Donnerstag, 17. Juli 2014

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht - Zum Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle

Die Olympischen Spiele 2014 in Sotchi (Russland). Mittlerweile findet man nur noch in Almanachen diese Thematik. Gäbe es da nicht dieser dunkle Moment in der deutschen Sportgeschichte. Der Dopingfall von Evi Sachenbacher-Stehle zieht die schon vorher desolate Darbietung der Biatholonabteilung in ein noch düsteres Licht. Nun wurde das Ergebnis des Prozesses veröffentlicht.

Kurzer Rückblick, was geschehen war. Noch während der Olympischen Spiele wurde ein Dopingtest von Sachenbacher-Stehle als positiv ausgewertet. Die deutsche Delegation entschied sofort, dass die Athletin umgehend nach Hause fahren sollte. Wie sich herausstellte, hatte sie Nahrungsergänzungsmittel genommen, die verbotene Substanzen erhielten. Und hatte diese nicht testen lassen, ob sie zulässig sind oder nicht. Denn Ergänzungsmittel sind an sich nicht verboten. Nur Präparate, die eben Stoffe enthalten, die auf der Dopingliste stehen, dürfen von den Athleten nicht verwendet werden. Daher lassen die meisten Athleten diese Ergänzungsmittel vorher in einem Labor auf ihre Unbedenklichkeit testen. Nicht aber Sachenbacher-Stehle, zumindest nicht in diesem Fall. Auch wenn die 33-Jährige (bewusstes) Doping vehement bestreitet.

Nun hat der Biathlon-Weltverband IBU die Deutsche für zwei Jahre gesperrt. Diese will wiederum gegen dieses Urteil vorgehen. Es sei zu hart, da sie auf einer Stufe mit Athleten stehen würde, die bewusst und dauerhaft gedopt haben.

Was ist nun davon zu halten? Der ehemalige Langlaufbundestrainer Jochen Behle äußerte sich dazu wie folgt auf Sky: "Das Urteil ist konsequent, aber hart. Evi ist eine ehrliche Haut, ihr ist nachgewiesenermaßen ein Lapsus passiert. Andere, die vorsätzlich mit Epo betrügen, erhalten die gleiche Strafe."

Ich denke, dass dies den Nagel auch irgendwo auf den Punkt trifft. Ich möchte ihr hier noch nicht einmal bewusstes Doping unterstellen. Vielleicht hatte sie wirklich nicht gewusst, was in diesem Ergänzungsmittel enthalten ist. Aber Unwissenheit schützt eben vor Strafe nicht. Wir reden hier von einer erfahrenen Athletin, die nicht nur mehrfach an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften teilgenommen hatte, sondern auch Titel und Medaillen einfahren konnte. So zwei Olympiasiege im Langlauf 2002 und 2010. Eine Person mit dieser Erfahrung, darf nicht so leichtsinnig damit umgehen. Der Langlauf und Biathlon steht immer wieder im Fokus von positiven Dopingtests und Skandalen. Es ist klar, dass es Richtlinien gibt. Und sie wusste auch darüber Bescheid. Auch, wie man dagegen vorgehen und sich schützen kann. Sicherlich mag es ein wenig ungerecht sein, dass bei einem Nahrungsergänzungsmittel die gleiche Strafe gesprochen wird, wie bei jahrelangem Eigenblutdoping (EPO). Trotzdem bleibt die Einnahme von verbotenen Mitteln eine sportliche "Straftat", die auch sanktioniert werden muss.
So sympathisch mir Sachenbacher-Stehle auch ist und so sehr ich mich über ihre Olympiasiege (die nicht zur Diskussion stehen, bitte beachten!) gefreut habe. Sie ist eine erfahrene Sportlerin. Da darf solch ein Fehler einfach nicht passieren. Ich stecke nicht in der Haut drin. Doch ich denke, dass es kein großer Umstand ist, das Ding einzupacken, ins Labor zu schicken und untersuchen lassen. Danach hat man die Gewissheit, ob es regelkonform, oder -widrig ist. Daher muss dieses Vergehen auch bestraft werden.
Vielleicht kann man über die Höhe wirklich diskutieren. Allerdings weiß ich nicht, welches Ziel die Athletin nun anstrebt. Unter einem Jahr würde ich hier erst gar nicht anfangen. Es geht auch irgendwo darum, dass der Sport seriös bleibt und keine Fälle schafft, die dies in Frage stellen. Sicherlich sind Erfolgsaussichten da, beim Internationalen Sportgerichtshof CAS auf eine Verkürzung zu hoffen. Die hatten vor kurzem die Sperre des jamaikanischen Sprinters Asaffa Powel, der ebenfalls ein Stimulanz einnahm, verkürzt und ihm eine provisorische Starterlaubnis erteilt. Für sie persönlich wäre das von Vorteil, wäre sie nach Beendigung der Sperre 36 Jahre alt - da droht dann das Karriereende. Hierbei sollten dann aber die Experten vor Ort entscheiden, in wie weit eine Reduzierung möglich ist. Fakt bleibt aber: Um eine Sperre wird sie nicht herum kommen. Leider zu Recht.

Dienstag, 15. Juli 2014

Arjen Robben - Schwalbenkönig oder Genie?

Beinahe wäre er der Superstar dieser Weltmeisterschaft geworden. Ein Spiel fehlte Arjen Robben und den Niederlanden, um endlich den Traum vom WM-Titel wahrwerden zu lassen. Und der Bayern-Spieler wird immer wieder als herausragender Spieler der Oranjes gesehen. Allerdings nicht ganz makellos.

Spieler sollen Ecken und Kanten haben. Immer wieder wird dies gefordert. Der Fußball braucht Typen. Unbestreitlich, dass Arjen Robben einer dieser Typen ist. Doch seine Spielweise schwankt zwischen Genie und Chaos. Und bei dieser WM scheint es fast so, als würde er diese Rolle liebend gerne annehmen und perfektionieren.

Denkt man an diesen Spieler, fallen einem zunächst die unglaublichen Sololäufe über das halbe Spielfeld ein. Aber auch die Tore, wenn er sich vor dem Strafraum nach innen bewegt und dann den Ball im Winkel unterbringt. Zweifelsohne aus fußballerischer Sicht wirklich ansehnliche Momente. Nicht jeder Spieler ist dazu in der Lage.
Doch der Spieler Robben hat auch noch eine andere Seite. Wenn er zum Beispiel wieder einen Sololauf startet, aber anstatt den besser positionierten Mitspieler anzuspielen, selbst aufs Tor schießt. Wenn er trifft, wird er zum Held. Trifft er aber nicht, geht das hätte, wenn und aber los. Oder aber seine Aktionen innerhalb das Strafraums. Entweder versucht er den Torschuss, oder er versucht den Elfmeter rauszuholen. Deren hat er bei dieser WM gleich zu für sein Team geholt, was am Ende auch ein Grund für das Weiterkommen war. Doch über brutale Fouls braucht man oftmals gar nicht zu sprechen. Teilweise ist gar kein Körperkontakt im Spiel. Doch der Niederländer geht zu Boden. Immer wieder sieht man ihn dort während eines Spiels, fast so, als wolle er seinem Namen gerecht werden.

Auf der einen Seite wird er immer wieder zum Superstar erkoren. Der Mann, der Bayern zum Titel in der Champions League und zum DFB-Pokalsieg 2013 schoss. Der Mann, der mit zwei Toren am Verderben der Spanier bei der WM 2014 Anteil hatte. Doch auf der anderen Seite steht der Spieler, der immer wieder den Unmut der Fans auf sich zieht, eben auf Grund solcher Aktionen. Dabei hätte ein Spieler seines Formats das überhaupt nicht nötig. Doch anscheinend möchte er polarisieren. Immer wieder geht er zu Boden und versucht daraus einen Vorteil für die eigene Mannschaft zu gewinnen. Schwalben kommentiert er nach dem Spiel gerne mit "einer cleveren Aktion". Die Schiedsrichter fallen leider immer wieder darauf rein. Keine gelbe Karte wegen Schwalbe. Stattdessen wird die Fallsucht des Arjen Robben mit Elfmetern und Freistößen unterstützt.

Wie gesagt stehen seine fußballerischen Qualitäten außer Frage. Trotzdem geht dann diese Rolle einen Schritt zu weit. Ein Spieler muss nicht ständig über Schwalben den Vorteil erzielen. Vor allem diese dann auch noch zu loben und gut zu heißen. Denn Schwalben sind laut Regelwerk eben regelwidrig. Auch die Alleingänge müssen nicht immer sein. Es ist nicht verboten, auch mal den Pass an den besser positionierten Mann zu bringen. Dann würde auch niemand mehr über die Qualitäten eines Arjen Robben streiten. So aber bleibt die gespaltene Person bestehen. Selbst Arsene Wenger äußerte sich nach dem Champions League-Spiel des FC Arsenal gegen den FC Bayern wenig positiv über den Niederländer und bezeichnete ihn als "Schwalbenkönig". Auch Mexikos Teamchef Miguel Herrera forderte mehr Verwarnungen für Robben, damit er solche Aktionen unterlasse.

Es bleibt spannend, wie sich Robben nun nach der WM, in der Bundesliga verhält. Und ob die Schiedsrichter auf der Seite des Niederländers stehen oder Schwalben entsprechend ahnden.

Montag, 14. Juli 2014

WM 2014: Spieltag vom 13. Juli (Finale)

Zwei Mannschaften, ein Ziel. Nach 24 Jahren standen beide Mannschaften erneut im Finale einer Weltmeisterschaft, wie schon 1990 und 1986. Die Frage blieb, welches Ergebnis sich wiederholen sollte. Würde Deutschland endlich wieder den Pokal nach Hause holen? Oder kann sich Argentinien mit Lionel Messi als Maradonas Nachfolger durchsetzen?

Bereits in der dritten Minute hatte Deutschland die erste Chance. Der Freistoß blieb allerdings zu ungefährlich. Fast im Gegenzug hätten die Südamerikaner die Führung machen können, doch Higuain vergab die Möglichkeit. Deutschland erarbeitete sich mehr Ballbesitz, während Argentinien über Konter kommen wollte. Doch das deutsche Spiel in den ersten Minuten zu statisch. Auch die Abwehrreihe stand noch nicht so souverän, wie bisher gewohnt. Gleiches galt für die Standardsituationen. Stattdessen hatte Mesut Özil die richtige Körpersprache, ackerte auch nach hinten, setzte nach und holte sich die Bälle zurück. Dann wieder ein Schockmoment für Deutschland. Beim Aufwärmen hatte sich bereits Sami Khedira verletzt. Für ihn spielte Christoph Kramer, der von Garay weggecheckt wurde. Verdacht auf Gehirnerschütterung, die Auswechslung erfolgte umgehend. Trotzdem blieb die Frage nach einer Bestrafung offen. Es gab schon Schiedsrichter, die hierfür Elfmeter und rot wegen Tätlichkeit gaben. Zumindest hätte der Schiedsrichter die Argentinier ermahnen müssen. Danach wurde es aber brenzlig für die deutsche Elf. Der sonst so starke Kroos köpft einen Ball nach hinten, direkt vor Higuain. Dieser lief frei auf Neuer zu, schoss aber daneben. Ein Ball, den ein Stürmer eigentlich machen muss. Deutschland ein wenig aufgeweckt danach. Nach fast 30 Minuten flankte Lahm auf Müller, doch dieser stand im Abseits. Kurz darauf die Argentinier am Zug. Higuain versenkte das Leder im Tor, doch auch hier war es Abseits. Der eingewechselte Schürrle hatte nach gut 37 Minuten die nächste gute Chance für das deutsche Team, konnte die Vorlage allerdings nicht verwerten. Während Deutschland mehr Ballbesitz hatte, aber noch keinen Weg durch die argentinischen Abwehrreihen fand, lauerte Argentinien, bei denen erneut viel über Messi laufen sollte, auf Konter. Kurz vor Abpfiff der ersten Hälfte hatte dann Benedikt Höwedes die Führung auf dem Kopf, doch der Schalker konnte vor dem freien Tor nicht einnetzen. Damit ging es mit einem torlosen Remis in die Halbzeitpause.
Nach dem erneuten Anpiff schienen die Südamerikaner den besseren Start zu erwischen. Es waren nur wenige Sekunden gespielt, als Kapitän Messi den Ball um Zentimeter am deutschen Tor vorbeischoss. Danach entwickelte sich das Spiel aber wie bereits in der ersten Hälfte. Deutschland mit mehr Ballbesitz, stellenweise über 60%, während Argentinien wenig nach vorne wagte. Sicherlich auch, weil Messi von der deutschen Verteidigung, vor allem von einem bärenstarken Boateng, aus dem Spiel genommen wurde und wenig Aktionen durchführen konnte. Allerdings wog dies doch teilweise ein Schiedsrichter auf, der die Tendenz zu den Argentiniern hatte und auf deren Seite mehr durchgehen ließ, als auf der deutschen Seite. Diese Partie war kein Bewerbungsvideo für weitere große, internationale Spiele. Zehn Minuten vor dem Ende wollte die Truppe von Löw dann doch noch die Entscheidung und drängte auf das Tor. Argentinien versuchte es nur mit weiten Pässen, die aber keine Abnehmer fanden. Da die Deutschen erneut keinen Weg durch die gegnerische Defensive fanden, sollte der Sieger in der Nachspielzeit oder gar im Elfmeter Schießen gefunden werden.
Dieses Mal erwischte das deutsche Team den besseren Start, als der eingewechselte Götze Schürrle in Szene setzte. Doch dieser schoss lediglich auf Torhüter Romero. Schnell stellte man fest, dass beide Teams auf dem Zahnfleisch krochen. Die Frage war nun, wer noch mehr Körner hatte, um das entscheidende Tor zu erzielen. Diesen Vorteil hatte zunächst Argentinien. Doch Palacio konnte den Ball nicht im Tor unterbringen. Glück hatte Argentinien aber, als weder Agüero, noch Mascherano die zweite gelbe Karte sahen und somit weiterhin am Spiel teilnehmen durften. Beide gingen Bastian Schweinsteiger so hart an, dass dieser abseits des Platzes mit einem Cut unterhalb des Auges genäht werden musste. Doch Schweinsteiger ließ sich das nicht anmerken und war wenige Sekunden später wieder auf dem Platz. Und dann war es so weit. 113. Minute, Schürrle auf Götze, dieser nahm im Strafraum den Ball mit der Brust an, ließ ihn auf den Fuß fallen und semmelte das Ding in die Maschen. Führung Deutschland! Argentinien warf noch einmal alles nach vorne. Aber das war nicht gut genug, um die deutsche Defensive und Manuel Neuer zu überwinden. Deutschland ist zum vierten Mal Weltmeister!

Betrachtet man nicht nur das Spiel, sondern das Turnier, dann ist dieser Sieg mehr als verdient. Jogi Löw hat ein Team geformt, eine Mannschaft, eine Einheit. Jeder ging für den anderen. Das Team ließ sich Rückschläge nicht anmerken, spielte zum Teil effektiven, zum Teil anschaulichen Fußball, zum Teil auch eine Kombination. Argentinien hatte Chancen im Finale, aber das war am Ende viel zu wenig, um Weltmeister werden zu können. Vor allem Manuel Neuer, der über das ganze Turnier einfach sensationell war, und die Abwehrreihen waren dann doch ein zu harter Riegel. Bei den Südamerikanern hing fiel von Messi ab. Doch als dieser keine Aktionen setzen konnte, konnte Argentinien auch nichts tun. Deutschland hat aller Kritik getrotzt. Sogar einem Schiedsrichter, der teilweise miserabel gepfiffen hatte. Und hat das Ding verdient gewonnen. 24 Jahre nach dem letzten, 60 Jahre nach dem ersten, wandert der Pott also wieder nach Deutschland. Glückwunsch an das gesamte Team und das Team hinter dem Team. Dabei sollte man aber auch die anderen Spieler, die zum Kader gehörten, aber nicht mitgenommen wurden, denken. Auch sie hatten irgendwo doch einen Anteil daran, dass sich diese Mannschaft in den letzten 10 Jahren so entwickeln konnte. Nun kann Jogi Löw die verdiente Ernte einfahren.

WM 2014: Spieltag vom 12. Juli (Spiel um Platz 3)

Das undankbare Spiel um den dritten Platz. Beide Mannschaften hatten im Vorfeld wenig Lust auf diese Partie. Doch ganz war die Spannung dann doch nicht raus.

Allerdings sollte das Spiel nicht im Sinne des Gastgebers laufen. Noch keine 180 Sekunden gespielt, kam Robben an der Strafraumgrenze zu Fall. Doch anstatt rot und Freistoß, gab es gelb für Thiago Silva und Elfmeter. Diesen nutze dann van Persie zu Führung für die Niederländer. Brasilien hatte fast im Anschluss die Möglichkeit zum Ausgleich. Ramires vergab aber diese Chance. Dann sollte es noch dicker kommen. Erneut ein Angriff der Oranjes und Blind mit dem 2:0. Brasilien nach dem Spiel gegen Deutschland erneut von der Rolle. Vor allem Abwehrass David Luiz war total von seiner gewohnten Form. Nach 20 Minuten prüfte dann Oscar den niederländischen Torhüter Cillessen, doch der hatte damit keine Probleme. Argentinien setzte in Folge dessen immer wieder Nadelstiche. Die Südamerikaner auf der anderen Seite ohne Ideen. Erst nach 38 Minuten hatte David Luiz eine Möglichkeit über einen Standard. Doch auch das war zu harmlos. Aufsehen erregte dagegen wenig später Dirk Kuyt, der nach einem Check mit dem Ellenbogen abseits des Platzes getackert wurde. Danach passierte nicht mehr viel, sodass es mit diesem Stand in die Halbzeit ging. Das Ergebnis auch in der Höhe in Ordnung. Brasilien zu schwach, die Niederländer schauten zu und verwalteten das Spiel. Wenig souverän dagegen der Schiedsrichter. Teilweise zu lax gepfiffen mit wenig Karten. Das erste Tor war kein Elfmeter, sondern ein Freistoß. Vor dem zweiten Tor stand Blind im Abseits.

Nach der Pause waren die Brasilianer aufgeweckter. Trotzdem stimmten die Laufwege noch nicht. Dazu stand die Abwehr der Niederländer sicher. So prüfte nach gut einer Stunde Ramires erneut die niederländische Defensive. Der Ball ging aber am Tor vorbei. Brasilien hatte sich noch nicht aufgegeben und drängte auf den Anschluss. Dieser wäre auch durchaus verdient gewesen. Doch die Selecoa viel zu harmlos und ungefährlich. So war es auch wenig verwunderlich,  dass die Oranjes nach das 3:0 machte. In der Nachspielzeit brachte van Gaal dann noch den dritten Torwart - damit hatte jeder Spieler im Team Einsatzminuten gesammelt. Danach pfiff der Schiedsrichter ab.

Die Niederlande beendete das Turnier auf dem dritten Platz. Nach diesem Spiel verdient. Brasilien einfach zu harmlos und auch nie gefährlich gewesen, um das Spiel hätte drehen zu können. Ohne Neymar lief nicht mehr viel zusammen. Hinzu kam sicherlich auch noch dieser unglaublich hohe Druck von den Landsleuten. Zu keiner Zeit bestand Gefahr für die Niederländer. Schade, hatte sich doch der Gastgeber vor allem außerhalb des Platzes sympathisch präsentiert. Van Gaal verabschiedet sich mit Bronze vom Verband der Niederländer. Allerdings hat sich erneut gezeigt, dass der WM-Titel und die Oranjes keine Freunde mehr werden. Angesichts manch einer Verfehlung durchaus gerecht, bedenke man nur die Situation beim Elfmeter Schießen von Krul oder zahlreiche Flugeinlagen von Robben.  Sicherlich nicht die feine englische Art. Doch am Ende reichte es zu einem (verdienten) dritten Platz.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Der deutsche Gretzky

Der Fußball - omnipräsent im deutschen Sport. Vor allem, wenn gerade eine Weltmeisterschaft stattfindet. Da geraten andere Themen gerne einmal in den Hintergrund. Auch, wenn es sich bei um historische Ereignisse handelt, wie ein Blick über den Teich aktuell zeigt.

Denn dort fand vor Kurzem der diesjährige Draft in der NHL statt.  Dort werden die besten Jungspieler von den einzelnen Clubs gezogen und unter Vertrag genommen. Dabei darf das schlechteste Team den Spieler ziehen, der als der beste seines Jahrgangs zählt. Der vorletzte dann den zweitbesten und so weiter.
In diesem Jahr stand auch ein Deutscher auf dieser Liste. Das an sich ist zwar schon beachtlich, aber nicht unbedingt nennenswert. Das Außergewöhnliche in diesem Jahr war die Platzierung. Denn Leon Draisaitl wurde auf Position 3 der ersten Runde gesetzt. Kein deutscher Spieler war je besser platziert. Nur zwei Jungspieler aus seinem Jahrgang wurden besser gesetzt.
Draisaitl wurde schon vor dem Draft in den us-amerikanischen Medien als der deutsche Wayne Gretzky bezeichnet. Eines der größten, wenn nicht sogar das größte deutsche Eishockey-Talent. Und als wäre dieser Titel nicht genug, haben ausgerechnet die Edmonton Oilers den jungen Deutschen bekommen. Genau der Club, mit dem Gretzky vier Mal die NHL gewinnen konnten. Zugegeben, von diesen Zeiten ist der Club sehr weit weg. Immerhin waren sie in der vergangenen Saison das drittschlechteste Team. Trotzdem der erste Schritt, um NHL-Luft zu schnuppern.

Draisaitl, der Sohn des ehemaligen Eishockeyspielers Peter Draisaitl, wurde am 27. Oktober 1995 in Köln geboren. Bei den Haien begann er auch mit dem Eishockey. Dort steigerte er sich in den Juniorenmannschaften von Saison zu Saison, bis er 2010/11 einen weiteren Rekord aufstellte: In 29 Spielen gelangen ihm 97 Tore und 95 Vorlagen, was unglaubliche 192 Scorerpunkte bedeutete. Im Anschluss daran wechselte er zu den Konkurrenten aus Mannheim, wo er bei den Jungadlern sein Können unter Beweis stellte.
Solche Leistungen bleiben nicht unentdeckt. Ein Jahr später wurde er beim Import-Draft in die USA an zweiter Stelle gezogen und wechselte zu den Prince Albert Raiders, die dank seiner Leistung nach 10-jähriger Auszeit endlich wieder die Playoffs erreichen konnten. In der nächsten Saison machte er den nächsten Schritt nach vorne und verbesserte seine persönlichen Bestleistungen. Zwar war er noch zu jung für den NHL-Draft war, wurde aber bereits von zahlreichen Clubs aus der höchsten Spielklasse gescoutet. Erst in diesem Jahr folgte schließlich der nächste Schritt - nämlich nach Edmonton, der ihm seinem Traum von der NHL sehr nahe kommen lässt.

Dass ein schlechtes Team nicht zwangsweise auch eine schlechte Wahl ist, hat Draisaitl bereits bei den Raiders erfahren. Mit den richtigen Spielern war es dem Team möglich die Playoffs wieder zu erreichen. Sicherlich wird er mit Edmonton nicht so schnell den Stanley-Cup gewinnen. Doch für erste Schritte zu wagen ist der Club mehr als gut. Allerdings muss er sich erst einmal im Trainigscamp beweisen. Sollte er für noch nicht gut genug empfunden werden, würde er erst einmal im unterklassigen Farmteam zum Einsatz kommen, um dann nach und nach an die Mannschaft herangeführt zu werden.

Doch bereits jetzt wird ihm dieser Schritt zugetraut. Die Oilers selbst sehen in ihm den Center, der die Jahre über im Team gefehlt hat. Aber auch außerhalb wird der Deutsche für seine Fähigkeiten gelobt, vor allem von us-amerikanischen Fachmagazinen. So besäße Draisaitl bereits jetzt eine NHL-taugliche Statur, die es dem Gegner schwer macht, ihn zu stoppen. Denn die Kombination aus seiner Statur und der Fähigkeit den Schläger zu führen, sorgt dafür, dass er den Puck bestmöglich abschirmen kann. Ebenso habe er eine Vielzahl von Techniken, um den Abschluss zu suchen. Darüber hinaus vermag er es wie kein zweiter bei voller Geschwindigkeit einen präzisen Pass zu spielen. Weiterhin wird seine Spielübersicht gelobt, die nicht jeder in solch jungen Jahren besitzt. Er kann förmlich das Spiel lesen und entsprechend reagieren und agieren. Draisaitl besitzt ebenso die in Amerika sogenannten "soft hands", also Hände, die den Puck das machen lassen, was er tun soll.

Leider gehen solche Geschichten in Deutschland oftmals einfach unter. Der Eishockey hat bei weitem nicht die Präsenz, wie Fußball oder Handball. Trotzdem ist es ein bedeutender Schritt, wenn ein solch junger Spieler bereits jetzt schon diesen Stellenwert hat. Vielleicht ist er ja einer, der einen kleinen Boom auslösen kann, sodass auch die NHL in Deutschland plötzlich auf dem Schirm zu sehen ist. Er selbst hat bereits gesagt, dass er hofft den Eishockeysport in Deutschland bekannter zu machen. Ebenso wünscht sich Draisaitl, dass er Kinder inspiriert mit diesem Sport zu beginnen.
Trotzdem bleibt erst einmal abzuwarten, wie er sich in Amerika entwickelt. Die Chance hat er auf jeden Fall. Auch das Team plant bereits die nächsten Jahre mit ihm auf der Center-Position. Mit der richtigen Förderung und dem richtigen Umfeld ist es sicherlich möglich, dass er irgendwann eine Größe in der NHL wird. Vielleicht auch mit dem Gewinn des Stanley-Cups. Die Hoffnungen der Oilers ruhen schon mal auf den jungen Schultern des Deutschen, um endlich wieder an die ruhmreiche Vergangenheit anknüpfen zu können. Dann mit dem "German Gretzky".

WM 2014: Spieltag vom 9. Juli (Halbfinale)

Das zweite Halbfinale stand an. Wer würde Deutschland ins Finale folgen? Würde es ein Finale wie 1990 geben? Oder doch wie 1974? Während Argentinien seinen dritten Stern möchte, wollen die Niederlande den ersten Titel der Geschichte holen.

Halbfinale 2: Niederlande - Argentinien 2:4 n.E.
Das Spiel begann zunächst mit einer Gedenkminute für den verstorbenen, ehemaligen argentinischen Nationalspieler Alfredo di Stéfano, zu deren Gedanken die Argentinier auch Trauerflor trugen. Beide Mannschaften eher zurückhaltend in den ersten zehn Minuten. Beide fanden noch keinen Weg durch die gegnerischen Abwehrreihen und tasteten sich stattdessen erst einmal ab. Erste Gefahr entstand erst nach fast einer Viertelstunde, als Messi einen Freistoß direkt aufs Tor brachte. Doch Cillesen  war zur Stelle. Bei den Niederländern gelang das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Offensive noch nicht wirklich. Daher waren es auch die Argentinier, die immer wieder Vorstöße in den gegnerischen Strafraum wagten. So hatten auch die Südamerikaner in der 24. Minute die erste Chance, als Garay nur knapp eine Hereingabe verpasste und neben das Tor setzte. Dann pfiff der Schiedsrichter auch schon zur Halbzeit. Ein torloses Unentschieden, dass der Partie gerecht wurde, da beide Mannschaften doch sehr taktisch spielten und keine Fehler machen wollten.
Die Niederländer erwischten den besseren Start in die zweite Hälfte. Robben hätte nach 55 Minuten sich eine Chance erarbeiten können, doch die argentinische Defensive war zur Stelle. Keine drei Minuten später dann Argentinien mit einer Chance, doch Higuain konnte die Flanke von Lavezzi nicht verwerten. Nach mehr als einer Stunde waren die Niederländer die "aktivere" Mannschaft. Argentinien zog sich zurück und beobachtete das Geschehen, doch von den Oranjes kam zu wenig. Allerdings stellten beide Mannschaften nach 70 Minuten das Spielen ein. Ein statisches Geschehen, bei dem es kaum Aktionen gab. Doch dann hatte Higuain plötzlich die Führung auf dem Fuß, setzte den Ball in der 75. Minute aber nur ans Außennetz. Allerdings hätte der Treffer nicht gezählt, da er sich im Abseits befand. Zehn Minuten vor Schluss war dann die Ausgangslage so, dass nur ein Fehler oder eine Einzelaktion ein Tor herbeiführen würde. Beide Mannschaften waren wohl auf die Verlängerung aus. Kurz vor Ende kamen dann aber noch einmal die Niederländer, allerdings wurde erneut der Schuss von Robben durch Mascherano geblockt. Wenige Sekunden später ertönte dann aber erneut der Pfiff des Schiedsrichters - noch einmal 30 Minuten Nachschlag für ein taktisch vielleicht gutes, aber technisch und fußballerisch weniger gutes Spiel.
Die ersten 10 Minuten der Verlängerung waren dann doch eher ereignislos. Zwar hatten die Niederländer Nadelstiche setzen können, aber mehr als ein Aufzeigen war das nicht. Aber auch Argentinien zeigte sich gegen Ende der ersten Hälfte der Verlängerung noch vor dem gegnerischen Tor - ohne Wirkung.
Ohne Wirkung waren dann auch die Aktionen in der zweiten Hälfte. Keine der Mannschaften brachte eine Aktion zu Stande, die hätte gefährlich werden können. Viel zu viele technische Fehler, die man von diesen Mannschaft so nicht gewohnt ist; keine Idee nach vorne; kein Tempo. Doch dann hatte in der 115. Minute Palacio den Lucky Punch auf dem Kopf, köpft den Ball aber auf den niederländischen Torhüter. Das hätte es sein müssen. Argentinien schöpfte daraus ein bisschen Mut. Messi setzte sich auf der rechten Außenbahn durch, flankte nach innen, doch dort konnte Maxi Rodriguez den Ball nicht ins Tor bringen. Doch das war es dann - erneut müssen die Niederländer ins Elfmeter Schießen.
Das erste Duell lautete Flaar gegen Romero - mit dem besseren Ende für Argentinien. Danach folgte Messi gegen Cillessen - doch der argentinische Kapitän souverän. Führung für Argentinien. Als nächstes trat Robben an und verwandelte den ersten Elfmeter für die Niederländer. Garay nun für Argentinien, der den Ball souverän unter die Latte ins Tor hämmerte. Danach Sneijder für die Oranjes, aber irgendwie kommt Sergio Romero noch an das Ding und lenkt den in die brasilianische Pampa. Danach versenkte Agüero den Ball ohne Probleme im Tor. Dirk Kuyt hatte nun die ganze Verantwortung für die Niederlande - und wurde dieser Verantwortung gerecht. Für Argentinien trat Maxi Rodriguez, der Mann, der 2006 noch gegen Deutschland verschoss. Doch im Gegensatz zu damals versenkte er den Ball und schoss Argentinien ins Finale gegen Deutschland.
Am Ende konnte nur das Elfmeter Schießen die Entscheidung bringen. Die Partie war spielerisch und fußballerisch keine Bewerbung für diese Sportart. Was allerdings verständlich ist, geht man von der Ausgangslage aus. Ein zu offenes Spiel hätte der frühe KO bedeuten können. Daher gingen beide Mannschaft das Spiel sehr taktisch an. Einzig die Elfmeter waren von Argentinien eine nennswerte Leistung. Ansonsten fand man Akzente doch selten im Spiel. Deutschland muss sich nicht vor dieser Mannschaft verstecken. Die Frage bleibt nun, in wie weit der eine Tag mehr Regeneration für Deutschland ausschlaggebend ist, vor allem, weil Argentinien über die Verlängerung gehen musste. Beide Mannschaften könnten den Pokal gewinnen. Doch ich sehe Deutschland einen Schritt vorne. Für mich sind sie eine Mannschaft geworden, die keinen superstar braucht, denn die Mannschaft ist der Superstar. Bei Argentinien hängt doch sehr viel von Messi ab - vielleicht zu viel? Ein Duell, wie es schon 1990 der Fall war. Nur mit einem Messi, statt einem Maradonna. Aber hoffentlich mit dem gleichen Ausgang für Deutschland.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Der Dirigent des Weißen Balletts

Ein Verein trauert um einen der größten Spieler seiner Geschichte: Die Real Madrid-Legende Alfredo di Stefano ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Ein Nachruf zu einer Fußball-Legende.

Alfredo di Stéfano kam am 4. Juli 1926 in Buenos Aires (Argentinien) zur Welt und entwickelte schon als kleiner Junge eine Leidenschaft zum Fußball. Durch seinen Vater, der ihn stets förderte, entwickelte er seine Liebe zu River Plate Buenos Aires, bei denen er schließlich im Alter von 15 Jahren ein Probetraining absolvierte und auch auf Anhieb überzeugte. So war es nur eine Frage der Zeit, bis er schließlich vier Jahre später in den Profikader aufgenommen wurde.

River Plate galt als beste Mannschaft des südamerikanischen Kontinents. Doch zunächst kam der junge di Stéfano nicht an Mittelstürmer Adolfo Pedernera vorbei, sodass er zunächst ausgeliehen wurde, um Spielpraxis zu sammeln. Bereits in seiner ersten Saison zeigte sich das Talent des Argentiniers, als er in 25 Spielen immerhin zehn Tore schoss. Mit reichlich Selbstbewusstsein im Gepäck kehrte er zu River Plate zurück, um dort Stammspieler zu werden. Dort wurde er dann mit 27 Toren in 30 Spielen Torschützenkönig und hatte großen Anteil an der gewonnen Meisterschaft. Überzeugen konnte di Stéfano vor allem durch seinen robusten Körberbau, mit dem er sich durchsetzen konnte, aber auch durch seine Schnelligkeit und seine Dribblings.

Allerdings sorgte ein Streit zwischen Ligaverband und Spielergewerkschaft den Spielbetrieb der argentinischen Liga, sodass di Stéfano, wie viele andere Spieler auch, nach Kolumbien wechselte und zwar zu CD Los Millonarios. Erstaunlich dabei war, dass sein Club River Plate davon nichts wusste und auch keine Transferentschädigung erhielt.
Am Ende seiner ersten Saison holte di Stéfano erneut die Meisterschaft. Die Millonaros avancierten zu einem unschlagbaren Team und holten von 1951 bis 1953 nicht nur drei weitere Meisterschaften, sondern auch noch einen Pokalsieg. Di Stéfano selbst wurde der unumstrittene und absolute Superstar der Mannschaft, der darüber hinaus zwei Mal die Wertung des besten Torschützen gewann. Durch ein Freundschaftsspiel gegen Real Madrid zu dessen 50-jährigem Bestehen, wurden auch Clubs in Europa auf den Argentinier aufmerksam. Und so sollte sich einer der spektakulärsten Wechsel des Fußballs anbahnen.

Denn nun wollte Real Madrid diesen Spieler verpflichten. Der hatte aber bereits einen Vertrag beim FC Barcelona unterschrieben. Die wiederum hatten 4 Millionen Peseten (etwa 217.000 Euro) an die Millonaros als Entschädigung gezahlt. Doch Real-Präsident Bernabeu wollte di Stéfano unbedingt und überwies 1,5 Millionen Peseten (81.000 Euro) an die Millonaros. Somit hatten beide Vereine eine Ablösesumme für einen Spieler bezahlt. Dieser Problematik wandt sich der spanische Verband zu, die beschlossen, dass di Stéfano je zwei Saisons für Real und zwei für Barcelona spielen sollte. Damit war Barcelona aber nicht einverstanden und zog den Transfer zurück, obwohl di Stéfano in Freundschaftsspielen bereits für die Katalanen auflief, aber nicht so recht überzeugen konnte. Real zahlte etwa 4 Millionen Peseten an Barcelona als Entschädigung, sodass das Transfervolumen bei 5,5 Millionen Peseten, als 298.000 Euro, lag. Damit war der Wechsel vollzogen und di Stéfano sollte sich den Königlichen anschließen.

Was dort passierte, hätte wohl niemand vorhersagen können. Gleich in seiner ersten Saison wurde er mit 27 Toren Torschützenkönig und schoss Real zum ersten Meistertitel seit 21 Jahren. Krönung war dabei zweifelsohne die Partie gegen den FC Barcelona, in welcher Real mit 5:0 gewann und di Stéfano selbst vier Treffer markierte. Nach und nach entstand um den Argentinier eine Mannschaft, die den Mythos des "Weißen Balletts" begründen sollte. Spielerisches Können vermischte sich mit Eleganz und technisch anspruchsvollem Fußball. Insgesamt holte er acht Meistertitel mit Real und einen Pokalsieg. Die meiste Anerkennung dürfte er sich aber im neu gegründeten Europapokal der Landesmeister geholt haben. Mit ihm gewann Real die ersten fünf Austragungen in Folge - ein Erfolg, den bis heute keine Mannschaft wiederholen konnte. Hinzu kommt der Weltpokal im Jahre 1960.

Di Stéfanos Spielweise war unbeschreiblich. Nicht ohne Grund wird er unter den Top5 der besten Spieler aller Zeiten angesehen, noch vor seinem Landsmann Maradonna. Ihn zeichnete eine unnachahmliche Eleganz aus. Ebenso hatte er auf dem Platz eine Aura, die die anderen Mitspieler mitreißen konnte, aber auch dem Gegner den nötigen Respekt einflößte. Er beschränkte sich nicht nur auf den gegnerischen Strafraum, sondern war auch im Mittelfeld zu finden, wo er sich immer wieder Bälle holte. Trotzdem stand er immer im Dienst der Mannschaft und blieb immer auf dem Boden.

Doch als 1960 der Glanz von Real schwinden sollte, bewog Präsident Bernabéu den 38-jährigen di Stéfano zum Karriereende. Gleichzeitig bot er ihm einen Job als Sportdirektor an. Doch dieser lehnte ab und spielte noch einmal zwei Jahre für RCD Espanyol Barcelona, bevor er endgültig seine Karriere beendete.

Für Real Madrid erzielte er in 396 Spielen 307 Tore. Er war über 40 Jahre lang Toptorjäger der Königlichen und wurde erst von einer anderen Clublegende, Raùl, eingeholt. Er war der erste Spieler, der vier Mal in Folge Torschützenkönig in der Primera Division werden konnte, was nach ihm nur Hugo Sánchez (ebenfalls Real Madrid) schaffen konnte.

Am 7. Juni 1967 fand schließlich im Estadio Santiago Bernabéu von Madrid ein Abschiedsspiel vor 130.000 Menschen statt.

Während er auf Vereinsebene Erfolg um Erfolg, und Titel, um Titel holte, lief es in der Nationalmannschaft weniger gut. Zunächst debütierte er für die argentinische Nationalmannschaft. Dort lief es zunächst auch gut für ihn, denn er gewann die Südamerikameisterschaft. Doch mit dem Wechsel nach Kolumbien wurde er nicht mehr für das Team berufen. Daher bestritt er vier Spiele für die kolumbianische Nationalmannschaft, die von der FIFA allerdings nicht anerkannt wurden.
1956 erhielt er dann die spanische Staatsbürgerschaft, was ihm die Berechtigung einbrachte, für dieses Land spielen zu dürfen. Doch Spanien verpasste überraschend die WM 1958. Für die WM 1962 in Chile konnte sich das Team zwar qualifizieren, doch di Stéfano konnte auf Grund einer Muskelverletzung nicht am Turnier teilnehmen. Er reiht sich damit in die Liste von Superstars ein, die nie ein WM-Spiel bestritten haben.

Doch auch nach seiner aktiven Karriere war di Stéfano dem Fußball treu und wurde Vereinstrainer. Mit den Boca Juniers wurde er zwei Mal argentinischer Meister; mit dem FC Valencia einmal spanischer Meister und 1980 Europapokalsieger. Mit Real holte er 1990 den spanischen Supercup.

Zehn Jahre später wurde er zum Ehrenpräsidenten von Real Madrid ernannt. Ebenso wurde das Stadion der zweiten Mannschaft von Real im Jahr 2006 nach ihm benannt. Des Weiteren zeichnet die Marca jedes Jahr den besten Spieler der Primera Division mit der Trofeo Alfredo di Stéfano aus.

Kommentatoren bezeichneten sein Spiel als ein "schwereloses Spiel", bewunderten seine Technik. Er war ein Allrounder, wie aus dem Buche, ein "kompletter Spieler". Er besaß eine ungeahnte Brillianz und Spielübersicht und war trotzdem ein Mannschaftsspieler. Nicht um sonst wird er als Dirigent des "Weißen Balletts" bezeichnet. Die Mannschaft entstand um ihn herum und er wusste sie zum Erfolg zu führen. Selbst die Gegner standen bei seinen Europapokalspielen Spalier und holten sich Autogramme ab. Unvergessen auch der Sieg in eben jenem Wettbewerb 1959 gegen Eintracht Frankfurt, als er drei Tore erzielte und Puskas die anderen vier. Zu seiner Zeit war er der Beste.
Die Betroffenheit seines Todes zeigte sich weltweit. Sepp Blatter bezeichnete ihn als "meinen Lieblingsspieler", Pele als "Legende des Spiels", Casillas als "Legende von Real Madrid". Ex-Real-Trainer Mourinho ließ verlauten, dass er "der beste Spieler in der Geschichte von Real Madrid und einer der größten aller Zeiten" gewesen sei. Und auch Luis Suarez würdigte di Stéfano als "Genie des Fußballs". Auch bei Real selbst war die Bestürzung sehr groß, kannten ihn die Spieler doch persönlich. Bei jedem offiziellen Termin, bei jeder Neuvorstellung eines Spielers, bei jeder Vertragsunterschrift war der Ehrenpräsident dabei. Angeblich hatte er ein Mitspracherecht, was die Transferangelegenheiten betraf.

Doch auch abseits des Platzes hatte er immer wieder einen Spruch auf den Lippen:
- "Tore schießen ist wie LIebe machen: Alle Welt weiß, wie das geht, aber keiner macht das so wie ich."
- "Der wahre Fußball war zu Ende, als der erste Fön in den Umkleidekabinen Einzug hielt."
- "Der Ball ist aus Leder, das Leder kommt von der Kuh, die Kuh frisst Gras, deshalb muss man den Ball aufs Gras werfen."
- "Ich habe mit 40 aufgehört, weil meine Töchter mich eines Tages anschauten und sagten, Papa, mit Glatze und kurzen Hosen, das steht dir nicht."

Ein großartiger Spieler hat den Fußball verlassen. Doch die Erinnerung an di Stéfano werden stets aufrecht erhalten bleiben.

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Im Anschluss noch ein paar Videos, die die Spielweise di Stéfanos demonstrieren.

https://www.youtube.com/watch?v=5On90SBNllQ

https://www.youtube.com/watch?v=bCAlqBamBjs

https://www.youtube.com/watch?v=5nAmo43w3hE

https://www.youtube.com/watch?v=zxPHlCbi4-g

Anmerkung: Bilder und Videos sind nicht von mir. Bild von images.google.com; Videos auf Youtube gefunden.