelverteidiger Audi, die ihre Erfolgsserie ausbauen möchten. Toyota, die den ersten Gesamterfolg feiern möchten. Und zum Schluss noch Rückkehrer und Rekordsieger Porsche, die den Platz an der Sonne verteidigen möchten.
Letztes Jahr waren die Audis das Maß aller Dinge. Doch davon ist in diesem Jahr nicht viel übrig geblieben. Bisher sind die Audi, wie auch die Qualifikation gezeigt hat, nur Kraft Nummer drei hinter den Japanern und den Zuffenhausenern.
Allerdings wäre es vermessen zu sagen, dass Audi damit aus dem Rennen ist. Denn im Gegensatz zu Formel 1-Rennen ist die Platzierung im Qualifying nicht von Relevanz. Denn wie gesagt, das Rennen dauert 24 Stunden. In dieser Zeit kann sehr viel passieren.
So muss vor allem Porsche zeigen, dass sie ein Auto gebaut haben, welches auch über die Distanz funktioniert. Die bisherigen Rennen waren lediglich 6 Stunden-Rennen. Nun gilt es die vierfache Distanz zu überstehen.
Und genau da kann Audi wieder punkten. Mit 12 Siegen in den letzten 14 Jahren waren und sind die Ingolstädter noch das Maß aller Dinge. Kaum ein Team ist so erfahren, wie das Team von Joest Racing. Und diese Erfahrung kann hierbei der Schlüssel zum Erfolg sein. Das Team weiß, was alles passieren kann. Vor allem bei unvorhergesehenen Dingen kann das Team vermutlich seine Routine abspielen. Ebenso schickt das Team gleich drei Boliden an den Start, während Toyota und Porsche lediglich mit zwei Autos ins Rennen gehen werden.
Allerdings ist Toyota auch kein Frischling mehr. Bisher waren die Japaner das maßgebende Team in der World Endurance Championship (WEC). Das Auto scheint stabil und schnell zu sein. Wenn nichts kaputt geht, ist der erste Titel keine Wunschvorstellung mehr, sondern ein realistisches Ziel. Toyota hat in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet und ist sukzessive an Audi heran gerückt. Bis es in dieser Saison zu einer vermeintlichen Wachablösung kam.
Und Porsche? Für Porsche muss das erste Ziel das Ziel sein. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass gleich im ersten Jahr der Rückkehr der Gesamtsieg erholt werden kann. Wichtig ist es, dass das Auto haltbar ist und die Distanz übersteht. Das erste Jahr soll eher als Lernjahr angesehen werden, um mit den Erfahrungen dann für die kommenden Jahre ein Auto zu bauen, welches siegfähig sein wird. Mit den Fahrerpaarungen hat Porsche eine gute Grundlage geschaffen.

Mir fällt es schwer eine Prognose abzugeben, weil man nie weiß, was in Le Mans passiert. Unfälle und Safetycar-Phasen sind schon fast an der Tagesordnung. Dann kommt der Faktor "Wetter" hinzu. Ebenso greifen Amateurfahrer gerne mal negativ ins Geschehen ein. Daher muss man einfach abwarten, wie sich das Rennen entwickelt. Ich denke aber, dass zumindest die ersten Stunden sehr spannend sein werden, da die drei Kontrahenten fast auf Augenhöhe sind. Ich denke, dass erst zum Einbruch der Nacht sich ein Team absetzen kann. Dies ist dann auch die entscheidende Phase. Aber wie gesagt: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Ich werde das Geschehen im Auge behalten und hier immer mal wieder Zwischenstände und Einschätzungen schreiben.

Update nach 5 Stunden Rennzeit.:
Das Klassement hat sich wie folgt verändert. Vorneweg fährt immer noch der Toyota, momentan mit Sarrazin am Steuer. Dahinter Audi2 mit Tréluyer, die sich sukzessive vom Start weg nach vorne gearbeitet haben. Auf Rang drei folgt der erste Porsche, gefolgt vom zweiten Audi. Die ersten vier trennen lediglich etwas mehr als zwei Minuten, als noch keine Runde. Somit dürfte hier noch alles offen sein.
Allerdings dürfte Toyota ein kleines Handicap erlitten haben, als der zweite Toyota einen Nasenbruch erlitt und einen unregelmäßigen Boxenstopp einlegen musste. Mittlerweile sind es neun Runden Rückstand und damit eine viel zu große Entfernung, um den Boliden in Führung zu unterstützen.
Wer den Gesamtsieg erreichen wird, ist noch nicht abzusehen. Porsche kann sehr gut das Tempo mitgehen. Und 90 Sekunden Rückstand sind allemal aufzuholen. Und auch die 60 Sekunden vom ersten Audi sind durchaus kein Vorsprung für Toyota, auf dem man sich ausruhen kann. Daher haben noch alle drei Teams eine realistische Chance auf den Sieg. Bleibt eben abzuwarten, wie zuverlässig die Autos sind und wie gut sie durch den Verkehr kommen.

Update nach 10 Stunden Rennzeit:
Immer noch führt Toyota. Dieses Mal allerdings vor den beiden Audis, danach beide Porsche. Weiterhin ist alles offen. Es bleibt spannend. Vor allem im Bereich der GT-Wertung hat sich ein heißer Kampf um die Klassementwertung entwickelt. Mehrere Autos, unter anderem Ferrari, Aston Martin und Porsche, kämpfen um den Sieg in der GTPro-Wertung. Hier darf sich keiner einen Fehler erlauben. So macht Rennsport Spaß. Ein Kampf über einen vollen Tag und Spannung Mitten in der Nacht.

Update nach 24 Stunden Rennzeit:
The same procedure as every year. Und wieder steht Audi vorne. Erneut ein Doppelsieg, bei dem Tréluyer/Fässler/Lotterer zum dritten Mal den Titel holen. Die Toyota mit Problemen, die am Ende den Sieg gekostet haben. Aber auch Audi hatte durchaus Probleme im Laufe des Rennens. Porsche hat sich sehr gut präsentiert. Es war schon im Vorfeld klar, dass es ein Sieg für die Zuffenhausener sein wird, wenn sie in die Wertung kommen, was mit Auto #14 auch gelungen ist. Das Team konnte zahlreiche Erfahrungen sammeln, auf die sich in den nächsten Jahren aufbauen lässt. Ich gehe davon aus, dass sie noch näher an die beiden anderen Teams heranrücken werden. Richtig enttäuschend lief es für Toyota. Obwohl sie das schnellere Auto waren, konnten sie erneut nicht gewinnen. Dabei zeigt sich, dass bei diesem Rennen nicht nur die Geschwindigkeit, sondern vor allem die Zuverlässigkeit entscheidend ist.

Mehr zum Rennen wird in einem gesonderten Beitrag erscheinen.

Freitag, 13. Juni 2014

WM 2014: Spieltag vom 13. Juni

Da stand ja wieder einiges an. Gestern war man noch der Meinung, man hätte die strittigste Schiedsrichterentscheidung erlebt, muss man heute feststellen, dass das nur der Beginn der Diskussion war. Ebenso ein überforderter Titelverteidiger, der gegen die Niederlande wirklich nichts zu Stande brachte. Es gab einige Brisanz und Themen, über die es zu reden gilt.

Gruppe A: Mexiko - Kamerun 1:0
Jeder neutrale Zuschauer dachte am Ende nur: Zum Glück haben die das Tor noch gemacht. Hintergrund dabei ist folgender: Gleich zwei Mal hat der Schiedsrichter in der ersten Halbzeit zu Unrecht Abseits gegen Mexiko gegeben.
Im ersten Fall gilt es, die Regel im Sinne für den Angreifer auszulegen, da es sich maximal um gleiche Höhe handelt. Wobei auf den TV-Bildern zu sehen war, dass der Mexikaner noch einen Schritt dahinter steht. Dies hätte der Linienrichter sehen müssen.
Zweiter Fall ein wenig anders. Der Eckball kommt, wird aber vom gegnerischen Spieler verlängert. Der Mexikaner vollendet. Zwei Mal war der Ball im Tor, zwei Mal war es ein reguläres Tor, zwei Mal aber kein Tor gegeben.
Hierbei stellen sich gleich zwei Fragen:
1) Sollte man über die Schiedsrichter nachdenken und entsprechende Qualifikationen als Voraussetzung auferlegen?
2) Sollte man auf technische Hilfsmittel zurückgreifen, um solche Probleme fair und im Sinne des Sports zu lösen?
Beide Fragen werden die Tage vermutlich ausgiebig und intensiv diskutiert. Die Lösung wird dabei aber nicht von den Experten oder denen gefunden, die darüber diskutieren. Die Lösung muss von der FIFA und entsprechenden Kommissionen gefunden werden. Ob dies allerdings im Sinne der Institution ist, steht auf einem anderen Blatt. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Des Weiteren gab es noch eine Sache, die mir leider negativ aufgefallen ist. Während das Eröffnungsspiel von einem fairen, leidenschaftlichen Kampf geprägt war, fand der Zweikampf vor allem auf Seiten der Kameruner sehr hart, zum Teil auch überhart statt. Vor allem kleinere Nicklichkeiten störten mich schon ein wenig. Es muss nicht immer der Ellenbogen ausgepackt werden, wenn der Schiedsrichter nicht hinschaut.

So bleibt als Fazit nur festzuhalten: Die ausgleichende Gerechtigkeit liegt wohl darin, dass Mexiko den Fehlentscheidungen getrotzt hat und das entsprechende Tor schoss.

Gruppe B: Spanien - Niederlande 1:5
Die Neuauflage des Finals von 2010. Vor allem Spanien galt bei einigen, nicht zu letzt auch bei mir, als Favorit auf den Titel. Die Niederlande waren eher eine kleine Unbekannte. Zwar hatte sich das Team von Louis von Gaal recht früh qualifiziert. Trotzdem hatte der Bondscoach durchaus Überraschungen im Team, die vorher eher unbekannter Natur waren. Lediglich der Sturm bzw. die Offensive war bekannt.
Und am Ende war das Ergebnis mehr als überraschend. Auch hier ein paar Punkte zum Spiel:
  • Bei Brasilien gestern war die Innenverteidigung noch nicht so, wie sie dem Namen nach sein sollte. Doch Pique und Ramos waren heute einfach abgemeldet. Keine Souveränität, kein Kampf. All das, wofür die beiden stehen war wie ausradiert. Für mich waren sie nach dem Brasilianischen Inntenverteidigerduo die zweistärksten auf der Position. So sicherlich nicht. Allerdings glaube ich, dass sich das im Laufe des Turniers noch ändern wird (und auch muss).
  • Casillas macht wieder einmal Fehler. Wie schon im Finale der Champions League irrte er auch dieses Mal wieder im Strafraum umher und war an einigen Gegentoren nicht unbeteiligt. Allerdings hat er dann auch wieder seine gewohnte Klasse gezeigt. Auch hier sollte man dieses Spiel nicht als Referenz nehmen.
  • Die Frage, die ich mir stelle ist Folgendes. Spanien beherrscht ein unglaubliches Passspiel. Vor allem Xavi und Iniesta können Pässe spielen, bei denen man nur staunen kann und das auch über eine große Distanz. Allerdings findet diese Genialität nicht 45 Minuten pro Halbzeit statt, sondern nur 5. Daraus resultieren dann drei Chancen, von denen eine genutzt wird. Warum spielt die Mannschaft nicht 80 Minuten diesen Fußball? Vom Potential her müsste die Mannschaft das doch hinbekommen. Ebenso gäbe es nur wenige Mannschaften, die etwas dagegen zu setzen hätten.
  • Überraschend gut war die Mischung bei den Niederländern. Van Gaal setzt auf bekannte und erfahrene Spieler im Sturm und auf "No-Names" in der Defensive. Mir waren nur 5 der 11 Spieler bekannt. Doch der Erfolg gibt ihm Recht. Hinten stand "fast" die Null und vorne lieferte die Offensive ein Feuerwerk. Arjen Robben scheint eh einer zu sein, der Niederlagen braucht, um stärker zu werden. Der versemmelt Chancen im Pokalfinale gegen Dortmund, was die Bayern verlieren, nur um es ein Jahr später besser zu machen. Er verballert einen Elfmeter im Finale der Champions League, nur um ein Jahr später das entscheidende Tor zum Titelgewinn zu schießen. 2010 hatte er den Titel auf dem Fuß und verschoss. Und bei diesem Spiel hat er einfach nur geglänzt. Genau so, wie Kapitän van Persie. Wenn die das halten können, dann wird das ein Fest für den Fußballfan.
  • Und dann gab es da wieder diesen Elfmeter, über den jeder spricht. Ich denke, dass man ihn nicht geben muss. Allerdings habe ich auch drei Zeitlupen gebraucht, um das festzustellen. Mein erster Eindruck war nämlich auch ein Foulspiel an Diego Costa. Trotzdem denke ich, dass es sich hierbei nicht um einen Skandalelfmeter handelt, wie beim Eröffnungsspiel. Ärgerlich, aber häufig im Fußball zu sehen.
  • Strittig war für mich noch das 3:1. Van Persie geht ganz klar Casillas im Fünfmeterraum an. Das Tor war für mich nicht regulär und hätte nicht gegeben werden dürfen. Du darfst den Torwart in dieser Zone nicht angehen. Und es wird doch deutlich, dass van Persie Casillas regelrecht blockt und so verhindert, dass dieser an den Ball kommt.
  • Allerdings denke ich, dass das Spiel relativiert werden muss und zwar aus mehreren Gründen. Zunächst sind die Spanier weiterhin eine starke Mannschaft. Abschreiben sollte man das Team von Vicente del Bosque auf keinen Fall. Auch 2010 haben sie mit einer Niederlage das Turnier begonnen und wurden am Ende Weltmeister. Auf dem Weg zum Titel darf man auch ein Spiel in der Gruppenphase verlieren. Wenn die Mannschaft sich fängt, ist weiterhin der große Wurf möglich. Allerdings muss del Bosque große Aufbauarbeit leisten.
    Ebenso gab es einige Turniere, bei denen die Niederlande mit einem Hurra-Fußball ins Turnier gestartet sind. Ich denke da besonders an die EM 2008, bei der die Mannschaft schon als Europameister gefeiert wurde. Am Ende setzte es eine 3:0 Niederlage gegen Russland im Viertelfinale. Gleich nach der Vorrunde ist Schluss.
    Des Weiteren stand das Spiel unter einem anderen Stern. Es ging nicht nur um drei Punkte, es ging um eine Wiedergutmachung. Die Niederländer wollten Revanche für 2010, was ihnen gelungen ist.
  • Trotzdem, und das bleibt mein Fazit für dieses Spiel, sind die Niederländer mit dieser Leistung ein heißer Tipp für das Halbfinale. Sofern sie die Leistung beibehalten können. Für die Spannung des Turnieres wäre das durchaus eine feine Sache.

Gruppe B: Chile - Australien 3:1
Haben wir in diesem Spiel einen der Geheimfavoriten gesehen? Wenn es nach den ersten 30 Minuten der ersten Halbzeit geht, dann definitiv. Gute Offensivaktionen der Chilenen, dazu eine starke Kontrolle des Spielgeschehens. Klar, vorne läuft alles über Alexi Sanchez. Der Mann vom FC Barcelona wird ständig gesucht und auch oft gefunden. Die Chilenen haben das Spiel druckvoll gestaltet, früh den Gegner gestört und alles im Griff gehabt. Australien hat sich aber nicht zurückgezogen und den Gegner spielen lassen. Auch wenn die Socceroos nicht die Individualisten, wie Chile, hat, haben sie dennoch ihr Können zum Teil unter Beweis gestellt. Die Belohnung dafür war schließlich der 2:1 Anschlusstreffer. Und hierbei hat sich dann auch eine mögliche Schwäche der Chilenen offenbart. Nämlich die Abwehr. Die Innenverteidiger haben doch eine geringe Körpergröße, was es einem Stürmer mit Kopfballqualitäten durchaus leicht macht, auf das Tor zu köpfen.
Das Tor der Australier war gleichzeitig aber auch ein Weckruf. Anstatt dass Chile das Spiel wieder unter Kontrolle bringt, geben sie es ab. Plötzlich haben die Australier Druck gemacht und die Chilenen zugeschaut. Chile war zum Teil überlegen, aber eben nicht zwingend genug um den Gegner in Schach halten. So konnte Australien zurückkommen und hatte bisweilen auch den Ausgleich auf dem Fuß. In weiten Teilen war es ein Spiel auf Augenhöhe. Chile wirkte verunsichert und hatte zahlreiche Fehler im Spielaufbau. Die Präzison der Pässe ging dahin. Trotzdem setzte sich letzten Ende dann doch die bessere Qualität und die größere Erfahrung durch und Chile erzielte kurz vor Ende noch das 3:1, was dann aber doch ein wenig zu hoch ausfällt und den Spielverlauf nur bedingt wiederspiegelt. Es war gleichzeitig auch ein Sieg der Technik gegen über des Kampfes.
Interessant zu sehen war das System der Chilenen, welches so auf dem Platz gar nicht existiert. Im Mittelfeld gibt es ein Dreieck, bestehend aus zwei Sechsen und einer Acht, oder einer Sechs und zwei Achtern. Das zeigt schon die Flexibilität, die die Südamerikaner an den Tag legen. Ebenso sind die Außenverteidiger eher in gegnerischen Gefilden zu finden, unterstützen also die Offensive. Auf die wiederum ist das komplette Spiel ausgerichtet. Die Richtung der Chilenen zeigt ganz klar nach vorne. Sicherlich auch, weil da mit Arturo Vidal und Alexi Sanchez zwei herausragende Spieler zu finden sind. So bleibt die Abwehr die größte Schwachstelle. Es wird sich im Turnierverlauf zeigen, ob es Mannschaften gibt, die in der Lage sind dieses System zu lesen und dagegen agieren zu können. Ansonsten sind die Chilenen durchaus unberechenbar.
Ob die Chilenen nun ein Kandidat auf den Pott sind, wird sich zeigen. Es stehen noch zwei schwere Spiele gegen die Niederlande und Spanien an. Wenn sie die Gruppe überstehen sollten, könnten sie aber durchaus für Furore im Turnierverlauf sorgen.

WM 2014: Eröffnungsspiel Brasilien - Kroatien (Gruppe A)

Endlich: Die Weltmeisterschaft in Brasilien ist nun endlich eröffnet. Milliarden Menschen haben an den TV-Empfangsgeräte das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Brasilien und Herausforderer Kroatien gesehen. Und durchaus ein interessantes Spiel zu sehen bekommen. Wenngleich das Ergebnis ein wenig höher ausfällt, als der tatsächliche Spielverlauf.

Selbstverständlich war ich einer dieser zahlreichen Zuschauern. Dabei gab es durchaus ein paar Punkte, die mir beim Schauen so aufgefallen sind, die ich nun hier kurz erwähnen und loswerden möchte.
  • Zweikampfverhalten
    Beide Mannschaften zeigten ein außergewöhnliches Zweikampfverhalten. Nicht nur auf Seiten der Abwehrspieler. Vielmehr attackierten schon die Offensivkräfte und sicherten sich zahlreiche Bälle, die durchaus zu gefährlichen Angriffen führten. Ich fand es echt bemerkenswert, wie aktiv und mit welchem Willen diese Zweikämpfe geführt worden sind. Das hat Spaß gemacht und würde ich mir auch von anderen Mannschaften wünschen.
  • Abwehr der Brasilianer
    Vor Beginn des Turnieres wurde vor allem die Abwehr der Brasilianer hochgelobt. Die Viererabwehrkette mit Alves, Luiz, Silva und Marcelo ist für jeden Torwart und Fan eine herausragende Abwehr. Doch so namhaft diese auch klingt, die Stabilität hat die Abwehr noch nicht gefunden. Das gipfelte nicht zuletzt im sinnlosen Ausflug von Dani Alves, aus dem schließlich das 1:0 resultierte. Trotzdem zeigte sich hier, dass vor allem Kapitän Silva zahlreiche sichere Pässe spielen kann.
    Weiterhin ist aber auffällig, dass das Spiel über den Torwart kaum stattfindet. Stattdessen versuchen die Verteidiger den Ball direkt nach vorne zu spielen. Somit wird der Torwart nicht unnötig unter Druck gesetzt und damit in Gefahr gebracht. Das könnte man sich ja mal abschauen.
  • Ivica Olic
    Über 30 und Stürmer. In Deutschland klingt das nach einem Auslaufmodell. In Kroatien war es vermutlich die Entdeckung der WM. Olic ackerte das komplette Spiel. Führte Zweikämpfe, flankte, lief ohne Ende auf der Außenbahn. Eine wirklich positive Erscheinung in diesem Eröffnungsspiel.
  • Schaltzentrale der Kroaten
    Auch wenn die Kroaten das Spiel verloren haben, besitzen sie eine unglaubliche Schaltzentrale im Mittelfeld, was der Blick auf die Statistik noch verstärkt. Modric und Rakitic haben zahlreiche Pässe gespielt, die mit einer Quote von über 90% den Mann erreichten. Darauf lässt sich aufbauen.
  • Neymar
    Die Mannschaft wurde auf Neymar ausgerichtet. Altstars, wie Kaka und Robinho, wurden aus dem Kader gestrichen. Nur sechs Spieler haben überhaupt schon WM-Erfahrung. Ein ganzes Land setzt die Hoffnung auf den 22 Jährigen vom FC Barcelona. Und er hat diese Erwartung erfüllt. Zwei Tore im ersten Spiel. Dazu zahlreiche Einzelaktionen. Bis jetzt kommt er mit dem Druck klar. Bleibt die Frage offen, ob er das im Laufe des Turniers beibehalten kann.
  • Körpersprache
    Harte, aber faire Zweikämpfe haben das Spiel geprägt. Doch nicht nur das war auffällig. Vor allem die Brasilianer zu Beginn bei der Hymne haben eine Körpersprache an den Tag gelegt, die jedem Zuschauer gezeigt hat: Die wollen gewinnen. Selbst als die Kapelle aufhört zu spielen, singen die Jungs einfach weiter. Das macht Eindruck.
  • Starkes Spiel
    Es war wirklich ein tolles Eröffnungsspiel und zwar von beiden Mannschaften. Tolle Zweikämpfe, schöne Aktionen, Torchancen und auch Spannung. Das Spiel hatte Phasen, bei denen es von der einen direkt auf die andere Seite ging. Da konnte man als Zuschauer nur schwer durchatmen, selbst wenn man neutral ist. Genau das will man aber bei einer WM sehen. Mannschaften, die durchaus auf Augenhöhe gegeneinander kämpfen.
  • Schiedsrichterleistung
    Ich gebe zu: Es ist nicht einfach ein Eröffnungsspiel bei solch einem Ereignis zu pfeifen. Man hat ein komplettes Land im Rücken, welches mit Argusaugen jede einzelne Aktion beäugt.
    Trotzdem muss ein Schiedsrichter, der für diese Aufgabe eingeteilt wird, auch seine Leistung bringen. Über weite Strecken war das auch der Fall. Für mich gab es trotzdem zwei strittige Szenen, in denen man fast einen Gastgeberbonus entdecken kann.
    Zunächst gab er Abseits und Freistoß für Brasilien, obwohl der kroatische Angreifer definitiv nicht im Abseits stand. Eine klare Torchance für die Kroaten untermauert, die bei einem Treffer dem Spiel einen anderen Verlauf gegeben hätte.
    Die eindeutigere Fehlentscheidung war aber der Elfmeter. Kein Schiedsrichter auf dem Niveau eines WM-Schiedsrichters darf hier Elfmeter geben. Stattdessen wäre eine gelbe Karte wegen Schwalbe die einzig richtige Entscheidung gewesen. Gleichzeitig bringt diese Situation die Thematik um den Videobeweis wieder in Gang. Ich persönlich bin ja ein Befürworter dieser Technik. Damit hätte nicht nur diese Situation fair gelöst werden können. Ich finde auch, dass es sich in anderen Sportarten bewährt hat und auch nicht das Spielgeschehen beeinflusst. Vielleicht denken die Verantwortlichen mal darüber nach. Schließlich wird immer groß der Slogan „Fairplay“ gepredigt.

Was bleibt als Fazit festzuhalten?
Es war ein gelungenes Eröffnungsspiel. Niemand dürfte hier zu kurz gekommen sein. Es war Spannung drin, Brisanz, Eleganz, Zweikampf. Kurzum: Alles, was man sich von einem Fußballspiel wünscht. Das 2:2 für die Kroaten hätte kommen können, aber nicht kommen müssen. Allerdings fällt das 3:1 dann doch eine Nummer zu hoch aus.
Klar, man muss sich bei solch einem Turnier erst einmal freispielen. Der Druck und die Anspannung ist insbesondere bei Brasilien recht hoch. Da den Kopf frei zu bekommen und frei aufzuspielen fällt sicherlich nicht leicht. Trotzdem war die Mannschaft für mich heute nicht unschlagbar. Die Kroaten sind eine gute Mannschaft mit einigen Spielern bei europäischen Topclubs. Aber sie sind eben keine herausragende Mannschaft. Die selbsternannten und von den Medien ernannten Titelanwärter können hier also durchaus etwas lernen, nämlich wie man den Gastgeber schlagen kann. Trotzdem muss man auch schauen, wie das Spiel gegen Mexiko ausgeht und wie sich die Brasilianer im Spielverlauf entwickeln. Stand jetzt aber sind die ein heißer Titelkandidat, aber nicht unschlagbar.

Ich bin gespannt, was die anderen Mannschaften nun zeigen werden. Auf eine schöne Weltmeisterschaft.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Polarisierend auf die Euphoriebremse treten

Alle zwei Jahre herrscht in Deutschland Ausnahmezustand. Immer wenn ein Großereignis im Fußball ansteht, wird das komplette Land in schwarz-rot-goldene Farben getaucht. Überall wehen die Fahnen, die Geschäfte werben mit unzähligen (und zum Teil unnötigen) Merchandisingprodukten und in den Medien gibt es nur noch ein Thema. Jedes kleinste Detail wird versucht zu ergründen. Ex-Weltmeister spekulieren über mögliche Chancen. Kurzum: Selbst der Anti-Fan streift sich sein Deutschlandtrikot über. Und wie in den letzten Jahren auch, wird auch immer die deutsche Nationalmannschaft als möglicher Titelkandidat gehandelt. Doch in diesem Jahr wird das nichts – behaupte ich jetzt einfach mal.

Wie kann ich es wagen und solch eine närrische Aussage tätigen? Deutschland holt nicht den Titel? Eine Aussage, die schon fast mit Hochverrat gleichgesetzt wird. Doch für mich gibt es einige Gründe, die gegen einen möglichen Titel sprechen. Bitte jetzt nicht falsch verstehen: Ich halte selbstverständlich zur deutschen Nationalmannschaft und würde mich über einen Titel freuen. Trotzdem ist der WM-Pokal weiter weg, als je zuvor. Die Gründe hierfür möchte ich in diesem Artikel aufzeigen.

Grund 1: Die Erwartung
Wenn man die Fans und auch die Halb-Fans (also jene Fans, die sich nur alle zwei Jahre mit Fußball beschäftigen) fragt, dann ist WM-Pokal das, was erreicht werden soll. Doch von Seiten der Nationalmannschaft hält man sich eher defensiv. Es werden Aussagen getätigt, wie „in Südamerika konnte noch nie eine europäische Mannschaft Weltmeister werden“ oder „der Druck kommt von außen; wir machen uns keinen“. Für mich sind solch defensive Aussagen mit der Mannschaft völlig Fehl am Platz. Klar sind die Bedingungen nicht einfach. Aber wer deutsche Meister, Pokalsieger und Champions League-Sieger in seinen Reihen hat, zudem bei Endrunden ins Halbfinale gekommen ist, muss einfach anders auftreten. Auch wenn es schwer wird, muss der DFB sich hinstellen und Aussagen, wie „Wir wollen Weltmeister werden!“ sagen. Der Druck muss da sein. Das sind Profispieler, die nicht zum ersten Mal eine Endrunde spielen. Es kann nicht sein, dass man sich drückt. Der letzte Titel datiert aus dem Jahr 1996; der letzte WM-Titel gar aus dem Jahr 1990. Es wird endlich mal wieder Zeit. Und da müssen sich auch die Offiziellen ganz klar positionieren und nicht defensiv auftreten. Bisweilen hat dieses Auftreten für mich auch irgendwo die Einstellung, dass die Mannschaft zum netten Urlaub Machen nach Brasilien fährt. Das geht so nicht!

Grund 2: Die Zufriedenheit der Nation
Seit Jahren hat sich das Public Viewing in Deutschland etabliert. Das geht sogar so weit, dass Ausnahmeregelungen in Kraft gesetzt werden, damit auch bei der WM in Brasilien, wo die Spiele zu später Stunde angepfiffen werden, mit dem ganzen Dorf geschaut werden können. Allerdings macht sich da oft eine Stimmung breit, die mir als Dauerfußballfan doch sehr widerstrebt. Sicherlich mag es ein Erfolg sein, wenn man bei einer WM-Endrunde den dritten Rang belegt. Für Uruguay, Chile oder Griechenland sicherlich. Auch für eine deutsche Nationalmannschaft nach der verkorksten EM 2004 war der dritte Platz 2006 ein fantastisches Ergebnis. Was danach folgte, wer aber weniger fantastisch. Die „Fans“ sind zufrieden, wenn man gegen England 4:1 gewinnt und gegen Argentinien 4:0. Da darf man dann auch mal gegen Spanien, die schlagbar waren, 1:0 verlieren und somit den Finaleinzug verpassen. Das hat für mich nichts mit Erfolg zu tun. Der Anspruch der deutschen Nationalmannschaft muss stets der Titelgewinn sein. Insbesondere, wenn man sich die Qualität der Spieler anschaut. Wir haben mit den qualitätsstärksten Kader von allen Teilnehmern. Spieler, die Titel gewonnen haben, können nicht mit dem dritten Rang zufrieden sein. Und bei aller Euphorie, bei allem schönen Spielen. Am Ende muss etwas Zählbares herauskommen. Es ist kein Erfolg, wenn man behaupten kann, seit 10 Turnieren immer ins Halbfinale gekommen zu sein, wenn es am Ende nie der Titel wird. Mir ist es lieber, die Mannschaft spielt einen weniger schönen Fußball, gewinnt nur mit 1:0 (wie 2002) und macht am Ende Weltmeister, als dass sie mit 38:1 Tore ins Halbfinale einziehen und dann eins auf den Deckel bekommen.

Grund 3: Die Einstellung der Spieler
Ich hatte letztens das Achtelfinale der WM 1990, Deutschland gegen die Niederlande, gesehen. Ich war damals ein Jahr alt und konnte demnach das Spiel nicht realisieren. Doch wenn ich es heute schaue, wird mir eins klar: Diese Mannschaft musste Weltmeister werden. Wer dieses Spiel gesehen hat, der hat den Weltmeister gesehen. Weil die Mannschaft gekämpft hat. Trotz Platzverweis, trotz miserablem Schiedsrichter. Jeder Spieler hat geackert, sich für den Nächsten aufgeopfert und bis zur Erschöpfung gekämpft. Da war ein Guido Buchwald, der auf der „6“ spielte, plötzlich an der Strafraumgrenze und konnte für Jürgen Klinsmann flanken. Da hat ein Pierre Litbarski als Flügelläufer in der Abwehr mitgeholfen und den Ball nach vorne geschlagen. Da war der Wille da, die Leidenschaft.
Und genau das fehlt heute. Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft nach einem Rückstand nicht mehr weiß, was sie machen soll. Bestes Beispiel war das Spiel im Halbfinale der EM 2012 gegen Italien. Balotelli macht 2 Tore und Deutschland hat keinen Plan, trotz genügend Zeit. Und dass Italien keine überragende Mannschaft war, hat man an der 4:0 Niederlage gegen Spanien im Finale gesehen. Das letzte Mal, als die deutsche Nationalmannschaft gegen einen „Großen“ einen Rückstand souverän aufholen konnte, war für mich im Viertelfinale der WM 2006 gegen Argentinien.
Es wird nicht nachgesetzt; verlorene Bälle sind dann eben verloren. Vielleicht bekommt der Hintermann ja noch den Ball. Wenn die anderen Länder das wissen, machen die in den ersten 45 Minuten zwei Tore und haben dann das Spiel gewonnen – übertrieben formuliert.
Ebenso ist die alte Fußballweisheit „11 Freunde müsst ihr sein“ total überholt. Es geht nicht darum mit den anderen Freundschaft zu schließen. Die anderen sind Mitspieler oder besser gesagt „Arbeitskollegen“. Nicht mehr und nicht weniger. Es geht nicht darum, ein enges Band zu knüpfen, damit der eine für den anderen noch mehr einspringt. Es geht einfach darum das zu tun, wofür man bezahlt wird. Die eingeübten Prozesse abspulen, aber darüber hinaus nichts weiter vertiefen.
Und hierfür gebe ich auch dem Bundestrainer eine Mitschuld. Was der für taktische Anweisungen gibt, finde ich nicht immer gelungen. Beispiele? Keine Fernschüsse, keine Grätschen, keine hohen Bälle. Aber das in einem anderen Punkt.

Grund 4: Die Spieler im Kader
Zugegeben: Deutschland hat große Qualitäten in den eigenen Reihen – sehr große. Und trotzdem fehlen für mich Kernspieler. Spieler, wie Ballack, Kahn, Matthäus, Effenberg. Diese absoluten Leadertypen, die sich nichts gefallen lassen und auch mal dazwischen gehen. Die wissen, wie man ihre Mannschaft nach vorne treibt und motiviert. Die sich für den anderen Spieler einsetzen und notfalls auch eine Karte riskieren. Spieler, die im Interview auch mal ihre Meinung sagen, anstatt die vorher fleißig auswendig gelernten Floskeln. Aber diese Spieler sind nicht mehr erwünscht. Ein Jogi Löw hat einen Frings und einen Ballack systematisch entfernt. Gefragt sind die umgänglichen Spieler. Ist ja schön und gut, denn solche „Großsprecher“ können auch mal die Stimmung kaputt machen. Trotzdem sehe ich diese als Schlüssel zu einem Finalsieg. Du brauchst solche Menschen, die zwischen Genie und Wahnsinn leben. Die Dinge tun, mit denen niemand rechnet. Aber das ist nicht mehr erwünscht. Zumindest in Deutschland nicht.

Grund 5: Die taktische Ausrichtung
Ja, Herr Bundestrainer, hier gibt es Kritik. Ich habe oben schon erwähnt, dass keine Fernschüsse erlaubt sind und auch keine Grätschen. Für mich hier ein entscheidendes Handicap. Es steht außer Frage, dass nicht ständig aus der zweiten Reihe aufs Tor geschossen werden soll. Aber manchmal kann solch ein Fernschuss ein Spiel drehen. Der Torwart rechnet nicht damit, der Ball flattert, zack Tor. Hätte Klinsmann 2006 solche Schüsse verboten, hätte Schweinsteiger nie die Tore gegen Portugal gemacht. Das Problem daran ist, dass wir Spieler haben, die das können. Bei der EM 2012 durften die Jungs in einem Spiel solche Fernschüsse abliefern. Das war gegen Griechenland. Endergebnis war im Übrigen ein 4:0 für uns. Und da waren Fernschusstore dabei. Vielleicht mal das Ganze überdenken.
Ein weiteres Manko sind für mich die fehlenden Grätschen. Ich rufe hier nicht nach Blutgrätschen, bitte nicht falsch verstehen. Aber eine faire Grätsche muss auch mal sein. Darf hier aber nicht. Und damit sehe ich auch einen gewissen Respektsverlust gegenüber unseren Innenverteidiger. Spieler, wie Neymar, Ibrahimovic, Messi, Ronaldo, die wissen doch, dass die deutschen Spieler nicht grätschen dürfen. Die machen zwei Tricks, dann sind sie am Mann vorbei und stehen vorm Torwart. Ich stelle mir das mal bei Piquet und Ramos in Spanien vor. Die tricksen einmal, dann liegen sie auf dem Boden. Die tricksen nochmals, dann liegen sie wieder da. Bei uns darf nur abgelaufen werden. Hauptsache kein Foulspiel begangen.
Das System sollte vielleicht auch noch angesprochen werden. Häufig wurde über die Personalie Kießling diskutiert. Ich bin kein Fan von ihm, sehe aber Spieler wie ihn in der Nationalmannschaft. Man kann doch nicht einen Götze in den Sturm stellen. Dadurch nimmt man sich die Möglichkeit eines Kopfballtores. Ein kleiner Spieler ist 20-30 cm kleiner, als sein gegnerischer Innenverteidiger. Da muss der Verteidiger noch nicht einmal hochspringen, um den Ball wegzuköppeln. Du brauchst diesen Stürmer, der genau dann da ist, wenn man ihn braucht. Der keine Abwehrarbeit macht, den du 89 Minuten lang nicht sieht, aber in der 90. Minute zuschlägt und trifft. Der fehlt hier dann wohl auch. Ebenso sehe ich kaum Flexibilität im System. Wenn gewechselt wird (und nicht auf Grund einer Verletzung), dann sind das meist positionsgetreue Wechsel. Man praktiziert das System, welches Spanien spielt, weil die ja erfolgreich sind.
Allerdings stelle ich mir die Frage: Spanien spielt ohne Spielmacher. Weil sie momentan keinen überragenden haben. Was wäre, wenn Isco (Real Madrid) vor zwei Jahren ein weltklasse Niveau gehabt hätte und gespielt hätte? Dann würde Löw vermutlich den 10er bringen. Was wäre, wenn sich die spanischen Stürmer 2012 nicht verletzt hätten oder in Form gewesen wären? Dann wäre der Stoßstürmer wohl dabei. Vielleicht sollte man das System spielen, für das man die Leute hat. Ein Hummels ist kein Piquet, ein Schweinsteiger ist kein Xavi und ein Toni Kroos ist kein Iniesta.
Und wo sind eigentlich die Stürmer in der Mannschaft? Ja, wir haben Miroslav Klose. Okay, Müller kann vorne rein, ebenso Poldi und Schürrle. Aber Götze doch nicht. Mir fehlt dieser klassische Mittelstürmer. Einer, wie Stefan Kießling oder Mario Gomez. Ein Stürmer, der auch mal so irgendwie den Ball ins Tor stochert, weil er genau da steht, wo er stehen muss. Ebenso einer, der auch mal einen Kopfball verwerten kann (spielt in Deutschland keine Rolle, weil es keine hohen Bälle geben darf). Ja, Barcelona praktiziert ein System ohne diesen Stürmer, aber wie erwähnt, wir sind nicht Barcelona.

Grund 6: Übertriebener Luxus
In Anbetracht der Tatsache, was ein Nationalspieler mittlerweile an Luxus bekommt, ist es nicht verwunderlich, wenn man darüber nur den Kopf schüttelt. Fast schon eine Sensation, dass sich die Spieler in diesem Jahr ihr Handtuch selbst holen müssen. Die Unterkunft muss mindestens 5 Sterne haben und hermetisch abgeriegelt sein, damit nicht mal ein Staubkorn Zutritt bekommt. Das gipfelt dann schließlich darin, dass der Bäcker der Nationalmannschaft seine eigene Brotbackmaschine mit nach Brasilien nimmt. Klopapier, Mehl, Fernseher, alles wird mit dem Schiff rüber gekarrt, damit es den Jungs ja gut geht. Die sollten mal wieder mehr nach Malente gehen und dort den sagenumwobenen Geist beschwören, der nicht einmal gewirkt hat. Stattdessen wird eine Hotelanlage gebaut, die den Wünschen des DFB entspricht. Ja, ich weiß, dass die Anlage so und so gebaut worden wäre. Aber seid nicht so naiv und glaubt, dass der DFB da nicht mitgesprochen hat, was wie gebaut wird.

Grund 7: Superstars
Wir haben viele gute Spieler. Aber meiner Meinung nach fehlt der Mannschaft einer der Superstars. Ein Messi, Neymer, Ronaldo oder Ibrahimovic sucht man meiner Meinung nach vergebens. Es gibt viele sehr gute Spieler, aber kaum jemand hat das Potential das Spiel auch mal alleine zu drehen. Auf diesen Punkt lege ich keinen all zu großen Wert. Schließlich hatten wir 1990 auch eine Vielzahl von Spielern hatten, die keine Superstars waren. Allerdings muss man sagen, dass ein genialer Matthäus in den eigenen Reihen stand.

Grund 8: Typen
Einer der Hauptgründe, warum wir nichts reißen werden. Uns fehlen die Typen. Effenberg, Matthäus, Basler, waren alles Spieler, die angeeckt sind, aber die nicht glatt poliert waren. Die haben auch mal nach dem Spiel geschimpft und gewütet. Aber heute will das niemand mehr sehen. Alles muss professionalisiert werden. Meiner Meinung nach ist das ein gewaltiger Rückschritt. Ich erinnere mich an das Wintermärchen von 2007, als die Handballer im eigenen Land Weltmeister wurden. Es gab ein Spiel, da hat die Mannschaft gepennt. Oliver Roggisch hat das gesehen und ging überhart in einen Zweikampf, der mit dem Platzverweis bestraft wurde. Danach spielte die Mannschaft aber wieder auf.
Es gibt in der Mannschaft keine Hierarchie. Keine Typen, die vorweg gehen. Wir haben zahlreiche Spieler, die nie ein falsches Wort sagen. Ja, die jeder Schwiegermutter gefallen würden. Aber wir sind hier nicht auf dem Kaffeekränzchen, sondern auf dem Fußballplatz. Und da brauchst du auch mal einen Spieler, der den Ton angibt. Der auch mal jemanden anschnauzt oder im Interview seine eigene Meinung kundtut und nicht immer der vorgegebene Müll, der immer wieder repetitiv abgespielt wird. Ein Spieler, der einfach will. Und damit auch die anderen mitreißen kann.
Ich bin Real-Fan, daher kann ich nur aus dieser Sicht schreiben. Aber einer, der dieses Profil erfüllt, ist Sergio Ramos. Warum macht der Kerl im Finale der Champions League zwei Minuten vor Ende das Tor? Weil er will! Der geht auch mal in einen Zweikampf und grätscht dazwischen. Da haut auch mal einen Ball nach vorne, damit das Ding weg ist. Der macht und tut und ackert. Und gibt erst auf, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Bei den deutschen Spielern habe ich das Gefühl, dass die schon bei einem Rückstand von zwei Toren resignieren und nicht mehr wollen. Da fehlt dann auch die Körpersprache, die dem Gegner klar macht, dass das Ding nicht gelaufen ist.
Ich halte die Entwicklung für sehr gefährlich. Nicht nur aktuell, sondern auch für die nächsten Generationen. Typen werden systematisch bekämpft und ausradiert. Die haben im Fußball keine Daseinsberechtigung mehr. Solche Führungsspieler werden wir auf Dauer nicht mehr bekommen. Ich plädiere hier nicht für irgendwelche Großsprecher. Sondern für diese Leader. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich das entwickeln wird, aber momentan bin ich doch sehr pessimistisch.

Grund 9: Identifikationsfaktor
Ja, das Land ist wieder in schwarz-rot-gold getaucht. Die Häuser und Autos sind dekoriert, es kann also los gehen. Das Land steht wieder zusammen und zwar hinter der Mannschaft. Wie schon erwähnt wird man mit Merchandisingprodukten wieder zugemüllt. Man könnte meinen, alle für einen, einer für alle.
Ich persönlich sehe das nicht so. Junge, was habe ich 2006 mitgefiebert. Immer, wenn ein Spiel war, war ich von oben bis unten in den Deutschlandfarben kostümiert. Ich kenne sogar noch den Kader mit entsprechenden Rückennummern. Klinsmann hat dafür gesorgt, dass wir wieder wer sind und dass wir das zeigen dürfen.
Acht Jahre später ist für mich nicht mehr viel da. Die Identifikation mit der Mannschaft ist wesentlich geringer. Nicht, dass sie mir egal wäre. Aber ich würde mir nicht mehr die Hände vors Gesicht halten, weil ein Elfmeter gegeben wurde. Ich würde den einfach so hinnehmen.
Mir gefällt die Entwicklung unter Löw absolut nicht. Bundestrainer zu sein ist sicherlich schwer, obwohl es in Deutschland 80 Millionen davon gibt. Ich möchte den Job nicht machen. Aber ich finde die Arbeit von Löw mittlerweile nicht mehr gut. Nach der EM sank die Bereitschaft zur Identifikation kontinuierlich. Früher wäre es undenkbar gewesen bei einem unbedeutenden Freundschaftsspiel wegzugehen und das Spiel zu verpassen. Heute schaue ich kaum noch die Qualifikationsspiele. Und das liegt nicht nur an den blöden Terminen.
Ich kann mit der Mannschaft nicht mehr viel anfangen. Es tut mir auch weh das so schreiben zu müssen. Aber wenn ich mir andere Teams anschaue, haben die es wesentlich einfacher meine Sympathien zu bekommen. Spanien oder Portugal zum Beispiel. Die Entwicklung des deutschen Fußballs hat dafür gesorgt, dass mein Verein mittlerweile über die Nationalmannschaft dominiert. Wie gesagt, ich finde es nicht gut. Aber ich stehe hier und kann nicht anders.

Ihr denkt jetzt, falls ihr das überhaupt gelesen habt, „Wat will der Kerl?“. Die Euphorie ein wenig bremsen und meine Sicht auf diese Dinge mitteilen. Nein, was ich hier schreibe ist nicht allgemeingültig und ich weiß, dass ich damit polarisiere und auch die Parteienbildung fördere. Und das auch bewusst. Ich weiß, dass ich an vielen Stellen übertrieben habe. Aber ich denke nicht, dass Deutschland in diesem Jahr ein Mitspracherecht auf den Titel hat. Ich sehe Brasilien (wenn sie dem Druck stand halten) und Spanien (wenn sie mit dem Klima klarkommen) deutlich vorn. Dahinter gibt es ein paar Länder, die „Chancen“ haben (Argentinien, Deutschland, Belgien, vielleicht auch die eine oder andere Überraschung). Aber für den großen Wurf wird es erneut nicht reichen.
Was nicht heißt, dass ich alles erdenklich tue, um dies zu verhindern. Natürlich würde es mich sehr freuen, wenn die mich Lügen strafen würden und den Pott nach Deutschland holen. Es wird nämlich einfach mal wieder Zeit. Es gibt in diesem Kader ein paar Spieler, für die ich mich wirklich richtig freuen würde. Vor allem, weil man ja nicht weiß, wie es in vier Jahren aussieht.
Doch ich denke, dass es eben 2014 nicht reichen wird. Wir dürfen uns wieder mit der Rolle des Gratulanten anfreunden. Und dann muss der DFB schauen, wie er bis zur EM 2016 weiter machen möchte. Mit Löw oder ohne. Und wo die eigenen Ansprüche stehen. Schöner oder erfolgreicher Fußball?