Montag, 24. März 2014

Eine kleine Person, ganz groß

Andrea Henkel gehörte zwar nie zu den Sportlern, die im Licht der Öffentlichkeit standen. Trotzdem war die kleine Frau aus Oberhof über Jahre hinweg eine der besten ihrer Zunft, was nicht nur ihre außerordentliche Titelsammlung zeigt. Nun beendet sie nach 19 Jahren Profisport ihre Karriere. Grund genug, um diese nochmals Revue passieren zu lassen.
  
Ihren ersten Weltcupeinsatz hatte sie im Jahre 1995. Doch erst zur Saison 1998/1999 konnte sich die vierfache Junioren-Weltmeisterin einen Platz im Weltcup-Team sichern. Allerdings war diese Saison von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Neben mehreren Top-Ten-Plätzen, stehen Wochenende zu Buche, an denen sie keinen einzigen Punkt holen konnte. Am Ende belegte sie trotzdem Rang 14 im Gesamtweltcup.

Der endgültige Durchbruch in die Weltspitze sollte schließlich eine Saison später erfolgen. Nach einem mäßigen Start in den Weltcup-Winter, platzte schließlich im Dezember der Knoten. In Pokljuka feierte sie ihren ersten Weltcup-Sieg. Ein weiterer sollte in Antholz im Januar folgen. Am Ende belegte sie Rang 5 im Gesamtweltcup und holte 15 Platzierungen unter den besten 10. Diesen Platz konnte sie im nächsten Jahr erneut im Gesamtweltcup sichern.

Der große Stern ging dann endgültig bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City auf. Mit Gold im Einzel und in der Staffel holte sie gleich zwei Goldmedaillen. Doch so schnell ein Stern aufgeht, so schnell kann er auch wieder verblassen. Nach dem Hoch, folgte ein Tief über mehrere Jahre. Zwischen dem Sieg in Salt Lake City und dem nächsten Erfolg lagen über 3 Jahre. Kein Podestplatz zwischen 2002 und 2004; insgesamt nur 8 Top-Ten-Platzierungen waren zu wenig.

Allerdings kein Grund aufzugeben. Stattdessen kämpfte sich Henkel sukzessive zurück. Die Erfolge kamen zurück. Es folgten ein vierzehnter und ein siebter Rang im Gesamtweltcup mit 4 Podestplatzierungen und 17 Mal in den Top-Ten.
In der Saison 2006/2007 sollte der Stern heller strahlen als bisher. Mit 6 Siegen, 3 zweiten und 2 dritten Plätzen, sowie 20 Top-Ten-Platzierungen sicherte sich Henkel den Gesamtweltcup-Sieg in einem letzten dramatischen Rennen in Chanty-Mansijsk. Henkel war zurück in der Weltspitze. Bis zu ihrem Karriereende sollte sie im Gesamtweltcup immer unter den besten zehn bleiben.
Athletinnen kamen, Athletinnen gingen. Doch Henkel war immer dabei. Selbst in einer Phase, in der der deutsche Frauen-Biathlon fast am Boden war, hielt Henkel die Flagge nach oben. Zeigte weiterhin konstante Leistung.

Sie war nicht der Typ, den die Firmen als Markengesicht buchen wollten. Trotzdem war sie eine der erfolgreichsten Biathletinnen.
Insgesamt 22 Einzelsiege, dazu 24 mit der Staffel. 37 zweite und dritte Plätze; 186 mal in den Top Ten. Ihre Trefferquote beim Schießen beträgt in der Summe (über 16 Saisons) 85,3%. Dazu war sie in jeder Disziplin bei Weltmeisterschaften auch Weltmeisterin. Insgesamt holte sie 16 Medaillen bei Weltmeisterschaften und 4 bei Olympischen Spielen.

Mit Andrea Henkel geht eine der erfolgreichsten Biathletinnen von Bord. Damit wäre die Ära der Vancouver-Staffel von 2010 endgültig beendet.
Beendet wurde sie aber in einem entsprechenden Rahmen. Nicht nur, dass ihr letztes Rennen am legendären Holmenkollen stattfand. Auch ein überdimensioniertes Plakat ihrer alten Weggefährtinnen Kati Wilhelm, Uschi Disl, Martina Beck (ehemals Glagow) und Simone Hauswald (ehemals Denkinger) wurde an der Zielankunft aufgehangen. Mit Platz 12 erreichte sie erneut einen Platz unter den besten 15. Am Ende wurde sie mit Sekt und einer Krone in den Ruhestand verabschiedet.

Natürlich könnte man mehr schreiben über sie. Natürlich könnte man ausführlicher berichten. Allerdings würde dies vermutlich den Rahmen sprengen. Darum soll es hier auch gar nicht gehen. Vielmehr soll dieser Artikel eine der erfolgreichsten, deutschen Biathletinnen würdigen, die über Jahre hinweg Leistung gezeigt hat. Und das, obwohl es immer wieder andere mediale Gesichter gab, die mehr Aufmerksamkeit erhielten, als sie. Auch nach Tiefen gab sie nicht auf und kämpfte weiter. Bis zum Schluss war sie in der Weltspitze vertreten. Ob sie ein Loch hinterlässt, ist schwer zu sagen. Man muss in der nächsten Saison schauen, wo der Frauen-Biathlon steht. Was sie hinterlässt, sind aber große Fußspuren.

Sie wird nun Deutschland den Rücken zuwenden, um nach Lake Placid in den Vereinigten Staaten auszuwandern, um dort gemeinsame Zeit mit ihrem Lebensgefährten Tim Burke (ebenfalls Biathlet) zu verbringen. Fischen steht ganz oben auf der Liste der Dinge, denen sie nachgehen möchte. Vielleicht wird man sie aber auch ab und zu wieder im Biathlon-Zirkus sehen. Dann allerdings hinter den Kulissen.

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