Freitag, 27. März 2015

Problemzone der Formel 1 - Teil 2 - Keine Einigkeit um die Zukunft bei den Teams

Vor dem Saisonbeginn in Melbourne, haben sich alle Teams zusammengesetzt, um die Zukunft der Formel 1 zu planen. Viele haben haben schon Hoffnungen für die kränkelnde Serie herbei gesehnt... und wurden enttäuscht.

Fehlende Zuschauer, kaum noch Spannung. Die Formel 1 hat durchaus schon bessere Tage gesehen. Die Probleme sind mittlerweile auch nicht mehr zu leugnen. Das sollte auch für die Teams gelten, könnte man meinen. Demnach waren die Hoffnungen für dieses gemeinsame Treffen hoch. Nicht zuletzt wurde sogar über 1000 PS-Motoren spekuliert und andere Reformen. Doch es blieb nicht nur die erhoffte Revolution, sondern auch eine Evolution aus.

Stattdessen einigten sich die Teams darauf, dass ab sofort nur noch ein Helmdesign pro Saison gewählt werden darf. Nachdem Sebastian Vettel den Designwechsel auf ein neues Level gehoben hatte, in dem er zu jedem Rennen eine neue Lackierung auftragen ließ, wollten die Teams dem nun Einhalt gebieten. Der Fan am TV-Gerät muss schließlich die Fahrer erkennen können. Und wechselnde Designs schaden dem Wiedererkennungswert.

Wie ernst diese Entscheidung genommen wurde, zeigen die Reaktionen von Jenson Button und Sebastian Vettel. Button twitterte gleich die Frage, ob nun auch festgelegt wird, wie viele Paar Unterhosen pro Saison verwendet werden dürfen und wie oft diese gewechselt werden dürfen.
Vettel wiederum hinterfragte das Strafsystem für eine Regelmissachtung. Sollte es auf eine wohltätige Spende hinauslaufen, würde der Heppenheimer diese sehr gerne bezahlen und bewusst weiterhin bei jedem Rennen mit neuem Design antreten.

Man könnte angesichts dieses Beschlusses meinen, dass die Formel 1 keine Sorgen hat. Doch es zeigt sich ein ganz großes Problem: Die Teams wissen selbst nicht, in welche Richtung sich diese Serie entwickeln soll. Oder möchten diese Entwicklung einfach nicht. Stärkere Motoren würden auch nichts ändern und wären zu kostspielig, weshalb dieser Punkt gleich abgeblasen wurde. Ob über andere Reformen überhaupt gesprochen wurde, bleibt unklar.

Eines hat sich aber gezeigt: Es geht nicht um den Sport, sondern nur um das Geld. Das insolvente Marussia hatte dann doch noch einen neuen Investor gefunden, nämlich Manor. Die haben aber erst kurz vor Saisonbeginn das Team übernommen. Folglich konnte auch noch kein Auto, welches den Regularien für 2015 entsprach, entworfen und gebaut werden. Das Team wollte stattdessen mit einem angepassten 2014er Auto an den Start gehen. Prinzipiell ist das möglich. Allerdings müssen dazu alle Teams zustimmen. Diese Einstimmigkeit wurde nicht erzielt. Stattdessen muss das Team nun doch noch schnell ein Auto auf die Beine bringen.
Warum diese Blockade? Selbst das 2014er Auto könnte wohl kaum so konkurrenzfähig sein, dass das Team den anderen Teams Punkte wegnehmen könnte, um es mal überspitzt zu formulieren. Doch der Grund ist, wie so oft, das Geld. Wenn nämlich Manor nicht eine bestimmte Anzahl an Rennen fahren kann, wird das Preisgeld, welches Marussia in der letzten Saison eingefahren hat, nämlich nicht an Manor ausgezahlt. Vielmehr werden die 45 Millionen unter den anderen 9 Teams aufgeteilt. Anstatt einem zehnten Team den Eintritt zu erleichtern, bereichern sich die anderen Teams lieber mit 5 Millionen.
Man mag sagen, dass es ja den Regeln entspricht und nichts Falsches getan wurde. Dennoch sollte man über solche Entscheidungen nachdenken. Geht es den Teams wirklich noch um den Sport? Möchte man gemeinsam an einem Strang ziehen? Oder kocht dann doch jeder seine eigene Suppe.

Fakt ist: Jedes Team darf da durchaus eine eigene Suppe kochen. Wenn sich die verbliebenen Teams aber nicht bald an einen gemeinsamen Essenstisch setzen, wird es bald keine Gelegenheit mehr geben, um die eigene Suppe zu kochen. Denn dann wird es noch kritischer um die Formel 1 aussehen.

Die einzige Hoffnung liegt nun auf der Saison 2017. Denn erst zu dieser Saison können neue Beschlüsse und große Regelreformen umgesetzt und eingeführt werden. Das Reglement von 2016, und damit auch die Meisterschaft, dürfte daher ähnlich der Saison 2015 sein. Und das erste Rennen hat gezeigt, dass da nicht viel Spannung zu erwarten ist.

Donnerstag, 26. März 2015

Problemzone der Formel 1 - Teil 1 - Paydriver

Die Formel 1-Saison hat gerade begonnen und schon offenbaren sich Krankheiten, mit der die Rennserie zu kämpfen hat. Vor allem Giedo van der Garde hatte in der vergangen Woche ein wenig für Aufregung gesorgt. Gleichzeitig aber auch gezeigt, in welche Dimensionen die Formel 1 abgerutscht ist.

Was war nun passiert? Dazu müssen wir einen Sprung zurück machen, in die vergangene Saison. Dort fuhren Adrian Sutil und Esteban Gutierrez für den Rennstall aus der Schweiz. Van der Garde war damals Testfahrer. Allerdings wurde ihm vertraglich zugesichert, ein Cockpit für 2015 zu bekommen. Auch, weil Sponsoren im Hintergrund tätig sind. Als dann das Fahrerduo für 2015 vorgestellt wurde, war die Verwunderung groß. Sutil wurde über eine Twittermeldung informiert, 2015 nicht mehr im Team zu sein.

Stattdessen durften Felipe Nasr mit brasilianischen Millionen und Marcus Eriksson mit schwedischen Millionen im Rücken die Cockpits besetzen. Kein van der Garde. Dem wiederum passte das so gar nicht in den Kram und zog kurz vor dem ersten Rennen vor Gericht, um sich in das Cockpit einzuklagen. Ein australisches Gericht gab dem Niederländer Recht: Sauber muss van der Garde beim Rennen einsetzen oder die Autos werden beschlagnahmt. Sauber wiederum fand dieses Urteil nicht ganz so prickelnd, wie der Niederländer, hatte diese bisher keine Minute im Simulator oder im Auto verbracht. Ein Kaltstart könnte einiges ruinieren. Also wollte man dem verstoßenen Testfahrer zeigen, wie man zu ihm steht. Als van der Garde schließlich die Box betrat, verließ die komplette Crew erst einmal diese.

Van der Garde wiederum hatte Einsicht und verzichtete dann freiwillig auf das Cockpit beim Grand Prix von Australien. Er wollte sich dann doch nicht ganz mit dem Team verkrachen. Kurz nach dem GP wurde bekannt gegeben, dass sich van der Garde und Sauber nun außergerichtlich geeinigt hatten. Mit einer kleinen Zahlung von 15 Millionen versuchte man nun van der Garde aus dem Vertrag zu kaufen. Eine nette Gage, die sich dieser nicht nehmen ließ. Somit ist das Thema Formel 1 für van der Garde erledigt. Die DTM und Le Mans klingen reizvoll. Sauber darf stattdessen mit Nasr und Eriksson die Saison bestreiten.

Ja, die Zeiten in der Formel 1 sind wahrlich nicht leicht. Da muss man um jeden Cent kämpfen. Paydriver, also Fahrer, die nicht unbedingt mit Können, wohl aber mit Sponsoren ein Cockpit bekommen, sind schon lange keine Seltenheit mehr. Dass diese oftmals mehr schlecht als recht fahren, ist auch kein Insiderwissen. Doch die Geschichte mit van der Garde und Sauber hat diese Thematik auf ein neues Level gehoben. Getrieben vom Überlebenskampf und den Millionen, werden einfach Verträge missachtet, um zahlungskräftigere Fahrer zu verpflichten. Zugegeben: Nasr hat beim Debüt in Australien eine sehr gute Figur gemacht.

Dennoch gilt auch hier, dass sich Teams und Fahrer an Verträge zu halten haben. Ansonsten könnte man auch gleich bei Ebay das Cockpit anbieten und dem meistbietenden zur Verfügung stellen. Es ist legitim, Paydriver unter Vertrag zu nehmen. Allerdings nicht, wenn dadurch geltende Verträge außer Kraft gesetzt werden. Dann muss man sich eben im Vorfeld Gedanken machen, ob man einem Fahrer ein Cockpit zusichern kann oder nicht. Aber nicht dann kurzerhand anderweitig vergeben. Vielleicht zeigt diese Beispiel den Verantwortlichen, dass es einer Reform in der Formel 1 bedarf. Die Kosten sind nur noch auf diese Art und Weise zu decken. Die Folge ist ein Chaos, welches nicht nur Fahrern und Teams schadet, sondern auch der Rennserie.

Mittwoch, 25. März 2015

Biathlon: Doch keine Krise

Nach dem Debakel bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotchi, haben viele dem deutschen Biathlon schlechte Zeiten prognostiziert. Die Leistungsträger, vor allem bei den Damen, haben ihre Karriere beendet. Was folgt ist nicht konkurrenzfähig. Beim Rückblick auf die vergangene Saison hat sich aber gezeigt, dass all diese Spekulationen widerlegt worden sind.

Damen
Vielen dürfte noch die Ergebnisse von Sotchi im Kopf sein. Keine einzige Medaille. Hinzu mit Evi Sachenbacher-Stehle ein Dopingfall. Mit Andrea Henkel und Magdalena Neuner hatte der Biathlon die Identifikationsfiguren verloren. Ein Tiefpunkt schien erreicht zu sein. Doch was das Team von Bundestrainer Gerald Hönig in der vergangenen Saison gezeigt haben, war Biathlon auf höchstem Niveau.
Allen voran Franziska Hildebrand. Die "Älteste" im Team war die ganze Saison über konstant. Nur in wenigen Ausnahmen verpasste sie den Sprung unter die besten 10 bzw. 15. Nur mit dem Podest wollte es erst gegen Mitte der Saison klappen. Am Ende belegte sie Rang 5 im Gesamtweltcup.
Doch auch dahinter drängen sich die "jungen" Athletinnen vor. Vor allem Laura Dahlmeier, die zwei Weltcupsiege und 6 Podestplätze feiern konnte, und Franziska Preuß, die drei Mal auf dem Podium stand und sich zudem noch die kleine Kristallkugel im Massenstart sicherte.
Aber auch Vanessa Hinz und Luise Kummer zeigten sich immer wieder in der Staffel als verlässliche Athletinnen. Hinzu kommt, dass das Team insgesamt noch sehr jung ist und damit enormes Potential für die Zukunft hat.
Wie souverän diese Mannschaft aber sein kann, hat man bei der WM in Kontiolahti gesehen. So holte Dahlmeier in der Verfolgung und Preuß im Massenstart die Silbermedaille. Gekrönt wurde die Teamleistung durch eine überlegene Goldmedaille in der Staffel. Womit vermutlich die wenigsten vor der Saison gerechnet haben. Vor allem nicht, dass diese Mannschaft nicht punktuell, sondern konstant gute Leistungen brachte. Als Anerkennung für eine gute Trainerarbeit folgte schließlich der Sieg in der Nationenwertung.
Doch auch im unterklassigen IBU-Cup zeigten die deutschen Athletinnen immer wieder ihre Leistungen. Mit Tina Bachmann (1 Sieg), Miriam Gössner (3 Siege) und Karolin Horchler (4 Siege) war Deutschland hinter Russland die dominierende Nation. Bleibt eben nur offen, in wie weit diese Athletinnen an den A-Kader herangeführt werden können. Vor allem bei Gössner hat man doch immer wieder im Schussbereich Defizite erkannt.
Dennoch dürften damit die Kritiker (vorerst) verstummt sein. Das Team hat sich sowohl individuell, als auch im Kollektiv stark präsentiert und dürfte auch auf Zukunft hin in der Liga der Weltklasseläuferinnen mithalten können.

Herren
Bei den Herren war die Ausgangslage nicht ganz so desolat. Immerhin holten Erik Lesser, sowie das Team die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen.
Dennoch war hier die Leistungsdichte nicht ganz so stark, wie bei den Damen. Zumindest, was die Platzierungen im Gesamtweltcup betreffen. Dennoch konnten Simon Schempp (3), Erik Lesser (1) und Arnd Peiffer (1) Weltcupsiege erreichen. Schempp kämpfte lange Zeit sogar noch um den Gewinn des Gesamtweltcups. Musste aber nach seinen drei Siegen, sowie zwei zweite Plätze in Folge Rückschläge in Kauf nehmen. Genau beim Saisonhöhepunkt, der WM, konnte er nicht die Leistung abrufen, die er in Normalform bringen kann.
Hinter den dreien erwies sich Daniel Böhm als konstanter Läufer. Zudem mach Benedikt Doll mit seinen Podestplätzen am Ende der Saison Hoffnung auf weitere, große Leistungen in der Zukunft.
Einzig Andreas Birnbacher lief der Form vergangener Tage hinterher und musste gar bei der WM krankheitsbedingt aufgeben.
Hier zeigte sich aber, dass es in Deutschland immer wieder Athleten gibt, die in der Lage sind, um Medaillen zu kämpfen. So war der Weltmeistertitel von Erik Lesser keine Überraschung. Weiterhin zeigte sich, dass sich die DSV-Athleten auch als Team präsentieren konnten, in dem sie, wie die Frauen, Gold in der Mannschaft holten. Beide Goldmedaillen waren Balsam für die geschundene Biathlonseele.
Am Ende war nur Norwegen als Nation stärker. Dennoch hat sich gezeigt, dass das Team ebenfalls gut für die Zukunft aufgestellt ist. Vor allem Simon Schempp entwickelt sich von Jahr zu Jahr zu einem Athlet, der auch den Gesamtweltcup gewinnen kann. Arnd Peiffer lief in der vergangenen Saison ein wenig der Form hinterher, kann sich aber ebenfalls, neben Erik Lesser, in der Top 10 etablieren. Benedikt Doll dürfte ein Mann für die Zukunft sein.

Damit wurden in beiden Bereichen gezeigt, dass Deutschland immer noch zur Weltspitze des Biathlon gehört. Der große Kollaps blieb aus. Stattdessen wurden starke Teams zusammengestellt. Die Trainer hatten das richtige Händchen, auch was die Vorbereitung betrifft. Läuft alles normal und geplant, dürfte das Leistungsniveau auch in der kommenden Saison gehalten, wenn nicht sogar gesteigert werden.

Am Ende muss und darf man aber auch noch ein Wort für die Personen hinter den Kulissen verlieren. Allen voran Andreas Stitzl, seineszeichen leitender Disziplintrainer der Herren und wohl schillerndste Persönlichkeit auf der Strecke. Kaum ein Trainer ist so euphorisch und treibt die Athletinnen und Athleten so an. Manchmal einfühlend und motivierend, manchmal schreiend und energisch. Ein Mann, der auch für einen Unterhaltungswert sorgt.
So teilte er Lesser dessen Vorsprung und den damit (fast sicher) gewonnen WM-Titel mit folgenden Worten mit: "Das ist so geil. Die sind noch nicht mal am Berg. Noch nicht mal unten." Gefolgt von einem Jubelschrei, der wohl im ganzen finnischen Kontiolahti zu hören war.
Ein Eindruck, der auch das folgende Video gut vermittel:
https://www.youtube.com/watch?v=0Eu6XXVzD8c

Dienstag, 24. März 2015

Skispringen: Früchte jahrelanger Arbeit

An diesem Wochenende ging die Saison 2014/15 im Skispringen zu Ende. Und nicht unerfolgreich, wenn man sich die Bilanz des DSV anschaut. Daher sei hier an dieser Stelle auch ein Rückblick gestattet. Denn trotz zahlreicher Erfolge, hatten sich doch auch immer wieder Schwächen gezeigt.

Tops
Severin Freund
Zugegeben: Am Ende hatte er es spannender gemacht, als es hätte sein müssen. Dennoch war die Saison mehr als nur erfolgreich für den deutschen Vorzeigespringer: Gesamtweltcup, Weltmeister, deutscher Skiflugrekord. Einzig bei der Vierschanzentournee wollte es erneut nicht klappen. Doch spätestens bei der WM in Falun war auf Freund Verlass. Zu Beginn ganz knapp Gold von der Normalschanze verpasst. Danach Gold im Mixed. Und schließlich Gold von Großschanze mit über 22 Punkten Vorsprung auf Rang 2. Lediglich im Teamwettbewerb gab es keine Medaille, was aber weniger an der Leistung Freunds lag, als vielmehr an den Schwächen seiner Teamkollegen. Mit schließlich 4 Siegen in Folge auf der Skandinavientour, bracht er sich in eine gute Ausgangslage für den Gesamtweltcup, den er aber Oslo auch anführte. Knapp wurde es dann in Planica, beim abschließenden Skifliegen, weil Konkurrent Peter Prevc besser mit der Schanze klar kam. Am Ende waren beide Punktgleich. Da Freund mehr Siege aufweisen konnte (9:3) konnte er sich nach Martin Schmitt und Jens Weißflog als dritter deutscher Springer den Gesamtweltcup gewinnen. Wenngleich früher als geplant. Mehr geht fast nicht in einer Saison. Damit dürfte Freund endgültig bewiesen haben, dass er die Nerven behalten kann und nicht schwächelt, wenn es darauf ankommt. Auch im nächsten Jahr dürfte er um die große Kristallkugel wieder ein Wörtchen mitreden. Allerdings hat da vor allem Peter Prevc entschieden etwas dagegen.

Carina Vogt
Nicht nur bei den Herren ist der DSV in der Weltspitze vertreten. Vor allem Carina Vogt unterstreicht Jahr für Jahr, dass der DSV auch bei den Damen nicht nur ein Wörtchen mitredet. Wie schon bei den Olympischen Spielen in Sotchi, war sie auch in diesem Jahr wieder da, wenn es darauf ankommt, nämlich rechtzeitig zur WM. Mit zwei Mal Gold in zwei Wettbewerben ging nicht mehr. Vor allem im Einzelspringen zeigte sie, dass sie, im Gegensatz zur im Weltcup dominierenden Konkurrenz, keine Nerven und brachte nicht nur zwei weite, sondern auch zwei stilistisch schöne Sprünge nach unten. Genau gleiches lieferte sie auch dann im Mixedwettbewerb ab. Hinzu kommt, dass sie im Weltcup ihre ersten beiden Weltcupsiege feiern konnte. Am Ende belegte sie dort Rang 3. Takanashi, vor allem aber Iraschko-Stolz waren da in diesem Jahr einfach zu stark. Doch zur nächsten Saison werden die Karten neu gemischt. Vielleicht schreibt sie erneut Geschichte, wenn sie die erste deutsche Gesamtweltcupsiegerin wird.

Teamleistung
Michael Neumeyer kann sich noch erinnern. An die Saison 2001/2002. Damals waren noch Sven Hannawald, Martin Schmitt, Michael Uhrmann, Stephan Hocke, Christoph Duffner, Jörg Jäckle und eben Neumeyer im Kader des DSV. Damals konnten besagte Springer zum ersten Mal die Nationenwertung für Deutschland gewinnen. 13 Jahre später findet sich aus diesem Kader nur noch Neumeyer im Aufgebot. Und ist damit wieder Teil eines Teams, welches die Nationenwertung für sich entscheiden kommen. Die Phalanx aus Österreich und Norwegen wurde besiegt. Was auch zeigt: Hinter Severin Freund ist nicht Schluss. Richard Freitag (mit immerhin zweifacher Sieger in der Saison), Marinus Kraus, der wiedergenesene Andreas Wellinger, Markus Eisenbichler. Selbst Stephan Leyhe und Andreas Wank sammelten immer wieder fleißig Punkte für den DSV. Zwar ging den Adlern gegen Ende der Saison ein wenig die Luft aus. Trotzdem behauptete man den Vorsprung vor Norwegen. Diese Leistung ist der Lohn für die Arbeit, die Werner Schuster begonnen hatte. Sukzessive hat er ein Team aufgebaut, welches dieses Ziel erreichen konnte. Am Ende fanden sich immerhin 5 Springer unter den besten 22 Springer der Welt. Ein Ende dürfte nicht in Sicht sein.


So lala
Richard Freitag
Gold im Mixed, zwei Tagessiege. Aber auch zahlreiche schwächere Leistungen. Richard Freitag zeigte wenig Konstanz, dafür aber große Schwankungen im Laufe der Saison. Bei der WM hatte man ihn schon auf der Streichliste, zeigte aber dennoch seine Leistung. Auch mit Rang 7 von der Normalschanze und Rang 15 von der Großschanze. Dann gab es aber immer wieder enttäuschende Platzierungen. Freitag hat nicht immer das abgerufen, was er zu leisten im Stande wäre. Für den Sommer müssen Werner Schuster und Co. die Schwachstellen finden und ausmerzen. Dann ist Freitag auch weiterhin ein Kandidat für die Top 10 der Welt. Aber nur, wenn diese Konstanz auch gefunden wird. Das Potential ist schließlich vorhanden.

Teamleistung
Sowohl ein Top, als auch nur Mittelmaß? Genau. Denn die Nationenwertung zeigt lediglich, dass die Mannschaft das Jahr über gut gepunktet hat. Was man auch an Hand zweier Teamsiege im Weltcup sehen kann. Dennoch zeigte die Mannschaft immer wieder Schwächen. Bei der WM war das Team deutlich hinter dem Anspruch geblieben. Am Ende sprang keine Medaille heraus. Ein wenig schwach für den Olympiasieger. Auch beim abschließenden Skifliegen war die Mannschaft mit Rang 6 nicht wirklich vorne dabei. Nicht immer konnte dabei die zweite Reihe überzeugen. Neumeyer, Eisenbichler, stellenweise auch Freitag verloren zu viel auf die Konkurrenz. Kraus war außer Form, Wellinger musste nach seiner Verletzung erst wieder heran geführt werden. Können diese Rückstände kompensiert werden, springen beim nächsten Mal auch wieder Medaillen heraus. Wie die Goldmedaille im Mixed. Dazu braucht es keine vier Ausnahmeathleten. Sondern vier, die gute Leistung bringen und als Team gemeinsam Punkte erzielen.

Teamleistung II
Eben habe ich mich um die Herrenabteilung gekümmert; nun soll die der Damen folgen. Denn hinter Carina Vogt sieht es doch ein wenig mau aus. Die übrigen "Adlerinnen" sind zwar durchgehend unter den besten 30 bei Springen zu finden. Allerdings eher um die Plätze 15 bis 30. Dennoch belegte die Mannschaft um Trainer Andreas Bauer in der Nationenwertung den dritten Rang. Juliane Seyfahrt (15.) und Katharina Althaus (13.) waren, neben Vogt, auch im Gesamtweltcup unter den besten 15 vertreten. Hinzu kommt, dass die Mannschaft an sich noch recht jung ist, genau wie die Sportart selbst. Deshalb darf der DSV nicht den Fehler machen und mögliche Förderungen einstellen. Bauer und sein Team müssen weiterhin einen Etat zur Verfügung gestellt bekommen, um am Team arbeiten zu können, sodass sich hinter Vogt vielleicht weitere Siegspringerinnen finden.

Flops
Vierschanzentournee
Und wenn die bekannten Gesichter keine Leistung bringen, kommt eben aus der zweiten Reihe etwas nach. Dieser Satz dürfte wohl ziemlich gut ausdrücken, was Österreich bei diesem Event von Jahr zu Jahr macht. Schlierenzauer und Vorjahressieger Diethard waren außer Form. Also kämpften Hayböck und Kraft um den Titel. Seit sieben Jahren kommt der Gewinner aus dem Nachbarland. Seit dem Gewinn von Sven Hannwald (2001/02 mit 4 Siegen) konnte kein Deutsche mehr gewinnen. Die Ambitionen sind von Jahr zu Jahr hoch. Und trotzdem will es nicht so recht klappen. Werner Schuster meinte zum Saisonabschluss, dass es vielleicht gar nicht verkehrt ist. Vielleicht waren die Erfolge im Laufe der Saison nur durch diesen Misserfolg möglich. Zudem hätte man jetzt weiterhin ein Ziel. Dennoch will es einfach nicht klappen. Auch wenn Richard Freitag in Innsbruck gewinnen konnte. Mit der Gesamtwertung haben die deutschen Adler wenig zu tun. Dieses Ziel sollte unbedingt angegangen werden.

Medienumgang
Sportler und Medien sind nicht immer die größten Freunde. Die Journalisten treffen nicht immer den richtigen Ton, wählen schlechte Fragen, der Springer ist nicht gut gelaunt. Viele Komponenten spielen da eine Rolle. Und zwar von beiden Seiten. Dennoch sollte ein gewisser, fairer Umgang mit den Medien von Seiten der Sportler gewahrt werden. Zwei Aspekte sind mir in Erinnerung geblieben.
Zum Einen war das Juliane Seyfahrt. Nämlich als Andreas Bauer bekannt gab, dass die im Einzel schlechter platzierte Katharina Althaus im Mixed springen darf. Nicht Seyfahrt. Diese wiederum nahm diese Enttäuschung zum Anlass, um ihre Wut in den sozialen Netzwerken kund zu tun. Sie hätte gezeigt, dass sie die klare Nummer 2 im Team ist. Eine interne Schlammschlacht kann beim DSV niemand gebrauchen. Am Ende hat sich gezeigt, dass Bauer das richtige Händchen hatte. Ob es mit Seyfahrt auch zu Gold gereicht hätte, bleibt Spekulation. Im Sport gehören solche Entscheidungen dazu.
Doch auch die Männer haben sich nicht immer mit Rum bekleckert. Markus Eisenbichler verweigert nach schwachen Sprünge gerne das Interview oder versucht Dinge schön zu reden. Michael Neumeyer besteht vehement darauf, dass seine Nominierungen gerechtfertigt sind und er in das Team gehört. Auch wenn die Leistung nicht immer stimmt. Klar, beim Teamwettbewerb lief vieles nicht rund. Dennoch sollte man als Sportler auch in der Lage sein, schwache Sprünge als solche zu erkennen und nicht versuchen, diesen Sprung noch gut zu reden. Dafür gibt es keine Punkte von der FIS.
Allerdings gehört dieser Punkt eher zu den Nebensächlichkeiten. Denn am Ende ist das doch eher Kritik auf ganz hohem Niveau. Betrachtet man die Leistung des DSV, sowohl bei Herren, als auch bei Damen, wird man feststellen, dass die richtigen Flops in dieser Saison ausgeblieben sind.

Perspektive
Nach der Saison ist vor der Saison. Und das gilt auch für drei Springer, die aus unterschiedlichen Gründen nicht auf dem Level waren, was sie im Normalfall haben. Zum Einen war das der verletzte Andreas Wellinger. Es war schon fast ein Wunder, dass er rechtzeitig zur WM wieder fit wurde. Und ab da zeigte er, dass er dennoch im Konzert der Großen bestehen kann. Der DSV machte hier alles richtig und schonte den Springer, um ihn nicht zu verheizen. Wellinger ist noch jung. Dem gehört die Zukunft. Und diese beginnt schon nächste Saison, wenn er wieder voll angreifen wird.
Gleiches gilt, hoffentlich, auch für den eher formschwachen Marinus Kraus. Der Teamolympiasieger brachte auch nicht immer das auf die Bretter, was er eigentlich leisten konnte. Allerdings sehe ich ihn immer noch als festen Bestandteil der Mannschaft. Ein wenig Aufbauarbeit im Sommer, und Kraus kann im Winter zu den Top 15 gehören.
Und bei noch einem muss der DSV Aufbauarbeit leisten. Andreas Wank, ebenfalls Teamolympiasieger, hing ebenfalls seiner Form hinterher. Regelmäßiges Ausscheiden nach dem ersten Durchgang ließen die Versetzung in den Kontinentalcup folgen. Zu wenig für Wank, der im Normalfall auch im ersten Glied mitspringen sollte.
Ich bin aber zuversichtlich, dass Werner Schuster und Co. die richtige Arbeit leisten werden, sodass die DSV-Adler auch im nächsten Winter wieder voll angreifen und um Titel mitspringen können.

Freitag, 20. März 2015

Sportjournalisten auf Abwegen

Zugegeben: Sportjournalisten haben es nicht einfach. Nicht immer treffen sie den richtigen Ton und legen sich damit schon mal mit Sportlern und Verantwortlichen an. Dennoch darf und muss (konstruktive) Kritik auch angebracht werden. Auch an Beiträgen der Journalisten.

Sportarten in Deutschland haben es schwer. Im allgegenwärtigen Fußball Sendezeit zu bekommen, wird vor allem für Randsportarten immer schwerer. Wenn es nicht sogar ein Ding der Unmöglichkeit wird. Da freut man sich schon über jede Sendeminute, die frei wird.

Wer in den letzten Monaten am Wochenende durch die Programme gezappt hat, dürfte bei der ARD und dem ZDF immer wieder festgestellt haben, dass dort stundenlang Wintersport gezeigt wird. Die Übertragungen fangen meist schon morgens, gegen 9:00 Uhr an, und enden dann, je nach Wettkampf, am Abend. Natürlich rechtzeitig vor der Sportschau um 18:00 Uhr.

In einem Beitrag in einer Zeitung hat sich dazu nun ein Journalist geäußert. Es wird zu viel Wintersport übertragen. Andere Sportarten, wie Springreiten, kämen hier deutlich zu kurz und würden keine Berücksichtigung bei den Programmplanern finden. Deshalb wäre es nur von Vorteil, wenn entsprechende Beiträge im Wintersport zu Gunsten anderer Sportarten gekürzt werden würden.

Im Ansatz ist der Gedanke an sich nachvollziehbar. Insbesondere durch den WM-Titel in Brasilien dürften die Nachwuchsmannschaften im Fußball zahlreiche neue Spieler bekommen. Der Fußball ist so präsent, wie vermutlich noch nie. Immer mehr Kinder möchten ihren Stars nacheifern und diesen Sport betreiben. Dabei bleiben dann Handball, Basketball, Eishockey, Leichtathletik und Co. auf der Strecke. Wie will man also Kinder und Jugendliche für einen Sport begeistern, der im TV kaum gezeigt wird? Dabei haben es Handball und Leichtathletik noch verhältnismäßig einfach, weil diese Sportarten regelmäßig live zu sehen sind. Sportarten, die nun noch weiter in den Randbereich rutschen, fallen komplett aus diesem Raster raus. Ich denke da unter anderem an Tischtennis, wo wir mit Timo Boll und Dimitri Ovtcharov zwei weltbekannte Spieler in den eigenen Reihen haben. Da ist der Nachwuchs dann eben nicht so reichlich gesät, als in anderen Sportarten.

Dennoch wird hier ein Problem aufgegriffen, welches bei diesem Blick auf die Lage nicht angesprochen wird. Es geht auch hier um Sportarten, die um Sendezeit gekämpft haben. Ich rede hier nicht von Biathlon, den alpinen Skidisziplinen und Eisschnelllauf. Diese Sportarten haben sich seit Jahrzehnten im Programmplan etabliert und sind auch nicht mehr weg zu denken. Insbesondere, wenn es erfolgreiche, deutsche Athletinnen und Athleten gibt.

Blickt man nun auf den Programmplan der beiden Sender, wird man aber daneben noch andere Sportarten finden, die nicht zu den bekanntesten Sportarten im Wintersport gehören. Skicross, Snowboard, Frauen-Skispringen, um mal drei Beispiele zu nennen. Alle drei Sportarten haben es geschafft, dass sie Sendezeit bekommen. Endlich bekommt ein Andi Schauer, eine Amelie Kober oder eine Carina Vogt auch Präsenz und können auf der Jagd nach Siegen vor dem heimischen Fernsehgerät unterstützt werden. Wenn man sich diese Sportarten mal anschaut, wird man auch feststellen, dass diese auch ihre Berechtigung im Sendeplan haben. Auch wenn es meist nur Zusammenfassungen sind, sind die Wettbewerbe oftmals spannend und abwechslungsreich. Zudem sind die deutschen Vertreter auch in der Weltspitze vertreten.

Trotzdem haben diese drei auch gemein, dass sie immer noch hinter Biathlon, Skispringen der Herren oder dem Eisschnelllauf stehen. Die Popularität hält sich, trotz Olympiasiege, in Grenzen. Würden nun die Sender auf besagten Vorschlag eingehen, würden sicherlich nicht die bekannten Sportarten darunter zu leiden haben, sondern genau jene weniger bekannte. Die Arbeit von Jahren wäre dahin. Kinder und Jugendliche würden nicht auf den Sport aufmerksam werden und es gäbe ein Nachwuchsproblem.

Sicherlich darf und soll man sich Gedanken machen, was denn wie lange im TV gezeigt wird. Braucht es wirklich die Regionalliga im Fußball live oder warum wird die WM der Volleyballer nicht gezeigt?

Dennoch darf hier nicht so leichtfertig mit Sportarten umgegangen werden, die endlich auch in den Fokus rücken können und damit versuchen, die Zuschauer und Sponsoren zu überzeugen. Und diese in einem Beitrag so anzugehen, schießt aus meiner Sicht ein wenig an der Sache vorbei. Diese Sportarten dürfen nicht zu Gunsten anderer Randsportarten geopfert werden. Da sollte man sich dann auch mal als Journalist hinterfragen, wo man eigentlich hin möchte. Wintersport muss einem nicht gefallen. Aber man sollte doch den Sport im Gesamten betrachten und nicht auf einzelne Disziplinen, die einem gerade nicht in den Kram passen, reduzieren.