Sonntag, 17. November 2013

Formel E - Eine nachhaltige Alternative oder doch nur Träumerei

Kaum ein Wort ist mittlerweile so im Gespräch, wie das beliebte Wörtchen „Nachhaltigkeit“. Alles muss heute nachhaltig sein. Vor allem aber die Energie. Kein Wunder, dass da der Rennsport nachziehen möchte. Und so hat die FIA kurzerhand die Formel E ins Leben gerufen. In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, ob diese neue Rennserie eine Alternative sein kann – oder doch nur eine Träumerei bleibt.

Alle Details sind noch nicht geklärt. Es gibt noch viele offene Fragen, was die zukünftige Debüt-Saison der Formel E angeht. Doch nach und nach werden immer mehr Informationen preis gegeben, um so das Interesse des Motorsportfans zu gewinnen.

Auffallend ist zunächst der Terminkalender und die Rennen, die ausgetragen werden. Zunächst finden alle Rennen auf Stadtkursen statt. Der bekannteste Kurs dürfte hierbei wohl der von Monte Carlo sein, der seit Jahrzehnten schon im Rennkalender der Formel 1 zu finden ist. Ansonsten stehen Kurse in Peking (China), Putrajaya (Malaysia), Hongkong, Punta del Este (Uruguay), Buenos Aires (Argentinien), Los Angeles und Miami (USA), Berlin (Deutschland; auf dem ehemaligen Gelände des Flughafens Tempelhof), sowie London (England) auf dem Programm. Die nächste Auffälligkeit liegt darin, dass alle Rennen an einem Tag stattfinden werden. Sprich: Freies Training morgens, Qualifying mittags und Rennen abends. Zum Einen, um die Kosten für die Absperrung der Rennstrecke zu minimieren. Zum Anderen, um solche Veranstaltungen auch für Familien interessant zu gestalten. Zum Schluss fällt auch die Terminierung ins Auge. Denn die Saison verläuft nicht dem Jahreskalender entsprechend, wie in der Formel 1. Vielmehr findet die Saison von September 2014 bis Juni 2015 statt. Vermutlich, um ein zusätzliches Angebot zur Formel 1 zu schaffen, da beide Serien nicht terminlich kollidieren werden oder Konkurrenzverstanstaltungen geschaffen werden.
In wie weit sich der Terminkalender noch Veränderungen erfahren wird, wird sich im Dezember zeigen, wenn dieser von der FIA verabschiedet wird. Bereits im September sind Rennen in Bangkok, Rio de Janeiro und Rom herausgefallen.

Kommen wir also zu den Teams. Die FIA selbst möchte mit 10 Teams, und somit 20 Fahrern, in die erste Saison gehen. Bisher wurden sieben Teams bekannt gegeben: Drayson Racing (Großbritannien), China Racing (China), Andretti Autosport, Dragon Racing (beide USA), E.DAMS (Frankreich), Super Aguri Formula E (Japan; das Team sammelte bereits von 2006 – 2008 Formel 1-Erfahrung, allerdings weniger erfolgreich), sowie das Audi Sport Abt Formel E-Team aus Deutschland. Letzteres ist sicherlich kein unbekanntes Team, hat Abt Racing bisher 5 Titel in der DTM gewinnen können.
Doch von keinem der Teams wurde bisher eine Fahrerpaarung genannt. Es bleibt offen, ob namhafte Fahrer teilnehmen werden, oder doch eher Nachwuchsfahrer.
Ich möchte noch ein paar Worte zum Reglement der Teams verlieren. So stehen jedem Fahrer pro Renntag zwei Autos zur Verfügung. Die Teams reisen also mit vier Wagen an. Ebenso sind die akkreditierten Personen auf acht limitiert (zwei Renningenieure, ein Dateningenieuer, vier Mechaniker, ein Teamchef). Die beiden Fahrer und das Personal, welches die Motoren betreut, sind hierbei allerdings nicht inbegriffen.
Ebenso interessant ist die Budgetobergrenze. In der Formel 1 wurde darüber ja schon heftigst diskutiert. Diese neue Rennserie hat sie gleich von Beginn an eingeführt. Pro Jahr dürfen die Kosten von 2,5 Millionen Euro nicht überschritten werden. Zum Vergleich: Red Bull gibt für sein Formel 1 Projekt etwa 400 Millionen Euro aus und leistet sich um die 600 Mitarbeiter, wovon 40 allein beim Rennwochenende an der Rennstrecke sind. Ziel ist es, auch kleinere Teams anzulocken und so zu verhindern, dass die Teams sich zu hoch verschulden (wie es aktuell in der Formel 1 der Fall ist).

Was nun folgt sind die Daten und Informationen zu den Fahrzeugen an sich. Die Firma Spark Racing Technology hat die ersten Autos entwickelt. Diese werden von einem Elektromotor angetrieben, der von der Firma McLaren Electronic Systems stammt, einer Tochterfirma von McLaren. Diese produzieren ebenfalls die Getriebe und die Elektronik. Die Motoren leisten Gerüchten zu Folge zwischen 253 und 272 PS und sollen etwa 250 km/h Höchstgeschwindigkeit bieten. Die Firma Dallara war für die Produktion der Chassis verantwortlich. Michelin liefert profilierte Allwetterreifen als Einheitsreifen an (auch ein Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit). Renault wurde als technischer Partner bestätigt. Die Batterien werden von Williams Advanced Engeneering zur Verfügung gestellt.
In der ersten Saison werden den Teams die Autos gegen eine Abgabe eines Anteils an den Sponsorengeldern zur Verfügung gestellt. Im Bereich Chassis und Aerodynamik wird es im Laufe der Saison keine Entwicklungsstufen geben. Diese gibt es allerdings bei den Batterien und den Motoren. Selbstverständlich können auch Teams als Konstrukteure einsteigen (angeblich ist Audi daran interessiert). Allerdings ist dies an diverse Bedingungen geknüpft, wie Serienleiter Alejandro Agag bekannt gab. "Wenn man Konstrukteur sein will, kann man für die Herstellung des Autos so viel Geld ausgeben, wie man möchte, aber man ist durch die Regeln gezwungen, das Auto an mindestens zwei andere Teams zu verkaufen - mit Chassis, Antrieb und allem anderen." Somit bemüht sich die Formel E um Kundenteams. Was wiederum den Einstieg für zahlreiche weitere Teams interessant macht. Teams, die in die Forschung gehen möchten, können als Konstrukteure einsteigen. Teams, die nicht das nötige Kleingeld mitbringen, können bequem fertig entwickelte Autos kaufen und einsetzen. Klingt nach einer win-win-Situation, bei der der Sport im Vordergrund steht.
Und auch beim Aussehen muss sich diese Rennserie nicht verstecken. Die Autos sind ganz klar als Formel-Wagen zu identifizieren und sind durchaus ästhetisch. Doch auch hier muss sich jeder selbst ein Bild machen. Hier nun ein Bild, wie das zukünftige Auto aussehen wird:
File:Spark-Renault SRT 01 E (Formula E).JPG
Doch wie sieht es eigentlich um das Kriterium aus, weswegen Motorsport geschaut wird? Wie steht es um den Sound? Es dürfte jedem klar sein, dass röhrende Motoren hier nicht zu finden sind. Trotzdem werden die Boliden nicht geräuschlos an einem vorbeifahren. Stattdessen klingt der Sound fast schon futuristisch und erinnert an das Geräusch eines Düsenjets. Grund dafür sind sowohl der Reifenabrieb, als auch die Aerodynamik. Doch Worte können hier nicht gut erklären. Daher sollen nun die Ohren zum Einsatz kommen. Unter folgendem Link ist eine Hörprobe zu finden.

Soweit zu den bisher veröffentlichten Informationen. Es soll ja in diesem Artikel um die Frage gehen, ob diese neue Rennserie eine Alternative sein kann. Sicherlich ist Skepsis berechtigt, da man im Voraus nie weiß, wie sich eine neue Rennserie entwickeln wird.
Doch für mich steht jetzt schon fest, dass sich die Verantwortlichen durchaus ihre Gedanken gemacht haben und aus Fehlern, wie zum Beispiel in der Formel 1, lernen möchten. So soll das Rennen ein Ereignis für die Familie werden und daher eintägig stattfinden (was sicherlich auch den Teams zu Gute kommt). Hier bleibt allerdings die Frage nach möglichen Eintrittspreisen offen. Der große Bruder Formel 1 glänzt seit Jahren mit nicht gerade günstigen Preisen. Somit steht die Frage im Raum, ob die Formel E auch diesen Manko begleichen kann und den Eintritt entsprechend anpasst.
Das Aussehen der Autos kann ich persönlich nur begrüßen. Sie sind weitaus ästhetischer, als manch ein Formel 1-Bolide. Einziges Manko könnte hierbei der fehlende Motorensound sein. Doch auch hier bleibt abzuwarten, wie dieser „Düsenjetsound“ live bzw. vor dem TV-Gerät sich anhört. Durch die Budgetobergrenze wird aber ein richtiger Schritt getan, um Kostenexplosionen und damit den Bankrott von finanzschwachen Teams zu vermeiden. Trotzdem wird eine Konkurrenzsituation geschaffen. Vermutlich wird das Teilnehmerfeld gar nicht so weit auseinander gerissen, wie es in der Formel 1 momentan der Fall ist. Somit besteht auch für neue Teams die Möglichkeit, sportliche Erfolge feiern zu können.
Eine weitere offene Frage bleiben die Rennstrecken. Auch hier weiß man noch nicht, wie mögliche Verläufe aussehen und in wie weit Rennen spannend gestalten werden.
Ich persönlich verschließe mich nicht vor dieser neuen Serie. Das Konzept klingt durchdacht und auch auf Zukunft hin angelegt, sodass nicht jedes Jahr große Änderungen im Reglement von Nöten sind. Ich bin gespannt, wie sich diese Rennserie entwickeln wird und freue mich auf die ersten Rennen. Gleichzeitig hoffe ich, dass es doch einige namhafte Fahrer geben wird, die dort antreten werden, sodass auch ein entsprechendes Publikum erreicht werden kann.

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Spark-Renault_SRT_01_E_%28Formula_E%29.JPG

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